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Großer Protest gegen den neuen Nazi-Mode-Laden in Dortmund – „Thor Steinar“-Verkauf in der City

Die Außenreklame gibt sich bürgerlich, die meisten Artikel und viele ihrer Kunden aber nicht: inmitten der Dortmunder City – in einem Hinterhof-Ladenlokal am Brüderweg und unweit der Reinoldikirche – hat in der vergangenen Woche das Bekleidungsgeschäft „Tønsberg“ eröffnet. Hier wird das bei Neonazis sehr beliebte Modelabel „Thor Steinar“ verkauft. 

Wegen der Nazi-Symbolik ist das Tragen der Bekleidung in vielen Stadien verboten

Mehr als 200 Menschen protestierten gegen den Nazi-Modeladen. Fotos: Alex Völkel

Dagegen regt sich Protest: Am Montagabend (2. September 2019) machten mehr als 200 Menschen ihrem Unmut gegen den Neonazi-Szeneladen Luft. Das Antifa-Bündnis BlockaDO hatte zum Protest aufgerufen – zahlreiche Menschen, Parteien und Gruppen folgten dem Aufruf.

Hinter dem Label „Tønsberg“ steht die brandenburgische Firma „Mediatex“ aus Mittenwalde, die die „Thor Steinar“-Bekleidung vertreibt. Die Symbolik der Bekleidung spricht besonders Nazis an; die versteckten Codes und Mitteilungen sind bei dieser Klientel besonders angesagt. Aufgrund dieser Symbolik ist das Tragen der Kleidung beispielsweise im Signal-Iduna-Park verboten. 

„Das Geschäft wird ein entsprechendes Publikum – nicht nur aus Dortmund – anziehen“, warnt das Antifa-Bündnis BlockaDO und verweist darauf, dass es in anderen Städten gelungen sei, durch stetigen Protest derartige Läden wieder zur Schließung zu bringen. „Der Dortmunder Laden ist damit der einzige in den alten Bundesländern“, heißt es in einem Protestaufruf. 

Neonazis machen Werbung für den Laden und spielen sich als Schutzstaffel auf

Die Neonazis bauten sich als „Schutzstaffel“ vor dem Laden auf und machten die Security arbeitslos.

Im Internet haben die Neonazis bereits Werbung für den neuen Laden gemacht. Und auch vor dem Ladenlokal bauten sich am Montagabend Neonazis – darunter viele Aktivisten der Partei „Die Rechte“– auf, ausgestattet mit Einkaufstüten des Unternehmens.

Sie meldeten eine Spontankundgebung an und spielten sich als „Schutzstaffel“ vor dem Eingang zum Hof auf, so dass die vom Unternehmen engagierte Security einen ganz ruhigen Job im Hintergrund hatte.

Auf verschiedenen Ebenen wird seit Tagen versucht, den Laden wieder wegzubekommen. Die spannende Frage:  Wusste eigentlich der Vermieter, auf wen und auf was er sich bei der Vermietung des im Hinterhof gelegenen Ladenlokals einließ? 

Denn mit dieser Vermietung hat er sich viele Probleme ins Haus geholt – nicht nur den Protest von außen, sondern auch der Mieterschaft. Sowohl angrenzende Geschäfte als auch die MieterInnen – darunter nicht wenige Menschen mit Migrationshintergrund – dürften nicht besonders begeistert sein. Dies wurde auch während der Kundgebung deutlich: Einige Mieter hängten ein „Nazis raus“-Banner aus ihrem Fenster und wurden daraufhin von den Neonazis bedrängt. 

Namenswahl und Werbung legen Täuschung des Vermieters nahe – Kündigungsgrund?

In einem Hinterhof ist der Modeladen eingezogen – mit entsprechender Videoüberwachung.

Zumindest der äußere Auftritt und die Namenswahl deuten darauf hin, dass man nicht offensiv sichtlich machen wollte, welche Waren hier verkauft werden sollen. Die zentrale Lage– aber dennoch ein versteckt in einem Hinterhof gelegenes Ladenlokal mit Videoüberwachung – scheinen strategisch gewählt. 

Die spärliche Werbung mit einem idyllischen Paar und die Namenswahl Tønsberg – eine Stadt in der norwegischen Provinz – lässt eher ein Urlaubsgefühl aufkommen. Das passt überhaupt nicht zu den ansonsten eher kämpferischen und martialischen T-Shirt-Motiven, die von den Neonazis so geschätzt werden.

Daher wird sich der Vermieter erklären müssen, ob er diesen Mieter wirklich wollte oder ob er sich getäuscht fühlte. Dann könnte er nämlich juristisch dagegen vorgehen. Diese Strategie war an mehreren anderen Standorten erfolgreich – so auch in Dortmund, als beispielsweise vor Jahren an der Hohen Straße ein Szeneladen eröffnet hatte.

Der Protest jedenfalls wird weitergehen. Jeden Montag soll es eine antifaschistische Protestaktion geben – solange, bis der Laden wieder geschlossen ist. 

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