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Gute Resonanz auf das dreitägige Demokratiefest mit Musik, Aktion, Diskussion und Spiel auf dem Wilhelmplatz Dorstfeld

„Das Wunder“ (Foto) aus Dortmund und „Extrabreit“ sorgten für den musikalischen Abschluss.

„Das Wunder“ (Foto) aus Dortmund und „Extrabreit“ sorgten für den musikalischen Abschluss.

Sehr zufrieden mit der Resonanz sind die VeranstalterInnen des ersten Demokratiefestes in Dorstfeld: „Ohne zu euphorisch zu werden, können wir das dreitägige Demokratiefest, ‘Vielfalt lieben, Dorstfeld leben’ auf dem Wilhelmplatz als vollen Erfolg bezeichnen. Noch nie war ein Fest in Dorstfeld so gut besucht“, freut sich Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze. 

VeranstalterInnen hatten Angebote für unterschiedliche Gruppen

Alle Angebote hätten ihre Freunde gefunden. Das Besondere des Festes war die Vielseitigkeit der Angebote und der BesucherInnen. 

Jeder Programmpunkt fand sein Publikum an den drei Tagen: Kinder und Jugendliche beim Kicken und Basteln, Schlagerfans und DJ-Session-Chiller, politisch Interessierte ebenso bei der Diskussion der Fraktionen wie beim Poetry-Slam und dem Überraschungsbesuch der Bundesfamilienministerin. Und natürlich Musikbegeisterte bei 40 Jahren deutschem Pop- und Rock mit der Dortmunder Coverband „Das Wunder“ wie bei der NDW-Legende Extrabreit. 

„Es ist ein sehr gutes Gefühl, das Interesse nicht nur der Dorstfelderinnen und Dorstfelder getroffen, sondern aller Dortmunder und gleichzeitig eine engagierte Alternative dazu gefunden zu haben, nicht den ewig Gestrigen hinterherzulaufen“, kommentiert Stoltze, zugleich auch Mitglied des veranstaltenden Fördervereins.

Auftakt mit einem gut besuchten Kinderfest, dem Schlager-Quiz und Auftritt von Karsten Kaan

Es begann mit dem vielseitigen Kinderfest, zu dem viele Eltern und ErzieherInnen mit vielen Gruppen und Familien gekommen sind. 

Vom Streetkick des BVB-Fanclubs bis zum Kinderschminken, der Hüpfburg, dem Mitmach-Musikprogramm von Wolfgang Brust und seiner Frau auf der Bühne bis zu dem Mal- und Bastelgruppen sind alle Angebote gut nachgefragt worden. 

Direkt im Anschluss begeisterten Nicole Kruse und Uwe Kisker mit dem Schlagerquiz und dem Auftritt des Schlagerstars Karsten Kaan ein eigenes Fanpublikum. Markus Novak schaffte es wegen des Verkehrs leider nicht mehr pünktlich nach Dortmund. 

„Wand der Vielfalt“ machte die Aktivitäten der 46 Dorstfelder Vereine deutlich 

Eine tolle Idee des IDV-Vorsitzenden Olaf Meyer machte auf der Bühne Furore und bildete den Blickfang für die beiden ersten Tage: Jeder der 46 Dorstfelder Vereine, jede Einrichtung, Organisation und jede Schule und Kita waren aufgerufen, mit einem eigenen gestalteten Umzugskarton eine „Wand der Vielfalt“ aufzubauen, die zeigt, wer in Dorstfeld aktiv ist. 

Eine überwältigende Zahl von über 70 Kartons brachte die Bühne zum Überlaufen. Olaf Meyer: „Wir werden diese Kartons auch in Zukunft noch bei Ereignissen wie dem Tag des offenen Denkmals am 9. September im geplanten Bürgerzentrum der Waschkaue Dorstfeld 2/3 wiedersehen. Ein riesiger Dank am alle Beteiligten für diese unglaublich erfolgreiche Aktion!“

Gute Beispiele der Aktivitäten der Vereine zeigten dann die Auftritte der Tanzgruppe des CVJM, die öffentliche Probe des Männergesangsvereins MGV Dorstfeld sowie der Auftritt des Damen- und Herrenballetts des VfV Fidelitas, moderiert von Karl-Heinz Hülsmann. Die Zelte der Vereine und des Jugendamtes sorgten beim einzigen Regenschauer des Festes für einen trockenen Zuschauerraum.

Abend der Demokratie zeigt klare politische Unterschiede, aber relative Einigkeit für Dorstfeld

Beim Abend der Demokratie präsentierte der Journalist Peter Bandermann Vertreter der Fraktionen aus der Bezirksvertretung Innenstadt-West vor einem interessierten Publikum. Trotz deutlicher Unterschiede politischer Gewichtungen in den persönlichen Statements, gab es relative Einigkeit bezüglich der Probleme und Pläne für die Dorstfelder Zukunft

Vertreter aller Fraktionen betonten, wie wichtig es sei, dass, BürgerInnen sich engagierten, einbrächten, sich einsetzten für ihre Belange und die ihres Stadtteils.

Demokratie lebe vom Mitmachen (Gerhard Steingötter, Die Linke) und sei kein Selbstläufer (Wilhelm Schulte-Coerne, CDU). Friedrich Fuß, 1. stv. Bezirksbürgermeister (Bündnis90/Die Grünen), sieht in diesem Zusammenhang insbesondere die Vereine in der Pflicht, vor allem, was die Jugend beträfe, während Uwe Martinschledde (Piraten) die Einmischung der BürgerInnen forderte.

Wider ein Denken, für welches die Stadt leider hinter der Emscher endet

Das Wohnen müsse stärker nach Dorstfeld geholt werden, fordert dieser Studierende an der TU.

Das Wohnen müsse stärker nach Dorstfeld geholt werden, fordert dieser Studierende an der TU.

Spezifische Dorstfelder Probleme kamen zur Sprache: Olaf Meyer (SPD) fragt sich, was die BV in Sachen Nahversorgung unternehmen könne, zumal es in der Sache dazu bereits einen Grundsatzbeschluss gäbe. Ebenso thematisiert: die Urbanisierung auf dem Gelände der ehemaligen Hoesch-Spundwand (HSP); dabei müssten Dorstfelder Belange genauso berücksichtigt werden wie bei der Erhaltung des Westbads, waren sich so manche Teilnehmer einig.

Aus dem Publikum kamen immer wieder Fragen zur Bürgerbeteiligung auf und vor allem zur Vertretung Dorstfelder Interessen im Rat. Von verschiedenen Bezirksvertretern wurde auf die dortige Bürgersprechstunde verwiesen. Und darauf, dass Ratssitzungen weitgehend öffentlich seien, Stichwort: Engagement. Ebenfalls angedacht in diesem Zusammenhang: den Protest auch mal auf die Straße zu bringen.

Ein junger Studierender an der TU Dortmund verweist auf die günstige Verkehrsanbindung Dorstfelds, insbesondere für Studierende. Daher müsse das Wohnen nach Dorstfeld geholt werden.

Das große Problem Dorstfelds sei, dass es zur Innenstadt-West gehöre. Häufig würde eben nur bis zur Emscher und nicht weiter gedacht, so Fuß von den Grünen. Dies sei ein Strukturproblem. Denn die Innenstadtvertretungen seien zu mächtig. – Resumeé: Gut, dass im öffentlichen Raum kontrovers miteinander gesprochen wurde; das war demokratische Vielfalt, praktisch demonstriert.

Beim „Markt der Vielfalt“ präsentierten sich am Freitagnachmittag 25 Gruppen

Bundesministerin Dr. FRanziska Giffey im Gespräch mit Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze.

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey im Gespräch mit Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze.

25 Gruppen präsentierten sich darauf am Freitagnachmittag des zweiten Tages auf dem „Markt der Vielfalt“ mit unterschiedlichsten Themen und Informationsangeboten. 

Speziell das Mütterzentrum und das Mehrgenerationenhaus bescherten dem Tag noch einen prominenten Überraschungsgast: Nach dem Besuch des Mütterzentrums nahm sich die neue Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey über eine weitere Stunde Zeit, die BesucherInnen zu begrüßen und sich – begleitet von Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze – an mehreren Ständen zu informieren. Als bisherige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln kennt sie die Probleme eines Stadtbezirkes. 

Das Bundesprojekt „Demokratie leben“ trägt ebenso zu mehreren Projekten bei wie zur Arbeit der Koordinierungsstelle der Stadt Dortmund. Auch mit den Organisatoren des Festes, den Quartiersdemokraten kam sie ins Gespräch. Sie werden durch den veranstaltenden Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e. V. über Landesmittel gefördert. 

Einblicke in die vielfältige Aktivitäten abseits der Nazi-Kiez-Klischees

Deshalb freute sich die Familienministerin nicht nur über die Vielzahl der Aktiven in diesem Bereich, sondern auch über die Gelegenheit, die Wirklichkeit in Dorstfeld jenseits aller Klischees persönlich mitzubekommen. Das Engagement der unzähligen Beteiligten wurde dadurch nochmals gewürdigt. 

Dezernentin Birgit Zoerner überbrachte gleichzeitig die Grüße von OB Ullrich Sierau: „Die Zivilgesellschaft nutzt den Wilhelmplatz in Dorstfeld selbstbewusst als Ort eines dreitägigen Demokratiefestes mit Angeboten für jedes Alter und unterschiedlichste Interessen. Das sollten alle Dortmunder mit ihrer zahlreichen Beteiligung unterstützen, um ihre Solidarität mit den Dorstfelder Bürgererinnen und Bürgern zu zeigen.“

Auf der Bühne begleitet wurde der Nachmittag von den bekannten DJs „Der Wolf“ und „Rich Boogie“, die passend anregende bis entspannende Schallplatten auflegten. Satte Bässe über dem Wilhelmplatz erreichten viele ZuhörerInnen. 

Abschluss des Tages war der Auftritt der bekanntesten Poetry-Slammer von NRW. Jay Nightwind präsentierte in der Szene bekannte Namen wie Tobi Katze, Jan Bühlbecker, Zwergriese, Fatima Talalini, Svenja Przigoda, Moustafa Siala, Tobias Beitzel und Felicitas Friederich. Ihre engagierten und provozierenden Texte kamen bei einem nicht nur jugendlichen Publikum sehr gut an und brachten auch manchem interessierten Dorstfelder diese Kunstform nahe.

Konzert mit „Das Wunder“ und „Extrabreit“ zum Abschluss des Demokratiefestes

800 Menschen kamen am Abschlusstag zu dem Konzert der Kultband „Extrabreit“.

800 Menschen kamen am Abschlusstag zu dem Konzert der Kultband „Extrabreit“.

Bereits am Nachmittag des letzten Tages machten die Mitglieder der Band „Das Wunder“ mit ihrer Auswahl aus 40 Jahren deutschen Pop- und Rockgeschichte ihrem Namen alle Ehre. Es gab keinen Titel, bei dem nicht mitgesungen werden konnte. Erst zögernd, dann begeistert feierten die Zuschauer am helllichten Tag auf der gesperrten Wittener Straße. 

Eindeutiger Höhepunkt des Festes war dann der Auftritt der Gruppe „Extrabreit“. Die Breiten brachten ein fast zweistündiges Programm auf die Bühne am Wilhelmplatz, das keine Wünsche offen ließ. 

Frontmann und Sänger Kai Havaii feierte dabei in Dortmund mit seinen Fans begeistert seinen 61. Geburtstag. „Der Beste, den ich bisher hatte“. Titel von „Polizisten“ über „Flieger, zeig mir die Sonne“ bis zum Hit „Hurra, hurra, die Schule brennt“ verleiteten den Chor der Fans zu unkorrekten Begeisterungsstürmen.

800 Menschen wollten das zweistündige Konzert von „Extrabreit“ erleben

Nach über 200 BesucherInnen an den ersten beiden Tagen wurden die schon 500 Fans bei der Vorgruppe „Das Wunder“ bei „Extrabreit“ mit rund 800 ZuschauerInnen überboten. Insgesamt besuchten damit über 1.000 Menschen den Abschlusstag. Eine tolle Bilanz für ein hauptsächlich ehrenamtlich organisiertes dreitägiges Fest. 

Mit der Förderung des Stadtbezirksmarketings Innenstadt-West wie der Stadt Dortmund wurde damit das zivilgesellschaftliche Engagement der Bevölkerung durch die Aktivitäten des Fördervereins gestärkt. Die Unterstützung der Polizei, die sich im Hintergrund hielt, des Sicherheitsdienstes, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes führten zu einem störungsfreien Ablauf. 

Karl-Walter Hollmann, Vorsitzender des Veranstalters Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dorstfeld ist sehr zufrieden: „Die wenigen Rechtsextremen konnten durch eine klare Ansage des Platzes verwiesen werden. Und die Dorstfelder haben uns sehr gut unterstützt.“ Die AnwohnerInnen seien sehr verständnisvoll gewesen und entfernten rechtzeitig ihre Fahrzeuge. „Niemand wurde abgeschleppt. Die ganze Zeit über konnten alle ihre Häuser erreichen“, so Hollmann. 

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