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Fördern, was bildet und verbindet: Dortmunder Rotary Clubs veranstalten mit den Philharmonikern ihr 7. Benefizkonzert

Präludium zum 6. Benefizkonzert 2017: die Bläserklasse der Marie-Reinders-Realschule unter Leitung von Miriam Fröhlich im Foyer des Dortmunder Konzerthauses. Foto: Klaus Pollkläsener

Wer als Jugendliche/r ein Instrument spielen möchte, gern auch gemeinsam mit Gleichaltrigen, braucht zunächst – ein Instrument; klar, soll es denn traditionell-analog geschehen. Können die eigenen Eltern dafür nicht aufkommen, zerbrechen schnell Träume, versiegen Begabungen, gibt es vielleicht kein musizierendes Ensemble an einer weiterführenden Schule, weil auch deren Kasse leer ist. – Die fünf Rotary Clubs in Dortmund greifen an diesem Punkt seit nunmehr zwölf Jahren unterstützend ein. Indem sie vor allem durch regelmäßige Benefizkonzerte zusammen mit den Philharmonikern der Stadt, bei denen die besten Dortmunder Schulensembles auftreten, die notwendigen Mittel zur Beschaffung oder Ausleihe von Musikinstrumenten generieren. Der Gedanke hinter dem ehrenamtlichen Engagement: gemeinsames Erleben im künstlerischen Schaffensprozess verbindet und bildet zugleich.

Damit alle teilhaben können: ein Konzert zur Finanzierung von Musikinstrumenten

Am kommenden Donnerstag, 23. Mai, ist es wieder soweit: junge Leute von weiterführenden Schulen in Dortmund eröffnen im Konzerthaus dem Publikum, was sie sich zuvor – in den vielen Monaten gemeinsamer Anstrengungen – erarbeitet haben. Im Zweijahresrhythmus finden diese vom Rotary Club Dortmund in Kooperation mit den Philharmonikern organisierten Benefizkonzerte statt.

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Der gute Zweck hinter den zur Institution gewordenen Aufführungen: es soll solchen SchülerInnen ermöglicht werden, ihre musikalischen Fähigkeiten und Fertigkeiten in orchestralen Bündnissen (weiter) zu entwickeln, denen aus ihrer Familie heraus eigentlich die finanziellen Mittel zur Beschaffung oder Ausleihe von Instrumenten fehlen. Doch das ist nicht alles.

Fördern, was verbindet – helfen, wenn irgend möglich, wo es nottut. So könnten zentrale Beweggründe für das soziale Engagement der gegenwärtig fünf Dortmunder Rotary-Clubs grob umschrieben werden. Neben der Förderung junger Menschen, die gern ein Instrument spielen, geht es um Inklusion, Integration; um die Bildung von Zusammenhalt und starke wie friedfertige Gemeinschaften; letztlich um die Entwicklung kommunaler Lebenswelten.

„Musik macht stark“ – ein Projekt von RotarierInnen zum Ausgleich von Chancenungleichheiten

Aus dieser Motivation heraus sind die Dortmunder RotarierInnen unter anderem mit zwei großen Projekten – mittlerweile seit über zehn Jahren – erfolgreich unterwegs: „Musik macht stark“ und „Sprache verbindet“.

Akteure beim diesjährigen Benefizkonzert (v.l.:) Frank Bünte (RC Do-Neutor), Uwe Samulewicz (Vorstand Sparkasse Dortmund), Birgit Cirullies (RC Do-Romberg), Nhiem Lu (Präsident RC Dortmund 2018/19), Prof. Stefan Haßfeld (RC Do-Neutor)

So betitelt, engagieren sie sich konsequent und mit Erfolg dafür, dass bei Kindern mit weniger günstigen Startbedingungen Talente und Interessen nicht verkümmern. Sich zumindest basale Voraussetzungen der für ihre Zukunft (wie die der Gesellschaft) so wichtigen sozialen Teilhabe verbessern.

Während dies hier durch Sprachförderung für – derzeit an die 150 – Dortmunder Kinder mit Migrationshintergrund bewerkstelligt werden soll, fokussiert die Idee des Projekts „Musik macht stark“ individuelles Erleben, Erfahren, Lernen in Kooperation – indem sie als Ensemble oder Orchester gemeinsam ihre Instrumente bespielen. Näherhin: ihnen dies  durch finanzielle Hilfen ermöglicht wird.

„Das Projekt hat den Inhalt, dass den Schülern Musikinstrumente zur Verfügung gestellt werden bzw. dass sie zusammen musizieren“, erklärt Rotarierin Birgit Cirullies, ehemals Leitende Oberstaatsanwältin in Dortmund. Und: es sei für alle ganz wichtig, an den Benefizveranstaltungen im Konzerthaus teilzunehmen. Will heißen: geballte Anerkennung vor immerhin gut 850 Gästen, die sich anlässlich dessen dort einfinden. – So etwas vergisst Du im Leben nicht mehr.

Zur Verhinderung etwaiger Brüche: Anschlussförderung an weiterführenden Schulen der Stadt

Das meiste Geld würde ausgegeben für Schülerinnen und Schüler, die Spaß an der Musik haben, deren Eltern aber die Leihgebühr für Instrumente wie Querflöte oder Geige und die Gebühr für Unterrichtsstunden außerhalb der Schule nicht aufzubringen könnten, ergänzt Frank Bünte, ehemaliger Chefredakteur der Westfälischen Rundschau. Im Rahmen eines Integrationsprojekts sei es wichtig, dass nicht nur Kinder dabeiblieben, deren Eltern zeitig und von sich aus das Erlernen eines Instruments gefördert hätten.

Sondern nach dem Willen der Dortmunder RotarierInnen eben auch jene, die über die musische Frühförderung in der Grundschule vielleicht schon einmal mit einem Instrument in Berührung kamen. Deren Familien hingegen finanziell unzureichend aufgestellt sind und dann Gefahr laufen, jetzt an ihren weiterführenden Schulen durch etwaig wegbrechende Unterstützungsstrukturen gleichsam in ein künstlerisches Loch zu fallen.

In diesen jungen Jahren unter Umständen schon mit fatalen Folgen: Talente versiegen schlimmstenfalls unwiederbringlich – eine ziemlich hässliche Vorstellung. Abgesehen davon, dass Erfahrungsräume durch’s kooperative Musizieren im Ensemble und deren Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung durch Ausbildung sozialer Kompetenzen sich verschließen.

An dem seit zwölf Jahren organisierten Projekt beteiligen sich mittlerweile 22 Schulen

Das kann es wohl nicht sein; darf es nicht – werden sich Dortmunder RotarierInnen irgendwann gesagt haben. So entstand eine Art Bildungsbündnis für musikpädagogische Nachhaltigkeit. Das war im Jahr 2007. Begonnen hat die Projektarbeit seinerzeit mit gerade sieben beteiligten Schulen aus Dortmund.

Leidenschaft, szenisch: mit ihrem Können dabei – die Dortmunder Philharmoniker. Foto: Karsten Wickern

Die Idee zu dem Vorhaben stammte von Heinz Klöcker, dem ehemaligen Vorsitzenden der zur Jahrtausendwende gegründeten Dortmund-Stiftung, gibt Sparkassen-Chef Uwe Samulewicz in einem Interview zu Protokoll. Die Projektdurchführung ist seither als Wettbewerb organisiert. Inzwischen sind es sage und schreibe 22 Schulen, die mit einem Orchester oder Ensemble mitwirken.

Sie alle haben neben der Bildung und Förderung ihrer SchülerInnen in den betreffenden „Musikklassen“ natürlich wie die spielenden Jugendlichen selbst nur ein Ziel vor Augen: dass sie mit ihren Instrumenten einmal im Dortmunder Konzerthaus auftreten dürfen.

Also quasi im Konzert der Großen mitspielen: an diesem einen besonderen Abend im Leben eines jungen Menschen nicht nur neben den Dortmunder Philharmonikern und anderen herausragenden KünstlerInnen, die für die Benefizveranstaltung gewonnen werden konnten. Sondern eigentlich sogar die „erste Geige“ sein.

Seit Beginn der Initiative: 600.000 Euro wurden für Musikinstrumente ausgeschüttet

Der Veranstaltung rund ums gemeinsame Musizieren mit aufstrebendem Niveau ist freilich ein kleiner Wettbewerb vorgängig, anders geht es nicht. Denn nicht alle Orchester und Ensembles der beteiligten weiterführenden Schulen passten in einen Konzerthaus-Abend. Daher mussten sie sich zur Teilnahme an dem Benefizkonzert vor jetzt schon ausverkauftem Haus bewerben. Einer achtköpfigen Jury kam die schwierige Aufgabe zu, unter den BewerberInnen jene fünf auszuwählen, die am Donnerstag Teil des offiziellen Programms sein werden.

Wer es diesmal nicht bis auf die Bühne geschafft hat – die von den Veranstaltern offerierte Alternative ist mehr als nur ein Trostpreis: für die beteiligten Schulen gab es wieder kostenlose Kartenkontingente, um Eltern wie SchülerInnen den Konzertbesuch dennoch zu ermöglichen.

Das Projekt sei in seiner Dimension und in seiner Erfolgskurve einzigartig, so Jury-Mitglied Frank Bünte stolz. Und verweist auf Zahlen, die sich – bezogen auf die bisherige Projektlaufzeit – mehr als sehen lassen können: „In diesen 12 Jahren haben wir 600.000 Euro an die Schulen ausgeschüttet.“ Gesammelt über Spenden parallel zum Konzertkartenverkauf und Anzeigen in den Programmheften.

Finanzierung durch Spenden beim Kartenverkauf und großzügige Anzeigen in Programmheften

Allein 750 der 850 erhältlichen Karten haben die RotarierInnen innerhalb ihrer fünf Dortmunder Clubs mit insgesamt etwa 350 Mitgliedern verkauft.

Es muss nicht immer Avantgarde sein: der Dortmunder Rotary Club Neutor pflanzt bescheidene Mammutbäume im Rombergpark. Foto: Carmen Körner.

Für eine Konzertkarte können zusätzlich jeweils 25 Euro gespendet werden – eine freiwillige, keineswegs zwingende Zuwendung, betont Uwe Samulewicz. Die gleichwohl für eine gute Sache durchaus erwünscht ist. Um Talente zu fördern und Benachteiligungen zu kompensieren.

Hinzukommen die Hochglanz-Anzeigen im Veranstaltungsprogramm, die allerdings, bei aller Liebe, zu einem guten Teil als faktische Spenden gelten können. Insgesamt hoffen die RotarierInnen, auch diesmal wieder zwischen 60.000 und 80.000 Euro zu erreichen, mit denen juvenilen Leidenschaften fürs Musizieren – instrumentell wie instrumental – unter die Arme gegriffen werden kann.

Die Aufführung im Konzerthaus ist wie immer ein ausgewiesener Höhepunkt; hier werden die Früchte des Förderprogramms für alle erlebbar; und dienen zugleich der Akquisition neuer Fördermittel, um auch zukünftig den Heranwachsenden gemeinsames Musizieren zu ermöglichen.

Rotary-Dortmund wertschätzt das Engagement kommunal vertretener Wirtschaft

Veranstaltet wird das Konzert vom mit Projektbeginn gegründeten Verein „Die fünf Rotary Clubs in Dortmund – Gemeindienst e.V.“. Das sind neben dem Dortmunder Stammclub die späteren Ausgründungen Neutor, Westentor, Romberg sowie Hörde – mit ihren jeweils eigenen Ideen und Projekten. Entstanden allein aus pragmatischen Motiven: „Droht ein Club zu groß zu werden, wird er in seiner gesamten Struktur zu unbeweglich“, erklärt Sparkassen-Chef Samulewicz.

Einmal wöchentlich treffen sich die einzelnen Clubs aus der Stadt. Als übergeordneter Vereinssitz ist die Wirtschaftskanzlei audalis am Rheinlanddamm zugegliedert, von wo die komplexe Hintergrundkulisse gemeinnütziger Tätigkeit organisiert wird. Etwa, wenn es um die Anweisung von Fördergeldern für Schulen bzw. ihrer Fördervereine und deren Abrechnungen geht.

Diesjähriger Hauptsponsor des Benefizkonzertes ist die Sparkasse Dortmund. Doch sie engagiert sich nicht allein. Bemerkenswert sei, so Frank Bünte, seinerseits beheimatet bei Rotary Dortmund-Neutor, „die breite Unterstützung durch die Dortmunder Wirtschaft“. Von Wilo-Opländer über die Sparkasse, DEW, Murtfeldt, Signal Iduna bis zu Porsche und Daimler seien „alle großen Dortmunder Firmen vertreten, so dass wir allein durch die von ihnen gebuchten Anzeigen ca. 23.000 Euro für die gute Sache erlösen“.

Ab 18.30 Uhr über das Foyer des Konzerthauses: Vorprogramm an der Brückstraße

Was darf beim Konzert am Donnerstag erwartet werden? Konkret holen die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Motonory Kobayashi die Ouvertüre von Rossinis „Barbier von Sevilla“ aus dem Repertoire. Zudem wird die in der Stadt aufgewachsene Solistin Anouchka Hack die Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33 von Tschaikowsky vortragen.

Rotary-Benefizkonzert 2017: Brass Band der Gesamtschule Gartenstadt unter Leitung von Ernst-Walter Hemmerich. Foto: Klaus Pollkläsener

Im Vorprogramm ab 18.30 Uhr, das sich unüberhörbar zur Brückstraße hin erstrecken sollte, treten die Everest-Band des Heinrich-Heine-Gymnasiums und die Band der Wilhelm-Rein-Schule aus Dortmund-Oestrich auf.

„Erstmals wird diesmal auch die Band einer Förderschule mitwirken und damit unseren Anspruch unterstreichen, dass unser Integrationsprojekt nicht nur in der Leistungsspitze, sondern vor allem auch in der Breite fördern möchte“, betonen die RotarierInnen mit Blick auf ihr Inklusionsmotiv.

Es folgen im Hauptprogramm das Orchester des Heisenberg-Gymnasiums (Leitung: Andrea Aufmkolk) und die Musikklasse der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, geleitet von Inge Drebs und Bärbel Rudolph. Zum großen Finale lädt zusammen mit den Veranstaltern das Sinfonieorchester der Gesamtschule Gartenstadt. Ein Event unter der Obhut von Ernst-Walter Hemmerich, der in diesem Jahr nach über 30-jähriger Orchesterleitung in der Gesamtschule Gartenstadt in den wohlverdienten Ruhestand gehen wird.

Finale mit aktuellem Bezug: analoge Zeichen aus der Neuen Welt

Eine ganz besondere Aufführung, wie zu hören war. Und mit mächtigem Paukenschlag. Ohne ihn wäre Antonín Dvořáks bekannte 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts während seines dreijährigen Aufenthalts in den Vereinigten Staaten, nicht wirklich denkbar. Damals gab es von drüben noch kein Twitter.

Apropos: die Finanzierung des Instruments, das – anders als digitale Großschrift – noch hautnah von etwas zeugt und in Anbetracht seines Wertes ebenfalls für den Verleih an andere Dortmunder Schulen gedacht ist, entstammt auch dem ehrenamtlichen Engagement der RotarierInnen.

Weitere Informationen:

  • 7. Benefizkonzert der Dortmunder Rotary Clubs „Musik macht stark“: Konzerthaus Dortmund, 23. Mai 2019. Vorprogramm (Foyer mit Richtung Brückstraße) ab 18.30 Uhr; Hauptprogramm im Konzertsaal von 19.30 bis 22 Uhr
  • Die Veranstaltung ist zwar ausverkauft – aber: es wird am Donnerstagabend noch eine begrenzte Anzahl von Kaufkarten zum Preis von 27 Euro im Foyer geben. Darin ist ein erheblicher Spendenanteil für das Projekt „Musik macht stark“ enthalten
  • Homepage des Dortmunder Rotary Clubs; hier:
  • Projektinfo: „Sprache verbindet“; hier

 

 

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