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Ein „System der Wertschätzung“: Dortmunder Stadtrat beschließt endgültig ein eigenes Modell der Ehrenamtskarte

Ehrenamtliche Tätigkeiten – wie hier im DKH bei Ankunft der Flüchtlinge 2015 – sind „der Kitt der Gesellschaft“. Foto: Alexander Völkel

Auch im Stadtrat fand der Antrag auf Einführung einer Dortmunder Ehrenamtskarte mit großer Mehrheit Zustimmung. Damit soll das freiwillige, unentgeltliche Engagement vieler Menschen für soziale Zwecke ausdrücklich gewürdigt werden. Anders als beim NRW-Landesmodell, sind in dem Konzept für Dortmund auch Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeiten mit geringfügigem Zeitumfang vorgesehen.

Wo der Staat seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, hilft allerorten ehrenamtliches Engagement

Menschen, die sich unentgeltlich für die Belange anderer einsetzen, freiwillig, unter Einsatz eigener Kräfte, Zeit und häufig auch Geldmittel: ihr selbstloses Tun im Ehrenamt wird daher immer wieder als „Kitt der Gesellschaft“ bezeichnet.

Es könne durchaus die Frage gestellt werden, ob es nicht eigentlich staatliche Aufgaben seien, was Ehrenamtliche machten, bemerkt Svenja Noltemeyer (Bündnis90/Die Grünen) während der abschließenden Stellungnahmen der Fraktionen vor der Abstimmung über die Einführung der Ehrenamtskarte im Stadtrat.

Und wenn der Staat schon seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und zig Milliarden über das Engagement der Ehrenamtlichen einspart, so ließe sich das Argument fortführen, dann muss deren Arbeit erst recht wertgeschätzt werden. Genau ein solches „System der Wertschätzung“ sah die Sprecherin der Grünen daher nun mit dem Antrag zur Einführung der Ehrenamtskarte auf den Weg gebracht. Mit dem zudem jenen flexibel geholfen werden könne, die dies benötigen, so Noltemeyer.

FDP lehnt Konzeption mit Hinweis auf mutmaßlich anonymisierende Gleichmacherei ab

Mit dem „Engel der Nordstadt“ wird ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Das schätzen SPD, CDU und Linke&Piraten ähnlich ein. Ihre Zustimmung zu dem Antrag aus dem Seniorenbeirat entsprechend der Empfehlung des Ausschusses für Bürgerdienste galt als sicher – und so kam es auch. Die FDP schien in dem Vorhaben dagegen so etwas wie sozialistische Gleichmacherei zu wittern.

Für ihren Sprecher, Karl Heinz Dingerdissen, handelt es sich bei der Karte denn auch, soweit dies für ihn erkennbar sei, um „ein sehr anonymisiertes, gleichbehandelndes System“, das der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht gerecht würde. Wichtig sei, wie viel und was einer mache.

Als Schatzmeister in einem Sportverein tätig zu sein, sei etwas ganz anderes, als sich zum Beispiel einmal in der Woche bei der Dortmunder Tafel zu engagieren. Es gäbe verschiedene Möglichkeiten der Anerkennung für solche Tätigkeiten und das könne nicht mit einer gleichmachenden Ehrenamtskarte aufgefangen werden, so Dingerdissen. Daher werde seine Fraktion der Karte, wie in dem Antrag konzeptioniert, ihre Zustimmung verweigern.

BefürworterInnen der Ehrenamtskarte betonen den gesellschaftlichen Wert des sozialen Engagements

Ohne das Ehrenamt gäbe es allerdings keine Freiwilligen Feuerwehren, beträchtlich weniger Freizeitangebote für Kinder oder Senioren, Selbsthilfegruppen oder Nachbarschaftsinitiativen usw. Genau diesen gesellschaftlichen Wert des freiwilligen Engagements betont Christiane Krause (CDU).

Das Leben vieler würde arm, trist, langweilig, gäbe es nicht die vielen Menschen, die – ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellend – sich in Vereinen, Altenheimen, Krankenhäusern oder in der Nachbarschaft ehrenamtlich einbrächten, bekräftigt die Sprecherin der CDU-Fraktion. Zudem könne es durch die Wertschätzung qua Ehrenamtskarte ebenfalls gelingen, den Einsatz der Ehrenamtlichen zu stabilisieren.

Für Dirk Goosmann (SPD) wurde mit dem erzielten Konsens besonderes erreicht: so etwas wie eine „eierlegende Wolfsmilchsau“ sei in die Welt gesetzt worden. Man habe alle Wünsche, soweit dies möglich gewesen sei zum jetzigen Zeitpunkt, unter einen Hut bringen können. Das NRW-Landesmodell der Karte habe zu strenge Voraussetzungen, weshalb „viele ehrenamtlich tätige Menschen hinten rüber“ fielen.

Daher habe eine solche Karte seitens seiner Partei nicht als Allheilmittel für die Wertschätzung ehrenamtlicher Tätigkeiten angesehen werden können. Denn es sollten auch jene erreicht werden, welche die Kriterien der Kartenvergabe nach der NRW-Konzeption nicht erfüllten. Die Essener hätten demgegenüber ein komplett eigenes Modell, das aber auch nicht ohne Nachteile sei.

Daher habe man sich für eine Sowohl-als-Auch Lösung entschieden, erklärt Goosmann. Die beinhaltet unter anderem die Einrichtung eines Fördertopfs von 25.000 Euro jährlich über den Stadthaushalt, aus dem durch die FreiwilligenAgentur Aufwandsentschädigungen für solche ehrenamtlich Engagierten geleistet werden sollen, die keine anderweitigen Vergütungen für ihren Einsatz erhalten.

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Ausschuss für Bürgerdienste bringt Ehrenamtskarte auf den Weg – Engagement soll in Dortmund stärker gewürdigt werden

 

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