
Dortmund bekommt einen neuen Kämmerer – und der bringt nicht nur Zahlenverständnis, sondern auch Heimatbezug mit. Der Rat der Stadt hat heute (26. März 2026) auf Vorschlag der SPD-Fraktion Thorsten Bunte zum Beigeordneten gewählt. Der bisherige Stadtkämmerer von Wuppertal übernimmt damit eine der zentralen Schlüsselpositionen im Stadthaus. Sein Vorgänger Jörg Stüdemann scheidet zum 31. März aus dem Amt, übergangsweise springt Norbert Dahmen als Kämmerer ein, der zuvor als Beigeordneter für Recht und Ordnung wiedergewählt wurde.
Zwischen schwierigen Haushalten und besserer Ausgangslage in Dortmund
„Ich bedanke mich herzlich für das große Vertrauen und freue mich auf die neue Aufgabe in meiner Heimatstadt, für die ich mich mit voller Kraft einsetzen werde“, sagt Bunte. Dass er nach Dortmund zurückkehrt, ist für ihn mehr als nur ein Karriereschritt. „Es ist eine besonders schöne Aufgabe und Herausforderung, diesen wichtigen Job in der eigenen Heimatstadt machen zu können.“ Auch privat passt der Wechsel: „Natürlich freut mich das auch aus persönlichen familiären Gründen besonders.“
Einen rosigen Blick auf die kommunalen Finanzen hat Bunte allerdings nicht. „Die Finanzlage ist aktuell in allen Kommunen nicht rosig – und mit Blick auf die nächsten Jahre wirklich schwierig“, sagt er. Seine Erfahrungen aus Wuppertal prägen den Blick: Dort habe die Stadt „viele Jahre Haushaltssicherung und Haushaltssanierung hinter sich“.
Umso wichtiger ist für ihn der Vergleich mit Dortmund. „Zum Glück ist die Ausgangslage in Dortmund doch deutlich besser als aktuell in Wuppertal“, betont er. Genau diesen Vorsprung gelte es zu sichern. Sein Anspruch: „Das wollen wir hoffen, dass wir das in Dortmund verhindern und vermeiden können.“
Kritik am Wechsel: „Die Gelegenheit ergibt sich nur einmal im Leben“

Dass sein Abschied aus Wuppertal nicht überall auf Begeisterung stößt, weiß Bunte. Der Zeitpunkt sei nicht ideal gewesen, räumt er ein: „Sicherlich wäre für Wuppertal ein anderer Zeitpunkt besser gewesen. Das bedauere ich auch.“ Zudem war Bunte nur vergleichsweise kurz in Wuppertal deutlich.
Gleichzeitig macht er klar, warum er sich dennoch entschieden hat: „Die Gelegenheit, ein solches Angebot zu bekommen, ergibt sich einmal im Leben – dann muss man überlegen, ob man zugreift oder nicht.“ Der Zeitpunkt seines Starts in Dortmund wird aktuell noch abgestimmt, grob rechnet Bunte mit „drei Monaten plus minus“.
Mehr als Zahlen: Beteiligungen als spannendes Spielfeld im Stadtkonzern
In Dortmund übernimmt Bunte künftig ein breites Aufgabenpaket: Stadtkämmerei, Stadtkasse, Steueramt und Liegenschaften. Besonders angetan hat es ihm ein Bereich, den viele außerhalb der Verwaltung kaum auf dem Schirm haben: die Beteiligungen.
„Das ist ein Bereich, der mir liegt, der mir Spaß macht und den ich unglaublich spannend finde“, sagt er. Denn hier gehe es nicht nur um Tabellen und Haushaltspläne. „Am Ende geht es auch darum, wie das Zusammenwirken der verschiedenen kommunalen Unternehmen im Stadtkonzern gut funktioniert.“ Genau diese Mischung aus Strategie und Steuerung reizt ihn.

Der Bereich der städtischen Beteiligungen kehrt jetzt erst in den Schoß der Kämmerei zurück. Der damalige Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) hatte nach seiner Wahl diesen Bereich an sich gezogen. Sein Nachfolger Alexander Kalouti (CDU) gibt diesen Bereich nun wieder an die SPD-geführte Kämmerei zurück.
Doch die Sozialdemokrat:innen mussten dafür eine gewaltige Kröte schlucken: Im Gegenzug hatte Kalouti die Kultur an sich gezogen – über Jahrzehnte eine SPD-Domäne und liebstes Kind von Stüdemann.
Erst verstehen, dann entscheiden: Bunte bleibt bei konkreten Plänen vorsichtig
Wer jetzt auf schnelle finanzpolitische Ansagen hofft, wird zunächst vertröstet. Bunte bremst Erwartungen bewusst: „In erster Linie geht es mir darum, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Stadt handlungsfähig bleibt.“
Der Haushalt sei dabei das zentrale Instrument. Für alles Weitere gelte: „Ganz konkrete Aussagen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt ungern treffen – da liegt noch Arbeit vor mir.“ Er habe sich zwar bereits eingearbeitet, wolle aber erst ein vollständiges Bild gewinnen.
Die Fraktionen und Gruppen schauen daher mit Spannung auf diese neue Personalie. Neben vielen guten Wünschen, Blumen und Süßigkeiten gab es auch von den Grünen ein begrüntes Füllhorn für das SPD-Mitglied. Doch ob es noch was zum Ausschütten gibt – und für welche Themen – bleibt abzuwarten. Spätestens bei den schwierigen Haushaltsberatungen für 2027 wird das deutlich werden.
Erfahrung mit Grundstücken und Immobilien soll auch Dortmund helfen

Neben den klassischen Finanzthemen bringt Bunte auch Erfahrung im Bereich Liegenschaften mit. In Wuppertal verantwortet er die Grundstückswirtschaft. „Alles, was an unbebauten Grundstücken da ist, fällt in meinen Bereich“, erklärt er.
Auch die Herausforderungen rund um Immobilien kennt er aus der Praxis. „Ich habe sehr viele Berührungspunkte und kenne die Herausforderungen gut“, sagt er. Entsprechend optimistisch blickt er nach vorn: „Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das hier mit einem guten Team im Hintergrund gut managen können.“
Kurzer Arbeitsweg, viel Vorfreude und ein bisschen Skiurlaub vorab
Neben Zahlen, Haushalten und Strukturfragen freut sich Bunte vor allem auf die Menschen. „Ich freue mich auf die neuen Kolleginnen und Kollegen und darauf, mich noch stärker in der Stadt zu vernetzen“, sagt er. Sein Ziel ist klar formuliert: „Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, Dortmund nach vorne zu bringen.“
Auch ganz praktisch wird sich für ihn einiges verbessern: Der Arbeitsweg schrumpft deutlich. „20 Minuten – mit dem Auto, mit der Bahn oder auch mal mit dem Fahrrad“, sagt der Dortmunder aus Eving.
Wenn er nicht im Rathaus sitzt, setzt er auf Bewegung: Joggen im Grävingholz, Tennis oder Radfahren gehören dazu. Bevor es in Dortmund richtig losgeht, steht aber erst einmal Erholung an: „In der nächsten Woche geht es in den Skiurlaub.“
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