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Artenvielfalt und Biodiversität: In Dortmund werden immer mehr Grünflächen zu wilden Wiesen – Schilder klären auf

Auf der Insel inmitten des Kreisverkehrs am Borsigplatz ist eine der Blühwiesen entstanden, die als Heimat und Nahrungsquelle für viele Insektenarten dienen. Fotos: Thomas Engel

Was teilweise für Verwirrung sorgt, ist von Stadt und Grünflächenamt so gewollt. Um die Biodiversität und Artenvielfalt zu fördern und dem alarmierenden Insektensterben entgegen zu wirken, werden vielerorts Grünflächen in Blühwiesen umgewandelt, deren Pflege einem bestimmten Konzept unterliegt. So werden diese Wiesen nur zweimal im Jahr gemäht, was oft dazu führt, dass Bürger*innen denken, die Flächen würden verwahrlosen und niemand würde sich darum kümmern – doch weit gefehlt. Mit speziellen Saatmischungen wird hier gezielt Umwelt- und Naturschutz betrieben, an dem sich die Bürger*innen gerne beteiligen dürfen und sollen.

Was vielerorts für Verwirrung sorgt, richtet sich nach einem bestimmten Konzept

Mit diesen Schildern macht die Stadt auf das Projekt aufmerksam. Ein Infoflyer ist in Arbeit.

Um der evtl. Verwirrung der Bürger*innen vorzubeugen, werden von der Stadt gerade Schilder an den betreffenden Orten aufgestellt, die über die Pflanzaktionen informieren. „Wir wollen den Themen Artenvielfalt und Biodiversität in Dortmund gerecht werden. Wir möchten, dass sie in den Köpfen der Menschen einrasten. Insgesamt werden wir in den kommenden Wochen rund 150 Schilder aufstellen“, erklärt der Leiter des Dortmunder Grünflächenamtes, Ulrich Finger. ___STEADY_PAYWALL___

Die Behörde ist zuständig für das Anlegen und die weitere Pflege der Blühwiesen im Stadtgebiet. Bei einem Termin am Borsigplatz, wo auf der Wiese inmitten des Kreisverkehrs eine Blühwiese bereits farbenfroh neue Heimat und Nahrungsreservoir für viele unterschiedliche Insektenarten geworden ist, erläutern er, sein Kollege und Fachbereichsleiter Jürgen Hundorf und der Dortmunder Baudezernent Arnulf Rybicki, was hinter dem Konzept der Blühwiesen steckt.

Rybicki freut sich darüber, den Menschen eine durchweg „positive Geschichte“ präsentieren zu können. Neben den umwelttechnischen Aspekten würden die Wiesen auch etwas für das Auge bieten. Es ginge nun darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen und kommunikativ aufzuklären. Daher sollen die Schilder dazu dienen, den Menschen das zu erklären, was sie sehen. Zusätzlich soll in den kommenden Wochen ein Informationsflyer erstellt und gedruckt werden.

Um „Florenverfälschung“ zu verhindern wird regionales Saatgut verwendet

Jürgen Hundorf vom Dortmunder Grünflächenamt erläutert das Konzept der Blühwiesen und ihrer Pflege.

In der leichten Brise, die an diesem Morgen durch die circa anderthalb Meter hohe Blühwiese mitten im Verkehr des Borsigplatzes weht, schwirren schon jetzt Schmetterlinge, Heuschrecken und, besonders erfreulich, Bienen durch die Luft. Nicht nur öffentlich sondern auch im privaten Bereich lägen Wildblumen gerade voll im Trend, weiss Fachmann Jürgen Hundorf zu berichten.

„Wir legen besonderen Wert darauf, in Dortmund regionales Saatgut für die Blühwiesen zu benutzen“, so Hundorf. Denn handelsübliches Saatgut würde Mischungen aus asiatischen und nordamerikanischen Pflanzen beinhalten, die für unsere Gefilde nicht wirklich geeignet seien. Ihr Einsatz könnte zu einer nachhaltigen Veränderung des Pflanzenvorkommens, der sogenannten „Florenverfälschung“ führen, was man auf jeden Fall vermeiden möchte.

Schon bei der Saat der Wiesen gilt es, Besonderheiten zu beachten. So kann das Gut nicht einfach wie Rasensamen aus der Hand verteilt und untergeharkt werden, da es sich bei den winzigen Samen um Lichtkeimer handelt, die das Sonnenlicht benötigen. Die Erde muss mit Sand oder anderen Füllstoffen angereichert werden. Dabei ist nicht garantiert, dass auch jede Pflanze der Saatgutmischung aufgehen wird. „Die Natur wählt in diesem Falle selber aus. Es bleibt letztlich übrig, was dorthin gehört“, freut sich Jürgen Hundorf. Beispielsweise der Riesensalbei oder die Schafgarbe hätten hier gute Chancen.

Grünflächenamt setzt auf die Beteiligung der Bürger*innen

Wie bereits erwähnt, werden die Wiesen nur zweimal im Jahr gemäht, im Normalfall einmal im Juni/Juli und ein zweites Mal im September oder Oktober. Wird nur einmal im Jahr gemäht oder bleiben die Flächen über Jahre brach liegen, nimmt der Anteil der Gräser zu und der Blütenreichtum geht deutlich zurück. Auch beim Beschnitt wird anders vorgegangen als bei einer normalen Rasenfläche. „Hierfür haben wir sogar extra unseren Fuhrpark umgestellt“, so Hundorf.

Ulrich Finger und Arnulf Rybicki. Im Hintergrund gut zu sehen, dass die Ränder der Fläche gemäht wurden, die Wildwiese jedoch absichtlich ausgespart wurde.

Die Wiesenflächen werden nach Möglichkeit mit dem Balkenmäher geschnitten. Doch während vielerorts der Beschnitt nun liegen bleibt, um als Dünger für den Rasen zu dienen, muss die Blühwiesenfläche im Gegensatz zur „Fettwiese“ „ausgemagert“ werden. Um den Rasenschnitt vernünftig abtransportieren zu können, verfügt das Grünflächenamt neuerdings auch über eine eigene Ballenpresse. Während die Wiesen an sich nur zweimal im Jahr geschnitten werden, werden die Ränder regelmäßig gepflegt, um zu zeigen dass, sie nicht vergessen wurden, sondern mit Absicht ausgespart.

Insgesamt sind im Dortmunder Stadtgebiet bereits rund 200 Hektar Grünflächen in farbenfrohe Grüninseln umgewandelt worden (z.B der Pocket-Park auf der Bornstraße) und es sollen noch mehr werden. Hierfür setzen die Verantwortlichen der Stadt auch auf die Beteiligung der Bürger*innen. Langfristiges Ziel ist es, ein Mosaik aus verschiedenen Wiesentypen über das gesamte Stadtgebiet zu entwickeln und zu vernetzen.

Wer sich mit Ideen und Vorschlägen zu geeigneten Flächen oder zu besonderen Wildblumenmischungen einbringen möchte, meldet sich telefonisch oder per Mail beim Grünflächenamt Dortmund (Kontaktdaten im Anhang des Artikels). Auch Grundstücksbesitzer*innen können sich mit ihren eigenen Flächen am Projekt beteiligen. Die Mitarbeiter*innen des Grünflächenamtes unterstützen und beraten sie gerne.

 

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Weitere Informationen:

Grünflächenamt der Stadt Dortmund
Tel.: 0231/50 27 888
E-Mail: gruenflaechenamt@dortmund.de

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