Gegen das „Apothekensterben“: Proteste der Apotheker:innen warnen vor Versorgungslücken

Auch in Dortmund bleiben die Türen am 23. März geschlossen

Zu sehen ist ein gläserner Eingang und ein großes Apothkene-Symbol neben dem Namen der Apotheke.
Die Markt-Apotheke befindet sich inmitten von Dortmund-Aplerbeck. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Um die Bundesregierung zu Maßnahmen gegen das deutsche „Apothekensterben“ zu bewegen, ruft die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) zum Protest auf. Am Montag, den 23. März 2026, schließen viele Apotheken ihre Türen und nehmen an zentralen Kundgebungen teil. Auch die Dortmunder Apotheken folgen dem Aufruf.

Hintergrund des Protests gegen das „Apothekensterben“

„Apotheken in ganz Deutschland befinden sich mittlerweile in einer existenzbedrohenden Situation, weil sie chronisch unterfinanziert sind“, erklärt Felix Tenbieg von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL), die ebenfalls zu den Apothekenschließungen am 23. März aufruft.

Das Sortiment aus einer Apotheke. Im Hintergrund wird eine Kundin bedient.
Die örtlichen Versorgung in den Apotheken ist besonders für ältere Menschen notwendig. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

In den letzten 13 Jahren habe sich das Honorar „bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten“ nicht verändert. Zeitgleich stiegen jährlich die Tarife für Mitarbeitende und Betriebskosten. Die Folge: Aufgrund von Unterfinanzierung mussten bundesweit rund ein Fünftel der Apotheken schließen.

Im Jahr 2025 wurde, laut Zahlen der Landeskammern, der niedrigste Stand an Betrieben seit 50 Jahren erreicht. In Deutschland gab es zum Zeitpunkt der Erhebung nur noch 16.601 Apotheken. Dortmund gehört dabei zu den Regionen, in denen seit Jahren ein besonders großer Rückgang zu verzeichnen ist: Zwischen 2012 und 2024 sank die Anzahl der lokalen Apotheken um etwa 24 Prozent.

„Natürlich wird es immer schwieriger, die Finanzen zu jonglieren“

Dass aktuell in Deutschland etwa täglich ein Betrieb schließen müsse, bereitet Michael Beckmann sorgen, wie er berichtet. Er ist seit 1999 Inhaber der Markt-Apotheke in Dortmund. Apotheken gehören für Beckmann zur Grundversorgung der Bevölkerung: „Ich merke jeden Tag, dass mich meine Kund:innen brauchen“, so der Inhaber.___STEADY_PAYWALL___

Besitzer in seiner Apotheke
Michael Beckmann ist seit 1999 Inhaber der Markt-Apotheke. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

„Natürlich wird es immer schwieriger, die Finanzen zu jonglieren“, bedauert Beckmann. Auch er spürt den finanziellen Druck in seinem Betrieb. Eigentlich ist sein Anspruch, seinen Kund:innen eine „Rundum-sorglos-Betreuung“ anbieten zu können.

Aber durch immer neue Aufgaben, wie einen steigender Bedarf bei Patient:innen oder die Corona-Nachbetreuung, müssten sie „schon erfinderisch sein“ – zumindest, wenn die Apotheken unter den gegebenen finanziellen Bedingungen die Wünsche der Kund:innen erfüllen möchte.

Die Forderung an die Bundesregierung ist, den Koalitionsvertrag umzusetzen

Die AKWL argumentiert, dass die „zunehmenden Krisen und eine alternde Bevölkerung“ mehr wohnortnahe Apotheken erfordern, um die Patient:innen angemessen unterstützen zu können. Sie fordern, dass die Bundesregierung „ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag“ erfüllen und für eine faire Vergütung sorgen muss, die die Sicherheit der lokalen Versorgung gewährleistet.

Teil des Protestes sind nicht nur Schließungen vieler Apotheken, sondern auch Kundgebungen und Demonstrationen in Düsseldorf, Hannover, Berlin und München.

Es sei geplant, dass Apotheker:innen aus ganz NRW an dem Protest in Düsseldorf teilnehmen. Darüber hinaus können Patient:innen die Apotheken in Form einer Online-Petition auf „Open-Petition“ unterstützen. Auch die Markt-Apotheke und Beckmanns Team schließen sich dem Protest an. Zusätzlich ruft der Apotheker Bürger:innen dazu auf, mit den Apotheker:innen zu kämpfen: „Ich freue mich über jeden, der dabei ist!“

Versorgung trotz Streiks durch den Notdienst sichergestellt

Die AKWL bittet ihre Patient:innen um Verständnis für den Streik: „Wir kämpfen mit unserem Protesttag auch dafür, dass ihre Apotheke um die Ecke erhalten bleibt.“

Zu sehen ist ein Apothekensymbol
Die Versorgung von akuten Bedarfen ist durch Notdienste gedeckt. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Für dringende Bedarfe stehen am 23. März weiterhin die Apotheken zur Verfügung, die Notdienst haben. In Dortmund haben am Protesttag die Adler-Apotheke, die Phönix-Apotheke und die Apotheke Streich Brechten für Patient:innen im Notdienst geöffnet.

Darüber hinaus bitten die Apotheken ihre Patient:innen, die auf regelmäßige Arzneimittel angewiesen sind, diese im Vorhinein abzuholen.

Weitere Informationen:


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