Bundespräsident Gauck übernimmt die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind der Dortmunder Rabbiner-Familie

Ein seltenes Bild: Die neunköpfige Familie Apel beim Entzünden des Chanukka-Leuchters.
Ein seltenes Bild: Die neunköpfige Familie Apel vollzählig beim Entzünden des Chanukka-Leuchters.

Es ist eng in der rund 110 Quadratmeter großen Wohnung von Bilha und Avichai Apel: Denn das israelische Ehepaar hat mittlerweile sieben Kinder. Das älteste Kind ist 15, das jüngste gerade sieben Monate alt.

Bundespräsident übernimmt die Ehrenpatenschaft für jedes siebte Kind

OB Ullrich Sierau überreichte im Beisein von Sabine Peters die Ehrenurkunde an Bilha und Avichai Apel.
Ullrich Sierau überreichte im Beisein von Sabine Peters die Ehrenurkunde an Bilha und Avichai Apel.

Elishama Efraim, der jüngste Spross der Rabbiner-Familie, war jetzt der Grund für hohen Besuch: Oberbürgermeister Ullrich Sierau überbrachte eine Ehrenurkunde. Denn Bundespräsident Joachim Gauck übernimmt die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind der Familie.

Die Verleihung fand im Beisein von Sabine Peters statt. Die Oberärztin leitet den Kreißsaal des Johannes-Hospitals und hat vier Kinder der Familie auf die Welt gebracht. Sie ist eine Freundin der Familie.

Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter. Sie ist mit der Taufpatenschaft nicht zu vergleichen.

Der Bundespräsident bringt mit der Ehrenpatenschaft die besondere Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck.

Sie stellt die besondere Bedeutung heraus, die Familien und Kinder für unser Gemeinwesen haben. Die Ehrenpatenschaft soll mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken.

Die älteren Schwestern und Brüder freuen sich über ihr jüngstes Geschwisterchen

Amiad, Shir, Shuvael, Odeya, Or und Matanya freuen sich, dass ihr jüngstes Geschwisterchen, welches am 15. Mai 2015 geboren wurde. „Er bringt ganz viel Freude in unser Haus und mag es zu tanzen“, sagt der stolze Vater. „Eine große Familie war immer unser Wunsch. Aber wir sind ja noch eine Kleinfamilie“, sagt er lachend.

Die Familienplanung des 40-jährigen Rabbiners und seiner 38-jährigen Frau ist noch nicht abgeschlossen: „Jedes Kind bringt seine eigene Welt mit und ist eine Bereicherung.“

Auch Mutter Bilha freut sich über jedes ihrer Kinder. Weitere werden daher wohl hinzukommen. „Kinder in die Welt zu bringen ist eine Aufgabe des jüdischen Volkes. Schließlich war unser Volk einst größer und ist durch den Holocaust dezimiert worden“, sagt Avichai Apel.

Großeltern von Bilha Apel erlebten und überlebten die Pogromnacht in Deutschland

Eine glückliche Familie - weitere Kinder sind nicht ausgeschlossen.
Eine glückliche Familie – weitere Kinder sind nicht ausgeschlossen. Fotos: Alex Völkel

Die Familie seiner Frau hat den Holocaust erlebt, aber Glück gehabt: Ihre Großeltern hatten die Pogromnacht in Deutschland erlebt und es danach noch geschafft, ihre Heimat zu verlassen.

„Dass ihr Urenkel jetzt den Bundespräsidenten als Ehrenpaten hat, ist etwas besonderes für eine jüdische Familie“, sagt Apel.

In Deutschland zu leben ist für Israelis nichts ungewöhnliches mehr. Viele junge Israelis zieht es vor allem nach Berlin – für den Urlaub. Aber auch zum Leben, zum Lernen und zum Arbeiten.

„Die junge Generation erlebt ein anderes Deutschland als das Nazi-Deutschland aus den Geschichtsbüchern.“ Sie erleben, dass Deutschland der beste Freund Israels in Europa und auch einer besten Freunde weltweit sei.

Antisemitismus ein europäisches Problem – Deutschland als positives Beispiel

Antisemitismus gebe es zwar auch noch in Deutschland. Aber in den Nachbarländern wie Frankreich oder Belgien sei dies viel schlimmer. Dort gibt es seit Jahren eine regelrechte Auswanderungswelle Richtung Israel – trotz der angespannten Sicherheitslage.

Großen Bahnhof gab es für das siebte Kind bei der Beschneidungsfeier in der Gemeinde.
Großen Bahnhof gab es für das siebte Kind bei der Beschneidungsfeier im Mai in der Gemeinde.

In Deutschland können sie ihren Glauben frei leben und auch Kippa und andere jüdische Symbole auf der Straße und der Schule tragen. „Gott sei Dank haben wir hier nie Probleme erlebt“, räumt Apel ein.

Eine gewisse Sorge treibt manchen Juden um, dass arabische Flüchtlinge ihren oft kulturell anerzogenen Antisemitismus nach Deutschland mitbrächten.

In der Schule hätten seine Kinder zum Glück bisher keine negativen Erfahrungen mit Flüchtlingskindern aus Syrien und anderen Nahost-Ländern gemacht. Im Gegenteil: Diese Begegnungen zwischen arabischen und jüdischen Schülern könnten helfen, Vorurteile abzubauen.

Denn die wenigsten Muslime hätten ja bisher überhaupt einen Juden kennengelernt. Die einzige Gesprächsvoraussetzung sei, dass das Existenzrecht des Staates Israel nicht in Frage gestellt werde.

Politik, Erziehung und Bildung könnten den jungen Flüchtlingen in Deutschland eine neue und andere Zukunft aufzeigen.

Die jüdische Gemeinde engagiert sich in der Flüchtlingshilfe

Daher engagiert sich die jüdische Gemeinde auch in der Flüchtlingshilfe. „Ich denke und hoffe, dass es besser wird“, so Apel.  Zuspruch bekommt er dafür von OB Ullrich Sierau. „Die andere Möglichkeit ist eine Null-Option.“

Die jüdische Gemeinde genieße hohes Ansehen und eine hohe Akzeptanz, unterstrich der Dortmunder Oberbürgermeister.

Ob beim interreligiösen Fußballturnier, den unterschiedlichen Gedenkformaten oder bei der großen öffentlichen Chanukka-Feier am Phoenixsee – die jüdische Gemeinde gehöre zu Dortmund. „Sie ist ein wichtiger Teil unserer Zivilgesellschaft!“

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