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Corona und die Wirtschaft: Unternehmen bangen – IHK bilanziert 2020 und formuliert Erwartungen an Politik

Eine nicht nur durch das Format von Corona geprägte IHK-Jahrespressekonferenz. Foto (4): Stephan Schuetze/IHK

Hier so manche Firmenjubiläen, die Kontinuität anzeigen, dort örtliche Schlüsselinvestitionen, die für den weiteren Strukturwandel Mut machen können. Positives aus dem vergangenen Jahr gibt es für die Wirtschaftsregion Dortmund allemal zu vermelden. Doch der Gesamttrend ist klar gegenläufig. – Auch für das Geschäftsjahr 2020 bilanziert die Industrie- und Handelskammer (IHK) wieder, wie es um die Unternehmen bestellt ist. Sie erhebt im Vorfeld Stimmungsbilder bei ihren Mitgliedern, sucht nach Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung. Ob Biden oder Brexit, der chinesische Markt oder eben – Corona. Letzteres ist der Punkt, der bei den Beteiligten wenig Heiterkeit aufkommen lässt. Näherhin sind es die vielfältigen Implikationen des gesellschaftlichen Kampfes gegen die hartnäckige Pandemie, welche wohl am ehesten die wirtschaftliche Gesamtlage in und um Dortmund kennzeichnen. Bei der gestrigen Vorstellung des IHK-Jahresberichts wurde der Ernst der Lage für große Teile der Wirtschaft einmal mehr deutlich. Und ebenso, was nach Ansicht ihrer Vertreter aus dem Kammerbezirk nun zu tun, was tunlichst zu vermeiden sei.

Verlust von „Vertrauen der Unternehmen in das Krisenmanagement der Entscheidungsträger“

Beim Thema Corona-Pandemie, da gäbe es „überhaupt nichts zu beschönigen“, fokussiert IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann gleich zu Beginn der (teils virtuellen) Pressekonferenz den Problemhorizont. Es geht um das Wirtschaften im Kammerbezirk Dortmund, Hamm, Unna. Für viele, zu viele Unternehmen in der Region sieht es richtig mau aus. Nicht erst seit gestern. Sondern seitdem wegen der Pandemie das gesellschaftliche Leben und Treiben, der Handel, die Verkehre immer wieder runtergefahren werden mussten. ___STEADY_PAYWALL___

Online-Jahres-PK der IHK Dortmund, (v.l.:) Wulf-Christian Ehrich (stellv. Hauptgeschäftsführer), Stefan Schreiber und Heinz-Herbert Dustmann.

Als es anfing, das ist nun über zwölf Monate her. So manche mögen erst gedacht haben: Deutschland, bis dahin in der Weltöffentlichkeit immerhin wahrgenommen als eine Art Hort durchdachter Planung und Organisation – hier kriegen wir die Seuche mit unserer Disziplin quasi im Handumdrehen in den Griff. Kurz und (fast) schmerzlos. Doch weit gefehlt: Entgegen den Erwartungen schneidet das Land im Umgang mit der Pandemie gegenüber anderen relativ schlecht ab.

Pandemiefolgen im permanenten Eiertanzmodus zu bekämpfen, das zeitigt freilich Spuren, nicht zuletzt in der Wirtschaft: „In den vergangenen Monaten ist viel Vertrauen der Unternehmen in das Krisenmanagement der Entscheidungsträger im Bund, in den Ländern und den Kommunen verloren gegangen“, resümiert IHK-Chef Dustmann. Vertrauen aber sei gerade in solchen Zeiten wie heute „extrem wichtig“. Daher verwundere es nicht, dass viele Unternehmen der Politik ein schlechtes Zeugnis ausstellten.

Als Beleg führt die IHK eine Unternehmensumfrage unter ihren Mitgliedern ins Feld, an der sich von März bis April dieses Jahres 440 Firmen aus Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna beteiligten (unten verlinkt). Das entstandene Stimmungsbild zeigt: rosig sieht anders aus.

„Vielen Unternehmen in Deutschland und in unserer IHK-Region geht es dramatisch schlecht“

Schlechte Noten für die Politik gab es von Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK-Dortmund.

Auch über die amtliche Krisenkommunikation hat der Wirtschaftsvertreter wenig Erfreuliches zu berichten: „meistens schlecht, häufig widersprüchlich“, „häufig kurz beschlossen, dann wieder zurückgenommen“, kommunale Verordnungen, „die häufig über Nacht wirksam wurden“, permanente Regeländerungen, heißt es.

Seine Diagnose, nach mehr als einem Jahr Corona-Krise: „Vielen Unternehmen in Deutschland und in unserer IHK-Region geht es dramatisch schlecht.“ – Die bundesdeutsche Wirtschaftsleistung schrumpfte im letzten Jahr um fünf Prozent. Nur in der Finanzkrise 2008/2009 gab es einen ähnlich großen Einbruch. Prognostiziertes Wachstum (Bruttoinlandsprodukt) 2020/2021: nur 2,8 Prozent – und eher optimistisch geschätzt.

Dabei kenne er kein Unternehmen, dass die im Frühjahr 2020 verordneten Maßnahmen zur Virusbekämpfung nicht voll unterstützt hätte. Seine Sorge: Auf das „Horrorjahr“ 2020 könnte ein weiteres der Art folgen. Doch die Vorzeichen dazu seien entsprechend, die Pandemie noch lange nicht überstanden. „Gleichzeitig ist die Impfstrategie in unserem Land nur sehr schwer in Gang gekommen. Und auch die Teststrategie konnte bisher wenig überzeugen“, bemängelt er.

Große Sorgen bei der Dortmunder IHK um die so wichtige Ausbildung der Fachkräfte von morgen

UMFRAGE: Wie zufrieden sind Sie mit den Beschlüssen von Bund und Ländern zur Bewältigung der Corona-Pandemie auf einer Schulnotenskala von 1 = „sehr gut“ bis 5 = „mangelhaft“

Wie steht es um die versprochenen Finanzhilfen? „Viel zu umständlich, bürokratisch und praxisfern gestaltet“, lautet sein Urteil. Digitale Plattformen seien nicht einsatzfähig gewesen oder das Geld sei schlicht nicht gekommen. Seitens der Wirtschaft erwarteten sie jetzt, „dass die Kompensationshilfen für Unternehmen aus allen Branchen entsprechend angepasst und aufgestockt werden und rechtzeitig fließen, um nicht die unverschuldeten Insolvenzen noch weiter in die Höhe zu treiben“.

Was in diesem Zusammenhang nicht nur lokale Arbeitsmarktpolitiker*innen wie vom Jobcenter Dortmund die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: die Ausbildung. Immerhin geht es um die Fachkräfte von morgen, an denen es bereits heute bekanntlich gehörig mangelt. „Das Ausbildungsthema ist für uns von besonderer Bedeutung“, lässt IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber keine Zweifel.

Teils wie in den Kliniken ginge es bei ihnen zu: „Es gibt auch bei der IHK die Intensivstationen.“ Für Notfälle: Angefangen bei insolventen Unternehmer*innen durch Gespräche mit Banken und Sparkassen bis zu den Auszubildenden, die ihren Ausbildungsplatz durch Insolvenz vielleicht verloren hätten. Hier gälte: statt in der Folge auf der Straße zu stehen, eine Chance zu erhalten, trotz Corona weiterzumachen.

Neue Formate, um Unternehmen mit den Auszubildenden zusammenzubringen

Als hauptverantwortliche Einrichtung im Bereich der beruflichen Ausbildung, als IHK, so Schreiber, da hätten sie eben die große Aufgabe, Unternehmen mit Auszubildenden in den 9. und 10. Klassen oder aus den Abiturjahrgängen zusammenzuführen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber: Unternehmen und Auszubildende müssen zusammengebracht werden, gerade jetzt.

Was sie hier in den letzten zehn Jahren geschafft haben, kann sich sehen lassen: 50.000 Ausbildungsverträge seien es in dieser Zeit gewesen, die im Kammerbezirk von den Mitgliedsunternehmen umgesetzt wurden.

Doch jetzt ist Krise, klassische Formate wie die Berufsberatung über die Schulen fallen wegen der Kontaktrestriktionen weg. Da sei es nun Aufgabe der Kammer, medial gestützt die Kommunikation zwischen diesen beiden Parteien zu erhöhen, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Dazu haben wir moderne Plattformen entwickelt.“

Wie AZUBIYO, „eine rein virtuell stattfindende Messe“, angepasst an jugendliche Kommunikationsformen, über soziale Netzwerke, und deshalb natürlich coronasensitiv. Im letzten Jahr mit 75 Unternehmen und 1.600 Teilnehmer*innen. Oder das Azubi-Speed-Dating mit 100 Unternehmen und 300 Teilnehmer*innen. Engagement ist also vorhanden.

„Jeder Jugendliche, der keinen Ausbildungsplatz erhält, ist ein Jugendlicher zu viel“

Aber bei allen Anstrengungen, da sind objektive Hindernisse, weil Corona ein quasi-totales Ereignis ist. Es durchdringt alle gesellschaftlichen Ebenen, fast jeden Winkelzug des Lebens. Trotz neuer, adaptierter Formate bei der Ausbildungsplatzvermittlung führt kein Weg an einer statistisch ablesbaren Konsequenz der real existierenden Pandemie vorbei. Über alle Berufe sind es knapp 1.000 Ausbildungsverträge weniger als in den vergangenen Jahren, die in dem Kammerbezirk 2020 abgeschlossen wurden.

UMFRAGE: Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Unternehmens im weiteren Verlauf des Jahres 2021 im Vergleich zur gegenwärtigen Lage ein? Die wirtschaftliche Entwicklung …

Was nichts anderes bedeutet als: Es sind 1.000 junge Menschen weniger, die keine Berufsausbildung haben bzw. sich in einer solchen befinden. „Das ist außerordentlich bitter.“ Denn, so der IHK-Hauptgeschäftsführer: „Jeder Jugendliche der keinen Ausbildungsplatz erhält, ist ein Jugendlicher zu viel.“ In diesem Jahr sind es bereits knapp über 1.000 abgeschlossene Verträge über alle Berufe. Aber die Ziele werden moderater, müssen es werden: annähernd den Wert des Vorjahres zu erreichen, lauten sie in der IHK für das laufende Jahr 2021.

Klar ist demnach auch: Es könnte zu mittelfristig irreversiblen Schäden auf dem Fachkräftemarkt kommen. „Diese Delle“, also Corona und seine Folgen, „die darf nicht dazu führen …“ – beginnt Stefan Schreiber einen Satz, den er nicht zu Ende führen kann.

Weil er von dieser Norm, dass also etwas nicht sein sollte infolge der „Delle“, zur Faktizität einer absehbaren Entwicklung übergehen muss: dass nämlich „die Fachkräfte, die jetzt ausgebildet werden und in zwei, drei Jahren dann in den Beruf kommen würden, die fallen jetzt weg“. Sie werden fehlen, wenn nach Corona die Konjunktur wieder anzieht – jene, die gegenwärtig wegen der Kontaktbeschränkungen in kein Ausbildungsverhältnis kommen können.

IHK sieht Gefahr einer Spaltung der Wirtschaft in „offene“ und „geschlossene“ Branchen

UMFRAGE: Haben Sie derzeit oder hatten Sie in den letzten Wochen Beschäftigte Ihres Unternehmens in Kurzarbeit?

Auch das ist ein Aspekt von „Long-Covid“, ein gesellschaftlicher. Ein weiterer, zumindest als eine sich anbahnende Gefahr, wiewohl in den Augen der IHK ebenso schon Realität: Es sei zu „einer gefährlichen Spaltung in unserer Wirtschaft gekommen“, erklärt Heinz-Herbert Dustmann.

Und zwar in „offene“ und (zumindest teilweise) „geschlossene“ Branchen. Wo der Laden also dicht bleiben muss, die Unternehmen darben.

Dies betrifft unter anderem viele Einzelhändler*innen, die Gastronomie und Hotellerie, die Reisebranche, den Messebau, Veranstaltungs- und Event-Dienstleister, Kultur-, Freizeit- und Kreativwirtschaft. – Kam es zur Kurzarbeit im Kammerbezirk, dann in diesen Wirtschaftssektoren.

Doch es trifft eben nicht alle gleichermaßen. Laut Umfrage der IHK geben 58,5 Prozent der Mitgliedsunternehmen andererseits an, dass sie keine Kurzarbeit hatten oder haben. Das seien Unternehmen aus der industriellen Fertigung, der Logistik, des Lebensmitteleinzelhandels, ergänzt Stefan Schreiber. Wovor die IHK warnt: vor möglichen Wettbewerbsverzerrungen infolge des Verkaufs von Artikeln aus geschlossenen Branchen seitens jener, die nicht schließen müssen. Was die befürchtete Spaltung vertiefen würde.

Statt eines Lockdowns sollen durchdachte Hygiene- und Schutzkonzepte helfen

Auswege können hier nach Auffassung der Dortmunder Industrie- und Handelskammer nur mit einer Abkehr von der gegenwärtig prävalenten Lockdown-Logik gesucht werden.

Abstand halten ist in Zeiten von Corona im Einzelhandel oberstes Gebot. Foto: Alex Völkel

Abstand zu halten, ist derzeit oberstes Gebot. Die Frage lautet nur: Wo überhaupt ist Einkaufen erlaubt? Foto (2): Alex Völkel

Um dem Verdacht vorzubeugen, damit könnten gesundheitliche Schutzbedürfnisse gegen Wirtschaftsinteressen ausgespielt werden, betont IHK-Präsident Dustmann: Auch sie wollten kein Risiko der weiteren Virusverbreitung. „Das Problem sehen wir aber nicht in einem weiteren und noch stärkeren Lockdown gelöst“, stellt er unmissverständlich klar.

Was sich den Wirtschaftsvertretern nicht erschließt, das ist etwa, weshalb der „normale“ Einzelhandel leidet, während auf dem Lebensmittelsektor die Geschäfte weiter geöffnet bleiben. Im Hinblick auf die Infektionsprophylaxe ist das für den IHK-Präsidenten keineswegs nachvollziehbar: „Völlig unverhältnismäßig“ sei das, erklärt Dustmann.

Und fragt rhetorisch: Ob denn die Ansteckungsgefahr hier größer sei als zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel? Oder in Buchläden? Beim Friseur? „Bewiesenermaßen ist dem nicht so.“ Dass der Einzelhandel kein Infektionstreiber sei, bestätige auch das Robert-Koch-Institut. Zumal sich seit Beginn der Pandemie die Gesamtsituation der Schutz- und Hygienemaßnahmen deutlich verbessert habe – was aber bei den politischen Entscheidungen offenbar keine Rolle spiele, kritisiert der IHK-Chef.

Click-and-Meet-Einkaufsmodell ist – trotz aller Defizite – für viele noch besser als nichts

So käme es immer wieder zu Schließungen: „Auf diese Weise fügt man den Unternehmen einen irreparablen Schaden zu. Die Händler können nicht mehr“, warnt er nachdrücklich. Click-and-Meet, bei allen Einschränkungen, lässt sich vernehmen: für viele war es immerhin noch besser als nichts. Damit ist in Dortmund seit Wochenbeginn Schluss, nachdem die Stadt – mit Genehmigung des Landes – die kommunale Notbremse gezogen hatte (wir berichteten); Unna und Hamm werden in den nächsten Tagen folgen.

Die IHK befürchtet weitere Geschäftsschließungen und Aufgaben wegen des Corona-Lockdowns. Foto: Karsten Wickern

Ein handfester Lockdown kann nach Ansicht der IHK nicht der richtige Weg sein. Die Wirtschaft leidet. Foto: Karsten Wickern

Sicher, das Click-and-Meet-Einkaufsmodell nach einem negativen Coronatest sei kaum „ein Tropfen auf den heißen Stein und dazu so kompliziert, dass es viel zu wenige nutzen“. Doch für viele offenbar besser als nichts, auch angesichts hoher Investitionen in Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Hinzu käme, dass über dieses Einkaufsmodell viele Menschen die Motivation gehabt hätten, sich testen zu lassen. „Diese Testmotivation ist jetzt dahin.“ 70 Prozent weniger Tests hätten sie in den letzten Tagen registriert.

Entscheidend ist aus Sicht der IHK: Es müsse dafür gesorgt werden, „dass jeder, aber auch wirklich jeder, die bestehenden Corona-Regeln einhält und auf Abstand zu seinen Mitmenschen bleibt“, fordert Dustmann. Ebenso müsse die Impfkampagne weiterhin Fahrt aufnehmen, da gäbe es viel an Nachholbedarf. „Zum Wohle unserer Gesundheit und zum Wohle unserer Wirtschaft“, mithin für unseren Wohlstand, „durch den unser Gesundheitswesen erst möglich ist“, macht er einen bedeutsamen Zusammenhang klar.

„Nein“ zur Testpflicht für Unternehmen: freiwillige Selbstverpflichtung habe sich bewährt

Auch zur Testangebotspflicht positioniert sich die Kammer. „Diese Forderung war und ist für uns auch weiterhin nicht nachvollziehbar, denn die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft hat funktioniert und funktioniert“, sagt Kammer-Chef Dustmann. Sechs von zehn Unternehmen aus dem Bezirk hätten Mitte März bereits getestet oder vorgehabt, dies zu tun.

Überall in der Stadt sind Schnelltestzentren entstanden, wo man sich kostenlos auf Corona testen lassen kann. Foto: Alex Völkel

Überall in der Stadt sind Corona-Schnelltestzentren entstanden. Unternehmen sind nun verpflichtet, solche Tests anzubieten.

Und der Rest? Bei einem Großteil seien die Mitarbeiter*innen im Homeoffice gewesen oder es habe „schlicht an Informationen oder an Tests zu dem Zeitpunkt“ gemangelt. Letzteres sei auch jetzt, Mitte April, noch nicht viel besser. Und sieht die staatliche Logistik in der Pflicht: ausreichend Tests müssten her.

Und dann wäre da noch die Kostenfrage, gerade in wirtschaftlich angeschlagenen Betrieben. Hinzukäme die Bereitstellung von geeignetem Personal, einschließlich der Haftungsrisiken, wie der erforderlichen Infrastruktur. Von einer Verweigerungshaltung der Wirtschaft, wie vielfach gemutmaßt, könne daher mitnichten die Rede sein.

Im Gegenteil: „Die Unternehmen wollen testen, um handlungsfähig zu bleiben. Das ist doch selbstverständlich.“ Mit anderen Worten, so die Kernannahme: Lasst die Wirtschaft mal machen, statt sie über bürokratische Hindernisse und andere Restriktionen zu gängeln, dann klappt das auch. Eine Position, die nicht überall geteilt werden dürfte.

Weitere Informationen:

  • IHK-Jahresbericht 2020; hier:
  • IHK-Unternehmensumfrage, März bis April 2020; hier:
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Die IHK Dortmund befürchtet den großen Knall in der zweiten Jahreshälfte: Viele Unternehmen werden Insolvenz anmelden

 

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3 Gedanken über “Corona und die Wirtschaft: Unternehmen bangen – IHK bilanziert 2020 und formuliert Erwartungen an Politik

  1. IHK zu Dortmund und HWK Dortmund zum neuen Infektionsschutzgesetz (PM) Beitrags Autor

    Statements von IHK zu Dortmund und HWK Dortmund zum neuen Infektionsschutzgesetz

    Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund:

    „Mit dem Infektionsschutzgesetz unternimmt die Politik einen – hoffentlich letzten – Kraftakt, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Leider erfolgt dies im Wesentlichen mal wieder auf Kosten der bereits seit vielen Monaten geschlossenen, teilgeschlossenen oder mit hohen Auflagen belegten Branchen etwa im Handel, Gastronomie, in der Veranstaltungs- und Messewirtschaft und im Tourismus. Diesen Unternehmen fehlt damit erneut über Wochen und Monate eine echte Öffnungsperspektive. Immer deutlicher wird, dass diese wiederholte Durststrecke für viele Unternehmen zu viel sein wird. Der Frust bei vielen Unternehmen ist groß, denn es bleibt schlichtweg nicht nachvollziehbar, warum zum Beispiel die meisten Nicht-Lebensmittelhändler ab einer Inzidenz von 100 massive Einschränkungen hinnehmen müssen, obwohl wissenschaftlichen Studien im Handel eben ausdrücklich keinen Infektionstreiber sehen. Die Anti-Corona-Maßnahmen sollten stattdessen dort greifen, wo die ‚echten‘ Infektionsrisiken herrschen. Die ausschließliche Konzentration auf Inzidenzwerte, das haben Forscher vom Helmholtz-Institut, Intensivmediziner und Statistiker gerade erst wieder bestätigt, ist kein guter Orientierungspunkt für Corona-Maßnahmen. Die Zahl der Neuaufnahmen auf den Intensivstationen sei zukünftig viel wichtiger und da gibt es deutlich unterschiedliche Ausprägungen.

    Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass zumindest bis zu einer Inzidenz von 150 der Einkauf mit negativem Test und Termin (Click & Meet) möglich sein wird. Gerade dieser Umstand motiviert Bürgerinnen und Bürger, die sich sonst nicht unbedingt um einen Test bemühen würden, diesen auch durchzuführen. Das hilft uns in der aktuellen Corona-Phase mit Werten von über 200 allerdings nicht weiter. Dass Click & Collect zukünftig jenseits der 150er-Inzidenzwerte noch möglich sein wird, ist ein kleiner positiver Ansatz, auch wenn dies für viele kleine Händler schwer umzusetzen ist und viel zu wenig Umsatz bringt – aber (zumindest für einige) besser als nichts. Mit der Ausgangssperre ab 22:00 Uhr werden z.B. Kioskbetreiber betroffen, die deutliche Umsatzrückgänge erwarten.

    Insgesamt gesehen fällt das Fazit somit negativ aus: Die im Bundesinfektionsschutzgesetz vorgesehenen Maßnahmen belasten unverhältnismäßig bestimmte Branchen der Wirtschaft und ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse und die Wirksamkeit verlässlicher bestehender Hygiene-, Schutz-, und Testkonzepte.“

    Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund:

    „Die vom Bundestag beschlossene bundeseinheitliche Notbremse bringt ein Stück weit Klarheit und Planungssicherheit für die Handwerksbetriebe in unserem Kammerbezirk. Die bisherigen Auslegungsmöglichkeiten bei den MPK-Beschlüssen haben für uneinheitliche Regelungen und immer neue Interpretationen gesorgt und gerade überregional tätigen Handwerksbetrieben geschadet. Gleichwohl bleiben die jetzt getroffenen Regelungen noch hinter ihren Möglichkeiten zurück, da die Kriterien noch immer zu unpräzise und daher weiterhin interpretationsanfällig sind.

    Vor allem bei einer angespannten Infektionslage braucht es ein rasches und konsequentes Eingreifen des Bundes anhand von einheitlichen Kriterien. Klar ist aber auch, dass diese Kompetenzen des Bundes nur für eine Situation mit einem hohen Infektionsgeschehen vorbehalten sind. Es ist unabdingbar, dass bei einer regional entspannten Pandemielage Modellprojekte zur Öffnung verschiedener Branchen auf den Weg gebracht werden können. Auch weitergehende Öffnungsschritte müssen dann wieder auf Landes- und regionaler Ebene geregelt und dem jeweiligen Infektionsgeschehen angepasst werden.

    Darüber hinaus darf die „Bundes-Notbremse“ nicht dazu führen, dass bislang gültige, bewährte Regelungen hinfällig werden. Statt eine Quadratmetervorgabe einzuführen, muss für kleine Ladengeschäfte mit Thekenverkauf weiter gelten, dass ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Außerdem muss die Ausnahme von Schließungsvorgaben für Friseure und Fußpflegesalons auch für Kosmetiksalons gelten. Wie alle anderen Branchen des Handwerks hält auch das Kfz-Handwerk schon lange ausgefeilte Hygienekonzepte vor. Daher sollte großflächigen Autohäusern die Öffnung ebenfalls wieder erlaubt werden.“

  2. Insolvenzen, Aufgaben, Nachfolge – Re-Start-Finanzierung vorbereiten (PM IHK Dortmund)

    Insolvenzen, Aufgaben, Nachfolge – Re-Start-Finanzierung vorbereiten

    Seit dem März 2020 müssen große Teile der regionalen Wirtschaft immer wieder massive Einschränkungen hinnehmen und seit Ende Oktober ist die Situation besonders angespannt: Viele Soloselbständige und Unternehmen erleben die verheerenden Auswirkungen des aktuellen Lockdowns.

    Bislang haben die direkten Hilfen wie auch die rechtlichen Regelungen im Insolvenzrecht einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen verhindert. Zwar ist die Zahl der Insolvenzanmeldungen laut IT.NRW im Vergleich zum Vorjahr zuletzt um 29 Prozent gestiegen, bei den Unternehmen aber gesunken. In Schwierigkeiten geraten derzeit Soloselbstständige, Kleinunternehmen und Verbraucher. Mit dem Auslaufen der Ausnahmeregelungen zur Stellung eines Insolvenzantrags Ende April 2021 könnte sich die Entwicklung nun drehen (siehe Infos zu den rechtlichen Regelungen weiter unten).

    „Nach über einem Jahr der Krise haben viele der Soloselbständigen und der Unternehmen auch ihre privaten Rücklagen für ihren Lebensunterhalt und zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs aufgebraucht. Viele in den besonders betroffenen Branchen im Gastgewerbe, der Freizeit- und Tourismuswirtschaft und in der Kultur- und Kreativwirtschaft stehen nun mit dem Rücken zur Wand“, sagt Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund.

    Der Blick allein auf die Insolvenzzahlen greife zudem zu kurz: „Viele Unternehmerinnen und Unternehmer geben ihr Geschäft derzeit auf, auch ohne Insolvenz anzumelden. Wichtige Entscheidungen in den Unternehmen werden verzögert getroffen“, so Schreiber. Das zeigt sich auch in der Statistik der Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen. Hier lag die Zahl der Gewerbeabmeldungen im vergangenen Jahr 17 Prozent unter der im Vorjahr 2019 (Quelle: IT.NRW).

    Nach Monaten der Schließung läuft der Geschäftsbetrieb bei vielen Unternehmen aus. Die Suche nach einer Nachfolge wird aufgegeben. Noch ist unklar, in wie vielen Unternehmen ein Wiederanfahren nicht mehr geplant ist. Nach Einschätzungen von Experten ist in den kommenden Monaten jedoch ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen zu erwarten.

    „Um die Insolvenzen abzuwenden, kommt es für die Unternehmen in erster Linie auf eine belastbare Öffnungsperspektive an. Zusätzlich werden viele der über die Maße belasteten Unternehmen eine weitere Unterstützung als Wiederanfahrhilfe benötigen“, betont Schreiber.

    Trotz der Fördermaßnahmen haben viele nach den mehrfachen Vorbereitungen auf eine Wiederöffnung ihre Rücklagen aufgebraucht und können Waren und Betriebsmittel nicht mehr aus eigener Kraft vorfinanzieren. „Mit einer passgenauen Unterstützung sollte diesen Unternehmen ermöglicht werden, den Re-Start nach dem Lockdown zu finanzieren. Zugleich sollte man die Wirtschaft entfesseln und Hemmnisse abbauen, um somit den Betrieben in der Re-Startphase Luft zu geben“, so Schreiber abschließend.

    Rechtliche Regelungen laufen Ende April aus

    Vom 1. Januar 2021 bis Ende April 2021 ist die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags für die Geschäftsleiter solcher Unternehmen ausgesetzt, die im Zeitraum vom 1. November 2020 bis zum 28. Februar 2021 einen Antrag auf die Gewährung finanzieller Hilfeleistungen im Rahmen staatlicher Hilfsprogramme zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie gestellt haben.

    War eine Antragstellung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen innerhalb des Zeitraums nicht möglich, gilt dies auch für Unternehmen, die nach den Bedingungen des staatlichen Hilfsprogramms in den Kreis der Antragsberechtigten fallen. Diese Regelungen gelten aber nicht, wenn offensichtlich keine Aussicht auf Erlangung der Hilfeleistung besteht oder die Hilfeleistung die Insolvenzreife nicht beseitigen kann.

    http://www.bmjv.de/Corona/Insolvenzantrag/Corona_Insolvenzantrag_node.html

    Sie benötigen Rat bzw. Hilfe in der Krise? Sie haben Fragen zur Finanzierung?

    Die IHK bietet Informationen zu Fördermitteln zur Neuausrichtung Ihres Unternehmens sowie Kontakt zu Seniorexperten und stellt Ihnen auch Info-Material zu den Grundlagen des Insolvenzrechts zur Verfügung.

    Zu den Corona-Informationen der IHK:

    http://www.dortmund.ihk24.de/coronavirus

  3. IHK: NRW bleibt nach turbulentem Jahr zweitstärkstes Exportland - Außenwirtschaftsreport 2020/2021 erschienen (PM)

    IHK: NRW bleibt nach turbulentem Jahr zweitstärkstes Exportland –
    Der Außenwirtschaftsreport 2020/2021 ist jetzt erschienen

    Den neuen Außenwirtschaftsreport NRW 2020/2021 haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) in NRW unter Federführung der IHK zu Dortmund jetzt herausgegeben. Neben wichtigen außenwirtschaftlichen Kennzahlen zeichnet er ein regionales Stimmungsbild zu der Geschäftssituation und -perspektive in den verschiedenen Ländern.

    „Ein turbulentes Jahr liegt hinter der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Folgen des Brexit, Handelskonflikte mit China und den USA sowie der schleichende Protektionismus haben die Wirtschaft NRWs im Jahr 2020 geprägt und das Exportvolumen auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gebracht“, sagt Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. Mit 176,2 Mrd. Euro ist die Exportsumme um neun Prozent gegenüber 2019 gefallen. Dennoch: Nordrhein-Westfalen bleibt zweitstärkstes Exportland in Deutschland.

    Zu den wichtigsten Hauptabnehmern für NRW-Exporteure zählen die Niederlande (19,1 Mrd. Euro Exportvolumen) und Frankreich (14,7 Mrd. Euro), gefolgt von der Volksrepublik China (12,1 Mrd. Euro), die damit die USA im Handelspartner-Ranking abgelöst hat. Auf Rang 8 gerutscht ist das Vereinigte Königreich (8,9 Mrd. Euro). Seit dem Brexit zeigen sich laut der aktuellen IHK-Umfrage „Going International“ die Zunahme von Zollbürokratie, Logistikproblemen und tarifärer Handels-hemmnisse als schwerwiegende Hürden für die Wirtschaft. Der Wandel unter den Abnehmerländern zeigt: Während die Handelsbeziehungen in einigen Regionen wieder Fahrt aufnehmen, sind andere Märkte für NRW-Unternehmen schwerer zugänglich.

    „Der Brexit und die Pandemie haben auch in der Außenwirtschaft ein Umdenken angestoßen, welches die NRW-Wirtschaft jetzt aktiv nutzen muss, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn das Exportgeschäft ist mehr als eine wichtige Stütze für die Unternehmen und den Wirtschaftsstandort NRW“, betont Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund in seiner Funktion als Fachpolitischer Sprecher Außenwirtschaft von IHK NRW.

    Um neue Wege aufzuzeigen, informieren die IHKs vor Ort über innovative Geschäftsmodelle, Kooperationen mit Startups oder Investitionen in digitale Technologien. „Als enger Partner stehen die IHKs mit Beratungsleistungen, Fachveranstaltungen, der Ausstellung außenwirtschaftlicher Bescheinigungen sowie der Organisation von Unternehmerreisen und Messebeteiligungen – derzeit digital – bereit“, so Ehrich abschließend. In Zahlen: 2020 wurden 102.190 individuelle Beratungen zu außenwirtschaftlichen Themen sowie 447 Veranstaltungen seitens der IHKs durchgeführt. Die Zahl der ausgestellten elektronischen Ursprungszeugnisse hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 194.176 verdoppelt.

    Der Außenwirtschaftsreport NRW 2020/2021 ist verfügbar unter:
    https://www.ihk-nrw.de/taetigkeitsfelder/international

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