Zum ersten Todestag: Nejib Boubaker wird am Samstag mit Gedenkveranstaltung bedacht

Der 70-Jährige starb in Scharnhorst durch einen Schuss der Polizei

Nejib Boubaker wurde in Scharnhorst durch einen Schuss auf einer Polizeiwaffe getötet. Foto: privat

Ein Jahr nach dem tödlichen Schuss durch die Polizei auf Nejib Boubaker rufen Organisationen, Freund:innen und Angehörige des Getöteten zu einer Gedenkveranstaltung auf. Gemeinsam wollen sie am 14. März 2026 in Scharnhorst an das Leben von Boubaker erinnern und ihre Forderung nach Aufklärung des Polizeieinsatzes bekräftigen. Die Ermittlungen wurden letzten August mit Hinweis auf Notwehr des Polizeibeamten eingestellt.

Staatsanwaltschaft und Angehörige schildern unterschiedliche Tathergänge

Am 14. März 2025 erlitt Boubaker mehrere epileptische Anfälle in seiner Wohnung. Die Rettungskräfte wollten ihn nach einer Erstbehandlung vor Ort ins Krankenhaus bringen. Das lehnte Boubaker ab. In der Folge soll er nach einem Küchenmesser gegriffen haben und sich auf die Rettungskräfte zubewegt haben. Daraufhin alarmierten die Rettungskräfte die Polizei.

Jede Hilfe kam für den 70-Jährigen zu spät. Foto: privat

Der weitere Verlauf des Einsatzes wird von der Polizei Dortmund und der Seite des Getöteten unterschiedlich dargestellt. Laut Polizei und der Staatsanwaltschaft Dortmund sei der 70-jährige Boubaker mit einem Küchenmesser in der Hand auf die Beamt:innen zugegangen. ___STEADY_PAYWALL___

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass er „schnellen Schrittes“ auf die Beamt:innen zugegangen wäre. Ein Polizeibeamter erschoss Boubaker aus drei Metern Distanz.

In einer Mitteilung der Betroffenenberatung „BackUp“ heißt es, dass die Polizei die Situation sehr schnell eskaliert hätte. Zeug:innen berichten, dass Boubaker durch die vorangegangenen Anfälle körperlich stark eingeschränkt gewesen sei und keine akute Gefahr dargestellt habe.

Staatsanwaltschaft hat im August 2025 Ermittlungen eingestellt

Mildere Einsatzmittel, wie Pfefferspray oder ein Taser, wurden nicht eingesetzt, auch die Bodycams der eingesetzten Beamt:innen waren nicht aktiviert. Versuche von Anwesenden, die Situation zu beruhigen oder zu vermitteln, seien von der Polizei abgelehnt worden, heißt es in der Mitteilung von „BackUp“.

Staatsanwalt Henner Kruse ist Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Staatsanwaltschaft hat im August letzten Jahres angekündigt keine Anklage gegen den Polizisten oder gegen einen anderen am Einsatz beteiligten Beamt:innen zu erheben.

„Unsere Ermittlungen haben gezeigt, dass die Schussabgabe durch Notwehr gerechtfertigt war. Dem Polizeibeamten ist in der Situation keine andere Möglichkeit geblieben, als einen Schuss auf den Mann abzugeben“, sagte Henner Kruse, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, gegenüber dem WDR. Die anwaltliche Vertretung der Angehörigen hat dagegen Widerspruch eingelegt.

In der Polizeimeldung zu dem Einsatz benennt die Polizei Dortmund Boubakar als „Randalierer“. Der Solidaritätskreis Justice4Mouhamed, der sich nach der Tötung des jungen Mouhamed Dramé durch die Polizei 2022 gegründet hat, sieht darin ein bekanntes Muster: „Wir erkennen Parallelen zu dem rassistisch aufgeladenen Narrativ des migrantischen Mannes, das die Polizei auch nach Mouhameds Tod verbreitete. So versuchen sie von ihrem eskalativen, tödlichen Einsatzverhalten abzulenken und das Vorgehen zu legitimieren.“

Angehörige und Freund:innen fordern Aufklärung des Polizeieinsatzes

Für große Bestürzung sorgte zudem der Umgang mit dem Leichnam von Boubaker, heißt es in der Mitteilung von „BackUp“. Obwohl er deutscher Staatsbürger war und sein Leben in Dortmund hatte, wurde sein Körper nach Tunesien überführt, so „BackUp“.

Nejib Boubaker wurde in Scharnhorst durch einen Schuss auf einer Polizeiwaffe getötet. Foto: privat

Die Hinterbliebenen erfuhren, laut „BackUp“, davon erst über anwaltliche Nachfrage. Erst durch eigene Nachforschungen hätten sie herausgefunden, dass Boubaker in Tunis beigesetzt wurde.

Am 14. März soll Boubaker gedacht werden. „Wir wollen unser Entsetzen über das Vorgehen der Polizei zum Ausdruck bringen. Wir wollen, dass die Menschen nicht vergessen, welches Unrecht hier getan wurde. Aber noch viel mehr wollen wir Nejib gedenken und ihn nicht vergessen. Wir möchten an sein Leben erinnern, an den reiselustigen Freund, der er war“, so ein Freund von Boubaker.

Die Gedenkveranstaltung für Nejib Boubaker findet am 14. März um 13:12 Uhr in der Straße Wambler Holz Ecke Rüschebrinkstraße statt.


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