
Im Sozial-Ökologischen Zentrum (SÖZ) proben die Künstler Wilko Meiborg und Felix Meermann, wie der ehemalige Kirchenraum wieder zu einem Ort der Gemeinschaft werden kann. Aus Möbeln im Stil des Gelsenkirchener Barocks entsteht eine Bar und im Rahmenprogramm gibt es Bingo, Orgel-Karaoke und am 1. August ein ganz besonderes Event. Der Bad at Chess-Club aus Bochum ist zu Gast und präsentiert „fragwürdige Züge und drückende Beats“.
„Für uns ist die Bar nicht nur eine Bar – sie ist eher eine soziale Skulptur.“
Seit Juni bauen Wilko Meiborg und Felix Meermann im Sozial-Ökologischen Zentrum (SÖZ), in den Räumen der ehemaligen Markus-Kirche, eine Bar aus Möbelspenden im Stil des Gelsenkirchener Barocks.

Ihr Projekt gehört zum Plus-Programm der europäischen Kunstbiennale Manifesta 16 Ruhr und hier in der Nordstadt fanden sie Platz zum Experimentieren.
Jeden Freitag sind Bautreffs und gemeinsam mit den beiden Künstlern werden dann Möbel auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Eine Lampe aus Glastüren entsteht, ein Tresen aus Schrankelementen, aus den zerbrochenen Kacheln alter Wohnzimmertische werden neue Mosaike gelegt.
„Für uns ist die Bar nicht nur eine Bar – sie ist eher eine soziale Skulptur“, sagt Wilko Meiborg. Die Möbel haben alle ihre Geschichte, sie entstammen der Zeit des Gelsenkirchener Barocks, waren einmal Luxus und wurden nun vom Zeitgeist überholt. Für Meiborg sind sie auch Ausdruck des Strukturwandels im Ruhrgebiet und Anlass, bei den Bautreffen und Workshops über neue Formen und Bedürfnisse nachzudenken.
Freitags wird gebaut und jeden Samstag trifft man sich am Tresen
Ein Rahmenprogramm begleitet das Projekt – immer samstags ist Offener Tresen und hier wurden bereits Lieblingsgetränke getauscht, Bingo gespielt und am 1. August kommt nun der „Bad at Chess-Club“ nach Dortmund.

„Beim Rahmenprogramm war uns wichtig, dass unterschiedliche Generationen miteinander in den Austausch kommen“, erzählt Meiborg und Schach sei ein Spiel, das Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen verbinden kann, da es in vielen Kulturen, Altersklassen und sozialen Schichten einen hohen Stellenwert besitze.___STEADY_PAYWALL___
„Für uns ist es völlig okay zu verlieren und Spaß zu haben.“
Der „Bad at Chess-Club“ (engl. „Schlecht im Schach-Club“) ist kein gewöhnlicher Schach-Club, sondern etwas ganz Besonderes. Paul Buckermann und Arpi Grigoryan haben den Club gegründet. „Meine Großeltern haben mich bereits als Kind in Armenien in eine Schachschule geschickt“, erzählt Grigoryan. Schach als Sport war keineswegs elitär und es war ihnen wichtig, das strategische Denken der Enkelin zu schulen.

Ist sie eine gute Spielerin geworden? Grigoryan lacht. „Als ich zum Studium nach Bochum gekommen bin, habe ich immer gefragt: Spielst du Schach? Und die Antwort war meistens: Ja, aber nicht gut.“ Damit war der Name des Clubs geboren. Die Idee: alle Menschen zu versammeln, die gern Schach spielen, aber ohne den Druck und die Angst, sich mit wenigen Zügen zu blamieren.
„Es ist eine seltsame Aura, die das Spiel umgibt“, weiß Grigoryan. Schachspieler:innen gelten als smart, sind allein auf sich gestellt, es herrscht absolute Stille und wer verliert, war wohl nicht schlau genug – ein Image, das abschreckt. Der Club aber will Lust auf Schach machen: „Für uns ist es völlig okay zu verlieren und Spaß zu haben.“
Raus aus der Online-Welt und ran an die Bar
Bei den Events gibt es Musik, Drinks, Anfänger:innen und Profis sind gleichermaßen willkommen. Spielmaterial wird gestellt. Es gibt keinen Eintritt und keine Clubgebühr, denn „wir wollen keinen Profit machen, sondern den Menschen Freude vermitteln und in den Austausch kommen.“

Grigoryan und Clubpartner Buckermann haben selbst jahrelang allein, immer online gespielt – doch sie finden: „Zusammen Schach zu spielen ist viel schöner.“ Viele Gäste kommen allein, aber Schach ist international, die Sprache spielt keine Rolle und auch eher introvertierte Menschen entdecken so Möglichkeiten der Begegnung und Teilhabe. „Schach kann ein Community-Ding sein“, davon ist Grigoryan überzeugt.
Lust auf gute Drinks und Schach? Dann raus aus der Online-Welt und ran an die Bar. „This is not a Church“ – (engl. Das ist keine Kirche) so lautet das Manifesta-Motto, am kommenden Samstag gilt der Zusatz: „Das ist ein Schach Club“.
19.00 bis 22.00 Uhr, Gut-Heil-Str. 12-14, Dortmund, Eintritt frei
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Einladung zur Mitsprache: Diskussionsrunde zur Zukunft der Kirchenbauten in Dortmund

