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Unternehmertag: Junge KlimaschützerInnen überraschen Laschet – Ministerpräsident spricht über Nachhaltigkeit

Vor der Veranstaltung traf Laschet auf DemonstrantInnen von „Fridays for Future Dortmund“. Fotos: Karsten Wickern

Unter dem Motto „nachhaltig wirtschaften“ hatte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker 230 UnternehmerInnen am Dienstagabend zum Austausch eingeladen. Der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nahm als Hauptreferent teil. Vor der Veranstaltung traf er auf DemonstrantInnen der „Fridays for Future Dortmund“. 

Erzbischof Becker ruft zur Auseinandersetzung mit dem Neuen auf

Jährlich lädt der Paderborner Erzbischof UnternehmerInnen zum Unternehmertag in Dortmund ein. UnternehmerInnen sollen dort zusammen die Gegenwart beobachten und daraus Entscheidungen für die Zukunft treffen.

Bischof Hans-Josef Becker

Becker sieht die Geschwindigkeit tiefgreifender Veränderungen als Herausforderung der Gegenwart.  Themen wie Klimawandel, Digitalisierung, Globalisierung, künstliche Intelligenz und auch der demografische Wandel sorgten für oft tief greifende Veränderungen. Nicht wenige sein davon überfordert. 

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Als zweite Herausforderung sieht der Erzbischof die Sorge der Menschen um ihren sozialen Status, aber auch Kritik an als ungerecht empfundenen Verhältnissen.

Viele Krisen hätten dazu geführt, dass Menschen ihr vertrautes Umfeld bedroht sehen. Andere Menschen hätten das Gefühl, dass viel für das Rentensystem und die Flüchtlinge getan werde, Banken gerettet und der Automobilindustrie Zugeständnisse gegeben werden, doch zu wenig in ihrem eigenen Lebensumfeld ankomme.

Kritik am Steuersystem der Gegenwart und Forderung nach fairem Wettbewerb

Es sollen Räume für Begegnungen mit dem Neuen geschaffen werden, um Vertrauen zu bilden. So sollen MitarbeiterInnen im Hinblick auf neue Entwicklungen geschult werden, rät Becker.

Auch könnten UnternehmerInnen einen Ort für Begegnungen schaffen, indem sie Arbeit für Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung schaffen.

Becker ruft zum Dialog auf. „Regeln für ein gelingendes Zusammenleben findet man nur in der Auseinandersetzung mit allen Beteiligten. … Im fair ausgetragenen Streit über Werte und Ziele entwerfen wir immer schon gemeinsame Zukunft.“

Von der Politik fordert Becker eine Ordnungspolitik, die den fairen Wettbewerb sicherstellt. Es müsse gleichwertige Steuern für große Unternehmen geben. „Den Wettbewerb zwischen manchen Internet-Händlern und lokalen Händlern mit Läden sollte nicht ein Konzept zur Steuervermeidung entscheiden“.

Ministerpräsident Laschet verweist im Gespräch mit FFF auf Verantwortung seiner Vorgänger

Der Hauptreferent NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wurde bei seiner Ankunft von etwa 40 „Fridays for Future“-DemonstrantInnen empfangen. Acht Minuten lang diskutierten sie zusammen. Die DemonstrantInnen werfen ihm vor, nicht schnell genug zu handeln. Der Kohleausstieg 2038 sei viel zu spät.

Vor dem Veranstaltungsort kam es zu Diskussionen.

Laschet sieht die Fehler bei seinen Vorgängern. Er wolle daran arbeiten, schneller aus der Kohle auszusteigen, beziehe sich aber mit dem Ausstiegsjahr 2038 auf das Ergebnis der Kohlekommission.

Laschet sieht durch einen zu schnellen Kohleausstieg Arbeitsplätze bedroht. Ein Demonstrant sagte darauf hin, dass das Handwerk mit seinem Fachkräftemangel die Kumpels direkt aufnehmen würde. Laschet erwiderte: „Es geht doch nicht um die Kumpels“, gefährdet sein die Jobs in den Industrien, die auf viel Strom angewiesen sind. 

Die DemonstrantInnen fragten den Ministerpräsidenten auch nach dem Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlegebiet. Auch hier sieht Laschet die Schuld bei seinen Vorgängern. Er wolle den Hambacher Forst erhalten. „Wenn wir hier in zwei Jahren stehen, werden Sie sagen: „Sie haben 200 Hektar gerettet und die anderen haben 3.900 Hektar abgesägt.“

Die DemonstrantInnen bezweifeln das. Nach der Diskussion äußerten sie sich unzufrieden mit den Antworten des Ministerpräsidenten. Der sei den Fragen ausgewichen. Auch Laschet äußerte sich unzufrieden über das Gespräch. Es gehe den jungen Leuten nur um diesen Wald.

Laschet: Wichtig ist Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft, damit investiert wird

Drinnen bekräftigte Laschet seine Argumentation zum Kohleausstieg. Er sieht die Stromversorgung der Metall- und Chemieindustrie bei einem früheren Ausstieg gefährdet. Auch mittelständische Unternehmen sieht er gefährdet.

Ministerpräsident Armin Laschet

Die EEG-Umlage (mit welcher der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird) sei bereits in der Vergangenheit unkontrolliert gestiegen. Das sei bei einem Weltmarkt, bei dem es um Cents ginge, ein großes Wettbewerbshindernis.

Das Erhalten des Grundvertrauens in die soziale Marktwirtschaft sei wichtig, damit die Menschen investieren. „Der Anreiz, dass jemand was unternimmt, ist das, was wir gerade brauchen in unserem Wirtschaftssystem.“

Nach dem Vortrag hatten UnternehmerInnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dem Bäckermeister Schüren aus Hilden blieb Laschet eine Antwort schuldig: der hatte nach Rahmenbedingungen gefragt, welche die Landesregierung schaffen könne, damit sich Unternehmer wie er an der Energiewende beteiligen könnten. Statt einer Antwort gab es von Laschet eine Lobeshymne auf den vom Bäckermeister eingesetzten Fuhrpark auf der Basis von Elektromobilität.

 

Video zur Begegnung Laschet – Fridays for Future

 

 

 

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