Nordstadtblogger

Wenn Technik daheim nicht vorhanden ist: Lernen und Lehren während Corona in benachteiligten Dortmunder Familien

Elizabeth Adjei-Acheamfour lehrt im mobilen Computerraum in der Lambachstraße. Fotos: Nika Layeghi

Von Nika Layeghi

Das Lernen in Zeiten der Corona-Pandemie sorgt gerade in sozial schwächeren Milieus für spezifische Probleme. Durch das Modellprojekt „Lernförderung mit Zukunft“ soll Kindern aus benachteiligten Familien geholfen werden, die während des Lockdowns zu Hause mit den Schwierigkeiten einer fehlenden Anbindung an digitale Netze zu kämpfen haben. – Ermöglicht wird das Projekt durch die Zusammenarbeit der Stiftung „Dein Zuhause hilft“ (LEG) mit dem Kinderschutzbund Dortmund.

Mobiler Computerraum: Bedingung der Möglichkeit zum Aufarbeiten von Lernrückständen

Das Programm ist so aufgebaut, dass zwei Blöcke an vier Nachmittagen in der Woche zustande kommen. Einmal für Kinder der Klassen eins bis vier, dann für die von fünf bis sieben. Die circa 40 Kinder kommen aus fast allen Schulformen. In kleinen Gruppen sollen Rückstände aufgeholt werden, die während des Corona-Lockdowns entstanden sind. Außerdem wird trainiert: zielgerichtetes und strukturiertes Lernen mit digitalen Medien – einschließlich individueller Förderung. Anmeldungen für das Förderprogramm liefen entweder über die Kinder selbst oder über die Schulsozialarbeit ab, erklärt die Projektkoordinatorin Elizabeth Adjei-Acheamfour. ___STEADY_PAYWALL___

Sie und zwei Honorarkräfte sind für das Lehren der Kinder zuständig. Bis zu sechs Kinder pro Gruppe arbeiten dort anderthalb Stunden an schulischen Nöten und lernen nebenbei auch digitale Kompetenzen. Darunter fällt beispielsweise, welche Internetseite sich zum selbstständigen Lernen am besten anbietet oder welche Apps hilfreich für die Kinder sind. Das soll dazu führen, dass die Kinder auch außerhalb der Lernförderung, entweder am PC oder am Smartphone, ihr Wissen vertiefen können.

Ausgestattet ist der „Mobile Computerraum“ des Bunten Hauses in der Lambachstraße mit fünf Laptops, zwei iPads, einem Beamer und einem Apple TV, welcher beispielsweise als virtuelle Tafel genutzt wird. Somit kann den Kindern ein bestimmter Sachverhalt vom Tisch aus erklärt werden und sie werden etwas spielerischer an das Lernen herangeführt, erzählt die Projektkoordinatorin von ihren Erfahrungen.

Wenn es daheim mangelt: „Alleine die Technik reicht nicht“ (Martina Furlan)

Von den Kindern haben etwa 20 Prozent der Eltern eine Fluchtgeschichte. Heißt: erst einmal müssen Deutschkenntnisse vermittelt werden. Einige Kinder in der Lernförderung kennen sich bereits, weil sie verwandt sind oder aus derselben Klasse kommen. Die Projektkoordinatorin sieht durch die Lernförderung nicht nur die Chance, dass die eigenen Kompetenzen der Kinder sich verbessern, sondern auch die Gruppendynamik. Der Anteil von weiblichen und männlichen Teilnehmer*innen ist relativ gleich. Die Altersspanne zieht sich von sechs bis 13 Jahren.

Bereits zu Anfang des ersten Lockdowns tauchte das Problem auf, dass sehr viele Eltern hilflos waren und nicht wussten, wie sie das Lehren und Lernen der Kinder zu Hause stemmen sollten; zumal die technischen Voraussetzungen häufig nicht vorhanden waren, erzählt Martina Furlan.

Oft habe es nicht einmal WLAN-Verbindungen gegeben, so die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Ortsverband Dortmund. Als sich dann über die LEG-Stiftung eine Möglichkeit bot, die Kinder während der Einschränkungen besonders zu unterstützen, sei sie total begeistert gewesen: eine super Möglichkeit, dachte sie. Nicht nur, weil es darüber endlich mit den technischen Voraussetzungen geklappt hat, sondern weil den jungen Leuten zusätzlich direkt Hilfe geboten wird. „Alleine die Technik reicht nicht“, weiß Furlan.

110.000 Euro für Modellprojekt von der LEG

Die Gelegenheit kam konkret von „Dein Zuhause hilft“ – einer Initiative der LEG-Immobilien-Gruppe, die das Modellprojekt mit insgesamt 110.000 Euro finanziert. Bei einer Laufzeit von einem Jahr wird ein Standort in Dortmund und einer in Recklinghausen unterstützt. Und, ganz wichtig: neben der Hardware-Ausstattung wird damit die Betreuung der Kinder ermöglicht, um über diesen Weg Zugang zum digitalen Lernen erlangen.

Weitere Informationen:

 

Print Friendly, PDF & Email

Ein Gedanke zu “Wenn Technik daheim nicht vorhanden ist: Lernen und Lehren während Corona in benachteiligten Dortmunder Familien

  1. Jürgen

    Benachteiligt !?

    Dieses Wort erschliesst sich mir interpretatorisch
    NICHT als Zustandsbeschreibung,
    SONDERN als Folge eines Tuns Irgendjemande/s/r.

    Dem Vorstand der LEG kann ich hier anraten, einmal über die Exponentialfunktion nachzudenken,
    wenn ihm vorschwebt die Mieten ihrer Wohnungen zu erhöhen.

    mfg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen