Nordstadtblogger

HUNA/K-Festival: Ein freundliches Lächeln als beeindruckendes Statement gegen Krieg und Vertreibung

Yazan Halwani arbeitet mit Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule an dem Bild von Fares Al-Khodor.

Begeistert schaut Yazan Halwani auf das Engagement der Schülerinnen und Schüler aus der Nordstadt. Sie gehen dem 22-jährigen Künstler tatkräftig zur Hand und lassen ein riesiges Wandbild – ein Mural – an der Ecke Münsterstraße/ Westhoffstraße entstehen.

Ein freundlicher Rosenverkäufer als Mahnmal an einer Nordstadt-Fassade

Yazan Halwani arbeitet mit Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule an dem Bild.

Ein freundliches Motiv: Ein strahlender Junge mit Blumen lächelt in Kürze von der Hauswand herab. Eine beeindruckende Mischung aus Street-Art und arabischer Kalligraphie – das Markenzeichen von Yazan Halwani.

Was die Helferinnen und Helfer aus der achten Klasse der Anne-Frank-Gesamtschule noch nicht wissen: Sie zeichnen Fares Al-Khodor.

Der zwölfjährige syrische Flüchtlingsjunge wurde bei einem Bombenangriff getötet. „Wir wollen das mit den Schülerinnen und Schülern in Ruhe besprechen – nicht auf der Straße“, erklärt Klassenlehrerin Svenja Pfeiffer.

Kulturagentin Barbara Müller hat Schule und Künstler zusammengebracht.

Fares Al-Khodor stand für Optimismus und Freundlichkeit

Yazan Halwani möchte dem Jungen ein ehrendes Bedenken setzen. Denn er hatte ihn unweit seines Studios in seiner Heimatstadt Beirut kennengelernt.

Der kleine junge mit dem freundlichen Lächeln verstand es einfach, die Menschen zum Lachen zu bringen.

Jeder kannte den kleinen Blumenverkäufer, der zunächst vor dem Krieg in Syrien geflohen war. Für viele Menschen und Geschäftsleute war er so etwas wie das Maskottchen der Straße. Immer freundlich, immer optimistisch, immer lächelnd.

Der syrische Flüchtlings-Junge wurde bei einem Luftangriff getötet

Yazan Halwani ist der Banksy von Beirut.

Sie vermissten ihn, als der 12-Jährige zurück nach Syrien ging – er wollte wieder die Schule besuchen. Doch am 9. Juli wurde er bei einem Luftangriff in seiner syrischen Heimatstadt getötet.

Die Nachricht seines Todes verbreitete sich in Beirut – einer Stadt, wo jeder vierte ein Flüchtling ist – wie ein Lauffeuer. Auch Yazan Halwani hörte davon und war tief betrübt.

„Viele Menschen haben mich gefragt, ob ich ihn nicht malen könnte“, berichtet der 22-Jährige. Mit 14 begann Halwani mit Graffiti, mit 18 wendete er sich der Street-Art zu.

Im Libanon ist er so bekannt wie „Banksy“ – der Brite ist weltweit mit seiner Kommunikationsguerilla unterwegs und hat auch in der Nordstadt seine Spuren hinterlassen.

Der bekannteste Street-Art-Künstler des Libanon zu Gast in Dortmund

Das Bild von Fares Al-Khodor wird bis zum Wochenende fertig.

Seitdem hat er im Libanon ausgestellt, aber auch in Dubai und Paris sind seine Arbeiten zu sehen. Jetzt malt er den kleinen Blumenverkäufer – in der Dortmunder Nordstadt.

Guy Dermossian, einer der Veranstalter des HUNA/K-Festivals, hat ihn eingeladen. Gemeinsam mit den Kindern lässt er nun das Bild – ein sogenanntes Mural – an der Hauswand unweit des Roxy-Kinos in der Nordstadt entstehen.

Dort beginnt auch am heutigen Donnerstag um 18 Uhr das Festival im Roxy-Kino. Elf Tage lang präsentiert das Festival junge arabische Kunst in der Nordstadt.

Über 20 Künstler, darunter Filmemacher, Performance-, Tanz- und Streetartists aus dem arabischen Raum werden 11 Tage lang in verschiedenen Spielstätten der Dortmunder Nordstadt ihre Filme, Installationen und Aufführungen vorstellen.

Ein freundliches Andenken an einen beliebten Flüchtlings-Jungen

Übungen in arabischer Kalligraphie gehören zum Workshop mit den Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule.

Mit den Schülerinnen und Schülern arbeitet der 22-Jährige intensiv. In drei Gruppen haben sie sich aufgeteilt. Während die eine Gruppe am Bild arbeitet, lernt eine weitere arabische Kalligraphie. Die drtte Gruppe kümmert sich um die Dokumentation des Projektes.

Das Bild für Fares Al-Khodor wird bis zum Wochenende fertig werden. Über die Geschichte des Jungen wird nichts an der Wand in der Münsterstraße zu lesen sein. Zumindest ist das bisher der Plan.

„Ich möchte die Leute nicht traurig machen“, sagt der Künstler. „Aber ich möchte ihnen die Realität nicht vorenthalten.“  Seine Geschichte ist aber nicht nur für Eingeweihte.

Der Blumenverkäufer wird nun nicht mehr vergessen. Denn über soziale Netzwerke und (online)-Medien wird seine Geschichte erzählt. Dortmund wird seinen Beitrag dazu leisten – dem Hunak-Festival sei Dank.

Mehr zum vollständigen Programm des Festivals gibt es bei den Kollegen von LJOE:

http://lastjunkiesonearth.com/hunak-festival-11-tage-junge-arabische-kunst-in-der-nordstadt/

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