
Brennende Synagogen, geplünderte Geschäfte, ermordete Menschen: Die Novemberpogrome jähren sich zum 88. Mal. Nationalsozialisten setzten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Einrichtungen in Brand. Sie verletzten und ermordeten zahlreiche Jüdinnen und Juden und verschleppten rund 30.000 Menschen in Konzentrationslager. Die Dortmunder Synagoge hatte die Stadt schon kurz zuvor abreißen lassen. Wenig später begann der Holocaust, dem sechs Millionen Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen.
Ausstellungen beleuchten Eichmann, die Flucht in die USA und Überlebende in der Ukraine
Initiativen, Kirchen, Kultureinrichtungen und die Stadt Dortmund erinnern in diesen Wochen mit zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer. Viele schlagen dabei den Bogen in die Gegenwart und setzen ein Zeichen gegen heutigen Antisemitismus.

Der Campus Stadt im Dortmunder U zeigt noch bis Mittwoch, 27. Januar 2027, die Ausstellung „Eichmann und kein Ende“ mit einem eigenen Begleitprogramm. Die Petrikirche eröffnete bereits am Dienstag die Ausstellung „Vielleicht erlebe ich den Frieden noch“ mit Porträts von Überlebenden der NS-Verfolgung in der Ukraine.
Die Auslandsgesellschaft widmet sich von Freitag, 6. November, bis Freitag, 18. Dezember, der Flucht Dortmunder Jüdinnen und Juden in die USA zwischen 1933 und 1945.
Lesungen und ein Rundgang über das jüdische Gräberfeld
Mirna Funk liest am Samstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Reinoldihaus aus „Balagan“.
Ein Rundgang führt am Sonntag, 8. November, um 15 Uhr über das historische jüdische Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof. Tobias Herzberg kommt am selben Tag um 18 Uhr zu Lesung und Gespräch ins Studio im Schauspielhaus, um an die Opfer der Reichspogromnacht zu erinnern.
Jugendliche gestalten das Gedenken am Mahnmal in Dorstfeld mit
Das Projekt Quartiersdemokraten in Trägerschaft des Vereins Quindo lädt am Montag, 9. November, nach Dorstfeld ein. Schulen, Initiativen und Einrichtungen stellen ab 14 Uhr auf dem Wilhelmplatz ihre Arbeit zu Erinnerungskultur, Antisemitismusprävention und demokratischem Engagement vor.
Dabei sind unter anderem die Omas gegen Rechts Dortmund West mit einem Stolperstein-Spaziergang, der Jugendring Dortmund mit einem interaktiven Angebot, ADIRA, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) NRW, die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache sowie das Respekt-Büro der Stadt mit einem Projekt der Jugendfreizeitstätte Brackel.
Bei einer gemeinsamen Kunstaktion entsteht auf einer großen Leinwand der Schriftzug „Gegen das Vergessen“. Für Kaffee sorgt der Verein Ferienspiele.
Die Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal an der Wittener Straße beginnt um 15 Uhr. Ralf Stoltze begrüßt die Gäste, danach sprechen Friedhelm Evermann, Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund, und Iris Bernert-Leushacke, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin der Innenstadt-West.
Rabbiner Avigdor Moshe Nosikov von der Jüdischen Kultusgemeinde hält einen Beitrag, der Kantor spricht ein Gebet. Die Jugendgruppe CITO der Quartiersdemokraten und Schülerinnen der Emscherschule Aplerbeck steuern eigene Beiträge bei, Schüler*innen der Martin-Luther-King-Gesamtschule legen Rosen für die Opfer nieder.
Die Veranstaltenden behalten sich vor, Angehörige rechtsextremer Parteien und Organisationen sowie Personen auszuschließen, die durch menschenverachtende Äußerungen aufgefallen sind.
Philipp Peyman Engel spricht beim städtischen Gedenken im Opernhaus
Die Stadt Dortmund lädt um 17 Uhr ins Foyer des Opernhauses am Platz der Alten Synagoge ein. Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher per Mail unter bvedder@stadtdo.de anmelden. Tobias Ehinger, Geschäftsführender Direktor des Theater Dortmund, begrüßt die Gäste.

Anschließend sprechen Oberbürgermeister Alexander Kalouti und Zwi Rappoport, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe und Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund.
Den Vortrag hält der Journalist Philipp Peyman Engel, Chefredakteur der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Ein Gebet und eine Kranzniederlegung auf dem Platz der Alten Synagoge beschließen die Veranstaltung.
Szenische Lesung aus „Der Reisende“ und ökumenisches Gedenken in Sankt Petri
Das Bündnis Dortmund gegen Rechts lädt um 18 Uhr ins Biercafé West, Lange Straße 42, ein. Tirzah Haase und Claus-Dieter Clausnitzer lesen Szenen aus dem Roman „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz, das Trio Nefesh begleitet sie musikalisch. Der jüdische Exilautor schrieb das Buch unter dem Eindruck der Novemberpogrome in nur vier Wochen. Es erschien 1939 in England, 1940 in den USA und erst 2018 in der deutschen Originalsprache. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist frei.
Das ökumenische Gedenken zur Pogromnacht beginnt um 19 Uhr in Sankt Petri. Es steht unter dem Leitwort „… und ich will euch einen Ort und einen Namen geben, auf dass ihr niemals vergessen werdet.“
Wie sich Erinnern ändern muss und wo Antisemitismus heute auftritt
Susanne Siegert stellt am Dienstag, 10. November, um 18 Uhr in der Jüdischen Gemeinde Dortmund ihr Buch „Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust ändern muss“ vor und spricht darüber. Eine Anmeldung ist notwendig. Daniel Freitag spricht am Donnerstag, 12. November, um 18 Uhr im Stadtarchiv über religiösen Antisemitismus in den sozialen Medien. Sein Vortrag trägt den Titel „Liken, sharen, hassen?“.

Die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache lädt am Sonntag, 15. November, und am Sonntag, 20. Dezember, jeweils von 14.30 bis 16 Uhr zum öffentlichen Stadtrundgang „Dortmund und der Holocaust“ ein. Die Spurensuche führt zu erhaltenen und verschwundenen Schauplätzen der NS-Verfolgung und erzählt die Biografien Dortmunder Jüdinnen und Juden. Treffpunkt ist vor dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme kostet nichts.
Stefan Dietl stellt am Mittwoch, 25. November, um 19 Uhr im Bürgerhaus Pulsschlag, Vogelpothsweg 15, sein Buch „Antisemitismus und die AfD“ vor und diskutiert darüber. Der Journalist und Gewerkschafter beschreibt Antisemitismus darin als wesentliches Ideologieelement der Partei. Das Projekt Quartiersdemokraten und die Beratungsstelle ADIRA veranstalten den Abend. Einlass ist ab 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Eine namentliche Anmeldung per Mail an kontakt@adira-nrw.de ist notwendig.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen
- Ausstellung „Eichmann und kein Ende“: https://www.tu-dortmund.de/veranstaltungsdetail/eichmann-und-kein-ende-68092/
- Ausstellung „Vielleicht erlebe ich den Frieden noch“: https://www.dortmund.de/dortmund-erleben/veranstaltungskalender/termin_148697.html
- Ausstellung zur Flucht Dortmunder Jüdinnen und Juden in die USA: https://www.dortmund.de/dortmund-erleben/veranstaltungskalender/termin_141123.html
- Lesung mit Mirna Funk: https://www.literaturhaus-dortmund.de/kalender/lesart-mirna-funk-balagan/?occurrence=2026-11-07
- Rundgang über das jüdische Gräberfeld: https://gcjz-dortmund.de/veranstaltung/das-historische-juedische-graeberfeld-auf-dem-dortmunder-hauptfriedhof-2/
- Lesung und Gespräch mit Tobias Herzberg: https://www.theaterdo.de/produktionen/detail/lesung-und-gespraech-gedenken-an-die-opfer-der-reichspogromnacht/
- Gedenken in Dorstfeld: https://quartiersdemokraten.de/gedenken-am-9-november-2026/
- Szenische Lesung im Biercafé West: https://dortmundgegenrechts.wordpress.com/2026/10/19/09-11-26-gedenkveranstaltung-zu-novemberpogrome-1938-szenische-lesung-aus-der-reisende/
- Ökumenisches Gedenken in Sankt Petri: https://gcjz-dortmund.de/veranstaltung/und-ich-will-euch-einen-ort-und-einen-namen-geben-auf-dass-ihr-niemals-vergessen-werdet-2/
- Buchvorstellung mit Susanne Siegert: https://adira-nrw.de/buchvorstellung-mit-susanne-siegert-gedenken-neu-denken/
- Vortrag mit Daniel Freitag: https://gcjz-dortmund.de/veranstaltung/liken-sharen-hassen-religioeser-antisemitismus-auf-social-media/
- Buchvorstellung mit Stefan Dietl: https://quartiersdemokraten.de/antisemitismus-und-die-afd-buchvorstellung-und-diskussion-mit-stefan-dietl/


