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120 Jahre am Hauptbahnhof Dortmund: Ökumenische Bahnhofsmission feiert Wiedereröffnung statt Jubiläum 

Christine Wittler (l.) und die Leiterin der Bahnhofsmission Dortmund Swetlana Berg. Ab Montag kümmern sie sich wieder um die Anliegen der Reisenden am Dortmunder Hauptbahnhof. Archivfotos: Diakonie/Stephan Schütze

Exakt drei Monate blieb die Bahnhofsmission Dortmund aufgrund des Infektionsschutzes geschlossen, am heutigen Montag (15. Juni 2020), sind die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden wieder als zuverlässige Ansprechpartner*innen und Helfer*innen vor Ort. An Gleis 2 bis 5 des Dortmunder Hauptbahnhofes gibt es dann wieder eine Aufenthaltsmöglichkeit, Kaffee und Wasser sowie offene Ohren, Rat und Hilfe. In den Normalbetrieb geht es noch nicht ganz: Bis auf Weiteres dürfen vier Gäste gleichzeitig die Bahnhofsmission betreten, mit Maske und Mindestabstand. 

Nach Corona-Schließung ab Montag wieder Betrieb zu geänderten Öffnungszeiten

Christina Wittler (li.) und Swetlana Berg (r.) von der Bahnhofsmission Dortmund gemeinsam mit einem Teil des Teams der Bahnhofsmission Dortmund. Die Fotos sind vor dem Corona-Lockdown aufgenommen worden.

Auch die 40 Ehrenamtlichen teilen sich ihre Dienste vor Ort ein, aktuell werden stets drei bis vier statt sonst sechs bis acht von ihnen anwesend sein. „Ab Montag kann jeder Mensch am Dortmunder Hauptbahnhof wieder unsere Hilfe in Anspruch nehmen, unbürokratisch und direkt“, erklärt Leiterin Swetlana Berg von der Diakonie Dortmund.  ___STEADY_PAYWALL___

Normalerweise ist die Bahnhofsmission an 365 Tagen im Jahr von 8 bis 20 Uhr geöffnet, zur Wiedereröffnung erstmal von 12 bis 18 Uhr. „Die Schließung hatte nicht nur mit Besucherinnen und Besuchern zu tun, sondern auch mit den vielen Ehrenamtlichen, für dessen Wohl wir bei ihrer Tätigkeit verantwortlich sind. Deswegen sind noch nicht alle wieder im Einsatz“, ergänzt Christina Wittler von der Bahnhofsmission.

Der Tag der Wiedereröffnung stand bei der Bahnhofsmission schon vor der Corona-Krise im Terminkalender: Ursprünglich sollten in der Woche vom 15. bis zum 21. Juni 2020 zahlreiche Aktivitäten rund um das eigene Jubiläum stattfinden, inklusive Festakt, Oberbürgermeister-Besuch und Talkrunde. 

Jährlich nutzen rund 25.000 Menschen das Angebot der Bahnhofsmission

In diesem Jahr besteht die Einrichtung in Dortmund nämlich seit 120 Jahren und gehört damit zu den ältesten Bahnhofsmissionen Deutschlands. „Stattdessen freuen wir uns aber sehr, dass wir endlich wieder für Menschen da sein können“, so Swetlana Berg von der Diakonie zu den bis auf Weiteres abgesagten Festivitäten.

Vom Getränk vor Ort, über eine niederschwellige Beratung bis zur Vermittlung in weiterführende Hilfen ist die Bahnhofsmission eine Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe brauchen. Jährlich nutzen dies rund 25.000 Menschen, etwa zehn Prozent davon sind Reisende. In enger Kooperation mit anderen Hilfeeinrichtungen ist die Bahnhofsmission ein wichtiger Teil des sozialen Netzwerkes Dortmunds. 

Der Präsenzdienst im Bahnhof schaut nach Menschen, die Hilfe benötigen, die Ehrenamtlichen in den blauen Westen helfen beim Ein- und Aussteigen und sind stets ansprechbar. Ein weiterer Bereich der Bahnhofsmission Dortmund ist „Kids on Tour“: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn ermöglichen die Mitarbeitenden es, dass Kinder ohne Begleitung reisen können. Etwa, um die Großeltern oder das andere Elternteil zu besuchen. Im vergangenen Jahr nutzten über 300 Kinder dieses Angebot, zum Ferienbeginn 2020 soll auch diese Arbeit wieder anlaufen.

Seit 120 Jahren richtet sich das Angebot flexibel nach sozialen Notwendigkeiten

Anlässlich des Jubiläums durfte sich die Bahnhofsmission noch über eine großzügige Spende der Artur- und Lieselotte-Dumcke-Stiftung freuen. 

Die Arbeit der Bahnhofsmission Dortmund hat sich immer an den sozialen Notwendigkeiten und den lokalen Gegebenheiten ausgerichtet: Schutz zu gewähren, Grundversorgung sicherzustellen, Hilfen in akuten Notlagen bis hin zu Krisenintervention sind Kennzeichen und Inhalt der Arbeit, heute wie vor 120 Jahren. 

Ursprünglich wurde die Bahnhofsmission als Mädchenschutzstelle gegründet. Die Industrialisierung trieb viele Menschen, vorwiegend allein reisende Mädchen und Frauen, in die Stadt. Aufgabe war es, diesen zu helfen und sie vor Ausbeutung oder Gefahr zu schützen. Die Arbeit der Bahnhofsmission war immer schon den gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen. Denn egal, was auch immer sich in Deutschland ereignete: An den Bahnhöfen begannen diese Prozesse. 

Ob es die Kriegsrückkehrer des 1. Weltkrieges waren oder die Kriegswaisen nach dem zweiten Weltkrieg, ob es die Drogenabhängigen der 80er Jahre waren oder die osteuropäischen Einwanderer um die Jahrtausendwende: Die Hilfe der Bahnhofsmission war und ist für alle. Seit den 80er Jahren wurde die Einrichtung dann immer mehr auch zur Anlaufstelle für psychisch beeinträchtigte Menschen, Wohnungslose und Asylsuchende. Die Beratung und Lebenshilfe rückten in das Hilfespektrum und ergänzten die vielfältigen Reisehilfen.

Heute gliedert sich die Arbeit in vier Aufgabenbereiche:

  • Die eigenen Räume im Hauptbahnhof, an Gleis 2 bis 5: An 365 Tagen im Jahr ist die Bahnhofsmission geöffnet. Sie ist Anlaufstelle für alle Menschen, die Hilfe brauchen. Sei es ein warmes Getränk, ein Rat, das Bedürfnis nach einem geschützten Raum oder dass jemand einfach mal zuhört. Sie arbeitet in enger Kooperation mit den anderen Hilfeeinrichtungen in der Stadt und ist Teil des sozialen Hilfenetzwerkes in Dortmund. In vielen Fällen ist sie für Menschen die erste Anlaufstelle, wenn sie neu nach Dortmund kommen oder in einer hilflosen Situation sind. Bei Bedarf werden diese dann an die entsprechenden Stellen weitervermittelt.
  • Der Präsenzdienst im Bahnhof: Hier schauen die Mitarbeitenden nach Menschen, die Hilfe benötigen und sind für alle ansprechbar. Sie sind gut an den blauen Westen zu erkennen.
  • Die Reisehilfen: Da der Bahnhof nicht barrierefrei ist, sorgt die Bahnhofsmission dafür, dass man sich dort auch mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Geh- und Blindenstock zurechtfindet. Auch orientierungslosen oder unsicheren Menschen hilft sie. Reisehilfen können auch unter Tel. (0231) 141592 angemeldet werden.
  • „Kids on Tour“: Gemeinsam mit der Deutschen Bahn ermöglichet es die Bahnhofsmission, dass Kinder ohne Begleitung ihrer Eltern (o.ä.) reisen können. Beispielsweise, um die Großeltern oder das andere Elternteil zu besuchen.

 

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Weitere Informationen:

Die Bahnhofsmission in Dortmund ist eine ökumenische Einrichtung, in der Trägerschaft vom Diakonischen Werk Dortmund und Lünen gGmbH und IN VIA Dortmund e.V. Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit.

Sie hat zwei festangestellte Mitarbeitende, derzeit drei Arbeitsgelegenheiten in Kooperation mit dem Jobcenter Dortmund und rund 40 Ehrenamtliche. Menschen, die Interesse haben, das Team der Bahnhofsmission zu unterstützen, sind jederzeit willkommen.

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