
Ein Gastbeitrag von Gabriele Unverferth
Hoesch – Ein Name für Stahl. Das wissen die meisten Dortmunder:innen. Aber für Kohle? Vor 60 Jahren, am 30. Juni 1966 wurde die letzte Hoesch-Zeche in Dortmund stillgelegt: Kaiserstuhl II (Ost) auf dem Gelände der Westfalenhütte. Kaiserstuhl I an der Bornstraße hatte bereits elf Jahre zuvor die Förderung eingestellt. Im Jahr 2000 dann die Stilllegung der Kokerei Kaiserstuhl, der modernste Kokerei in Europa, die mit Hilfe von Fördergeldern in Höhe von einer Milliarde D-Mark aufgebaut und drei Jahre später von einem chinesischen Bergbaukonzern wieder abgebaut wurde. Wir blicken zurück auf dieses wenig bekannte Kapitel der Dortmunder Bergbaugeschichte.
Am Anfang stand die Zeche Westphalia
Die Geschichte des Bergwerks Kaiserstuhl beginnt mit der Gründung der Actien-Gesellschaft Westphalia ein knappes Jahrhundert zuvor. Sie begann 1853/54 mit dem Abteufen von zwei Schächten auf einem Grundstück zwischen dem Sunderweg und der Köln-Mindener Eisenbahn.

Sechs Jahre nahm der Förderschacht Westphalia 1 den Betrieb auf. Massive Wassereinbrüche unter Tage bereiteten große Probleme: In den Jahren 1865 bis 1871 führten sie dazu, dass die Schachtanlage viermal komplett vollief.
Ein weiteres Problem auf dieser Zeche waren die starken Ausgasungen der Kohlenflöze. Zwischen November 1861 und Januar 1893 ereigneten sich auf Westphalia 13 Schlagwetterexplosionen mit zusammen 23 Toten und 36 Verletzten.
Wohl auch, um hier Abhilfe zu schaffen, wurde 1872 etwa 2,3 km östlich des Bergwerks mit dem Abteufen eines dritten Schachts begonnen. Dieser neue Schacht – Kaiserstuhl I/1 – nahm 1877 die Förderung auf; 1885 produzierte eine moderne Kokerei mit Nebenproduktengewinnung den ersten Koks, und die drei Jahre später in Betrieb genommene Benzolfabrik war sogar die erste der Welt.
Modernisierung unter Tage: Das Grubenfeld wächst
Wegen der starken Gasentwicklung im Grubenfeld verlangte die Bergbehörde einen weiteren Hauptschacht um die Belüftung unter Tage zu verbessern. Er lag etwa 1,5 km von Kaiserstuhl I entfernt mitten auf dem Gelände des Eisen- und Stahlwerks Hoesch und ging 1894/95 in Betrieb (Kaiserstuhl II/1). Der daneben errichtete Wetterschacht Kaiserstuhl II/2 folgte 1898.

In Fachkreisen wurde die Zeche Westphalia um diese Zeit recht positiv beurteilt. So heißt es in dem 1894 erschienenen Werk eines hohen staatlichen Bergbeamten namens Ludwig Achepohl: „Zeche Westphalia ist eine der werthvollsten Gruben bei Dortmund und geht zuverlässig unter trefflicher Leitung guter Zukunft entgegen, wenn auch die Gaskohlenflötze an Qualität den gleichen Flötzen anderer Gegenden nachstehen.
Die Fettkohlen jedoch wie die aus ihnen erzeugten Coks (sic) sind vorzüglich, werden auch exportirt. Abnehmer sind u. A. der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt.“ Mit der „trefflichen Leitung“ war übrigens Alexander Hilbck gemeint, der Direktor der Zeche Westphalia.
Das frühe Ende von Westphalia und was davon bleibt
In Fachkreisen wurde die Zeche Westphalia um diese Zeit recht positiv beurteilt. So heißt es in dem 1894 erschienenen Werk eines hohen staatlichen Bergbeamten namens Ludwig Achepohl:

„Zeche Westphalia ist eine der werthvollsten Gruben bei Dortmund und geht zuverlässig unter trefflicher Leitung guter Zukunft entgegen, wenn auch die Gaskohlenflötze an Qualität den gleichen Flötzen anderer Gegenden nachstehen.
Die Fettkohlen jedoch wie die aus ihnen erzeugten Coks (sic) sind vorzüglich, werden auch exportirt. Abnehmer sind u. A. der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt.“
Mit der „trefflichen Leitung“ war übrigens Alexander Hilbck gemeint, der Direktor der Zeche Westphalia.Als der Obereinfahrer Achepohl dies schrieb, wurde auf Westphalia allerdings nur noch Restabbau betrieben, und die beiden Schächte befanden sich seit Jahren in Reparatur.

Da zudem die Bergbehörde den Abbau unter dem Dortmunder Stadtgebiet nicht mehr zuließ, wurde die Zeche am 31. März 1895 stillgelegt, die Belegschaft auf die Kaiserstuhl-Schächte verlegt und das Betriebsgelände samt Gebäuden an die Union-Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie verkauft.
Ein Teil des südlichen Grubenfelds fiel an die benachbarte Zeche Tremonia. Schacht 1 wurde zugekippt; Schacht 2 blieb dagegen offen, diente Tremonia fortan als Wetterschacht und wurde erst nach der Stilllegung 1931 verfüllt.
Sein markanter Hammerkopfturm war bereits 1929 nach Castrop-Rauxel umgezogen, wo er bis heute inmitten eines „keltischen Baumkreises“ über dem Schacht Erin 3 im Stadtteil Schwerin steht.
Erhalten geblieben ist bis heute in Dortmund ein 1924 erbautes Waschkauengebäude für den Schacht Westphalia am Sunderweg. Dort befindet sich heute ein selbstorganisiertes Künstlerhaus mit Ateliers und Ausstellungen.
Ein hoher Blutzoll: Auf Kaiserstuhl ereigneten sich wiederholt schwere Grubenunglücke
Während bei den Schlagwetterexplosionen auf der Zeche Westphalia fast immer nur wenige Bergleute den Tod gefunden hatten, kam es auf den Kaiserstuhl-Schächten mehrfach zu Massenunglücken, die stets für große Anteilnahme in der Bevölkerung sorgten.

Die erste dieser Katastrophen ereignete sich am 19. August 1893 auf Kaiserstuhl I, als eine schwere Schlagwetterexplosion 62 Bergleute in den Tod riss.
Karl Richter, der Chefredakteur des Dortmunder „Generalanzeigers“, schrieb später über die Rettungsaktion bei diesem Grubenunglück und den Einsatz des Grubendirektors Hilbck dabei in seinen „Aufzeichnungen“:
„Alexander Hilbck war einer der Tapfersten unter der tapferen Rettungsmannschaft und setzte neben dem braven Direktor Tomson sein Leben oftmals aufs Spiel, indem er im dicksten Nachschwaden vordrang, um noch Kameraden zu retten. Das verschaffte ihm Ehre und Anerkennung in allen Kreisen. Er wurde Stadtverordneter, Stadtrat und nationalliberaler Reichstagsabgeordneter.“
Weitere Unglücke erschüttern die Schachtanlagen
Von den Toten wurden 48 am 22. August auf dem Ostenfriedhof beigesetzt. Tausende von Menschen säumten die Straßen oder schlossen sich dem Trauerzug an, der über die Bornstraße, den Schwanenwall und die Kaiserstraße führte.

Ähnliches wiederholte sich nach dem Explosionsunglück auf Kaiserstuhl II am 22. Dezember 1897 mit mindestens 20 Toten, von denen 18 ebenfalls auf dem Ostenfriedhof bestattet wurden.
1899 und 1917 waren noch zwei weitere Schlagwetter- bzw. Kohlenstaubexplosionen auf den Kaiserstuhl-Schächten zu verzeichnen, die aber nur wenige Opfer forderten.
Die beiden letzten größeren Grubenunglücke hatten andere Ursachen. Am 8. August 1920 stürzten bei einem Riss des Förderseils auf Kaiserstuhl II 31 Männer in den Tod, und am 16. Januar 1943 kamen 28 Bergleute auf Kaiserstuhl I bei einem Brand im Hauptförderschacht ums Leben.
Konflikte, Ausstände und „Schwarze Listen“
Mit der Reform des Bergrechts in den Jahren 1851 bis 1865 hatten sich die rechtliche Stellung, die soziale Lage und die Arbeitsbedingungen der Bergleute deutlich verschlechtert. Sie waren nun den Schwankungen des Marktes und einer weitgehend unbeschränkten Herrschaft der Unternehmer in den Betrieben ausgesetzt.

Auf vielen Zechen herrschte fortan ein raueres Klima. Zu den Bergwerksdirektoren, die unerschütterlich auf ihrem „Herr im Hause“-Standpunkt beharrten und ihre Zechen mit eher harter Hand wie ein Patriarch regierten, zählte auch Alexander Hilbck (1841-1908), der ab 1866 zunächst die Bergwerke Borussia und Tremonia, ab 1876 dann die Zeche Westphalia leitete.
So ist es vielleicht kein Zufall, dass gerade die Belegschaften dieser Gruben sich teils über viele Jahre hinweg durch „Renitenz“ und eine hohe Streikbereitschaft auszeichneten.
Als im Juni 1872 der erste größere, aber weitgehend auf den Essener Raum beschränkte Bergarbeiterstreik ausbrach, schlossen sich auch die Belegschaften von Tremonia und Westphalia der Bewegung an. Auf beiden Zechen kam es im April/Mai 1877 erneut zu einem Streik, der sich am Erlass einer neuen Arbeitsordnung entzündete. Die Forderung der Bergleute, diese zurückzunehmen, lehnte Direktor Hilbck kategorisch ab: Wer sie bis zum 30. April nicht unterschreibe und sich „renitent“ erweise, würde entlassen und „auch auf den umliegenden Zechen keine Arbeit finden, dafür würde gesorgt.“
Die Audienz beim Kaiser: Der Riesenstreik von 1889
Einer der Wortführer bei diesem Ausstand war der auf Kaiserstuhl beschäftigte Bergmann Ludwig Schröder. Zusammen mit Fritz Bunte (Zeche Westfalia, Vorsitzender des Dortmunder Knappenvereins „Glück-Auf“) und August Siegel (Zeche Zollern, Vorsitzender des Knappenvereins Dorstfeld) gehörte er auch zu den treibenden Kräften im größten Streik des 19. Jahrhunderts, der Anfang Mai 1889 ausbrach, zeitweise rund 90 Prozent der 104.000 Ruhrbergleute erfasste und sich auch auf andere Bergbaureviere ausweitete.

Am 13. Mai reisten Schröder, Bunte und Siegel nach Berlin, um dem Kaiser als „oberstem Bergherrn“ die Wünsche, Sorgen und Nöte der Bergleute vorzutragen. Nach der zehnminütigen Audienz am folgenden Tag, bei der Wilhelm II. zwar den Kontraktbruch der Arbeiter schärfstens verurteilte, aber auch eine amtliche Untersuchung ihrer Beschwerden in Aussicht stellte, verhandelten sie mit Dr. Friedrich Hammacher, dem Vorsitzenden des Vereins für die bergbaulichen Interessen.
Dieser versprach, sein Verband werde auf die Zechenverwaltungen einwirken, die Löhne in angemessener Weise zur erhöhen und auf eine Maßregelung von am Streik beteiligten Arbeitern zu verzichten. Dafür sagten die Bergleute zu, sich nach der Erfüllung ihrer Wünsche sofort für die Wiederaufnahme der Arbeit und einen dauerhaften Frieden einzusetzen.
Im Vertrauen auf die Worte des Kaisers und die Vereinbarungen mit Hammacher bröckelte der Streik weiter ab. Viele Arbeiter wurden nicht wieder eingestellt oder schon bald wieder entlassen. Nicht selten erhielten sie mit geheimen Zeichen versehene Abkehrscheine oder gerieten auf „Schwarze Listen“, so dass sie auf anderen Zechen monatelang oder für immer keine Arbeit mehr fanden.
Das Ende des Arbeitskampfes und die „Arbeitersperre“
Auch August Siegel und Ludwig Schröder, letzterer immerhin Vater von zehn Kindern, waren von den Maßregelungen betroffen. Am 2. Juli 1889 berichtete Bergwerksdirektor Hilbck dem Berghauptmann Friedrich Eilert, er habe Schröder am 30. Juni mitgeteilt, das er „mit den auf Zeche Westphalia beschäftigten Arbeitern in Frieden zu leben gedächte und deshalb eine weitere Agitation unter keinen Umständen mehr dulden würde“.
Da Schröder jedoch wieder eine Bergarbeiterversammlung geleitet und eine weitere anberaumt habe, hätte er ihn „heute nicht mehr anfahren lassen und werde ihn auch niemals wieder annehmen.“
Hilbck stand mit dieser Haltung unter den Bergwerksdirektoren nicht allein: Auf einer Versammlung der Zechenvertreter der drei Dortmunder Bergreviere beschlossen diese, „Streikdeputierte“ nicht wieder zur Arbeit zuzulassen, „weil dieselben sich zu schwer compromittirt“ hätten; sie seien nicht bereit, „ihrer schon so schwer geschädigten Autorität auch noch diesen letzten vernichtenden Schlag versetzen zu lassen.“
Teilerfolge und bleibende Erbitterung
Die Erbitterung der Bergleute über die „Arbeitersperre“ wurde so groß, dass sich ein neuer allgemeiner Streik am Horizont abzeichnete. Am 7. Dezember 1889 hob der Bergbau-Verein endlich die Sperre auf. Wenige Tage später gelang es dem Landrat von Rynsch und dem Dortmunder Oberbürgermeister Schmieding, für August Siegel die Anlegung auf der Zeche Dorstfeld und für Ludwig Schröder die Wiedereinstellung auf der Schachtanlage Kaiserstuhl zu erwirken.

Schröder fuhr am 2. Januar 1890 wieder an, nachdem er versprochen hatte, sich friedlich zu verhalten, „nicht weiter in gehässiger Weise“ gegen Hilbck vorzugehen und die Agitation einzustellen.
Der große Streik von 1889 brachte den Bergleuten zwar keine vollständige Erfüllung ihrer Forderungen, aber zumindest vorübergehend einige Teilerfolge im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen. Viele Zechen hoben die Löhne an oder setzten die hohen Geldstrafen herab, die sich u. a. auf Westphalia auf bis zu zehn Mark, also mehr als drei Schichtlöhne belaufen hatten.
Allerdings waren die Konflikte, die die Bergleute 1889 in den Ausstand getrieben hatten, nicht dauerhaft aus der Welt und die alten Missstände schon bald wieder eingerissen. Bei den großen Streikbewegungen in den Jahren 1905 und 1912 standen die Bergleute der Zeche Kaiserstuhl, wie schon so oft, mit in der ersten Reihe. In beiden Fällen legten sie die Arbeit bereits vor dem Streikaufruf der Bergarbeiterverbände nieder.
1899 erwarb das Eisen- und Stahlwerk Hoesch die Zeche Westphalia
Um sich beim Roheisen vom Fremdbezug unabhängig zu machen, errichtete das 1871 gegründete Eisen- und Stahlwerk Hoesch 1894 ein eigenes Hochofenwerk. Zur Sicherung der Brennstoffversorgung auf möglichst kurzen Wegen erwarb es fünf Jahre später die Zeche Westphalia mit den Schachtanlagen Kaiserstuhl I und II.

Damit hatte Hoesch schon zuvor einen Kohlenlieferungsvertrag abgeschlossen. Nach der Übernahme sämtlicher Bergwerksanteile im Tausch gegen Hoesch-Aktien löste sich die Gewerkschaft ver. Westphalia auf.
Den Kohlen- und Kokstransport zum Hüttenwerk besorgten Drahtseilbahnen, die es mit Kaiserstuhl II (1911) und Kaiserstuhl I (1913) verbanden. Beide Schachtanlagen wurden in den folgenden Jahren kontinuierlich ausgebaut.
1914 ging auf Kaiserstuhl I ein dritter Förderschacht in Betrieb, zehn Jahre später der neue Schacht Kaiserstuhl II/3. 1940 hatte das Bergwerk Kaiserstuhl mit 1.685661 t Kohle und 4.845 Beschäftigten die höchste Förderung seiner Geschichte erzielt.
Danach ging sie infolge der schweren Luftangriffe erheblich zurück. Als die unteren Sohlen durch den Ausfall der Stromversorgung absoffen, kam die Kohlenförderung im Herbst 1944 ganz zum Erliegen.
Aber schon im Sommer 1945 konnte der Betrieb auf den Schachtanlagen Kaiserstuhl I und II, die fortan West bzw. Ost hießen, wieder aufgenommen werden. 1955 erhielt der Schacht Kaiserstuhl II/1 einen hohen Beton-Förderturm mit vollautomatischer Gefäßförderung und übernahm als neuer Zentralschacht die gesamte Förderung des Bergwerks Kaiserstuhl.
Kohlenkrise und Rationalisierung: Das Ende der Zeche
Zwar musste die Förderung nach dem Einsetzen der Kohlenkrise (1958) zurückgefahren werden, aber die Maßnahmen zur Modernisierung und Mechanisierung der Betriebe wurden fortgesetzt.

Das führte zu einer deutlichen Steigerung der Untertageleistung pro Mann und Schicht. Den Anfang vom Ende markierte das Gesetz zur Förderung der Rationalisierung im Steinkohlenbergbau vom 29. Juli 1963.
Das sah unter anderem die Vergabe von Stilllegungsprämien aus öffentlichen Mitteln vor. Hoesch meldere daher 1964 die Zeche Kaiserstuhl vorsorglich zur Stilllegung an: Am 30. Juni 1966 verfuhren die Bergleute auf Kaiserstuhl II (Ost) die letzte Schicht.
Kaiserstuhl I (West) hatte die Förderung bereits 1955 eingestellt. Lediglich die Kokerei Kaiserstuhl II blieb noch bis Dezember 1991 in Betrieb. Die ein Jahr später, am 1. Dezember 1992 in Betrieb genommenen neue Kokerei Kaiserstuhl III, damals die modernste und umweltfreundlichste der Welt, ist ebenfalls schon lange Geschichte. Sie wurde 2000 stillgelegt und 2003 nach China verkauft.
Was ist geblieben? – Vom Zechengelände zum Einkaufs- und Freizeitzentrum
Von den Betriebsgebäuden der beiden Schachtanlagen sind heute keine Spuren mehr vorhanden. Auf dem Gelände von Kaiserstuhl I baute der Investor Hans Grothe das erste Westfalen-Einkaufs-Zentrum.

Der 1971 eröffnete Shopping-Tempel umfasste u. a. ein großes Warenhaus namens allkauf, einen Baumarkt, ein Möbelhaus, ein Bettengeschäft und einen Sex-Shop. Wenige Jahre später realisierte Grothe seine Pläne für den Bau des damals größten Spaßbads in Europa.
Das am 30. April 1975 von Bürgermeister Willi Reinke, NRW-Justizminister Diether Posser und Bundesfamilienministerin Katharina Focke eingeweihte „Tropa Mare“, ein weltweit beachtetes Freizeitzentrum, fand auch in der Dortmunder Bevölkerung regen Anklang.
Das abrupte Ende des „Tropa Mare“
Hier gab es u. a. ein großes Badebecken mit Wellenmaschine, eingebettet in eine Umgebung im spanischen Stil mit Kunstpalmen, Hollywood-Schaukeln, Schiffchen als Sitzmöbeln und sogar einem Leuchtturm.

Die „Villa Solaria“ in einer anderen Halle bot 64 Solarienplätze, dazu eine „Römische Therme“, eine Sauna für 120 Personen, ein Fitness-Center und einen „Französischen Boulevard“ mit kleinen Läden.
1978 geriet die Betreibergesellschaft in Konkurs. Den Todesstoß versetzte der „Waschkaue des Nordens“ jedoch ein Austritt von Chlorgas am 1. Mai 1984, durch den 116 Badegäste verletzt wurden und z. T. schwere Vergiftungen erlitten.
Bei der Untersuchung des Unfalls kamen auch noch erhebliche Baumängel ans Licht, so dass die Schließung nicht zu vermeiden war. In den 1990er Jahren richtete sich die „Blickpunkt Fernsehproduktion“ in den Räumlichkeiten ein, die dort unter anderem Sendungen wie „Bingo“ für Sat 1 produzierten. 2008/2009 wurde das alte WEZ abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Die Werkssiedlungen und die heutigen Spuren im Stadtbild
Wie die Tagesanlagen sind auch die Siedlungen des Bergwerks Kaiserstuhl schon lange aus dem Stadtbild verschwunden.

Die Kolonie Kaiserstuhl I an der Straße „Am Kaiserstuhl“ war 1891/92 von der Gewerkschaft ver. Westphalia erbaut und 1905 von Hoesch um einige etwas aufwändiger gestaltete Beamtenhäuser ergänzt worden.
Die schlichten Zwei- und Vierfamilienhäuser für die Arbeiterfamilien entsprachen den damals im Bergarbeiterwohnungsbau üblichen Bauformen.
Bei der 1899 projektierten und gebauten Kolonie Kaiserstuhl II zwischen Oesterholz- und Flurstraße sah dies jedoch vollkommen anders aus.
Hier, an der Von-Buch-, der Huyssen- und der Dechenstraße entstand ein Massenquartier u. a. mit dreigeschossigen, an den Rückseiten unverputzten Backsteinhäusern und Stallgebäuden in den tristen Höfen.

Die Siedlung grenzte in Norden direkt an das Zechengelände, im Westen unmittelbar an das Eisen- und Stahlwerk Hoesch.
Infolgedessen waren die Bewohner Tag und Nacht dem Lärm und den anderen Emissionen der Betriebe ausgesetzt.
Es war aber wohl nicht die dicke Luft, sondern der wachsende Raumbedarf des expandierenden Hüttenwerks, der zum Abriss der Siedlung in den 1930er Jahren führte.
An das Bergwerk Vereinigte Westphalia und die Kaiserstuhl-Schächte erinnern heute die vom Sunderweg abzweigende Westfaliastraße und das mit Schlägel und Eisen über dem Portal geschmückte ehemalige Waschkauengebäude am Sunderweg.

Hinzu kommen die eindrucksvollen Grab- und Ehrenmale für die Opfer der schweren Grubenunglücke auf drei Dortmunder Friedhöfen.
Ein besonderer Blickfang ist zudem eines der schönsten Nordstadtbilder, welches die ursprünglich triste Ostwand des Wohnhauses an der Brackeler Straße / Ecke Tiefe Straße bunt bereichert.
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