
Bei der IGA 2027 treffen Industriekultur, Industrienatur und zeitgenössische Kunst aufeinander. Unter dem Titel „spark – from work to progress“ entsteht auf der Kokerei Hansa eine Ausstellung mit 16 künstlerischen Positionen aus der Region. Viele der Arbeiten werden eigens für die IGA 2027 entwickelt und setzen sich unmittelbar mit dem Gelände, seiner Geschichte, seiner heutigen Natur und seinem Wandel auseinander.
Kann Kunst Antwort auf die großen Fragen geben?
„Brauchen wir Kunst? Ja, weil es schön ist!“ Hanspeter Faas hat diesen kleinen Dialog mal am Rande einer Ausstellung belauscht und auch für ihn ist Kunst „das Salz in der Suppe“. Faas ist Sprecher der Geschäftsführung der IGA 2027 Ruhrgebiet und mit seinem Team in Dortmund, um das Kunstprogramm für den Zukunftsgarten der Kokerei Hansa zu präsentieren.

Schönheit allein reicht ihm nicht: „Kunst soll den Blick auf die Zusammenhänge schärfen, Wissen vermitteln und auf die große Frage der IGA Antworten geben: Wie wollen wir in Zukunft leben?“
Auch Dortmunds Bürgermeisterin Ute Mais traut der Kunst einiges zu: „Wir haben als Gesellschaft große Themen, zum Beispiel den Klimawandel. Vieles polarisiert und ich wünsche mir, dass wir mit der Kunst wieder in den Dialog kommen und ein Funke überspringt.“
Der Funke (engl.: the spark) ist Programm – er findet sich auch im Titel der geplanten Ausstellung. Drei Dortmunder Kurator:innen haben sich zusammengeschlossen und „spark – from work to progress“ für die Kokerei Hansa entwickelt. 16 künstlerische Positionen werden zu sehen sein, viele Arbeiten entstehen eigens für die IGA 2027.
Ein Statement für die Freie Szene dieser Region
Das Dortmunder Programm ist ein Statement für die Freie Szene der Region und „das war eine bewußte, strategische Entscheidung“, so Margot Olbertz, die bei der IGA für die Kunstausstellungen verantwortlich ist. In Duisburg wird es anders sein, da kommt das Konzept für den Standort von einem Düsseldorfer Galeristen, der auf internationale Positionen und ein paar berühmte Namen setzt.

Die Kokerei als Ort für die Freie Szene und die Wertschätzung regionaler Künstler:innen unterstützt auch Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.
Sie freut sich, dass die IGA damit auch lokale Beschäftigung ermöglicht und ist gespannt, wie sich die Kunst auf dem Gelände behauptet: „Für diesen Ort braucht es Mut, hier ist alles im großen Maßstab und die Kokerei ist immer auch eine visuelle Konkurrenz.“___STEADY_PAYWALL___
Die Erwartungen an das kuratorische Team sind vielfältig, aber Sarah Hübscher, Steven Natusch und Linda Schröer schreckt das nicht. Die drei kennen das Ruhrgebiet und die Szene nicht erst seit Gestern: „Wir fangen nicht bei Null an“, so Hübscher. In der IGA 2027 sehen sie die besondere Chance, die künstlerische Vielfalt und das große Kunstpotenzial der Region öffentlich erlebbar zu machen.
„Die Arbeiten werden sich entwickeln und auf das Gelände reagieren“
Das Spektrum reicht von Fotografie, Film und Sound über Skulptur und Malerei bis zu Installationen. Eine klassische Ausstellung, bei der von Beginn an alles fertig ist, wird es nicht: „Die Umgebung verändert sich und auch die Arbeiten werden sich entwickeln und auf das Gelände reagieren. Es ist alles in der Entwicklung, aber das hat uns gerade gereizt“, erzählt Linda Schröer.

Viele der Arbeiten werden sich unmittelbar mit dem Gelände, seiner Geschichte, seiner heutigen Natur und seinem Wandel auseinander setzen. Die Künstler:innen werden Bäume, Wege und Gebäude in ihre Arbeiten einbeziehen und haben auch vor Ort im Archiv recherchiert.
„Wir entwickeln das sukzessive“, sagt Schröer. Statt einem festen Rundgang zu folgen, sollen die Besuchenden frei sein, die Kunst und die Geschichten dazu auf dem Gelände selbst zu entdecken. So ergeben sich „Funken, die fortlaufend, gemeinsam geschriebene Texte über einen Ort entzünden, der im Wandel ist“, heißt es im kuratorischen Konzept.
„Mit dem Körper hier, mit dem Kopf vielleicht schon dort“
Sieben von 16 Positionen kommen aus Dortmund – darunter bekannte Namen wie Silke Schönfeld oder Hans Ostapenko, die aktuell auch Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Unheimliche Verschiebungen“ von Urbane Künste Ruhr in der City zeigen.

Katja Stuke und Oliver Sieber kommen aus Düsseldorf – und Osaka. Für die IGA werden sie ihr Konzept der „Vertikalen Stadt“ weiterentwickeln. Sie fotografieren und filmen Städte im Wandel, wollen aber auch Rundgänge durch das Quartier anbieten, um den Blick der Besucher:innen zu schärfen: „Mit dem Körper noch hier, mit dem Kopf vielleicht schon dort“, beschreiben sie ihr Prinzip.
Auf diese Weise finden sich auch schon mal Parallelen zwischen Dortmund und Osaka. Die beiden haben im Viertel Konohana in Osaka gelebt. Was würde also passieren, wenn man mit der Karte des japanischen Quartiers durch Huckarde geht? „Vielleicht ist Konohana ja unser Huckarde?“, fragt sich Stuke. Konohana heißt übersetzt übrigens „Baumblüte“ – eine erste schöne Analogie.
„Das Image der Blümchenshow ist überholt“
Katharina Veerkamp (Düsseldorf) und Astrid Wilk (Herne) setzen sich auf ganz unterschiedliche Art mit Pflanzen auseinander – doch ihre Fragestellungen sind sich durchaus ähnlich. Wer bestimmt, was und wieviel etwas wert ist?

Veerkamp zeigt Pflanzen als Spuren in Lackbildern, die je nach Blickwinkel und Lichteinfall ihre Farbe verändern. Für die IGA wird sie mit Pflanzen der Kokerei arbeiten, darunter mit Springkraut, das als invasiv und schädlich gilt. „Ich möchten die Natur als dynamisch zeigen“, so Veerkamp. Tausende Samenkapseln sind mit der Importkohle auf das Gelände der Kokerei gekommen – wer legt fest, wann etwas Unkraut ist?
Für die Pflanzen mit denen sich Astrid Wilk beschäftig, zahlen Sammler dagegen Höchstpreise. Ihre Miniaturskulpturen zeigen Orchideenarten, denen häufig ein besonderer Wert zugeschrieben wird, obwohl es sie auch im Baumarkt gibt.
Positionen, die bereits zeigen, worum es beim künstlerischen Konzept für den IGA Zunkunftsgarten in Dortmund gehen könnte. „Kunst als Indikator gesellschaftlicher Themen“, Arbeiten, die wie kleine Funken beim Publikum hoffentlich zünden und zur Diskussion anregen. Ergänzt wird „spark – from work to progress“ während der IGA 2027 außerdem durch ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen, Künstler:innengesprächen, Performances und Workshops.
„Wir wollen durchaus eine politische Veranstaltung sein. Im Sinne eines Spiegels der Gesellschaft“, sagt Hanspeter Fass. „Das Image der Blümchenshow ist überholt.“
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