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„Ich Europa“ eine neue Premiere im Schauspiel Dortmund – ein Theaterstück zum Außenblick auf Europa

Friederike Tiefenbacher auf Zeus, dem Stier und Uwe Schmieder aus dem Ensemble von „Ich Euopa“. Fotos: Birgit Hupfeldt

Von Gerd Wüsthoff

Wie wird Europa von außen gesehen? Das Schauspiel Dortmund wagt wieder etwas Neues. Elf AutorInnen aus neun Ländern begaben sich auf ihre persönliche Spurensuche und verfassten Texte für elf SchauspielerInnen. Auf der Bühne wird am Samstag, 13. Oktober 2018, die gemeinsame Geschichte von Okzident und Orient aus persönlichen Blickwinkeln beleuchtet. Schon der Name „Europa“ zeigt seinen Ursprung – es ist der Name einer phönizischen Prinzessin, die von Zeus nach Kreta entführt wurde. Wie auch die Zivilisation an sich im „Fruchtbaren Halbmond“ im Mittleren Orient überhaupt entstand.

Perspektivenwechsel statt nationalistisch-überheblicher Bauchnabelschau

Uwe Schmieder und Björn Gabriel

Der Theaterabend „Ich Europa“ lädt zu Perspektivenwechseln ein, weck von der überheblichen Betrachtung des eigenen Bauchnabels. Das Europa von Heute ist das Produkt des Nationalismus aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es ist unter Schmerzen neu entstanden, bzw. neu definiert worden.

Bis zum entstehen des Nationalismus und mit ihm, dem Kolonialismus, bestand entlang der seit vorschriftlicher Zeit bestehenden Handelswege ein regelmäßiger, intensiver kultureller und materieller Austausch von Nord- und West-Europa zum Mittelmeerraum, Nordafrika und weit nach Asien.

Die hier als „Arabische Zahlen“ bezeichneten Ziffern stammen ursprünglich aus Indien. Europa übernahm sie von den Arabern. Das europäische Wissen, Technik und Philosophie wurden durch die im arabischen, islamischen Raum gesicherten antiken Schriften nicht nur über Al Andalus (700 Jahre arabischer Herrschaft und kulturellem Austausch in Spanien) nach Europa gebracht. Sie bildeten die Basis für Europas moderne Technologie. Europas Fehler: Es werden -wenn überhaupt – die Griechen und Römer als Urheber gewürdigt, nicht aber die Sicherung des Wissens in Arabien, oder gar dessen Weiterentwicklung.

„Ich Europa“ bringt den ZuschauerInnen die aktuellen Sichtweisen „der Anderen“ genau auf das Europa, das heute existiert. Hier die Selbstverständlichkeit von Wohlstand, Freiheit, Demokratie und Sicherheit. Ein Ideal, das von Außen als glänzendes Paradies gesehen wird. Hier wird es leider zu wenig beachtet und „umsorgt“. In den Herkunftsländern der AutorInnen, deren Herkunft auf dem Balkan oder im Nahen Osten liegt, wird genau dieses – sich zunehmend abschottende – Europa als glänzende Hoffnung gesehen.

Unser Kopf ist rund, damit sich die Richtung des Denkes ändern kann

Bettina Lieder

An „Ich Europa“ haben der Regisseur Marcus Lobbes und die Dramaturgen Michael Eickhoff und Matthias Seier zweieinhalb Jahre Vorarbeit investiert.

Noch während der Probenzeit entsteht das Bühnenstück in der gemeinsamen Arbeit und Dialog zwischen Regie, Dramaturgen, den elf AutorInnen und den SchauspielerInnen. Das neue Stück „Ich Europa“ wird die ZuschauerInnen die Diskrepanz zwischen Selbstsicht und Fremdwahrnehmung vorführen.

„Ich Europa“ wird den ZuschauerInnen vorführen, warum unser Kopf rund ist wie ein Kompass – damit wir die Richtung unseres Denkens neu ausrichten können. Am besten immer im Sinne von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie. Denn diese unveräußerlichen Rechte sind nicht auf weiße Europäer beschränkt.

In den Texten von „Ich Europa“ stellt sich die Figur Europa elf Mal, dargestellt durch elf Ensemble Mitglieder des Schauspielhauses, aus der Sicht der AutorInnen dar. Wo verlaufen die Trennungslinien zwischen Orient und Okzident? Was eint das Morgen- und das Abendland? Wo verschwimmen Nah und Fern? Auf der Bühnen setzt sich ein bild- und wortgewaltiges Panorama in Gang. Zum einen geht es um die über über 1.400 Jahre währende Liebes- und Leidensgeschichte zwischen Morgen- und Abendland. Zum Anderen wird die Gegenwart beleuchtet mit all den Krisen und Fragen, Träumen, Erinnerungen, Zerrbildern und Grenzerfahrungen.

Europa hat eine gemeinsame Geschichte, Differenzen und eine Vielfalt an Standpunkten

Alexandra Sinelnikova und Uwe Schmieder

Wo Steht Europa? Lobbes inszeniert ein transkontinentales Aufeinandertreffen von Meinungen, Differenzen, vielfältige Standpunkte, Beobachtungen, Spurensuchen und gemeinsamer Geschichte. Der Regisseur und das Ensemble schaffen einen berührenden und nachdenklichen Abend. Die Texte selber changieren zwischen den Puls von Europa fühlend bis zum wütenden Messer auf der Brust.

Das Bühnenbild stellte zu Beginn der neuen Produktion ein besonderes Thema dar, denn dieses wird im Theaterbetrieb auch zum Text und Thema passend erstellt. Für „Ich Europa“ war aber zu dem Zeitpunkt noch kein „fertiger Text“ vorhanden. Pia Maria Mackert, verantwortlich für das Bühnenbild und die Kostüme, hat jedoch ein treffendes Gesamtbild erschaffen.

T.D. Finck von Finkenstein ist für das Sounddesign von „Ich Europa“ zuständig. Finckenstein ist seit 2015 musikalischer Leiter am Schauspiel Dortmund und entwickelte seither die Musik für zahlreiche Produktionen des Hauses.

Weitere Informationen:

  • Premiere: Samstag, 13. Oktober 2018, 19.30 Uhr
  • Weitere Termine:
  • Samstag, 27. Oktober 2018, 19.30 Uhr
  • Samstag, 17. November 2018, 18 Uhr
  • Sonntag, 18. November 2018, 15 Uhr
  • Sonntag, 25. November 2018, 18 Uhr
  • Mittwoch, 12. Dezember 2018, 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 20. Dezember 2018, 19.30 Uhr

Eintritt:

  • 9 bis 23 Euro

Für Geflüchtete bietet das Schauspiel Dortmund für ALLE Vorstellungen Sonderfreikartenkontingente aus Sponsoring-Mitteln durch die Auslandsgesellschaft e.V. und von Dr. Schlensker & Team GmbH. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Lisa Bunse – lbunse@theaterdo.de

Informationen zum Stück und Karten erhalten Sie unter:

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