
Der Gesundheitskiosk in der Dortmunder Nordstadt gilt als erfolgreiches Modellprojekt für niedrigschwellige Gesundheitsberatung. Doch trotz positiver Bilanz der Stadt steht dieser nun vor einer ungewissen Zukunft. Die bisherige Finanzierung läuft aus, eine anschließende Finanzierung ist nicht in Sicht. Die Kommunalpolitik wird dadurch in die Verantwortung genommen.
Der Gesundheitskiosk bietet Unterstützung für Menschen mit besonderen Bedarfen

Seit 2025 gibt es in der Dortmunder Nordstadt den sogenannten Gesundheitskiosk. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden, etwa aufgrund von Sprachbarrieren oder fehlendem Wissen über bestehende Strukturen.
Der Kiosk geht auf einen Ratsbeschluss von Mai 2024 zurück und wurde als Pilotprojekt aufgebaut. Ziel ist es, den Zugang zu medizinischer Versorgung in der Nordstadt zu verbessern und Anwohner:innen niedrigschwellig zu beraten.
Das vierköpfige Team umfasst dabei nicht nur medizinischen Fachkräfte. Auch Sozialarbeiter:innen und Integrationshelfer:innen unterstützt die Menschen in der Nordstadt in ihrem Alltag.
Stadt spricht von positiver Entwicklung – Der liegt Fokus auf Familien und Kindern
„Die Auswertung zeigt eine sehr positive Entwicklung. Seit dem Start erreichte der Gesundheitskiosk rund 1.600 Menschen“, erläutert Gesundheitsdezernentin Frauke Füsers. Das Angebot werde wahrgenommen und genutzt.

Besonders stark nachgefragt wird der Gesundheitskiosk von Familien mit Kindern. Ein zentraler Erfolg zeigt sich bei der kinderärztlichen Versorgung: „Auf diese Weise sind inzwischen 100 Kinder in kinderärztlicher Betreuung, obwohl sie zuvor keinen Zugang dazu hatten“, erklärt Füsers.
Damit stärke der Gesundheitskiosk die Chancen auf Teilhabe für Kinder aus der Nordstadt. Insbesondere durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und notwendige Impfungen.
Darüber hinaus organisiert das Team offene Sprechstunden und Informationsveranstaltungen: Rund 120 Sprechstunden sowie 28 Fachvorträge wurden bislang durchgeführt.
Mehr als nur Beratung: Intensive Begleitung und starke Vernetzung im Quartier
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das intensive Fallmanagement. Die Mitarbeitenden beraten nicht nur, sondern begleiten Menschen bei Bedarf auch langfristig. Etwa bei der Suche nach passenden Ärzt:innen oder bei organisatorischen Fragen.

Zugleich ist der Gesundheitskiosk eng mit bestehendem Netzwerk in der Nordstadt verbunden. Beratungsstellen und soziale Dienste vermitteln gezielt weiter, da sie einen hohen Bedarf an verständlicher Gesundheitsberatung sehen.
Auffällig ist zudem: Obwohl der Fokus auf der Nordstadt liegt, wird das Angebot auch von Menschen aus anderen Stadtteilen genutzt.
Weitere Finanzierung ungewiss – Trotz positiver Bilanz steht das Projekt auf der Kippe
Finanziert wird das Projekt aktuell über Mittel des Bundes im Rahmen des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Diese Förderung läuft allerdings Ende 2026 aus und eine weitere Finanzierung ist bislang nicht in Sicht. Die jährlichen Kosten belaufen sich dabei auf rund 260.000 Euro, vor allem für die vier Personalstellen.
„Die Ergebnisse der Evaluation sprechen für sich: Das Team des Gesundheitskiosks erreicht viele Menschen und verbessert ihren Zugang zu Gesundheitsangeboten“ erklärt Füsers. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Entscheidung über die Zukunft letztlich auf kommunaler Ebene getroffen werden muss.
Klar ist, der Bedarf für den Fortbestand des Gesundheitskiosk ist vorhanden und seine Angebote werden vielfach wahrgenommen. Ob das Angebot in der Nordstadt bestehen bleibt, hängt nun weniger von seiner direkten Wirkung, als von den Prioritäten im städtischen Haushalt ab. Die Fraktion im Dortmunder Stadtrat sind gefragt.
Mehr Informationen:
- Gesundheitskiosk im Sozialen Zentrum
- Westhoffstraße 8 – 12
- Telefon: 55 027 355
- E-Mail: gesundheitskiosk@stadtdo.de
- Öffnungszeiten: Montags bis Freitags von 10 bis 13 Uhr
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