Dortmunds „unbequeme“ Denkmale stehen am 8. September im Mittelpunkt

Steinwache
Rolf Pathmann, Dr. Henriette Brink-Kloke Dr. Frank Dengler und 
Dr. Stefan Mühlhofer stellten das Programm für die 20. Auflage des Tages des offenen Denkmals in der Steinwache vor. Fotos: Alex Völkel

Müssen Denkmäler immer nur hübsch anzusehen sein? Nein. Diese Meinung vertreten zumindest die Dortmunder Denkmalschutz-Aktivisten. Sie haben daher das Motto „Unbequeme Denkmale?“ für den Tag des offenen Denkmals am 8. September durchgesetzt.

Steinwache
Die Steinwache ist eines der “unbequemen” Denkmale in der Dortmunder Nordstadt.

Sie haben damit den städtischen Denkmalschützern eine Sorge genommen. Dort war man nämlich skeptisch, ob das bundesweite Motto „unbequeme Denkmale“ in Dortmund ziehen würde, räumt Dr. Henriette Brink-Kloke von der Unteren Denkmalbehörde, ein. Dort wollte man lieber ein „Best of“ der schönsten Baudenkmale aus den vergangenen 20 Jahren präsentieren.

Eigentümer stellen sich der Auseinandersetzung

Die zahlreichen Aktiven – vielfach auch Eigentümer der Immobilien – sahen dies anders. Dr. Frank Dengler, der den Tag des offenen Denkmals mit seiner Kollegin Betiina Weiper koordiniert hat, ist froh darüber: Denn die Aktiven wollten sich der Auseinandersetzung stellen. Denn „unbequem“ könne vieles bedeuten: Politisch unbequem – wie Kriegerdenkmäler, finanziell wie Kirchen oder eben wirtschaftlich unbequem, wie zum Beispiel die unklare Zukunft des Versorgungsamtes.

Der Tag des offenen Denkmals 2013 zielt darauf ab, das vermeintlich Unbequeme an Denkmalen zu „entlarven“: als etwas Besonderes und Bedeutungsvolles, als etwas Identitätsstiftendes, als nachhaltiges Bauen, als wichtige Zeitzeugen gegen das Vergessen und in der Tat bisweilen als denkmalpflegerisches Problem. Beispiele aus Praxis und persönliche Erfahrungsberichte von Nutzern, Eigentümern und anderen Beteiligten werden am Denkmaltag im Fokus stehen.

Aktionen und Führungen an 44 Standorten 

So wird das diesjährige Programm mit einer Reihe von Denkmalen aufwarten, die im Zusammenhang einer „unbequemen“ Erinnerung stehen, wie dies beispielsweise bei Bunkern und Kriegerdenkmalen oder Mahnmalen der Fall ist. Einen weiteren Schwerpunkt werden Denkmale bilden, deren Nutzung aufgrund struktureller oder gesellschaftlicher Veränderungen nicht mehr besteht, was auf viele Kirchen und Industriedenkmale zutrifft. Nicht selten gewinnen vermeintlich unbequeme Denkmale nach ihrer Sanierung oder Umnutzung neue Wertschätzung: als einzigartige Arbeitsplätze, als unverwechselbare Wohnungen oder kulturelle Attraktionen. Für die Besucher ist die Teilnahme an den Veranstaltungen wie immer kostenlos.

Kriegerdenkmale bieten den Anreiz der Auseinandersetzung

Dr. Stefan Mühlhofer, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, hat sich ausführlich mit den unbequemen Denkmalen auseinandergesetzt. Vor allem die Kriegerdenkmäler sind seit Jahrzehnten ein Stein des Anstoßes. Doch gegen einen Abriss spricht er sich entschieden aus, auch wenn sie politisch missbraucht werden. „Ein Abriss bringt keine Diskussionen“, betont Mühlhofer. Sinnvoller sei es, diese Denkmale künstlerisch zu umformen oder zumindest mit begleitenden Tafeln zu kommentieren und historisch richtig einzuordnen.

Fünf Standorte in der Nordstadt – erstmals ist ein Luftschutzraum dabei

Pauluskirche
Die Pauluskirche ist ebenfalls dabei: Der Unterhalt von Kirchen ist für die Gemeinden mehr als unbequem.

44 Standorte gibt es, ein Viertel davon ist erstmals beim Tag des offenen Denkmals dabei. In der Innenstadt-Nord sind die Ev. Pauluskirche – Schützenstraße 35, die Mahn- und Gedenkstelle Steinwache – Steinstraße 50, das Depot und der benachbarte Luftschutzraum – Immermannstraße 29, die Historischen Hafenkräne – Franziusstraße und das Pumpwerk Evinger Bach – Münsterstraße 270 vertreten.

Ausführliche Broschüre mit Hintergrundtexten zum Thema

Wie auch in den vergangenen Jahren, so gibt die Denkmalbehörde erneut eine Broschüre zum Tag des offenen Denkmals heraus. Diese enthält neben dem kompletten Veranstaltungsprogramm Texte mit anschaulich aufbereiteten Hintergrundinformationen zum diesjährigen Thema des Denkmaltags.

Die Broschüre ist in den kommenden Tagen und Wochen an den üblichen Stellen kostenlos erhältlich: Bezirksverwaltungsstellen, Zentral- und Stadtteilbibliotheken, Museen, Rathaus, Dortmund-Agentur am Friedensplatz, DORTMUNDtourismus am Bahnhof, Denkmalbehörde am Burgwall. Außerdem ist sie als Download auf der Internetseite der Denkmalbehörde abrufbar: www.denkmalbehoerde.dortmund.de – unter „Tag des offenen Denkmals 2013“.

Sparkasse macht Tag erst möglich

Ermöglicht wurden die Organisation des Denkmaltags und der Druck der Broschüre unter anderem durch eine großzügige Spende der Sparkasse Dortmund, die diese Kulturveranstaltung seit Jahren finanziell unterstützt. Weitere Unternehmen halfen bei der Finanzierung der Programmbroschüre durch eine dortige Anzeigenschaltung: die Firma Freundlieb Immobilien Management GmbH & Co. KG, die EDG Entsorgung Dortmund GmbH sowie wiederum die Sparkasse Dortmund.

Hinweis: Eventuelle Aktualisierungen zum Veranstaltungsablauf sind auf der Internetseite www.denkmalbehoerde.dortmund.de unter „Tag des offenen Denkmals 2013“ zu lesen.

 

 

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