HWK-Präsident Berthold Schröder zieht erste Bilanz für das Jahr 2022

Fachkräftegewinnung bleibt im Handwerk in Dortmund weiterhin eine Herausforderung

Die Gewinnung und Sicherung von Nachwuchs- und Fachkräften ist die zentrale Aufgabe für die Handwerkskammer und das Handwerk. Foto © goodluz/123rf.com

Für das Handwerk begann das Jahr 2022 mit einem starken politischen Signal: Das Land Nordrhein-Westfalen hob seine Förderung für die Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) an. Damit flossen in diesem Jahr rund sieben Millionen Euro mehr in die ÜLU. „Mit diesem Schritt hat das Land NRW Maßstäbe bei der Unterstützung der dualen Ausbildung gesetzt”, sagt Kammer-Präsident Berthold Schröder. Das Handwerk habe sich schon lange dafür eingesetzt, dass die Betriebe nicht mehr den größten Anteil der ÜLU-Kosten tragen müssen. „Die Anhebung ist ein konkretes Entlastungssignal für die Betriebe und damit ein zusätzlicher Anreiz auszubilden”, so Schröder.

Verunsicherung: Den Betrieben fehlt die nötige Planungssicherheit

Die dadurch entstandene Entlastung habe die HWK an ihre Mitgliedsbetriebe im Kammerbezirk Dortmund weitergegeben, indem die bereits beschlossene Anhebung des Ausbildungsbeitrags für das Jahr 2022 zurückgenommen wurde. „Kürzlich hat das Land zudem bekanntgegeben, dass die Landesfinanzierung im kommenden Jahr noch einmal auf ein Drittel der Kosten angehoben werden soll. Das begrüßen wir sehr.“

 Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund
Berthold Schröder ist Präsident der Handwerkskammer Dortmund. Foto: Marcel Kusch / HWK Dortmund

Trotz des positiven Jahresauftakts hat die anhaltende Krisensituation das Handwerk im Kammerbezirk vor große Herausforderungen gestellt. Schröder: „Zwei Jahre Corona-Pandemie haben das Handwerk wirtschaftlich hart getroffen. Mitarbeiterausfälle, komplette Schließungen und der Verlust von Aufträgen haben dafür gesorgt, dass viele Handwerkerinnen und Handwerker um ihre Existenz fürchten mussten.“

Durch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs hätten schließlich auch die Gewerke, die weitestgehend gut durch die Corona-Krise gekommen sind, einen Dämpfer erhalten; dazu zähle unter anderem das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe.

„Angesichts der unvorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklungen fehlt den Betrieben zudem die nötige Planungssicherheit, was wiederum zu starken Verunsicherungen führt.” Lagen die Erwartungen für die Zukunft im Frühjahr mit 79 Prozent schon deutlich tiefer als in den letzten Jahren, fielen sie in der HWK-Herbst-Umfrage noch mal kräftig auf 58 Prozent ab.

Auch die derzeitige Geschäftslage wurde im Herbst mit 85 Prozent deutlich schlechter bewertet als vor einem Jahr (Herbst 2021: 91 Prozent). „Es ist entscheidend, dass die beschlossenen Energie-Hilfen der Bundesregierung jetzt zeitnah und unbürokratisch umgesetzt werden. Sonst werden viele Betriebe nicht über den Winter kommen.“

Fast jeder zweite Betrieb findet trotz Bemühungen keine geeigneten Mitarbeiter:innen

Dass sich die Fachkräftegewinnung im Handwerk weiterhin schwierig gestaltet, zeige ein Blick auf die aktuellen Ausbildungszahlen. „Ende November hatten wir ein Minus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr”, so Schröder. Gleichzeitig seien noch 412 freie Ausbildungsplätze in der HWK Lehrstellenbörse gemeldet.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, HWK-Geschäftsführerin Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsbereichsleiter WiFö Dortmund Friedrich-Wilhelm Corzilius, Pressesprecherin Jobcenter Dortmund Vitalia Seidel, Pressesprecherin Agentur für Arbeit Dortmund Sibylle Hünnemeyer, Kampagnengesichter Tisa, David, Talia, Chiara.
Eine groß angelegte Kampagne gab es zum Thema Ausbildung, an der sich auch die Kammern beteiligten. Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

„Fast jeder zweite Betrieb findet trotz Bemühungen keine geeigneten Mitarbeiter, das hat eine Sonderumfrage der HWK ergeben. Die Gewinnung und Sicherung von Nachwuchs- und Fachkräften wird daher eine zentrale Aufgabe für die Handwerkskammer und das Handwerk in den nächsten Jahren sein.“

Dazu gehöre auch, die Attraktivität der beruflichen Bildung in der Öffentlichkeit zu stärken. „Vor diesem Hintergrund begrüßen wir es sehr, dass das Land eine Meisterprämie für das kommende Jahr angekündigt hat”, sagt der Kammer-Präsident.

Die Prämie in Höhe von 2.500 Euro soll für jede erfolgreich abgelegte Meisterprüfung im Handwerk gezahlt werden. „Das setzt wichtige Anreize für die Meisterausbildung und ist ein wertvolles Signal zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.“

Gewinnung von weiblichen Fach- und Führungskräften im Handwerk

Neben dem Thema Nachhaltigkeit wird sich die Handwerkskammer in 2023 weiterhin mit der Gewinnung von weiblichen Fach- und Führungskräften im Handwerk befassen. „Wir haben zu Beginn des Jahres die Kampagne ‚Starke Frauen. Starkes Handwerk.‘ gestartet, die wir jetzt schrittweise ausbauen”, erklärt Schröder. „So sind wir seit Beginn der Saison 2022/23 offizieller Partner der Abteilung für Mädchen- und Frauenfußball von Borussia Dortmund und machen mit Social Media Aktionen und Plakaten gezielt auf das Thema aufmerksam.”

Aktuell laufe noch ein Fotowettbewerb im Rahmen der Kampagne, der die Sichtbarkeit von Frauen in Handwerksberufen stärken soll. Die besten Arbeiten werden Anfang März ausgezeichnet. Weitere Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Frauen im Handwerk sind in Planung. Schröder: „Wir freuen uns auf ein ereignisreiches Jahr.”

Interessierte können noch bis Ende Januar 2023 am Fotowettbewerb teilnehmen: hwk-do.de/photoaward

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Reaktionen

  1. „Steigende Energiepreise machen uns Sorgen” – Handwerksbetriebe schauen mit gemischten Gefühlen auf 2023 (PM)

    Kammerbezirk. Die vergangenen Monate waren geprägt durch die Corona-Krise und den schrecklichen Angriffskrieg in der Ukraine. Die Pandemie hat die finanziellen Polster vieler Handwerksbetriebe im Kammerbezirk aufgezehrt, sodass sie wenig Spielraum haben, neuerliche Härten abzufangen. Lieferkettenprobleme und explodierende Preise bei Energie und Material haben schließlich dafür gesorgt, dass auch die Gewerke, die weitestgehend gut durch die Corona-Krise gekommen sind, einen Dämpfer erhalten.

    Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund: „Angesichts der unvorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklungen sind die Betriebe verunsichert und blicken deutlich pessimistischer als vor einem Jahr in die Zukunft. Auch die Fachkräftegewinnung gestaltet sich weiter schwierig. Wir werden uns auch weiterhin bei der Politik dafür einsetzen, dass die Belange von Handwerksunternehmen bei allen wichtigen Entscheidungen einbezogen werden; nicht zuletzt bei den nötigen Unterstützungsleistungen im Bereich der gestiegenen Energiepreise. Wir brauchen hier schnelle und unbürokratische Hilfen, denn es geht um zahlreiche Existenzen im Handwerk”.

    Stimmen aus dem Kammerbezirk Dortmund –
    Nachgefragt: Was erhoffen Sie sich für das Jahr 2023
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    Giuliana Koke, Friseurmeisterin und Geschäftsführerin Salon HAIR, Dortmund: „Für das neue Jahr wünsche ich mir mehr Stabilität und weniger Hiobsbotschaften. Im vergangenen Jahr sind wir ja von einer Krise in die nächste geraten. Wir waren leider gezwungen, die Preise für unser Kunden zu erhöhen, da unsere Kosten für Energie und Haarpflegeprodukte immens gestiegen sind. Ich hoffe doch, dass uns unsere Kunden trotzdem treu bleiben. In 2023 möchte ich weiterhin so gut mit meinen Mitarbeitern zusammenarbeiten wie bisher. Generell wäre es schön, wenn der Beruf des Friseurs / der Friseurin in der Gesellschaft mehr Anerkennung erfährt. Dies müsste in den Schulen transparenter gemacht und der Beruf den Schüler*innen schmackhafter gemacht werden.”

    David Petermeier, Fleischermeister und Geschäftsführer der Fleischerei Josef Schäfermeier GmbH, Lippstadt: „In diesen stürmischen Zeiten hoffen wir, dass wir unseren Betrieb wie bisher im sicheren Fahrwasser halten können. Die steigenden Energiepreise machen uns Sorgen, daher haben wir eine Photovoltaik-Anlage angeschafft. Das hilft uns sehr und verschafft zumindest zum Teil Unabhängigkeit von externen Stromanbietern. In 2023 möchten wir weitere Mitarbeiter für unser Unternehmen gewinnen. Die Corona-Pandemie verfolgt uns schon seit drei Jahren, hier wünschen wir uns im nächsten Jahr klarere Regeln seitens der Politik. Was die vielen Konflikte in der Welt betrifft – im Kleinen, wie im Großen – so wünschen wir uns Frieden, Frieden, Frieden und mehr Rücksicht der Menschen aufeinander. Alles in allem sollten wir alle etwas zufriedener sein und nicht immer so schwarzsehen.”

    Klaus Schäfer, Fachgeprüfter Bestatter und Geschäftsführer Bestattungshaus Schäfer-Kretschmer GmbH, Bergkamen: „An erster Stelle stehen dabei natürlich die Gesundheit sowie Besserung der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage. Der Krieg in der Ukraine und die stark gestiegenen Lebenskosten sind eine Sorge für uns alle. Ich hatte gehofft, dass auch Corona zum Ende des Jahres 2022 kein Thema mehr sein würde. Doch danach sieht es nicht aus. Trotz aller Widrigkeiten hat sich gezeigt, dass wir als Unternehmen mit unserem stetig wachsenden Team gut aufgestellt sind. Und wir werden auch weiterhin innovativ und neugierig bleiben. Neben der täglichen Arbeit mit der Unterstützung und Begleitung von Angehörigen werden wir auch 2023 wieder einige Veranstaltungen aus der Reihe „Kultur in der Trauerhalle” auf die Beine stellen. Ich blicke mit Spannung auf das neue Jahr.”

  2. Aktuelle Krisen haben zum Umdenken geführt: HWK berät Mitgliedsbetriebe kostenlos zu umweltfreundlichen Technologien und Maßnahmen (PM)

    Siegfried Riemann, Technischer Berater bei der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, berät Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer Dortmund kostenlos zu umweltfreundlichen Technologien und Maßnahmen.

    „Der Beratungsbedarf bei unseren Mitgliedsbetrieben zu den Themen E-Mobilität und Photovoltaik-Anlagen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen”, berichtet Siegfried Riemann, Technischer Berater bei der HWK Dortmund. „Die Handwerksbetriebe werden über die Medien, unsere Internetseite oder auch bei Veranstaltungen zu Energiethemen auf unsere kostenlosen Services aufmerksam.” Viele Fragen ließen sich schon am Telefon klären. In den meisten Fällen stellen die HWK-Unternehmensberater aber Infopakete zusammen und fahren zur besseren Einschätzung zu den Handwerksbetrieben.

    Beraten und Wege aufzeigen

    Die Unternehmensberater der Handwerkskammern werden von den Wirtschaftsministerien des Bundes und Landes gefördert und stellen Beratungsmaterialien als Leitfäden für die Gespräche vor Ort zur Verfügung. Hier geht es beispielsweise um Fragen der Beleuchtung, des Energieverbrauchs, aber auch um Abfallentsorgung oder E-Mobilität. „Viele Betriebsinhaber haben bereits Ideen. Wir beraten sie dann und zeigen Wege auf”, so Riemann. Die konkrete Umsetzung erfolgt dann meist über das ausführende Handwerk und einen Dienstleister. „Häufig müssen externe Energieberater hinzugezogen werden, um Detailfragen zu klären. Messungen, Rechnungen und Verbrauchsdaten sind für eine bessere Planung unerlässlich. Schließlich ist es eine Investitionsentscheidung für den Betriebsinhaber.”

    2018 hat Siegfried Riemann die Bau- und Möbeltischlerei Matthias Ernst beraten. Damals erkundigte sich der Tischlermeister über die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf den Dächern seiner Werkstatt. „Zu diesem Zeitpunkt war die Nachfrage danach noch nicht so groß wie jetzt und auch noch erschwinglich. Es war eine sehr gute Entscheidung, die Photovoltaik-Anlage zu installieren. Wir gewinnen damit mehr Strom, als wir für unsere Werkstatt benötigen”, erklärt Matthias Ernst. „Wir können den Strom sogar zum Laden unserer E-Fahrzeuge nutzen.”

    Gute Förderquoten durch das Land NRW

    Seit kurzem besitzt der Tischlermeister einen E-Transporter. „Meine Kunden wohnen in der Regel im näheren Umfeld, ich benötige den Transporter also nicht für große Reichweiten. In 2021 gab es sehr gute Förderquoten durch das Land NRW, da habe ich auf Rat der Handwerkskammer direkt einen Antrag gestellt. Es hat zwar ein Jahr zwischen Antragsstellung und Auslieferung gedauert, aber es hat sich gelohnt”.

    2022 hätten viele Handwerksbetriebe bei der Handwerkskammer Beratungen angefragt. „Der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise haben bei vielen zu einem Umdenken geführt”, so Riemann. „Viele bedauern es, sich nicht früher um diese Themen gekümmert zu haben.”

    Die Anlässe für eine Beratung seien sehr individuell. Zum einen ginge es darum, Kosten zu sparen. Einige verfolgten eher einen ökologischen Ansatz und das Ziel klimaneutral zu werden. Die zu ergreifenden Maßnahmen müssten immer mit betriebswirtschaftlichen Belangen abgewogen werden, so der 63-Jährige. „Manchmal geht es nur um die Änderungen von Teilprozessen, manchmal müssten ganze Anlagen neu angeschafft werden. Da muss sich jeder fragen, ob die Investition sich auch lohnt. Außerdem ändern sich die politischen Rahmenbedingungen permanent. Die aktuellen Krisen sind jedoch Anlass genug am Thema Energieeffizienz dranzubleiben.”

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