Westfalenhütte: thyssenkrupp rückt zusammen – am Borsigplatz entsteht Platz für Neues

18 Hektar für ein neues Technologie- und Gewerbequartier

Die Westfalenhütte ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Archivbild: Alex Völkel
Das Areal der Westfalenhütte ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt – und das größte Umbauprojekt (Archivbild) Archivbild: Alex Völkel

Auf der Westfalenhütte könnte sich in den kommenden Jahren mehr verändern als bisher geplant. Die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel wollen ihre Vereinbarungen von 2022 zur Zukunft des Industrieareals überarbeiten. Kern der Überlegungen: Das Unternehmen soll seine betrieblichen Funktionen auf das sogenannte Kerndreieck östlich der geplanten Hoeschallee konzentrieren. Dadurch würden rund 18 Hektar Fläche westlich der Trasse frei. Dort soll ein Technologie- und Gewerbequartier entstehen. Die Verwaltung hat dem Rat dazu eine Vorlage zur Kenntnisnahme übergeben. Eine Entscheidung über Machbarkeit und Umsetzung soll bis Ende 2027 fallen.

Weggefallene Landesförderung für die Hoeschallee öffnet ein neues Zeitfenster für die Planung

Auslöser für das Projekt, das die Partner „Westfalenhütte 2.0“ nennen, ist ein veränderter Zeitplan für die Hoeschallee. „Mit dem Bau der Hoeschallee sind auch Werksanpassungsmaßnahmen auf dem Gelände von thyssenkrupp verbunden“, erklärte Planungsdezernent Stefan Szuggat in der Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands. Durch die neuen Zeitabschnitte habe man auch neu regeln müssen, wie die einzelnen Maßnahmen gemeinsam umgesetzt werden.

Planungsdezernent Stefan Szuggat Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Hintergrund ist die weggefallene Landesförderung für die Erschließung von Hoeschallee und Westfalenhüttenallee. „Im Koalitionsvertrag der Landesregierung wurde vereinbart, den Neubau von Straßen nicht mehr zu fördern. Damit war das bisherige Fördergerüst verloren“, sagte Szuggat. Die Stadt müsse nun im Haushalt bewerten, wie die Bauabschnitte eingeordnet werden.

Laut Szuggat hatte auch thyssenkrupp ein eigenes Interesse daran, den Standort rund um die 2022 gebaute Feuerbeschichtungsanlage 10 zu stärken und Effizienzpotenziale auf dem eigenen Gelände zu heben. Die Anlage gelte „nach wie vor als absoluter Stand der Technik weltweit“. Dass die Stahlsparte bei thyssenkrupp nicht mehr zum Verkauf stehe, verbinde man zudem „mit einem Signal zum Verbleib der Stahlverarbeitung im Konzern thyssenkrupp und am Standort Dortmund“.

Konzentration auf das Kerndreieck macht den geplanten Werkstunnel unter der Hoeschallee überflüssig

Nach den bisherigen Plänen hätte die Hoeschallee das Werksgelände in zwei Teile zerschnitten. Beide Betriebsteile sollten deshalb über einen Tunnel für Medienleitungen und den werksinternen Verkehr verbunden bleiben. „Diese Werksanpassungsmaßnahme ist jetzt nicht mehr notwendig, wenn sich thyssenkrupp auf ihr Kerndreieck konzentriert“, so Szuggat.

Auf dem Areal der Westfalenhütte findet sich die alte Hoesch-Hauptverwaltung Foto: Wolf-Dieter Blank für nordstadtblogger.de

Betriebliche Funktionen würden dann von der Westseite der geplanten Hoeschallee auf die Ostseite umziehen. Damit entstehe eine Fläche, „die für wirtschaftliche Entwicklung tatsächlich erstmals an den Markt gebracht werden kann“.

Für die Umsiedlung nutze thyssenkrupp eigene Vorhalteflächen. Welche Gebäudeteile genau betroffen sind, sei noch offen. „Die exakte innerbetriebliche Neustrukturierung kennen wir im Detail auch noch nicht“, räumte der Planungsdezernent ein.

In der langen Halle befänden sich Lagerflächen, die umsortiert würden, im Eingangsbereich die Kantine und das Pförtnerhaus. Betriebliche Tätigkeiten sollen in einen Neubau auf der anderen Seite umziehen. Große Teile der Fläche würden aktuell ohnehin nicht mehr genutzt.

Forschung, Verwaltung und technologienahe Dienstleistungen sollen das neue Quartier prägen

Die frei werdende Fläche, die Teilflächen C1 bis C3 in Verlängerung der Oesterholzstraße, soll nach der Wirtschaftsflächenstrategie der Stadt entwickelt werden. Denkbar sind nach Angaben der Partner technologieaffine Dienstleistungen, Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung. Bestehende Forschungs- und Verwaltungsbereiche von thyssenkrupp sollen vor Ort bleiben und den Ankerpunkt des Quartiers bilden. Auch das Oberflächenbehandlungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft, das nordöstlich des Verwaltungsgebäudes im Eingangsbereich Oesterholzstraße liegt, bleibe als Einheit bestehen.

Auf dem zu überplanenden thyssenkrupp-Werksgelände befinden sich auch zahlreiche ältere Gebäude. Leopold Achilles für Nordstadtblogger.de

Wem die Fläche künftig gehören soll, ist ungeklärt. Sie sei „erst einmal im Eigentum von thyssenkrupp“, sagte Szuggat. Auch das Unternehmen wolle, dass der Standort gewerblich und möglichst technologieorientiert entwickelt werde.

Ob Stadt und Konzern in Kaufverhandlungen eintreten, bleibe vorerst offen. Zur Zukunft der Hauptverwaltung und der historischen Bestandsgebäude an der Werkseinfahrt sei es „noch viel zu früh, Überlegungen zu benennen“. Auch zum Hoesch-Museum äußerte sich Szuggat nicht konkret.

Für die Nordstadt sehen Stadt und Unternehmen noch einen weiteren Vorteil: Der geplante Park „Grüner Ring“ ließe sich besser an das Borsigplatz-Quartier anbinden. Die Partner sprechen von einem „großen und nachhaltigen Plus an Lebens- und Aufenthaltsqualität“.

Stadtbahntrasse, Springorumstraße und Kreuzung an der Hoeschallee müssten umgeplant werden

Die Neuordnung hätte Folgen für die Verkehrsplanung. Die Führung der Springorumstraße, die die Hoeschallee kreuzt, müsste leicht angepasst werden. Das gilt auch für die geplante Stadtbahntrasse im Bereich Oesterholzstraße und Springorumstraße. Der Verkehrsknotenpunkt an der Hoeschallee soll verlegt werden. Weil die Werksunterführung entfiele, könnte dort zugleich eine Zufahrt für das neue Quartier entstehen.

Die Planungen und Beschlüsse für die Hoeschallee muss erneut modifiziert werden. Karte: Tiefbauamt/ Stadt Dortmund

Die Stadtbahn soll laut Szuggat weitgehend mit öffentlichen Fördermitteln finanziert werden. Die Planung sei bereits weit fortgeschritten und stehe kurz vor der Genehmigungsplanung. Diese müsse nun angepasst werden, über die neue Linienführung solle Anfang des kommenden Jahres entschieden werden.

Anders sieht es bei der Hoeschallee aus: Ihre Finanzierung sei noch nicht endgültig im Haushalt eingeplant. Konkrete Bauabschnitte könnten deshalb erst nach den Haushaltsberatungen genannt werden.

Zum Zeitziel 2030 für die Hoeschallee schweigt die Stadt, beim Grünen Ring bleibt es dabei

Ob die Hoeschallee wie bisher angekündigt bis 2030 fertig wird, ließ Szuggat offen. „Kommentiere ich nicht“, sagte er auf Nachfrage. Verbindliche Jahreszahlen für die Verkehrsprojekte könne die Stadt derzeit nicht nennen.

Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Diese sollen mit der Abstimmung eines Letter of Intent (LoI) gegen Ende des Jahres „öffentlicher und genauer“ werden. Fest stehe dagegen der Zeitplan für den Park: „Was als Zeitziel feststeht und unangetastet bleibt, ist der Grüne Ring. Das Zeitziel wird nicht gerissen.“

Dass durch den weggefallenen Tunnel weniger Aushub für die geplante Hügellandschaft im Park anfällt, sieht Szuggat nicht als Problem. Dahinter stehe „ein komplexes und seit Monaten klar definiertes Bodenmanagementkonzept“. Das benötigte Material werde über den Markt angeliefert.

Letter of Intent bis Jahresende, neue Verträge und Rahmenplan bis Ende 2027

Als Nächstes wollen Stadt und thyssenkrupp Steel die Machbarkeit gemeinsam prüfen. Dazu gehören die Finanzierung, eine Anpassung der Verträge von 2022 und ein neuer städtebaulicher Rahmenplan. Die Verwaltung spricht von einem „sehr frühen Stadium“. Szuggat zeigte sich dennoch zuversichtlich: Das Projekt könne „einen erheblichen Akzent für die gewerbliche Entwicklung im Umfeld des Borsigplatzes setzen“.

Die Westfalenhütte ist mit rund 355 Hektar das größte zusammenhängende Industrieareal Dortmunds und fast doppelt so groß wie Phoenix-See und Phoenix-West zusammen. Seit Ende der 1990er-Jahre hat sich der Standort von der Primärstahlerzeugung zu einer Mischung aus Logistik und Stahlveredelung entwickelt. Hinzu kommen neue Wohn- und Grünflächen wie das Karlsquartier und der Park „Grüner Ring“.


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