„Das Dortmund der Zukunft“: DSW21 strengt einen Strategieprozess mit Realitätscheck an

Die Dortmunder Stadtwerke stellen ihre Jahresbilanz für 2025 vor

Mit der neuen City-Buslinie 400 hat DSW21 ein neues Angebot geschaffen. Foto: Jörg Schimmel für die DSW21

Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 stellen ihre Jahresbilanz für 2025 vor. Das Gesamtbild zeigt wieder schwarze Zahlen beim Energieanbieter DEW21, steigende Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr und ein trotzdem gewachsenes Verkehrsdefizit. Außerdem plant die 21-Gruppe den „Realitätscheck 2035“: Ziel ist eine gesamtheitliche Strategie, die die Rolle des Konzerns für das Dortmund der Zukunft bestimmen will – insbesondere beim Ziel, bis 2025 klimaneutral zu werden. Mit dem Geschäftsjahr 2025 sei man sehr zufrieden, sagte Vorstandsvorsitzender Jörg Jacoby. Insgesamt liegt die Bilanzsummer für 2025 bei 2,62 Milliarden Euro, das Ergebnis nach Steuern bei rund 28 Millionen Euro.

„Realitätscheck 2035“: Wie viel Klimaneutralität ist realistisch?

Eine bleibende Herausforderung ist das Thema Klimaneutralität. Um Ansprüche und Herausforderungen im Gesamtbild abzubilden, plant die 21-Gruppe den „Realitätscheck 2035“. Als erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme zur Ist-Situation geplant, das Ziel des Prozesses ist eine klare Strategie. Nach den Krisen der letzten Jahre biete sich jetzt die Chance, das Momentum aus dem guten Geschäftsjahr 2025 zu nutzen und den Blick nach vorne zu schärfen, so Vorstandsvorsitzender Jörg Jacoby.

Der Vorstand von DSW21 (v.r.) Ulrich Jaeger, Jörg Jacoby und Harald Kraus. Foto: Christian Bohnenkamp für DSW21

Wie der Name vermuten lässt, geht es beim „Realitätscheck“ auch darum, welche Maßnahmen für ein klimaneutrales Dortmund bis zum Jahr 2035 finanzier- und umsetzbar sind. Denn selbst wenn die Finanzierung gesichert wäre: Viele Fragen nach der Planung von Baustellen, und dem Personal, das solche Maßnahmen umsetzen soll, blieben zurzeit noch offen, sagt Finanzprokuristin Eva Hestermann. ___STEADY_PAYWALL___

Einen Widerspruch zwischen den Anforderungen der Transformationsvereinbarung und der Umsetzung der Klimaziele sehen die Stadtwerke nicht. Die meisten Leistungen würden bei externen Unternehmen eingekauft, sodass ein Personalabbau trotzdem möglich bliebe. Auch Digitalisierung und künstliche Intelligenz könnten dazu beitragen, dass Menschen gezielter eingesetzt werden können.

Hohe Investitionen besonders in den Dortmunder Nahverkehr

Die neuen B-Wagen von DSW21. Foto: Jörg Schimmel für die DSW21

Ein großer Teil der Gesamtinvestitionen der Stadtwerke floss 2025 in den öffentlichen Nahverkehr. Es wurde zum Beispiel die neue Buslinie 400 eingeführt, die den Anschluss an den Hauptbahnhof vereinfachen soll und das Busnetz in der Innenstadt verstärkt. Die Betriebszeiten in der Nacht wurden erweitert.

Das „B-Wagen-Projekt“, in dessen Rahmen 34 neue und moderne Stadtbahnen für Dortmund angeschafft werden, hatte durch ein Insolvenzverfahren beim Hersteller Heiterblick zunächst einen Rückschlag erhalten. Nach langen Verhandlungen steht jetzt aber fest, dass die ausstehenden zehn Stadtbahnen bis Herbst 2027 geliefert werden sollen. Die erste ist in diesen Tagen eingetroffen.

DeutschlandTicket Haltestelle DSW21 Foto: Jörg Schimmel für die DSW21

Insgesamt konnte der ÖPNV in Dortmund im Jahr 2025 einen Anstieg an Fahrgästen verzeichnen und auch die Einnahmen durch Fahrscheinkäufe stiegen an. Das DeutschlandTicket bleibt beliebt und hatte Ende 2025 ungefähr 177.000 Abonnent:innen. „Das Produkt ÖPNV wird gut nachgefragt“, so Jacoby.

Allein beim „DeutschlandTicket Job“ wünscht sich Ulrich Jaeger, der Verkehrsvorstand der DSW21, noch mehr Nachfrage. Mit Finanzierungszusagen bis Ende 2030 sei nun ausreichend Planungssicherheit vorhanden. „Für kleine wie große Unternehmen gibt es damit keinen triftigen Grund mehr, ihrer Belegschaft dieses einzigartige Angebot vorzuenthalten.“

Grafik: DSW21

Trotz stabilen Abozahlen und wachsendem Fahrgastaufkommen stiegen im letzten Jahr die Verluste im Nahverkehr in Dortmund auf rund 99 Millionen Euro. Im Jahr 2024 lagen sie bei ungefähr 90 Millionen Euro, im Jahr 2022 bei rund 72 Millionen Euro.

Das höhere Defizit liege vor allem an den gestiegenen Personalkosten, erklären die Stadtwerke. Höhere Gehälter durch Tarifbeschlüsse und mehr Entlastungstage zusätzlich zum Jahresurlaub machten sich bemerkbar. Besonders, um diese Entlastungstage zu kompensieren musste die Zahl der Mitarbeitenden erhöht werden, seit 2019 von knapp 1.300 auf über 2.300.

Trotz Krisen steigen die Energiepreise bei der DEW21 dieses Jahr nicht

Der Dortmunder Energieversorger DEW21 kehrt wieder in die Gewinnzone zurück – nachdem man mit dem Unternehmen zuletzt zwei schwierige Jahre durchgestanden habe, so Jörg Jacoby. Die erhöhten Beschaffungskosten für Strom und Gas der letzten Jahre, etwa wegen des Kriegs in der Ukraine, seien nun verarbeitet. Die DEW21 konnte im Jahr 2025 31,4 Millionen Euro an die Dortmunder Stadtwerke abführen.

Außenansicht des Gebäudes der DEW21
Die Zentrale der DEW21 am Günter-Samtlebe-Platz. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Auch im Hinblick auf den derzeitigen Krieg im Iran würden in diesem Jahr keine Preiserhöhungen auf Kund:innen der DEW21 zukommen. Neukund:innen, die jetzt einen Vertrag abschließen, könnten sich auf eine zweijährige Preisbindung verlassen. Man habe aus den Herausforderungen der letzten Jahre sehr viel gelernt und das Risikomanagement verbessert. Für die Jahre 2027 und 2028 sei der Energieversorger eingedeckt. Zuletzt konnte die DEW21 ihre Energiepreise sogar senken.

Die Zahlen des letzten Jahres sehen die Stadtwerke auch als Zeichen für eine erfolgreiche Umsetzung der im Jahr 2024 beschlossenen „Transformationsvereinbarung“. In der Vereinbarung ging es darum, die DEW21 finanziell zu stabilisieren und neu auszurichten, nachdem das mittlerweile abgeschaffte Tochterunternehmen „stadtenergie“ durch manipulierte Abrechnungen einen hohen finanziellen Schaden verursacht hatte. Die Transformationsvereinbarung sieht Kostensenkungen vor, die auch durch den Abbau von Personal realisiert werden sollen.

Passagierrekorde am Dortmund Airport – Flughafen trotzdem weiter im Minus

3,2 Millionen Reisende haben den Dortmunder Flughafen im letzten Jahr genutzt – damit toppt das Ergebnis für 2025 noch einmal knapp den Passagierrekord von 2024 mit 3,1 Millionen Fluggästen. Der Airport konnte so die Passagierverluste durch den Rückzug der Airline Ryanair und durch das reduzierte Angebot von Eurowings auffangen.

Eine Maschine der Airline Wizz Air beim Start am Dortmunder Flughafen. Sascha Kamrau/Dortmund Airport

Das beliebteste Reiseziel war die polnische Stadt Kattowitz. Trotzdem fiel das Jahresergebnis wegen steigender Kosten von -1,8 Millionen Euro im Jahr 2024 auf -6,3 Millionen Euro im Jahr 2025. Auch hier machten die Stadtwerke besonders die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst für die höheren Kosten verantwortlich.

Durch die Beteiligung an der Gelsenwasser AG nahm die DSW21 im Jahr 2025 37,9 Millionen Euro ein. Damit liegt der Beitrag der AG auf Planniveau. Dasselbe gilt für die EDG Entsorgung Dortmund mit 3,7 Millionen Euro. Aus den Anteilen am Energiekonzern RWE konnten sogar überplanmäßige Einnahmen erzielt werden.

Mit einem klaren Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit treibt das Wohnungsunternehmen DOGEWO21  Modernisierungen voran Foto: Oliver Schaper für DOGEWO21

Auch das Wohnungsunternehmen DOGEWO21 konnte im Jahr 2025 seine Geschäftszahlen verbessern, unter anderem wegen der weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnraum.

Das Unternehmen ist außerdem eine strategische Partnerschaft mit Telekommunikationsanbieter DOKOM21, ebenfalls Teil der Dortmunder 21-Gruppe, eingegangen: DOKOM21 übernimmt den Glasfaserausbau in den Gebäuden der DOGEWO21.

Dieser Schritt dient auch dem Ziel der DOKOM21, den Fokus stärker auf den Glasfaserausbau in Dortmund zu legen. Ebenfalls im Jahr 2025 hatte das Unternehmen deshalb sein Glasfasernetz in Essen an die Deutsche Telekom verkauft.

Stadtwerke hoffen auf eine baldige Bebauung der Deggingshöfe

Zum Blick in die Zukunft gehören auch verschiedene Bauprojekte. Man hoffe, dass der Plan für die Bebauung der Deggingshöfe im Dortmunder Osten bis zur Sommerpause fertiggestellt ist, so Jörg Jacoby.

Die DSW21-Hauptverwaltung soll abgerissen werden und Platz machen für die Degginghöfe. Foto: Alexander Völkel für die nordstadtblogger.de

Auf dem ehemaligen DSW21-Betriebshof sollen ungefähr 500 Wohneinheiten gebaut werden. Auch eine Schule und eine Turnhalle sind vorgesehen. Die ersten Pläne zur Bebauung des Geländes liegen bereits seit 2016 vor, wurden aber zwischenzeitlich immer wieder verändert.

Bis dort die ersten Wohnhäuser errichtet werden, wird es allem Anschein nach noch mindestens bis zum Jahr 2028 dauern. Damit verbunden ist auch ein weiteres Bauprojekt: DSW21 wird ihre Hauptverwaltung aufgeben und an den Westfalendamm umziehen.

Die technischen Anforderungen an das Bestandsgebäude würden gerade umgesetzt und der Baubeschluss für einen Neubau, der das Verkehrsressort unterbringen soll, läge vor. Voraussichtlich wird der Umzug im ersten Quartal des Jahres 2028 möglich sein.


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