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Wissenschaft live erleben: BürgerInnen schauen beim Wissenschaftstag in Dortmund hinter die Kulissen

Auf eine Tour zur Wissenschaft ging es für die BesucherInnen des 16. Wissenschaftstages. Fotos: Karsten Wickern

Von Karsten Wickern

Wissenschaft live erleben hieß es am Donnerstag für die BesucherInnen des Dortmunder Wissenschaftstags. Auf dreizehn Touren konnten sie Einblicke in die Arbeit der ForscherInnen gewinnen. Im Mittelpunkt stand dabei auch ein kaltes Dortmunder Klischee-Getränk.

Jung und Alt schaut hinter die Kulissen von rund 20 Einrichtungen

Die Veranstaltungsgemeinschaft

Junge und alte Menschen sind am Donnerstag Nachmittag ins Rathaus gekommen. Sie alle eint ein Interesse, die Wissenschaft. Schon zum sechzehnten Mal haben der windo e. V., die Stadt Dortmund und die Dortmund-Stiftung interessierte Bürgerinnen eingeladen, hinter die Kulissen der Forschung zu schauen.

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Dabei sieht Oberbürgermeister Ullrich Sierau seine Stadt weit vorne. Stolz erzählt er den TeilnehmerInnen bei seiner Begrüßung, wie gut Menschen aus anderen Städten auf die Dortmunder Wissenschaft blicken. Auch den stadteigenen Masterplan Wissenschaft nennt er, um die Wichtigkeit des Themas zu verdeutlichen.

Nach der Begrüßung im Rathaus ging es für die neugierigen TeilnehmerInnen mit Bussen zu den teilnehmenden Forschungseinrichtungen und Museen. Rund zwanzig Einrichtungen aus verschiedensten Wissenschaftsbereichen beteiligten sich am Programm. 

Innovative Qualitätssicherung: wie ForscherInnen das Bier verbessern wollen

Rene Wöstmann vom IRF zeigt einen der Temperatursensoren.

Wie passen Bier und Informatik zusammen? Das konnten die TeilnehmerInnen der Tour zum RIF Institut für Forschung und Transfer erfahren. Die ForscherInnen dort forschen daran, wie der Prozess des Brauens mit modernen Computertechniken verbessert werden kann. Dabei arbeiten sie auch mit den großen Brauereien Bitburger und Augustiner zusammen, um in der Praxis forschen zu können. Das passt auch zur Zielsetzung des Instituts. „Wir betreiben keine Grundlagenforschung wie die Unis es tun“, erklärt RIF Geschäftsführerin Dr. Svenja Rebsch. In ihrem Institut gehe es um den Transfer zum realen Einsatz der Forschung.

Doch was machen die ForscherInnen jetzt genau? Alleine in der Bitburg-Brauerei fallen jährlich fünf Millionen Messdaten an, wie Josef Kimberger von Bitburger verrät. Diese Daten wollen die ForscherInnen nutzen, um Prognosen für die Bierproduktion zu erstellen. So kann die Produktion auf die aktuellen Gegebenheiten eingestellt werden. Denn die variieren ständig. „Wir arbeiten mit natürlichen Rohstoffen, die verändern sich von Bauer zu Bauer und von Ernte zu Ernte“ erklärt Kimberger. Das Problem: Die KundInnen wollen die immer gleiche Qualität. Und zwar egal wann sie das Bier kaufen.

Die ForscherInnen entwickeln aus den Daten ein System, dass zum Beispiel das Braurezept auf den Inhalt der Rohstoffe anpasst. Das sorgt für einen gleichbleibenden Geschmack. Das System soll aber auch Energie Einsparungen bei der Kühlung ermöglichen. Um das zu schaffen nutzen die ForscherInnen die Technologie des maschinellen Lernens. Das bedeutet, dass sie das System anhand der vorliegenden Daten trainieren. So kann es aus alten Daten Entscheidungen treffen, welche Einstellung gerade sinnvoll ist.

Seit Forschungsbeginn haben die ForscherInnen die benötigte Infrastruktur aufgebaut, um mit den Daten arbeiten zu können. Als nächster Schritt geht es nun an die Auswertung der Daten. Getestet wird das System in den beteiligten Brauereien, aber auch in Dortmund. Und das konnten sich die TeilnehmerInnen exklusiv anschauen. In die Laborbrauerei im Technologiepark kommen sonst nur Forschungsbeteiligte hinein. Hier sind alle für den Brauprozess benötigten Anlagen in klein aufgebaut. Zum Abschluss durften die TeilnehmerInnen der Tour das Laborbier auch noch probieren.

Wie Computer bei der digitalen Stadtplanung der Zukunft helfen könnten

Ebenfalls mit vielen Daten arbeiten die ForscherInnen des Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS). Sie haben sich das Ziel gesetzt, ein digitales Werkzeug zu erschaffen, mit dem die Bevölkerungsentwicklung vorhergesagt werden kann.

Martin Schulwitz erklärt das Prognose-Werkzeug.

Das ist für Städte und Gemeinden wichtig um ihre Maßnahmen zu planen. Denn es nützt nicht viel, wenn man eine sehr große Schule baut, aber nur sehr wenige Kinder geboren werden. Um das zu vermeiden brauchen die StädteplanerInnen Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung.

Das Problem ist aber, dass sich die Bevölkerung nicht in der ganzen Stadt gleich entwickelt, erklärt Martin Schulwitz vom ILS. Daher lassen sich mit dem Werkzeug Prognosen für die Fläche von 500 mal 500 Meter erstellen. Das gehe aber nur bei Flächen mit dichter Besiedlung, erklärt er. Im Ländlichen Raum erstellt das Programm größere Kästchen. Aus den Daten lassen sich zum Beispiel die Altersstruktur der EinwohnerInnen oder auch die Zu- und Abwanderung zu anderen Städten ablesen.

Grundlage für diese Prognosen sind die Einwohnermeldedaten. Die können von den PlanerInnen durch lokales Wissen ergänzt werden. Damit die Prognose möglichst genau ist, rechnet das System mit den echten Einwohnermeldedaten. Ausgegeben würde das System die Daten aber nur anonymisiert, versichert Schulwitz.

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