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Die Tage von „Utopia“ sind (vorerst) gezählt: Der temporäre Skatepark am Dortmunder U muss einem Neubau weichen

Die Tage des Skateparkes „Utopia sind gezählt - die Anlagen werden abgebaut. Fotos: Leopold Achilles

Die Tage des Skateparkes „Utopia sind gezählt – die Anlagen werden abgebaut. Fotos: Leopold Achilles

Der Sommer kommt, „Utopia“ geht – wenn auch nicht freiwillig. Der Betonskatepark „Utopia“ muss Neubauplänen im Schatten des Dortmunder U weichen. Als temporäre Nutzung angelegt, war ein Ende eigentlich eingeplant. Aber der selbst organisierte Skatepark kommt so gut an, dass sich die zahlreichen Nutzer*innen dafür stark machen, ihn zu erhalten. Denn am Freitag ist (vorerst) Schluss.

„Wir treffen uns an den Blöcken“ – Gemeinschaftsgefühl im Schatten des Dortmunder U

Seit Mai 2018 wurde in Selbstorganisation – und durch die Stadt Dortmund angeregt – auf dem Vorplatz am Dortmunder U ein Betonskatepark gebaut. Alle Helfer*innen waren mit Leidenschaft dabei, ganz egal ob sie selbst Skateboard fahren oder nicht. Denn eins war für sie klar: Der Platz am U ist nicht nur bei Skatern beliebt. ___STEADY_PAYWALL___

Es ist für sie der Platz in der Dortmunder Innenstadt, „wo man bis zum letzten Sonnenstrahl mit seinen Liebsten zusammen sitzen kann, reden kann, Musik machen kann oder einfach sein Feierabendbier genießt“, betonen sie in einem Aufruf. „Wir treffen uns an den Blöcken“, sagt man dann immer. Auch die Gäste der angrenzenden Bar Moog, schätzen die extra eingerichtete Strandbar“, schreiben sie weiter.

Durch „Utopia“, wie der eigens entworfene Skatepark getauft wurde, sei nochmal eine ganz neue Bewegung in diesen zentral gelegenen Treffpunkt gekommen. Musiker*innen, Künstler*innen, Familien aus allen Ecken des Landes hätten diesen Platz schätzen gelernt. Es wurden aus dem Nichts Großveranstaltungen mit Konzerten oder Kunstaustellungen geplant und organisiert- alles in Kombination mit der Dortmunder Wirtschaft durch Beteiligung etlicher Unternehmen. 

Skateanlagen werden ab Freitag abgebaut – bislang gibt es keine Alternativpläne

Die Skateboard-Initiative Dortmund als organisierter Verein – sie betreibt auch die Skatehalle am Dietrich-Keuning-Haus –  hat dafür die Verantwortung übernommen. Ein Platz, der also eine ganze Stadt belebt, bewegt und organisiert hat und der den Menschen fehlen wird, ganz egal ob Skater*in oder nicht.

Doch damit ist nun Schluss – denn das Gelände soll bebaut werden. Dies kommt wenig überraschend, da es so von Anfang an ja kommuniziert war. Aber dennoch überwiegt die Enttäuschung. Daher haben sich die Nutzer*innen für den Erhalt stark gemacht und binnen weniger Tage online rund 3000 Unterschriften für den Erhalt gesammelt.

Die Stadt bestätigt, dass sie weiterhin mit den Skater*innen im Gespräch sind. „Alle sind sich einig, dass es ein gelungenes Format ist. Aber diese Fläche war ideal – und das ist nicht leicht zu finden“, macht Stadtsprecher Christian Schön deutlich.

Die Fläche wird für „Studentisches Wohnen am Dortmunder U“ freigeräumt

Bis zu 500 Micro-Apartments für Studierende sollen unweit des Dortmunder U entstehen.

Bis zu 500 Micro-Apartments für Studierende sollen unweit des Dortmunder U entstehen.

Doch die Skater*innen müssen die Fläche bis zum 24. Juni räumen, weil das Grundstück an den Käufer übergeben wird, der dort Mircoappartments bauen will. „Studentisches Wohnen am U“ heißt das Vorhaben, bei dem bis zu 500 Wohneinheiten entstehen sollen.

Ursprünglich war die temporäre Nutzung auf ein Jahr begrenzt gewesen. Sie wurde – wegen Verzögerungen bei der Bauplanung – daher verlängert. Ob es eine neue Fläche geben kann, ist noch völlig offen. Denn eine so zentrale und prominente Fläche wird es kaum wieder geben können.

Dass die Bedürfnisse entstanden sind, weiss auch die Stadt. Daher suche man weiter den Dialog. Letztendlich sei es aber bei den Skater*innen, ihre Bedarfe und Wünsche zu formulieren. Andere Flächen am U werden nicht zur Verfügung stehen – auch die beiden anderen verbliebenen Freiflächen sind mittlerweile verplant.

3000 Menschen haben für den Erhalt unterschrieben – doch eine wirkliche Forderung gibt es nicht

Einen wirklichen Effekt konnte die Online-Petition – und das ist das eigentliche Manko – konnte nicht haben. Es gibt darin keine direkt verknüpfte Forderung, keinen klaren Adressaten und bisher auch keine Anbindung an die Kommunalpolitik. Es wird damit mehr ein Gefühl und eine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass „Utopia“ vielleicht an einem anderen Standort weiterleben könne oder solle. Dass ihr Ansinnen bisher kaum mehr als ein Wunsch ist, wird aus den Schlussworten der Online-Petition deutlich.

Dort heißt es: „Und so wird es passieren, dass der beliebteste Sonnenplatz Dortmunds, wo sich die letzten zwei Jahre die Sonne umso wärmer und herzlicher angefühlt hat, für immer in den Schatten gestellt wird. Hierbei geht nicht nur ein Stück Kultur, Urbanismus und Lebensgefühl verloren, nein man verdrängt viele Bürger von dort, wo sie gerne sein wollen, wenn sie in einer Stadt wie Dortmund leben. Aus dem Zentrum. Das solche Veränderungen und die Entwicklung eines Stadtbildes dazu gehören weiß jeder. Störend hierbei ist der Mangel einer Alternative!“ 

Für sie ist dieser Skatepark an diesem zentralen Standort ein Statement für ein Gemeinschaftsgefühl, welches gerade in Corona-Zeiten erhalten bleiben sollte. Vielleicht greift ja eine oder mehrere der Parteien dieses Thema auf. Am 13. September ist ja Kommunalwahl….

Link zur Online-Petition: https://secure.avaaz.org/de/community_petitions/stadt_dortmund_utopia_muss_bleiben/

 

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2 Gedanken über “Die Tage von „Utopia“ sind (vorerst) gezählt: Der temporäre Skatepark am Dortmunder U muss einem Neubau weichen

  1. Cornelia Wimmer

    Ich bin keine Skaterin, aber auch ich habe beobachtet, dass westlich zu Füßen des U sich das einstellt, was man in Dortmund so gut wie überall vermissen muss: Ein Platz zum Verweilen, zum In-der-Sonne-Sitzen, In-die-Sonne-Blinzeln, zum Da-Sein in der Stadt. Ohne Verzehrszwang! Kostenfrei! Unglaublich.
    Man hätte einen solchen Ort vorsehen können, die Pläne und die Verkäufe entsprechend tätigen, bzw. eben nicht tätigen können. – Das U mit seiner imponierenden Erscheinung hätte alle Voraussetzungen geboten, ein kultiger Ort zu werden, hätte man ihm nur den Platz dazu gelassen. Doch der wurde, dem Betrachter zur Enttäuschung, schon im Süden gleich zugebaut, die Blickachse verstellt, der für ein so großes Bauwerk nötige Umraum wurde mit Immobilien vollgestellt.
    Nun auch der Westen. Statt Sundowning Blick auf einen Wohnkomplex. Es wird sich anfühlen, also würde vor einem Balkon mit schöner Aussicht eben mal eine Wand hochgezogen.
    Lebendige Städte sind mehr als Immobilien mit Transferräumen dazwischen. Wieder mal eine Chance, langfristig, sehr langfristig vertan.

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