Nordstadtblogger

Die Galeriewochenden der „Offenen Ateliers“ präsentieren Dortmund als Stadt der bildenden Künste

Offene Ateliers 2016: Stephanie Bryschs Skalpellskizzen aus alten Büchern. Fotos: Klaus Hartmann

Was tut man, wohin geht es, wenn man 152 Künstlerinnen und Künstler, verteilt auf 96 Orte und elf Galerien besuchen kann? Wenn man mal „Mäusken“ machen kann und hinter sonst verschlossene Türen blicken darf. Die Entscheidung fällt schwer. Und Entscheidungen zu treffen gehört nun mal zu den schwersten Aufgaben der menschlichen Natur.

Die „Offenen Ateliers“ fanden an zwei Wochenenden verteilt über das Stadtgebiet statt

Viola Welker im Pauluszentrum.

Glücklicherweise haben die Veranstalter der offenen Ateliers – die größte und vielfältigste Gemeinschaftsausstellung der Stadt – auf zwei Wochenenden nach Ost und West, aufgeteilt.

Die Grenze bildete die Bundesstraße 54, die von Nord nach Süd mitten durch die Stadt verläuft.

Auf der Website zur Veranstaltung konnten Interessierte nach Genres filtern und sich Informationen über die Kreativen verschaffen.

Des Nordstadtbloggers leicht willkürlich ausgewählte Route startete bei Viola Welker in der Kirchenstraße.

Viola Welker zeigt Affen in absurden Situationen und wiederbelebt vergessene Menschen

Collage aus Foto und Tusche von Viola Welker.

Die Künstlerin hat ihr Atelier unweit der Kirche in der Westerbleichstraße, und weil dort der Raum begrenzt und ihr Werk so umfangreich ist, präsentiert sie ihre Arbeiten im Pauluszentrum.

Die Malerin, Illustratorin und Bildhauerin Welker vertauscht gerne Rollen.

In ihrer aktuellen Reihe, bestehend aus teilweise colorierten Tuschezeichnungen, sind Affen zu sehen, die am Fließband oder im Labor arbeiten.

Auf einem Bild liest eine Affenmutter ihrem amüsierten Kind aus einem Buch mit dem Titel „Human Behavior“ vor. Absurdität ist hier Programm.

Eine ältere Serie zeigt Portraits von Menschen auf alten Fotos, die Viola Welker auf Flohmärkten erstanden oder die sie auf der Straße bei Haushaltsauflösungen gefunden hat. Die Fotos, meist werden nur die Köpfe verwendet, werden um teilweise zellartige Zeichnungen ergänzt. „Vergessene Menschen werden so wiederbelebt“, erklärt sie ihre Arbeiten.

Die Grenzen zwischen Versuchung und Vergiftung zeigt Barbara Koch im Künstlerhaus

Barbara Koch in ihrer Garage.

Einblicke in die Arbeiten von fast zwanzig Künstlerinnen und Künstler gestattet das Künstlerhaus am Sunderweg, der nächsten Station unserer Route.

Aufgrund der Dichte an Kreativen ist hier auch die Besucherfrequenz höher als an den Einzelstandorten.

Jede Raum im Haus wird für die Kunst in all seinen Facetten genutzt. In einer Garage im Hinterhof arbeitet Barbara Koch. „Mich interessieren die Grenzen zwischen Versuchung und Vergiftung, Anziehungskraft und Widerwillen.

Ich erzeuge Spannungsfelder zwischen Macht und Ohnmacht. Ich interpretiere Entfremdung“, beschreibt sie ihre Kunst. Zu sehen sind eine Vielzahl von Objekten, meist aus Silikon in schreienden Farben.

An der Wand hängt eine Wulst, die aussieht wie ein gefährliches Virus mit Tentakeln unter dem Rasterelektronenmikroskop. Auf der anderen Seite wuchern pilzartige Objekte in den Raum. „Ich mache gerne raumgreifende Installationen“, und meint damit weniger die Größe der Objekte als deren massenhaftes Auftreten.

Stephanie Brysch gestaltet aus alten Büchern und Comics eindrucksvolle Werke

Arbeit von Stephanie Brysch.

Einzelstücke sind die Werke von Stephanie Brysch, die sie in der Produzenten-Galerie „blam!“ in der Langen Straße im Unionviertel ausstellt.

Der Name der Galerie bildet sich aus den Anfangsbuchstaben der dort ausstellenden Künstlerinnen und Künstler, nämlich Brysch, Liebig, Autering und Martini.

Sie dem Dezember stellen sie dort aus. Bryschs Werkstoff ist das Papier, sie liebt es dem flachen Material eine Form, eine dritte Dimension zu geben.

Die japanische Kunst des Papierfaltens gehört ebenso dazu wie die Skalpellskizzen aus Büchern und Comics, die sonst im Altpapiercontainer gelandet werden.

Diffizil und akribisch schneidet und verformt und verschachtelt Stephanie Brysch die Seiten zu Ereignissen die ihr das Weltgeschehen liefert. Katastrophen wie der Tsunami oder die Anschläge auf das World Trade Center werden auf eindrucksvolle Weise umgesetzt.

Der Projektraum Fotografie ist Heimat der fotografischen Auseinandersetzung mit dem Viertel

Gerhart Kurtz, links, mit Atelier-Besuchern.

Ein Stück weiter westlich der B54 befindet sich der Union-Gewerbehof an der Huckarder Straße. Dort befindet sich der Projektraum Fotografie.

2010 von Gerhard Kurtz, Daniel Sadrowski, Eisenhart Keimeyer und Donja Nasseri ins Leben gerufen, zeigen die Künstlerinnen und Künstler zusammen mit Sabrina Richmann Arbeiten, die sie im Rahmen des Kunstprojekts Westpassage erstellt haben.

Das Projekt setzt sich mit dem Unionviertel auseinander. Im Fokus der Arbeiten stehen die Veränderungen des Stadtteils und die Menschen im Viertel. Das Thema von Gerhart Kurtz sind Bäume.

Über die Darstellung der Pflanzen im Raum erzählt er Geschichten, zeigt Gegensätze auf. Der Landschaftsfotograf arbeitet mit Gegenüberstellungen. Hier die filigranen Verästelung der Bäume auf der anderen Seite die starre Geometrie von Straßenräumen, meist im Viertel, rund um den Union-Gewerbehof aufgenommen.

Der Projektraum Fotografie ist der vierte von 96 Orten und elf Galerien, die bei den offenen Ateliers zu besichtigen war. Festzustellen ist, dass Dortmund, entgegen anderer Meinung, ein Ort der bildenden Künste ist.

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