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Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen: Tolles Beispiel in Dortmund zeigt, dass sich Qualifizierung auch im Alter lohnt

Angelika Ring hat sich mit fast 60 Jahren fortgebildet und dadurch einen neuen Job in Dortmund gefunden. Foto: Hünnemeyer/AA Dortmund

Angelika Ring hat sich mit fast 60 Jahren fortgebildet und dadurch einen neuen Job gefunden. Fotos: Hünnemeyer/AA

Noch vor rund 15 bis 20 Jahren war es üblich, nach erfolgreicher Ausbildung oder einem Studium eine Arbeitsstelle anzutreten und diese fortan in ein und demselben Unternehmen bis zum Renteneintritt auszuüben. Jobwechsel waren die Seltenheit. Heute dagegen gehören diese eher zur Tagesordnung. Globalisierung und Digitalisierung haben die Arbeitswelt bereits jetzt schon verändert. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Qualifizierung?

Nach einem arbeitserfüllten Leben wurde Angelika Ring arbeitslos aber sie kämpfte weiter

Uwe Bergmann von innogy ist mehr als zufrieden mit seiner neuen Angestellten. Foto: Hünnemeyer/AA Dortmund

Uwe Bergmann von innogy ist mehr als zufrieden mit seiner neuen Angestellten. Foto: Hünnemeyer/AA

Bei Angelika Ring kam er mit 58 Jahren. Bis dahin hatte sie bereits ein bewegtes Arbeitsleben hinter sich. Die gelernte Kauffrau im Groß- und Außenhandel arbeitete in vielen verschiedenen Unternehmen in den unterschiedlichsten Bereichen. Sie holte im Abendgymnasium ihr Abitur nach, ein Studium im Bereich Psychologie und Sozialwissenschaften musste sie ohne Abschluss aufgeben.

Sieben Jahre führte sie selbstständig ein Einzelhandelsfachgeschäft, bevor sie sich ihren Traum von einem eigenen Café verwirklichte. Vieles lief seinerzeit nicht rund, und so kam es schließlich zur Geschäftsaufgabe. 

Nach vier Jahren der Beschäftigung als Verwaltungsangestellte in einem Bundesprojekt wurde Angelika Ring dann 2016 arbeitslos. Die Sorge nun beruflich auf dem Abstellgleis zu landen, war groß, auch finanzielle Ängste machten sich zunehmend breit. Frau Ring wollte alles, aber bitte nicht langzeitarbeitslos werden.

Qualifizierung erweiterte abgeschlossene Ausbildung

In persönlichen Gesprächen mit Ihrem Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit Dortmund fand sie Mut, Zuspruch und Unterstützung. Sie entschied sich für eine sechsmonatige berufliche Qualifizierung im Bereich Rechnungswesen, um ihre breit aufgestellte Erfahrung im kaufmännischen Bereich sinnvoll zu ergänzen.

Eine Arbeitsaufnahme nach erfolgreichem Abschluss gestaltete sich jedoch zunächst schwierig. Doch Angelika Ring hat nie aufgegeben. „Immer am Ball bleiben, durch Stillstand kommt man nicht weiter“, sagt sie selber. Bereits im Frühjahr fand sie eine neue berufliche Perspektive in der Zeitarbeit. Aktuell arbeitet sie beim Essener Energieunternehmen innogy am Dortmunder Standort in der Abteilung Konzerndatenschutz.

„Ich bin glücklich in meinem Job, komme jeden Tag gerne zur Arbeit. Die Zeitarbeit ist kein Schreckgespenst, sie bietet mir gute Möglichkeiten und ein attraktives Arbeitsumfeld. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen. Meine Weiterbildung hat mir neue berufliche Chancen ermöglicht, darüber bin ich sehr froh.

Ihr neuer Arbeitgeber ist mehr als zufrieden und schätzt die Erfahrung seiner neuen Mitarbeiterin

Martina Würker, Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund.

Martina Würker, Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund. Foto: Alex Völkel

Uwe Bargmann, Leiter Konzerndatenschutz bei innogy, ist begeistert von Angelika Ring: „Aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls mussten wir schnell Ersatz schaffen. Ihr abwechslungsreicher Lebenslauf hat mich direkt neugierig gemacht, mit ihr haben wir eine tolle neue Kollegin gewonnen. Frau Ring hat sich sehr schnell in ihr Aufgabengebiet eingefunden und ist voll im Team integriert.“

Die Chefin der Arbeitsagentur Dortmund sieht in der Zeitarbeit insbesondere für Langzeitarbeitslose eine tragfähige Brücke zurück in den Arbeitsmarkt. „Das negative Image der Zeitarbeit ist längst überholt. 

Es gibt geregelte Tarifverträge und feste Gesetzgebungen. Zeitarbeit bedient längst nicht mehr nur Arbeitskräfte im Niedriglohnsegment, sondern nahezu alle Branchen“, so Martina Würker. Und mit Blick auf Angelika Ring, betont sie, dass Weiterbildung und Qualifizierung sich, egal ob freiwillig oder aufgrund der Arbeitslosigkeit in jeder Altersstufe bezahlt macht.

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5 Gedanken über “Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen: Tolles Beispiel in Dortmund zeigt, dass sich Qualifizierung auch im Alter lohnt

  1. Rio

    Also ist Frau Ring bei einem Zeitarbeits-Unternehmen angestellt. Leider werden in solchen Erfolgsgeschichten die Nachteile der Zeitarbeit nicht genannt, weil sie nicht ins schöne Bild passen (schlechte Bezahlung, Mobbing durch Festangestellte).

  2. Der Typ aus der Stadt

    Schön für Frau Ring, dass sie bei einem Arbeitgeber in einer Tätigkeit eingesetzt wird, die ihr nicht vollkommen fremd ist. Das sind aber Ausnahmefälle, die von der Öffentlichkeitsarbeit der Arbeitsagentur aus der Statistik isoliert werden. Die werden dann seit etlichen Jahren von den Medien unkritisch frenetisch abgefeiert. Wieso hat eigentlich Sibylle Hünnemeyer von der Arbeitsagentur das Foto selbst gemacht und nicht ein Fotograf von den Nordstadtbloggern der damit seinen Lebensunterhalt bestreitet?

    Mit den unschönen Seiten des Wandels in der Arbeitsgesellschaft mag man und mochte man sich bei den Medien ja noch nie so richtig ernsthaft und kritisch auseinandersetzen und berichten. Immer schön die tollen Fälle abfeiern, die die Behörde so anbietet.

    Wie viel öffentliche Gelder einer Industrie von Bildungsträgern für vollkommen schwachsinnige Maßnahmen wie Tanzpädagogik für junge Erwachsene ohne Schulabschluss, Zwangsspaziergänge, das elfte Bewerbungstraining für Menschen die auch ohne dilettantische Dozenten rauf und runter beten können wie man sein Curriculum Vitae chronologisch deutsch oder international perfekt aus dem Hut zieht, Vogelhäuser bauen für Diplomkaufleute deren Erwerbsunfähigkeit wegen rheumatoider Arthritis einfach nicht anerkannt wird obwohl sie trotz Höchstdosis NSAR‘s wie Naproxen und dazu Glukokortikoiden unsägliche Schmerzen ertragen müssen und sich bereits Organschäden durch die Medikamente ankündigen und sonstige „Arbeitsgelegenheiten“ vollkommen wirkungslos und sinnlos in den Rachen geblasen werden ist in den Medien kein Thema. Auch nicht, dass Menschen in Teilzeitarbeit, sogenannte „Aufstocker“, gedrängt werden Arbeitsverträge zu kündigen um sich an Zeitarbeitsfirmen als ungelernte Hilfskräfte in total fremden Branchen vermitteln zu lassen. Wo sie dann befristete Verträge für ein Jahr bekommen und für 8,84 Euro oder Branchenmindestlohn an Arbeiten verzweifeln, für welche ihnen sämtliche Fähigkeiten und / oder körperliche Voraussetzungen fehlen. Eingeschlossen 60-Stunden Woche samt Vierschichtbetrieb und Samstags- und Sonntagsarbeit samt kurzen Schichtwechseln bei denen zwei Stunden Anreise und zwei Stunden Abreise zu den 11 Stunden Mindestruhezeit zählen.

    Und wenn das Jahr herum ist und sie wieder keine Arbeit finden, dann wartet schon ein ganz besonderes Erlebnis. Eine Maßnahme in der ein Dozent gestandenen Menschen die ein vielfaches seiner Arbeitsleistung in ihrem Leben erbracht haben beibringen möchte wie man einen Wecker stellt, damit man pünktlich aufsteht um zu lernen, wie ein strukturierter Alltag aussieht. Weil das ja niemand weiß, der sein Leben lang schwer geschuftet hat. Und auch arbeitssuchend jeden Morgen um 5.30 Uhr aufwacht, bevor der nutzlose Wecker klingelt, sein Morgenritual vollbringt und dann jeden Tag wie ein schweizer Präzisionsuhrwerk „Und täglich grüßt das Murmeltier spielt“, obwohl er ja keine Arbeit hat. Also keine die bezahlt wird. Das mittlerweile vierte Ehrenamt zählt ja nicht, volkswirtschaftlich ja nicht produktiv. Ihm ist das freilich egal. Auf dem Weg noch schnell die Hochbeete des Communityprojektes der Stadtteilagentur gießen bevor die Sonne knallt, denn „seine“ Kinderlein in der Grundschule warten schon – auf den Leseonkel aus der Nachbarschaft. Mittagessen kochen und Haushalt müssen danach abgearbeitet werden, bevor er seine Runde bei den alten Damen zieht und Einkaufslisten einsammelt bevor er am nächsten Tag mit dem von einem Unternehmer geborgten Kleinlieferwagen für „seine Damen“ die Einkäufe erledigt. Denn die liebenswerten „Jungens und Mädels“ vom Pflegedienst können allenfalls mal im Notfall über Betreuungsleistungen abgerechnet im nächsten Laden schnell Brot kaufen.
    Auch mit den Verstrickungen zwischen Arbeitsagentur und Ama*** mag sich niemand näher investigativ beschäftigen. Käme heraus, dass Menschen nach dem fünften Bandscheibenvorfall bei Ama*** arbeiten, weil man ihnen unverhohlen gedroht hat ihnen sämtliche Sozialleistungen zu streichen wenn sie Arbeit für die normale niedergelassenen Ärzte sie anders als der medizinische Dienst der Arbeitsagentur und des Jobcenters sie keinesfalls als geeignet erachten ablehnen, würfe das ein schlechtes Licht auf die Behörden.
    Gewerkschaftsvertretern und Arbeitsrechtlern dreht sich bei den Arbeitsverträgen und den Arbeitsbedingungen des Unternehmens derweil der Magen um. Wer in einem deutschen Mittelstandsunternehmen eine Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik absolviert hat und Details über die Arbeitsbedingungen und die irrwitzigen Vorgaben bei Inbound, Pick, Pack und Shipping zu hören bekommt, hält den Erzähler erst mal für verrückt. 60 Sekunden pro Pick, egal ob in 150 Zentimetern in Griffhöhe oder der obersten Regalebene. Wobei schon das holen und wegbringen einer Leiter mehr als 80 Sekunden dauert. Dann also ohne Leiter am Regal hochgeklettert, ohne Absicherung versteht sich. Schöne Grüße von der Berufsgenossenschaft und der Feuerwehr. So kann man dann die Kleinartikel in der obersten Ebene wenigstens in 74 Sekunden schaffen.
    Dass die Arbeitsagenturen und Jobcenter derweil wohl wissend in Kauf nehmen, dass Menschen die in die unteren Ebenen bei dem Unternehmensriesen vermittelt werden zunehmend häufiger wegen des Leistungsdrucks suizidgefährdet sind ist ebenso wenig medienrelevant. Dass man im Arbeitsleben am Ende des Tages was geschafft haben muss, war unbestreitbar auch den Generationen vor, während und nach dem deutschen Wirtschaftswunder ohne besondere „Tip Manager“ klar. Und ohne, dass die Picks und Packs jedes einzelnen Arbeiters minutengenau überwacht werden und bei Abfall der Leistungskurve im Tagesverlauf ein „Problem Solver“ „motivierende Worte und hilfreiches Tips“ abspult wie eine Sprechpuppe auf Amphetamin oder eine Anzeige auf dem Scanner, dass man schneller arbeiten soll. Eine Übernahme aus der unternehmenseigenen Zeitarbeitsfirma in eine Festanstellung mit fairen Arbeitsbedingen und fairem Lohn kündigt der Scanner dann leider nicht zur Motivation an. Ist ja auch für alle Beteiligten super praktisch. Wem man mit der Einstellung des Arbeitslosengeldes droht, denkt sofort an Obdachlosigkeit weil die Miete nicht bezahlt wird und nicht daran sich zu wehren. So klappt die Zusammenarbeit der Spezialabteilung der Arbeitgeberbetreuung mit der Tochter-Zeitarbeitsfirma wie geschmiert und Nachschub an Towerfutter ist gesichert. Also jedenfalls so lange, wie keine Medien genauer hin schauen und das politisch so gewollt ist. Primärziel prekäres Beschäftigungsverhältnis statt Ausbildung zur Ausgabensenkung erfüllt. Sekundärziel Statistikbereinigung ebenfalls erfüllt. Langzeitfolgen ebenfalls nicht medienrelevant.

    1. Nordstadtblogger-Redaktion Beitrags Autor

      Wir haben keine Fotografen, die vom Arbeiten für Nordstadtblogger ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wir sind eine Ehrenamts-Initiative. Es wäre schön, wenn das von Zeit und Zeit berücksichtigt wird, wenn wir einen Termin mal nicht wahrnehmen können. Kommentare wie „Dann stellen Sie doch mehr Leute ein“ können wir einfach nicht mehr hören …

  3. Der Typ aus der Stadt

    Wir gehen dennoch mal davon aus, dass die Nordstadtblogger-Fotografen ihren (überwiegenden) Lebensunterhalt mit Fotografieren und die Schreiber mit Schreiben bestreiten. Sie sind ja wohl alle Journalisten und keine Versicherungsmakler mit Selbstdarstellungszwang die nur Spaß am Geldverbrennen haben.

    So eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bei einer Behörde darf und soll natürlich Texte und Fotos als Presseinformation heraus geben. Dem steht ja nichts im Wege. Schließlich übernehmen Journalisten so was ja nicht ungeprüft und recherchieren das ganz genau wer da was lancieren möchte.

    Die Frage die sich aus ihrer Kommentarantwort ergibt, warum eine solche Behörde – gerade eine Arbeitsagentur die Millionen für schwachsinnge Maßnahmen verbrennt – dann nicht jemanden beauftragt der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet ist ja dann doch eigentlich irgendwie noch viel schlimmer, oder?

    Allerdings war das nur so eine Frage am Rande. Schade dass die Antwort erst mal den Eindruck vermittelt, sie würde mehr Priorität genießen als die Mißstände im System. Aber der Eindruck täuscht ja sicher.

  4. Nordstadtblogger-Redaktion Beitrags Autor

    Wir wollten auch keinen Nebenkriegsschauplatz zur Ablenkung eröffnen, sondern auf eine falsche Darstellung bei unserer Arbeit bei Nordstadtblogger hinweisen. Nicht mehr und nicht weniger. Den Rest lassen wir bewusst unkommentiert. Dafür schreiben Sie ja Kommentare. Dass beim Jobcenter und der Arbeitsagentur nicht fotografische Profis engagiert werden, um die Bilder zu machen, bedauern und kritisieren wir auch. Vor wenigen Jahren gab es solche Aufträge noch….

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