Fazit der Verbraucherzentrale zum zweiwöchigen Praxistest

Aktion „Essen in Mehrweg”: Tester:innen prüfen mitgebrachte Mehrweggefäße in Gastronomien

Einige der Teilnehmer:innen des Experiments mit ihren jeweiligen Gefäßen.
Einige derTeilnehmer:innen des Experiments mit ihren jeweiligen Gefäßen. FOTO: Emma Neumann für Nordstadtblogger.de

Von Emma Neumann

Weltweit werden jeden Tag Unmengen an Plastik verbraucht. Ob Einkaufstüten, Einwegprodukte oder Plastikflaschen. Leider wird der produzierte Müll anschließend nicht anständig entsorgt, sondern landet oft in der Natur. Um diesen Problemen ein Stück weit entgegen zu wirken, hat die Verbraucherberatungsstelle Dortmund ein Experiment durchgeführt, bei dem zehn Teilnehmer:innen zwei Wochen lang auf Einwegverpackungen verzichtet und stattdessen verschiedene Mehrwegverpackungen für Take-away-Speisen verwendet haben. Die Aktion fand im Rahmen der bundesweiten Aktionstage „Essen in Mehrweg“ statt. Anschließend wurden die Erfahrungen der Teilnehmer:innen ausgewertet und ein Fazit abgegeben. 

Immer mehr Einwegverpackungen belasten die Umwelt erheblich

Die Auswertung wurde von Kerstin Ramsauer, Umweltberaterin bei der Verbraucherberatungsstelle in Dortmund, durchgeführt. Sie erklärte den Hintergrund dieser Aktion. Die Nutzung von Einwegverpackungen habe in den letzten Jahren massiv zugenommen und das unter anderem auch aufgrund der Corona-Pandemie.

Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrungen.
Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrungen im Rahmen des Experiments. Foto: Emma Neumann für Nordstadtblogger.de

Dadurch, dass Essen zeitweise nur als Take-away angeboten werden konnte, sei dementsprechend viel mehr Müll durch Einwegverpackungen entstanden. ___STEADY_PAYWALL___

Die Abfallmenge an Einwegverpackungen habe seit 1994 um 173 Prozent zugenommen und die Anzahl der Pizzakartons sei um 120 Prozent gestiegen. Das stelle unter anderem eine erhöhte Mikroplastik-Belastung für die Umwelt dar, so Kerstin Ramsauer.

Um den hygienischen Rahmenbedingungen im Umgang mit Mehrweg-Alternativen gerecht zu werden, sollen die Gastronomien Merkblätter erhalten, an denen sie sich orientieren müssen. Das Konzept besteht darin, dass Kund:innen ihre eigene Mehrwegverpackung mitbringen, diese dann vom Anbieter befüllt und anschließend vom Kunden wieder mitgenommen wird. Außerdem ist es wichtig, dass Kund:innen dafür verantwortlich sind, dass das Gefäß sauber bleibt. 

Könnten Mehrwegverpackungen in der Gastronomie die Zukunft werden?

Eine Auswahl an Einwegverpackungen, die für das Experiment genutzt wurden.
Eine Auswahl an Einwegverpackungen, die für das Experiment genutzt wurden. Foto: Emma Neumann für Nordstadtblogger.de

Ab dem 1. Januar 2023 tritt eine Änderung im Verpackungsgesetz in Kraft. Gastronomien, die Essen To-Go anbieten, werden hierdurch verpflichtet, alternativ zu Einwegverpackungen Mehrwegbehälter zur Verfügung zu stellen. So soll der Verbrauch von Einwegverpackungen minimiert werden.

Ausgenommen von dieser Regelung sind kleinere Betriebe, die maximal fünf Mitarbeiter:innen und eine Fläche von höchstens 80 qm haben. Sie müssen allerdings akzeptieren, wenn Kund:innen ihre eigenen Behälter mitbringen. 

Vorteile des nachhaltigen Konzeptes überwiegen

Grafische Auswertung des Experiments.
Grafische Auswertung des Experiments. Foto: Emma Neumann für Nordstadtblogger.de

Unter den Mehrweg-Gefäßen der Teilnehmer:innen waren unter anderem eine Pizzabox, ein Glasbehälter oder auch eine Metallbox.

Grundsätzlich haben die Teilnehmer:innen viele positive Erfahrungen gemacht. Meistens wurde ihr Gefäß akzeptiert und hat auch mal für das ein oder andere Schmunzeln seitens der Anbieter:innen geführt. Es wurde berichtet, dass die meisten Gastronomien offen für die Befüllung der eigenen Gefäße waren und sich teilweise auch sehr über diese Art und Weise des Transports gefreut haben. 

Des weiteren wurde als Vorteil eingeräumt, dass die Anbieter:innen in diesem Sinne auch Geld sparen, indem sie keine  Einwegverpackungen mehr finanzieren müssen.

Es sei außerdem einfach Gewöhnungssache und aufgrund der daraus resultierenden Nachhaltigkeit ein überzeugendes Konzept. 

Nachteilige Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge

Aber die Erfahrungen waren nicht nur positiv. Bei manchen Speisen war der Behälter zum Beispiel zu klein, wodurch dann auch mal eine Pizza für den gleichen Preis kleiner geschnitten wurde. Außerdem stießen zwei Teilnehmerinnen in einer Gastronomie auf komplette Ablehnung, da es aus hygienischen Gründen nicht machbar sei. 

Ein Teilnehmer veranschaulicht die Nachteile der Pizzabox.
Ein Teilnehmer veranschaulicht die Nachteile der Pizzabox. Foto: Emma Neumann für Nordstadtblogger.de

Ein weiterer Punkt war der erschwerte Transport, der zum Beispiel beim Metallbehälter zum Verhängnis wurde, wenn es um heiße Speisen ging. Manche Transport-Möglichkeiten, wie die Pizza-Box seien außerdem sehr sperrig. Als Alternative könne man aber unterschiedliche Behältergrößen anbieten.

Ein Teilnehmer kritisierte außerdem den Aufwand durch den Weg zur Gastronomie und wieder zurück. Er selbst bestelle lieber Essen. Als Lösungsansatz wurde vorgeschlagen, dass man mit einem Tauschkonzept arbeiten könnte, bei dem man sein Mehrwegprodukt bei geliefertem Essen gegen eins des Lieferservices austauscht. So könnte diese Idee nicht nur in den Gastronomien selbst, sondern auch im Lieferbereich Wirkung zeigen.

Im Großen und Ganzen kam die Aktion aber gut an. Das Fazit der Teilnehmer:innen war, dass das Konzept zwar etwas Aufwand mit sich bringt aber dennoch eine gute Idee sei, Einwegmüll einzusparen.

Weitere Informationen: www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/dortmund

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