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Gute Werbung gegen Geld für den Klimaschutz – Die Idee des „Carrot Mobs“ erreicht jetzt Dortmund-Westerfilde

Nuran und Ayhan Yilmazer haben ihren Spätkauf bis 24 Uhr geöffnet. Sie möchten gerne Energie einsparen.

Nuran und Ayhan Yilmazer haben ihren Spätkauf in Westerfilde bis 24 Uhr geöffnet. Sie möchten gerne Energie einsparen.

Von Susanne Schulte

Gute Werbung gegen Geld für den Klimaschutz – so kann man die aus den USA stammende Idee des „Carrot Mobs“ erklären. Die Carrot, übersetzt Karotte, ist die Werbung, die dem Geschäftsinhaber vor die Nase gehalten wird, damit er einen Teil des Geldes, den er an einem bestimmten Tag durch die Werbung einnimmt, für energiesparende Investitionen wieder ausgibt. Nuran und Ayhan Yilmazar, die in Westerfilde einen Spätkauf betreiben, ließen sich die Karotte gerne vorhalten. „Schon als das Angebot kam, den Energieverbrauch meiner Geräte zu messen, war klar, dass ich mitmachen würde“, sagte Ayhan Yilmazer.

Projekt DoNaPart will das Leben mit weniger Energieverbrauch schmackhaft machen

Gruppenbild zum Carrot-Mob mit den an dem Projekt beteiligten Männern. Fotos: Susanne Schulte

Gruppenbild zum Carrot-Mob mit den an dem Projekt beteiligten Männern. Fotos: Susanne Schulte

Die Aktion am vergangenen Samstag bereiteten die MitarbeiterInnen des Projekts DoNaPart vor. Die Abkürzung steht für die nicht weniger eingängigen drei Wort Dortmund, Nachhaltigkeit und Partizipation.

Geld für das Projekt gibt das Bundesforschungsministerium, das damit erreichen will, dass sich in bestimmten Regionen und Stadtteilen, in denen die Menschen andere Sorgen haben, als Nachhaltigkeit zum Lebensinhalt zu machen, auch diese gesagt und gezeigt bekommen, dass Energiesparen Geld sparen bedeuten kann.

Vier Einrichtungen sind an dem Projekt beteiligt: das Wuppertal-Institut, das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, die hiesige Fachhochschule und die Stadt Dortmund über das Projekt nordwärts. Sie alle haben für drei Jahre MitarbeiterInnen angestellt, die sich nur um DoNaPart kümmern. Untergekommen sind sie im Quartiersbüro an der Westerfilder Straße.

Ayhan Yilmazer ließ sich zur Teilnahme überzeugen – Nach der Strommessung zog er zwei Geräten den Stecker

Energie zu sparen war auch für den Geschäftsmann Yilmazer nicht das Wichtigste, als er vor einem Jahr den Spätkauf eröffnete. Er brauchte viele Kühlgeräte und hat gebrauchte gekauft. Als gelernter und erfahrener Elektroniker hat er viele Jahre lang Bäckereien und Brauereien aufgebaut, weiß somit, dass alte Geräte viel Strom benötigen.

Nach der Messung durch die Männer vom Energiesparservice der Caritas zog er gleich zwei Kühlschränken den Stecker raus, erzählte er. Yilmazer ist einer von zwei inhabergeführten Einzelhandelsläden in Westerfilde. „Früher“, erinnerte er sich, „gab es sieben Kneipen, drei Brillenläden, ein Schuhgeschäft und eine Backstube.“

In den 40 Jahren, die er in Westerfilde lebt, habe sich viel zu schnell geändert. „Hier wohnen überdurchschnittlich viele alte Menschen und überdurchschnittlich viele Kinder im Vergleich zum Stadtdurchschnitt“, ergänzte Benjamin Best, Initiator des Projekts.

Spätkauf an der Westerfilder Straße ist bis 24 Uhr geöffnet – sieben Tage in der Woche

Yilmazer, seine Frau und seine Kinder stehen, nicht alle zur selben Zeit, von morgens 7 Uhr bis nachts um 24 Uhr im Laden. Und das an sieben Tagen die Woche. Sonntags ist jedoch nur Kiosk-Verkauf. Frisches Obst und Gemüse, frisches Brot, Tiefkühlgerichte und im Winter auch frischer Fisch sind zu haben.

Bei diesen Öffnungszeiten sind die Ausgaben für Licht, Kühlung und Heizung hoch. Die Mehreinnahmen durch den Carrot Mob werden nicht für einen Kühlschrank reichen, das ist Yilmazer klar, aber der Kauf einer neue Lampe mit wenig Energiebedarf ist womöglich drin.

Energiesparservice der Caritas gibt kostenlose Tipps – Wer gut verdient, zahlt 100 Euro

Florian Keppler und Moritz Hans von DoNaPart freuen sich auf viele Gäste zum nächsten Stammtisch.

Was er kaufen sollte, dazu gibt es Ratschläge von den drei Männern vom Energiesparservice des Caritasverbandes: Gerd Kimmel, Bastian Bott und Andreas Nielinger hatten am Samstag ihren Stand aufgebaut und Prospekte in mehreren Sprachen ausgelegt, auch in Türkisch und Arabisch.

Die Männer und ihre Kollegen kommen auf Wunsch in jeden Haushalten und messen den Energieverbrauch. Das machen sie für die Menschen kostenlos, die nur ein geringes Einkommen haben, alle anderen zahlen 100 Euro. Sie sind in ganz Dortmund unterwegs, fahren selbstverständlich Bus und Bahn, „weil wir ein Umweltprojekt sind“.

Wer nun am Samstag noch in den Ferien war, im Freibad oder auf der Arbeit, sich aber die Idee des Projektes DoNaPart interessiert, kommt zum nächsten Stammtisch am Dienstag, 12. Juni, um 18 Uhr im Quartiersbüro an der Westerfilder Straße 23.

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Ein Gedanke zu “Gute Werbung gegen Geld für den Klimaschutz – Die Idee des „Carrot Mobs“ erreicht jetzt Dortmund-Westerfilde

  1. Klimaschutz selbst gemacht: Nachbar*innen können gemeinsam klimafreundliche Verhaltensweisen testen (PM)

    Klimaschutz selbst gemacht: Nachbar*innen können gemeinsam klimafreundliche Verhaltensweisen testen

    Im Alltag gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Nachbarschaft und Gemeinschaft im Quartier spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn gutes Leben und umweltschonendes Verhalten sollten kein Widerspruch sein! Im Zuge des Programms „KliWest“ – Klimaschutz Westerfilde laden die Fachhochschule Dortmund und das Projekt „nordwärts“ der Stadt Dortmund Interessierte aus Westerfilde und Umgebung ein, ab März 2021 verschiedene Seiten eines umweltbewussten Alltags auszuprobieren. Expert*innen aus den Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen & Energie und Konsum stehen dabei beratend zur Seite.

    Unter dem Motto „Nachbarschaft fürs Klima“ bietet das Programm KliWest Interessierten die Möglichkeit, gemeinsam mit Nachbar*innen und Freund*innen klimaschonendes Verhalten auszuprobieren und den eigenen ökologischen Fußabdruck durch kleine Verhaltensänderungen im Alltag zu verringern.

    Ablauf & Teilnahme

    Ab März 2021 werden monatlich auf einer Veranstaltung (abhängig vom aktuellen Pandemie-Geschehen online oder vor Ort) Alltagspraktiken mit Hilfe von Expert*innen und lokalen Initiativen vorgestellt und erläutert, wieso diese Praktik die Umwelt schont. Gleichzeitig bieten die Veranstaltungen ausreichend Raum für den nachbarschaftlichen Austausch.

    Die Auftaktveranstaltung findet am 18. März 2021 von 18.30 bis 20 Uhr online statt. In einem kurzen Vortrag wird das Programm KliWest näher vorgestellt und ein erster persönlicher Austausch ermöglicht. Angemeldete Haushalte erhalten zudem einen „Klimakorb“ mit ausgewählten Produkten und Informationen zu deren Weiterverarbeitung.

    Das detaillierte Programm und die weiteren Termine können auf http://www.kliwest.de abgerufen werden. Auf dieser eigens für das Programm veröffentlichten Webseite kann man auch weitere Tipps & Tricks für einen umweltschonenden Alltag und einen Mitgliederbereich für die teilnehmenden Haushalte finden.

    Interessierte Haushalte können sich kostenlos unter suprastadt@fh-dortmund.de anmelden.

    Warum sollten Sie teilnehmen?

    Neben monatlichen Workshops versorgen wir Sie mit Tipps und Materialien zur Umsetzung der Alltagspraktiken. Sie lernen neue Fertigkeiten, sparen Geld durch sparsamen Umgang mit Ressourcen, leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, helfen der Wissenschaft bei der Erforschung von Klimaschutzmaßnahmen und lernen Ihre Nachbarschaft noch besser kennen.

    Hintergrund

    Bei dem Programm handelt es sich um eine Weiterentwicklung von bereits umgesetzten Klimaschutz-Wettbewerben in Berlin und Bochum. Bei „KliWest“ – Klimaschutz Westerfilde steht jedoch weniger der Wettbewerbsgedanke als vielmehr der Spaß an der Sache und die gemeinschaftliche Aktion mit der Nachbarschaft im Vordergrund.

    KliWest ist ein Teil des Forschungsprojekts SuPraStadt, in dem die Fachhochschule Dortmund gemeinsam mit dem Projekt „nordwärts“ der Stadt Dortmund untersucht, wie sich die Themen Lebensqualität, Teilhabe und Ressourcenschonung in Stadtquartieren sinnvoll miteinander verknüpfen lassen.

    Im Zuge des Programms KliWest möchte das Forschungsteam Erfahrungen dazu sammeln, welche Praktiken im Alltag der Teilnehmenden gut oder weniger gut funktionieren, um praxisnahe Handlungsmöglichkeiten für alle Bürger*innen und Quartiere abzuleiten zu können.

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