Besichtigung ist am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals möglich

Das Bürgerhaus Dorstfeld öffnet erstmals im November 2022 – der Umbau wurde teurer

Der Umbau der Waschkaue der Zeche Dorstfeld 2/3 zum PULSSCHLAG Bürgerhaus Dorstfeld ist fast vollendet.
Der Umbau der Waschkaue der Zeche Dorstfeld 2/3 zum „Pulsschlag“ Bürgerhaus Dorstfeld ist fast vollendet. Foto:

Das neue Bürgerhaus „Pulsschlag“ in der alten Waschkaue der Zeche Dorstfeld wird im November 2022 erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit öffnen. Auch der große neue Kinder- und Jugendtreff in dem Gebäude geht dann mit einer Veranstaltung, die im Detail noch in Planung ist, in Betrieb. Damit kommen die Umbauarbeiten des Kooperationsprojektes zwischen Bürgerhaus Dorstfeld eG und Stadterneuerung zum Abschluss, die im Frühjahr 2020 mit Abrissarbeiten in der Waschkaue begonnen hatten. Einen Vorgeschmack gibt es bereits am kommenden Sonntag, 11. September 2022, von 11 bis 17 Uhr.

Investitionskosten für den Umbau liegen bei rund 7,58 Millionen Euro

Angesichts einiger überraschender Funde und einer massiven allgemeinen Baupreissteigerung benötigt das Projekt bis zur Fertigstellung allerdings weitere 793.000 Euro, die die Stadt bereitstellt. Damit trägt die Stadt nun einen Anteil von rund 3,04 Millionen Euro an den gesamten Investitionskosten für den Umbau in Höhe von rund 7,58 Millionen Euro. 

Land und Bund übernehmen mit einem Zuschuss von etwa 4,39 Millionen Euro den Großteil der Kosten. Die Dorstfelder Bürgerhaus-Genossenschaft eG als künftige Betreiberin unterstützt den Umbau mit Eigenleistungen in Höhe von 150.000 Euro.

Die jetzt zum Tragen kommenden Kostenerhöhungen gehen zurück auf die Folgen mehrerer unerwarteter Entdeckungen. Archäologische Funde sowie Hohlräume und Schadstoffe unterhalb des Gebäudes hatten zu Verzögerungen geführt. 

Zahlreiche kostspielige Überraschungen fanden sich beim Umbau

Foto: DBG Dorstfelder Bürgerhaus Genossenschaft eG

Auch im Außenbereich gab es immer wieder Überraschungen, die auf den rund 100-jährigen Betrieb der Zeche bis 1963 zurückzuführen sind – nicht alle baulichen Veränderungen wurden damals in den Akten der Gewerbepolizei verzeichnet. So haben große unterirdische Fundamente, nicht dokumentierte Rohrleitungen und punktuelle Bodenverunreinigungen den Aufwand immer wieder erhöht und eine mehrfache Anpassung der Planung erfordert.

Durch diese Verzögerungen waren beauftragte Baufirmen nicht mehr an ihre Verträge gebunden. Einige dieser Firmen haben nun Anspruch auf einen Ausgleich für zwischenzeitliche Kostensteigerungen, die vor allem durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine entstanden sind. Andere Firmen haben gekündigt, so dass die Arbeiten zu den gestiegenen Preisen neu vergeben werden mussten.

Bis zur Eröffnung werden das Haus und die direkt angrenzenden Außenanlagen nun fertig sein, ebenso wie ein provisorischer Parkplatz. Der endgültige Parkplatz wird, wie geplant, erst auf dem Deckel des neuen Regenrückhaltebeckens gebaut. Dieses wird Ende März 2023 fertiggestellt. Die komplette Fertigstellung aller Außenanlagen ist dann für Herbst 2023 geplant.

Besichtigungsmöglichkeit am Tag des offenen Denkmals

Am Wochenende (10./11. September) öffnen auch in diesem Jahr eine Reihe von Denkmälern ihre Türen einem interessierten Publikum. Der Tag des offenen Denkmals ist seit vielen Jahren ein festes Datum im europäischen Kulturkalender. In Dortmund hat man die Wahl zwischen mehr als 50 zu besichtigenden Objekten. Eines davon ist die ehemalige Waschkaue der Zeche Dorstfeld an der Wittener Straße 120, die das Amt für Stadterneuerung und die Bürgerhaus Dorstfeld eG derzeit gemeinsam zum Bürgerhaus „Pulsschlag“ umbauen.

Foto: DBG Dorstfelder Bürgerhaus Genossenschaft eG

Anlässlich des Europäischen Kulturerbe-Jahres 2018 hatte das Bundesinnenministerium einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dessen Kategorie Stadtleben das Bürgerhaus Pulsschlag den 2. Preis gewann. Angesiedelt ist das Begegnungszentrum, das von 41 Dorstfelder Vereinen getragen wird, in der Waschkaue der stillgelegten Zeche Dorstfeld Schacht 2/3. 

Die Nutzung dieses alten Industrierelikts als Ort der vorurteilsfreien Begegnung von Menschen aller Altersgruppen wird einen aktiven Beitrag zum Stadteilleben leisten. Ziel dieses Stadtumbaus ist nicht nur Erhalt und Weiterentwicklung der guten Infrastruktur und Lebensqualität in Dorstfeld. Das Bürgerhaus und das so geförderte bürgerschaftliche Engagement wird auch die demokratischen Grundlagen des Ortsteils stärken, der leider oft eher wegen der rechten Szene in den allgemeinen Fokus rückt.

Wesentlicher Teil des Hauses wird die neue Heimat des städtischen Heinz-Werner-Meyer Kinder- und Jugendtreffs sein. Die großzügigen, modernen Angebote werden in der historischen Umgebung mit dem großen Aussengelände neue Maßstäbe setzen. Auch diese Räume können besichtigt und teilweise mitgenutzt werden.

Relikte einer großen Vergangenheit sind in Dorstfeld zu erleben

Die zwischen 1890 und 1906 errichtete Doppelhalle ist eine von wenigen erhaltenen Bauten der Zeche Dorstfeld, die 1852 die Kohleförderung aufnahm. Sie wurde in dem ehemals landwirtschaftlich geprägten Ort der dominierende Wirtschaftsfaktor: 1910 war ungefähr ein Drittel der damals 8.400 Einwohner Dorstfelds auf der Zeche beschäftigt. 1963 – in den Jahren des sogenannten Zechensterbens – war auch in Dorstfeld Schluss. 

Foto: DBG Dorstfelder Bürgerhaus Genossenschaft eG

Lange vor der Verabschiedung des ersten NRW-Denkmalschutzgesetzes wurden die nicht mehr benötigten Gebäude, sofern man sie nicht abriss, gewerblich genutzt. Erst 1987 konnten die noch verbliebenen Objekte an der Ecke Wittener Straße / Oberbank (Markenkontrolle, Schlosserei und Schreinerei, Maschinenhalle, Verwaltung mit Waschkaue) unter Schutz gestellt werden.

Schon seit 1967 nutzten gewerbliche Betriebe wie eine Autowerkstatt die Waschkaue. Um das Gebäude an den Betrieb anzupassen, schloss man einerseits eine Reihe von Fensteröffnungen, anderseits öffnete man die Fassade durch große Tore. Dabei nahm man wenig Rücksicht auf die vorhandenen Gestaltungselemente. Diverse Ein- und Umbauten, entfernte bzw. anders gestaltete Verfliesung haben während der gewerblichen Nutzung das Innere so verändert, dass die alte Funktion als Waschkaue kaum noch zu erkennen war. 

Nach Auszug des letzten Betriebs konnte sich die Allgemeinheit beim Tag des offenen Denkmals 2017 ein Bild über diese regellosen,  unsachgemäßen Veränderungen machen. Das vom Dortmunder Architektenbüro HWR vorgelegte Entwurfs- und Nutzungskonzept sah vor, diese Wunden zu heilen, indem die historische Bausubstanz erhalten und wo nötig in ihrer Erscheinung wiederhergestellt wird.

Am Sonntag gibt es Führungen durch das neue Bürgerhaus

Foto: Stadt Dortmund, Untere Denkmalbehörde, Michael Holtkötter

Jetzt beherbergt die größere der beiden Hallen einen Veranstaltungsbereich mit Bühne. Der zwischen beiden Bereichen angesiedelte Sanitärblock ist auch für die kleinere Halle mit dem Kinder- und Jugendtreff gedacht. An den Außenfassaden erschloss sich dem geschulten Auge der alte Zustand nach Entfernung später angefügter Anbauten noch gut. 

So konnten vermauerte Fenster oder später ausgebrochene großflächige Öffnungen identifiziert und wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Die überall wieder eingesetzten Eisensprossenfenster vervollständigen das ursprüngliche Erscheinungsbild. 

Eine besonders wichtige Maßnahme war die Entfernung von Putzen und Anstrichen auf den Klinkerfassaden. Sie verbargen wichtige Schmuckelemente aus der Erbauungszeit. Neben der zurückhaltenden Gliederung durch vorspringende senkrechte Elemente, sogenannte Lisenen, und friesartig vermauerter Ziegel unter den Traufen hatten die Erbauer die Fassaden vor allem durch andersfarbige Ziegelbänder belebt, die nun wieder zur Zier des Objekts beitragen.

Einen Eindruck kann man bei Führungen am Sonntag, 11. September 2022, im Rahmen des Denkmaltags gewinnen. Die eigentliche Eröffnung des Bürgerhauses „Pulsschlag“ ist im November geplant. Mehr Infos Infos unter www.buergerhaus.dorstfeld.org

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