Nordstadtblogger

Der Tatort wird Wirklichkeit: Drogenhandel und -verstecke auf Spielplätzen sind leider keine Fiktion in der Nordstadt

Im letzten Dortmund-Tatort stand ein Sandkasten in der Nordstadt im Mittelpunkt. Foto: WDR/Thomas Kost

Viele Medien schauen den Tatort-Machern auf die Finger. Sogenannte Fakten-Checks gibt es reihenweise – von der FAZ bis zu den Ruhrnachrichten. Die besonders interessante Frage: Wie kriminell ist die Nordstadt und gibt es wirklich Drogenverstecke in Sandkästen?

Dealer haben Drogen auf dem Gelände der Kita Leopoldstraße versteckt

Die sechsjährige Emma findet im Sand blaue Pillen – und hält sie für Bonbons. Foto: WDR/Thomas Kost

Im Dortmund-Tatort „Kollaps“ hatte eine Sechsjährige einen Beutel Kokain im Sandkasten ausgebuddelt. Die Außenaufnahmen wurden zwar in Köln und nicht in der Nordstadt gedreht.

Aber die einhellige Meinung der Experten und der Polizei: Nein – solche Funde in Sandkästen hat es in der Nordstadt bzw. in Dortmund nicht gegeben.

Eine Recherche der Nordstadtblogger bringt aber das Gegenteil ans Licht: Leider hat es doch solche Funde gegeben. Zwar nicht im Sandkasten (insofern stimmt die zitierte Aussage der Polizei), sehr wohl aber auf Spielplätzen. Konkret zuletzt auf dem Spielplatz der Kita Leopoldstraße.

Hier haben – zum Glück  – Erwachsene die Drogen entdeckt und auch die Polizei gerufen. Das Drogenversteck war in einer Umrandung auf dem Außengelände der städtischen Kita entdeckt worden.

Die Polizei bestätigt diesen Vorfall, der sich Mitte September ereignet hat, dann auch auf Nachfrage der Nordstadtblogger. Die Wirklichkeit holt daher – zum Glück ohne tote Kinder – zumindest in Teilen das Drehbuch ein – auch wenn die Tatort-Folge da schon längst abgedreht war.

Drogenhandel seit langem ein Problem

Die Einrichtung ist unmittelbar am Dietrich-Keuning-Haus und der weitläufigen Grünanlage gelegen. Der Park macht seit langem Schlagzeilen wegen Kriminalität.

Hier findet mittlerweile der Drogenhandel statt, der früher vor allem im Westpark lief. Doch dort wurden die Anbieter und Käufer durch verstärkte Kontrollen verdrängt – sie landeten am Keuning-Park und in der Münsterstraße.

Doch auch andere ungebetene Gäste gibt es. Die Beschäftigten der Kita kontrollierten daher jeden Morgen, ob sich auf dem Außengelände Müll, Scherben oder Spritzen finden, bestätigte Stadtsprecherin Anke Widow.

Leider Normalität in der Nordstadt: Solchen Kontrollen gibt es quasi in fast allen Tageseinrichtungen. Mehrfach wurden die Beschäftigten in den vergangenen Jahren fündig. Bisher allerdings immer außerhalb des Spielplatz-Zaunes – aber meist noch in Greifweite der Kinder, wie Augenzeugen berichten.

Zuletzt war die Polizei am Freitag an der Kita in der Leopoldstraße, weil ein verdächtiger Gegenstand gefunden wurde.

Verstärkte Polizeipräsenz drängten Dealer offenbar auf das Kita-Gelände

Entlang der Außengeländes haben Kita-Beschäftigte mehrfach Drogen gefunden. Foto: Alex Völkel

Meist jugendliche Dealer verstecken ihre Drogen entlang der Wege des Keuning-Hauses und der benachbarten Kita, damit sie bei Kontrollen durch die Polizei höchstens mit kleinsten Mengen angetroffen werden.

Viele von ihnen sind mit (BMX-) Rädern unterwegs, um schnell Nachschub holen oder sich bei Kontrollen absetzen zu können.

Mitte September allerdings wurden offenbar die Dealer – vermutlich durch die verstärkte Polizeipräsenz und die Sperrung des Keuning-Hauses als Drehscheibe für ankommende Flüchtlinge – von ihren „üblichen“ Orten und Verstecken ferngehalten.

Daher hatten sie – so vermuten es Eltern – erstmals auf dem Gelände der Kita ein kleines Drogendepot angelegt. Dem Personal war die lose Erde an einer Einfassung aufgefallen und es hatte die Drogen herausgefischt, bevor die Kinder zum Spielen heraus kamen.

Drogenhandel bleibt weiter ein großes Problem – öffentlicher Konsum geht zurück

Auch auf anderen öffentlichen Spielplätzen wurden Spritzen gefunden sowie Leute beim Drogenkonsum oder -handel erwischt. Allerdings – und das ist die gute Nachricht – ist der öffentliche Drogenkonsum stark rückläufig.

Das viele Grün entlang der Wege bietet vielfältige Versteckmöglichkeiten. Foto: Alex Völkel

Wesentlichen Anteil daran haben die Drogenkonsumräume und die verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungskräften.

Das war nicht immer so: Vor einigen Jahren führte der Drogenhandel und -konsum dazu, dass sich am Spielplatz an der Heroldstraße eine Bürgerinitiative formierte, die selbst „auf Streife“ ging. Das ist allerdings schon lange kein Thema mehr.

Jedoch ist der Drogenverkauf weiterhin ein großes Problem in der Nordstadt. Ein so großes, dass der Keuning-Haus-Leiter Viktor Kidess in der Bezirksvertretung der Nordstadt eine Umzäunung des gesamten Geländes seines Hauses gefordert hat. Wie man damit umgeht, beschäftigt das Gremium noch.

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3 Gedanken über “Der Tatort wird Wirklichkeit: Drogenhandel und -verstecke auf Spielplätzen sind leider keine Fiktion in der Nordstadt

  1. David Grade

    Ein Zaun. Das ist die aktuelle Idee im längst verlorenen Kampf gegen Drogen. Auch die im Artikel angesprochene KiTA ist umzäunt. Was bringt es? Offenbar nichts.

    „Dann muss der Zaun eben höher sein und vielleicht mit Stacheldraht“, sagen da Politiker der SPD die seit jahrzehnten in einer Art ordnungspolitischen Fantasiewelt leben und der Meinung sind, der Kampf gegen (illegale) Drogen ließe sich auf diese Art gewinnen.

    Im äußersten Fall wird das den Drogenhandel wieder einmal verdrängen, so wie es bei jeder Maßnahme gegen Drogen seit Jahrzehnten der Fall ist.

    Was bringt dieses sture festhalten an einer chronisch erflolglosen Strategie? Es bringt hohe Kosten für den öffentlichen Haushalt. Es bringt hohe Gewinne für die kriminellen Organisationen die mit Dealern handeln. Es bringt eine Einschränkung der Lebensqualität von Bewohnern. Es bringt Unsicherheit von Kindern und Jugendlichen (niemand kommt auf die Idee eine volle Wodkaflasche auf einem Spielplatz zu lassen, aber Kokain, Cannabis usw. findet man Mal eben – Danke SPD). Es bringt Unsicherheit für die Konsumenten von Drogen. Es bringt viel Arbeit für die Polizei und die Gerichte. Es schafft ein kriminelles Feld, dem die Integration von gesellschaftlich an den Rand gedrängten teilweise besser gelingt als der Gesellschaft.

    Und was soll die Lösung sein?

    Die Lösung ist Cannabis kontrolliert legalisieren und die Abgabe von Diamorphin. Die Lösung ist Entkriminalisierung von Konsumenten und lizensierte Fachabgabestellen für psychotrope Substanzen
    – Damit trocknen wir den Schwarzmarkt aus.
    – Damit entlasten wir Polizei und Gerichte.
    – Damit schützen wir unbeteiligte vor den Folgen des kriminellen Handels, weil es den dann nicht mehr gibt.
    – Damit schaffen wir Sicherheit für Konsumenten und Suchtkranke.
    – Damit verhindern wir unsere Stadt mit Zäunen vollzustellen, die dann doch nicht helfen.

    Klar ist die Legalisierung von Drogen oder zumindest die Straffreistellung Bundessache, für Dortmund streben die Linke & Piraten deshalb ein Modellprojekt an, in dessen Rahmen die Abgabe von Cannabis oder/und Diamorphin straffrei möglich ist. Der entsprechende Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung nach § 3 Abs. 2 BtMG, wird in Dortmund u.a. von der SPD abgelehnt.

    Damit nimmt die SPD in kauf, dass weiterhin Drogen auf Spielplätzen versteckt werden. Sie nimmt in kauf, dass kriminelle Organisationen weiterhin junge Menschen als Dealer ausnutzen und an sich binden. Sie nimmt in Kauf, dass Konsumenten und Suchtkranke weiterhin in Unsicherheit leben. Sie nimmt in kauf, dass kriminelle Organisationen Geld machen können und die Geselleschaft geschwächt wird.

    Warum tut sie das? Ich habe keine Ahnung. Wer das Motiv kennt, möge es mir sagen.

  2. Viktor Kidess

    In dem obigen Artikel schreiben Sie, dass ich wegen des Drogenhandels rund um das DKH die komplette Umzäunung des DKH in der Bezirksvertretung angekündigt hätte.

    Das ist zumindest in zweifacher Hinsicht nicht richtig:
    1 Die in den Überlegungen eingebrachte Umzäunung beträfe keineswegs das gesamte DKH, sondern einen Bereich, der für die derzeit in der Neukonzeptionierung befindliche offene und projektbezogene Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden soll.

    In die den Außenbereich betreffende Fläche sollen Sport- und Bewegungsmoglichkeiten ebenso wie Möglichkeiten der Zusammenarbeit und zum Teil gemeinsamen Nutzung mit den umliegenden Kitas integriert werden.

    Dieses Konzept wird zur Zeit von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kinder- und Jugendbereiches vervollständigt und zeitnah den politischen Gremien – insbesondere der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord – im Detail vorgestellt werden.

    2. Richtig ist,dass zum Schutz der Kinder – und Jugendarbeit im Außenbereich des DKH auch eine Umzäunung des entsprechenden Bereiches angedacht ist. Diese Überlegungen sind hierbei auch den im Artikel dargestellten Auswirkungen des offenen Drogenhandels auch auf dieser Fläche geschuldet, von denen nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich tangiert werden.

    Sicherlich unstrittig ist aber auch, dass der permanente Fussgangerverkehr, der immer wieder zu beobachtende offene Alkoholkonsum und auch die Tatsache,dass etliche Menschen das Gelände nutzen, um ihre Notdurft zu verrichten, einer sozialpädagogisch ausgerichteten Kinder-und Jugendarbeit wenig zuträglich sind.

    Kinder und Jugendliche brauchen geschützte Räume – das ist in der Nordstadt und im DKH nicht anders als in anderen Teilen dieser Stadt. Insofern sollte man bei der Debatte um eine Einzäunung eines Bereiches für die offene wie projektbezogene, erlebnis – und bewegungsorientierte Kinder-und Jugendarbeit auch mal die „Kirche im Dorf lassen“.

    Schließlich werden die allerrmeisten Jugend- und nahezu alle Kindereinrichtungen mit Außengelände in der gesamten Republik mit Zäunen und anderen Umfriedungsmitteln zum Schutz der Kinder – und Jugendarbeit abgegrenzt.

    Warum dies nun ausgerechnet für die Kinder- und Jugendarbeit des DKH nicht gelten soll und zum Politikum hochstilisiert werden soll, erschließt sich mir bei objektiver Betrachtung nicht.

    Eine Vermischung von sicherlich notwendigen und fachlich begründeten Forderungen nach einer anderen Drogenpolitik, wie sie u.a. von Herrn Grade benannt werden, mit dem Wunsch des DKH, endlich eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichteten sozialpädagogischen Arbeit nun auch auf dem Außengelände des DKH verwirklichen zu können, ist aus meiner Sicht nicht zielführend.

    Mit freundlichen Grüßen
    Viktor Kidess
    Leiter des Dietrich-Keuning-Hauses

  3. Brigitte Jülich

    Die Diskussion um Freigabe bestimmter Drogen z.B. Cannabis ist nicht neu und wird auch nicht von nur von Piraten und Linken geführt. Nur ist es der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung bewusst, dass Gesetzesänderungen nicht in den Aufgabenbereich einer Bezirksvertretung fallen.

    Ihre Aufgabe ist es aber für ein lebenswertes Umfeld zu sorgen, was nicht einfach ist und auch nicht immer gelingt. Verhindern bzw. Erschweren von Straftaten durch gestalterische Maßnahmen sind im Interesse der meisten Bewohner.

    Angestrebte Gesetzesänderungen setzen nicht bestehende Gesetze außer Kraft. So ist es legitim bei Nichteinhaltung Konsequenzen zu fordern und das auch in der Dortmunder Nordstadt.

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