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Wer kümmert sich um Dorstfeld? Zahlreiche Initiativen vom Ehrenamt bis zu den „Quartiersdemokraten“ kooperieren

Gemeinsam laden Sie zum ersten großen Demokratie-Festival nach Dorstfeld ein. Fotos: Alexander Völkel

Von Sascha Fijneman

Viele Köche verderben den Brei? Nicht in Dorstfeld. Hier arbeiten mittlerweile eine ganze Reihe von Projekten, Beauftragten und Initiativen Hand in Hand. Was daraus werden kann, wird in der kommenden Woche deutlich: An drei Tagen wird es das erste Demokratie-Festival auf dem Wilhelmplatz geben. Die Federführung hat der erst im vergangenen Jahr gegründete Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e.V.. Gemeinsam mit vielen Partnern stemmen die Aktiven zum größten Teil ehrenamtlich das Festival. Im Vorfeld nutzen sie die Gelegenheit, die unterschiedlichen Initiativen, die derzeit in und für Dorstfeld arbeiten, vorzustellen.

Quartiersdemokraten positionieren sich gegen Menschenfeindlichkeit und Fremdenhass

Die Neonazis reklamieren das Areal um den Wilhelmplatz in Dorstfeld seit Jahren als ihren Kiez.

„Es kümmern sich viele um Dorstfeld – Politik, Verwaltung, Menschen und Vereine. Wir haben das zusammengefasst, um die Bevölkerung zu unterstützen“, erklärt Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze – zugleich zweiter Vorsitzender des neu gegründeten Vereins.

Er wurde als Baustein einer breiten Zivilgesellschaft gegründet, um in enger Zusammenarbeit, aber dennoch unabhängig jenseits der bürokratischen Hürden der Stadtpolitik agieren zu können. Damit reagieren die Dorstfelder auch auf die zahlreichen Neonazi-Provokationen in ihrem Stadtteil und dem daraus resultierenden negativen Image.

Mit dem Projekt „Quartiersdemokraten“ reagieren sie auf den Handlungsbedarf und demonstrieren den Willen, gemeinsam etwas dagegen zu unternehmen. Der Verein stellte einen Sozialarbeiter und eine Erziehungswissenschaftlerin ein. Sie fungieren als KoordinatorInnen zwischen einzelnen lokal engagierten Akteuren und den verschiedenen Initiativen und Organisationen im sozialen Raum Dorstfeld.

Aufklärung über und Sensibilisierung für demokratiefeindliche Tendenzen

Sie unterstützen seit Oktober  jede/n, die/der sich in ihrem Stadtteil demokratisch für mehr Vielfalt und Kultur engagiert. Die beiden Hauptamtlichen – jeweils mit einem 30-Stunden-Vertrag ausgestattet – untersuchen und analysieren zudem die Strukturen und Gegebenheiten im sozialen Raum Dorstfeld, zu dem auch Unterdorstfeld und das Unionsviertel zählen.

Außerdem entwickeln sie Handlungsstrategien und Interventionsmöglichkeiten, leisten Hilfe zur Selbsthilfe und vernetzen die verschiedenen Akteure und Vereine, immer mit dem Fokus Toleranz zu fördern und Demokratisierung voranzutreiben.

Das Projekt betrachtet sich selbst als Klammer all derer, die in diesem Bereich etwas unternehmen wollen. Die Angebote sind generell kostenlos und die Inhalte werden absolut vertraulich behandelt.

Bis Ende 2018 finanziert sich das Projekt noch durch Fördermittel des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms „NRWeltoffen“ und ist zunächst bis dahin befristet.

Kinderarmut und Bildungsbenachteiligung sind Schwerpunkte der Aktionsbeauftragten

Allerdings arbeiten noch andere Menschen im und für den Stadtteil. Eine von ihnen ist Anke Weiermann. Seit Januar diesen Jahres arbeitet sie als Aktionsraumbeauftragte des Dezernats für Arbeit, Gesundheit und Soziales der Stadt für das Gebiet Dorstfelder Brücke.

Der Aktionsplan „Soziale Stadt“ legt besonderes Augenmerk auf die sozialen Räume, in denen besonders viele „TransferleistungsbezieherInnen“ – also Menschen, die Geld vom Sozialamt oder Jobcenter bekommen – leben.

Anke Weiermann ist Aktionsrsaumbeauftragte der Stadt Dortmund für den Bereich „Dorstfelder Brücke“.

Was macht Weiermann konkret? Ihre Arbeit steht unter dem Motto „Aus dem Sozialraum für den Sozialraum“. So erstellt sie Maßnahmenpläne, setzt auf Dialog und Bürgerbeteiligung. Ihr liegen vor allem die Bekämpfung von Kinderarmut und Bildungsbenachteiligung am Herzen.

Ihre schwierige Aufgabe: Sie will den sozialen Zusammenhalt unter Berücksichtigung der Selbsthilfepotenziale stärken und versucht, Eltern und Kindern unter die Arme zu greifen.

Zudem soll sie die Aktivitäten des Jobcenters, des Sozialamts und der Wirtschaftsförderung gebündelt und zusammengefasst untersuchen. So soll eine bessere soziale Teilhabe und eine einfachere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt erreicht werden.

Letztendlich verfolgt ihre Arbeit das Ziel, den Menschen im Quartier besseren Zugang zu Bildung, Arbeit und Qualifikation zu verschaffen. Sie stärkt die soziale Infrastruktur und die Vernetzung von Kontakten und versucht eine gesunde Lebensführung zu fördern. So soll im Idealfall nach und nach der Weg zu einer solidarischen Stadt geebnet werden. Keine leichte Aufgabe: Schließlich ist sie nicht nur für diesen, sondern auch einen Aktionsraum in Hörde zuständig.

Bezirksvertretung der Innenstadt-West hat ein eigenes Quartiersmanagement auf den Weg gebracht

Yvonne Johannsen und Silvia Beckmann sind mit dem neuen Quartiersmanagement betraut.

Nachdem die Förderung des Stadtumbauprogramms für das Quartiersmanagement Dorstfelder Brücke und Unterdorstfeld 2016 ausgelaufen war, entschied sich die Bezirksvertretung Innenstadt-West für die Fortführung des bewährten Konzepts aus eigenen Mitteln.

Die Urbanisten und Stadtteilgenossenschaft INWest haben den Auftrag dafür bekommen. Seit August 2017 arbeiten Silvia Beckmann und Yvonne Johannsen von ihrem Büro auf der Rheinischen Straße 143 aus für das Quartier, vermitteln Kontakte, sammeln Ideen und beantworten Fragen der BewohnerInnen.

Sie setzen sich für aktive Nachbarschaften ein und informieren über aktuelle Entwicklungen und künftige Planungen im Stadtteil. Neben der Vernetzung von Akteuren und Vereinen leisten sie auch Unterstützung bei der Antragstellung von Fördermitteln und wollen einen Ideenraum für AnwohnerInnen und Unternehmen schaffen.

Sie verstehen sich selbst als Lotse für die Stadtverwaltung, Politik, Projektpartner und weitere Akteure, um den Stadtteil zukunftsorientiert zu beleben und zu gestalten.

Das erste Gemeinschaftsprojekt „Vielfalt leben, Dorstfeld leben“-Demokratie-Festival

Quartiersmanagement, Sozialraumbeauftragte, Quartiersdemokraten und Verein – gemeinsam veranstalten sie vom 12. April bis zum 14. April 2018 das „Vielfalt lieben, Dorstfeld leben“-Festival.

Es ist das erste Festival dieser Größenordnung in Dorstfeld, das hauptsächlich ehrenamtlich organisiert wird und auf dem Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld stattfindet.

Es soll ausdrücklich ein Fest sein, dass sich nicht explizit gegen Rechtsextremismus wendet, sondern die kulturelle Vielfalt und Toleranz fördern will. An allen drei Tagen erwartet die BesucherInnen ein umfangreiches und spannendes Programm.

Am Vor- und Nachmittag des 12. April stehen Kinder und Familien im Mittelpunkt. So wird es neben einem Streetkickfeld des BVB-Fanprojektes auch Mal- und Bastelecken, eine Hüpfburg, Kindertheater und vieles mehr geben. Zahlreiche Gruppen von Kitas und Grundschulen im Stadtteil haben sich bereits angekündigt.

Samstag gibt es ein Abschlusskonzert mit „Das Wunder“ und „Extrabreit“

Am 14. April werden „Das Wunder“ und „Extrabreit“ (Foto) in Dorstfeld auftreten. Foto: Veranstalter

Am Abend wird es ein Schlagerquiz für die älteren Semester geben, verschiedene Dorstfelder Vereine werden sich dem Publikum vorstellen und abschließend sind alle BesucherInnen herzlich eingeladen an der Podiumsdiskussion zur Zukunftsgestaltung von Dorstfeld mit VertreterInnen von Fraktionen aus der Bezirksvertretung Innenstadt-West, teilzunehmen.

Am Freitag, dem 13. wird zunächst der reguläre Wochenmarkt stattfinden. Ab 13 Uhr öffnet der Markt der Vielfalt seine Pforten, auf dem sich wieder viele Dorstfelder Vereine präsentieren und zu Mitmachaktionen einladen werden. Rund 46 Vereine mit ca. 6500 Mitgliedern werden selbstgestaltete Kartons an der „Wand der Vielfalt“ anbringen. Das Ganze wird musikalisch von den DJs Rich Boogie und Der Wolf begleitet. Den Abend wird ein Poetry Slam mit vielen bekannten Künstlern wie zum Beispiel Sebastian 23 oder Tobi Katze abrunden, die allesamt ehrenamtlich ohne Gage auftreten.

Am Samstag (14. April) dann findet ab 17 Uhr das Abschlusskonzert mit den Bands „Das Wunder“ und „Extrabreit“ statt. Die Veranstalter rechnen mit vielen BesucherInnen und waren überwältigt vom uneigennützigen Engagement der KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der Veranstaltung in dieser Breite.

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