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Zeichnen geht immer: Die „Urban Sketchers“ und ihre Sicht auf Corona im Hoesch-Museum ab 26. Juli zu sehen

Birgit Encke zeichnete viele Bilder, die sie Corona-typsich fand. Unter anderem dieses Bild vom Robert Koch-Platz – gesperrt, um den Mindestabstand einzuhalten. Fotos: Julian Ronneburger

„Urban Sketchers“ („urbane Zeichner*innen“) zeichnen und skizzieren ihr direktes Umfeld vor Ort . In der laufenden Ausstellung „Live und in Farbe“ im Hoesch-Museum präsentieren 16 Zeichner*innen der Dortmunder Urban Sketchers-Gruppe noch bis zum 20. September ihre Sicht auf die Industriekultur der Stadt. Gezeigt werden Einzelbilder und Skizzenbücher mit gekonnt eingefangenen Ansichten von Schwerindustrie und ihren Relikten. Nun erweitern sie diese Ausstellung aus aktuellem Anlass: ab Sonntag, den 26. Juli, zeigen sie die Stadt in Corona-Zeiten unter dem Motto „Zeichnen geht immer“.

Aus den USA in Seattle in die weite Welt verbeitet

Die Kultur der Urban Sketchers fand ihren Ursprung 2007 in Seattle, Washington (USA). Gabriel Campanario, Illustrator bei der Seattle Times, ist der Gründungsvater dieser speziellen Zeichenkunst. Um journalistisches Zeichnen zu fördern, gründete er einen Blog, auf dem er seine Bilder veröffentlichte.

Damit gab er auch der Bewegung, die immer mehr Andrang fand, eine Plattform. Seine Philosophie hat er in einer Art Manifest festgehalten. Diese ist in acht lockere Regeln gegliedert. Richtungsweisen, an denen man sich orientieren kann:

Mittlerweile gibt es in fast allen Ländern und ihren Regionen – unter anderem auch in Dortmund – Urban Sketcher. Sie treffen sich entweder in Gruppen, oder ziehen alleine los und gehen dabei auf Entdeckungsreise.

Ein Gebäude? Menschenmengen? Ereignisse oder Events? Alles was in ihr Auge fällt, sei es noch so das kleinste Detail, wird gezeichnet. Das Endprodukt ist dann meistens auch eine Collage aus Geschehnissen, die zeitversetzt voneinander stattfanden – eine Komposition aus Momentaufnahmen in einer Zeichnung. Es ist eine Geschichte der Umgebung.

Corona – was nun? Google Maps wird zum elementaren Bestandteil der Arbeit

Die Urban Sketchers-Szene in Dortmund zeichnet viel aus der Industriekultur. In der bisherigen Ausstellung kann man beispielsweise Zeichnungen des U-Turms, der Zechen oder Fördertürme bestaunen. Die derzeitige Pandemie nahm jedoch den Künstler*innen ihre übliche Inspiration. „Was zeichne ich, wenn das, was ich sonst zeichne, nicht möglich ist?“, ordnete Isolde Parussel, Museumsleiterin des Hoesch-Museums, die missliche Lage ein, in der sich die Zeichner*innen befanden. Diese ließen sich aber nicht unterkriegen.

Guido Wessel zeichnete die beiden Postkarten (l. u. und o.r.) für seinen Enkel. Neben Aquarell nutze er auch Espresso um dem Werk eine „spezielle Note“ zu geben. Foto: Julian Ronneburger

Sie organisierten sich in Video-Konferenzen und versuchten, nun etwas zu zeichnen, was sie beispielsweise auch aus dem eigenen Fenster sehen. Es gab auch andere Themen wie „Ostern“, „deine Küche“, aber auch situationsspezifische, wie ein Selbstporträt mit Maske anzufertigen oder „Coronatypische Szenen“.

Plötzlich musste sich jeder anpassen. Mit Hilfe von Google Maps oder Street View konnte aber trotz Isolation der urbane Raum besucht werden. Die Bilder sind möglicherweise veraltet, aber auch so kann ein Bild der weltbekannten Skyline New Yorks entstehen.

Es wurden Szenen gezeichnet, wie die vielen Instagram-Livestreams, in denen Musiker*innen ein Konzert spielten, oder Warteschlangen vor Supermärkten. Aber auch persönliche Motive sind Teil der Ausstellung. Guido Wessel, Urban Sketcher Dortmund, zeichnete seinem Enkel einige Postkarten. Mit Erklärungen, Witzen oder gar Espresso, um der Zeichnung eine weitere Ebene (Geruch) zu verleihen, sind diese ausgestattet.

Neben den Werken der Künstler*innen findet sich auch ein Film von Volker Krieger in der Ausstellung. Er begleitete die Urban Sketchers auf einem ihrer Zeichnungsausflüge. Entstanden ist ein gut 15-minütiger Film.

Weitere Informationen:

  • Die Ergänzung der Sonderausstellung besteht aus hochwertigen Reproduktionen, da die Originale in den Skizzenbüchern aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht gezeigt werden können. Signierte Exemplare der Reproduktionen können käuflich unter uskdo.de erworben werden. Der Erlös wird für die Durchführung des deutschsprachigen Urban Sketchers-Jahrestreffen verwendet, das in Dortmund stattfinden wird und Corona-bedingt ins nächste Jahr (September) verschoben werden musste.
  • Die Ausstellung ist eine Ergänzung der Schau „Live und in Farbe. Urban Sketchers zeichnen Dortmunder Industrie Kultur“, die seit dem 1. März zu sehen ist. Beide Ausstellungsteile laufen bis zum 20. September 2020.
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Zeichnungen der Urban Scetchers (kleine Auswahl):

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Die „Urban Sketchers Dortmund“ präsentieren im Hoesch-Museum einen facettenreichen Blick auf die Industriekultur

 

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3 Gedanken über “Zeichnen geht immer: Die „Urban Sketchers“ und ihre Sicht auf Corona im Hoesch-Museum ab 26. Juli zu sehen

  1. Familienführung durchs Hoesch-Museum (PM)

    Familienführung durchs Hoesch-Museum

    Das Hoesch-Museum lädt am Sonntag, 2. August Familien zur Sonntagsführung ein. Von 14 bis 15 Uhr erhalten Jung und Alt spannende Einblicke in das Leben und die Arbeit mit Stahl und hören viele Geschichten aus der Dortmunder Stahlzeit. Die Familienführung ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Die Teilnahme kostet 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Der Museumseintritt ist frei.

    Coronabedingt können maximal neun Gäste teilnehmen, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Vorab müssen sich die Teilnehmenden in Listen eintragen, um ggf. Infektionsketten nachvollziehbar zu machen. Eine Anmeldung bis Donnerstag ist erwünscht: per Mail an hoesch-museum@web.de oder telefonisch: (0231) 84 45 856).

    http://www.hoeschmuseum.dortmund.de

  2. Mit Rad und Skizzenblock unterwegs: Urban Sketching in Hörde (PM)

    Mit Rad und Skizzenblock unterwegs: Urban Sketching in Hörde

    Hörde ist das nächste Ziel der Dortmunder Urban Sketchers, die herzlich dazu einladen, die vielfältigen Motive von Industriekultur bis moderner Architektur mit ihnen auf Papier zu bannen. Am Sonntag 2. August geht die Zeichentour um 10 Uhr an der „Schlanken Mathilde“ am Hörder Brückenplatz los. Von dort aus geht es mit dem Fahrrad weiter zum Hörder See und anschließend nach Phoenix-West, wo die Zeichentour um 13 Uhr endet. Jeder kann mitmachen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Dortmunder Urban Sketchers Astrid Hänig-Fischer, Birgit Encke, Guido Wessel stehen den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Das Fahrrad und einfaches Zeichenmaterial sollten mitgebracht werden.

    Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Spaziergänge zur Kunst im öffentlichen Raum“ und ist kostenlos.

  3. Sonntags im Hoesch-Museum: Führung „Stahlzeit in Dortmund“ und Workshop mit den Urban Sketchers (PM)

    Sonntags im Hoesch-Museum: Führung „Stahlzeit in Dortmund“ und Workshop mit den Urban Sketchers

    Die Anfänge der Eisen- und Stahlindustrie seit 1840, das Leben und Arbeiten der „Hoeschianer“ und der Strukturwandel – um diese Themen geht es in der öffentlichen Führung „Stahlzeit in Dortmund“ am Sonntag, 9. August, 14 bis 15 Uhr im Hoesch-Museum (Eberhardstr. 12). Originale Werkzeuge, authentische Objekte und interaktive Stationen lassen Vergangenheit und Gegenwart lebendig werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führung kostet 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

    Coronabedingt können maximal neun Gäste teilnehmen, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Vorab müssen sich die Teilnehmenden in Listen eintragen, um ggf. Infektionsketten nachvollziehbar zu machen. Eine Anmeldung bis Donnerstag ist erwünscht: per Mail an hoesch-museum@web.de oder telefonisch: (0231) 84 45 856).

    Parallel beginnt um 14 Uhr eine Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „Live und in Farbe“, bei der die Dortmunder Urban Sketchers ihre Sicht auf Dortmunds Industriekultur präsentieren und anschließend einen Zeichen-Workshop vor dem Museum anbieten. Bei schlechtem Wetter findet der Workshop drinnen statt.

    Mit Skizzenstift und Block versehen können die Teilnehmer*innen ausprobieren, wie einfach und schnell man mit ein paar Strichen etwa das historische Gebäude des Hoesch-Museums, die großen Stahlobjekte oder den Baumbestand des Vorplatzes einfangen kann. Materialen und Hocker stehen zur Verfügung. Jeder kann mitmachen. Die Teilnahme ist kostenlos.

    Eine Anmeldung unter (0231) 8 44 58 56 bis Donnerstag wird empfohlen, da die Teilnehmerzahl auf 9 Personen begrenzt ist. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist verpflichtend.

    Hoesch-Museum, Eberhardstr. 12
    http://www.hoeschmuseum.dortmund.de

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