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Stadt Dortmund engagiert sich für besseren Übergang von SchülerInnen mit Hauptschulabschluss in eine Ausbildung

Die Wirtschaftsförderung Dortmund und die technische Hauptschule Husen bauen über ein erfolgreiches Do-it-yourself Projekt schon im Unterricht Kontakt zwischen SchülerInnen und Ausbildungsbetrieben auf. Foto: WF Dortmund

Die Übergangsquote von HauptschülerInnen in eine duale Ausbildung lag in den letzten Jahren unter 20 Prozent. Die jungen Menschen wissen oft noch nicht, in welche Richtung der Arbeitsweg führen soll. Sie konnten bisher wenige berufliche Erfahrungen in der Schule sammeln oder kennen die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten mit einem Hauptschulabschuss noch nicht. An der Hauptschule Husen hat die Wirtschaftsförderung Dortmund einen erfolgreichen Versuch gestartet und einen „Betriebsakquisiteur“ eingesetzt. Der baut gemeinsam mit lokalen Unternehmen und SchülerInnen ein Netzwerk auf, führt Workshops durch und schafft somit erste Kontakte zwischen SchülerInnen.

Durch Modellprojekt konnte die Übergangsquote verdoppelt werden

Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund Foto: Alex Völkel

Die SchülerInnen können dadurch ihre Präferenzen für unterschiedliche Berufe kennenlernen und gleichzeitig mit Unternehmen in Kontakt kommen. „An der Hauptschule Husen konnten wir die Übergangsquote im Abschlussjahr 2018 durch den Einsatz eines Betriebsakquisiteurs auf 40 Prozent steigern. Dieses Erfolgsmodell wollen wir als Bestandteil unserer kommunalen Arbeitsmarktstrategie ausweiten und an weiteren Schulen in Dortmund anbieten“, sagt Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund.

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Langfristiges Ziel der Aktion sei es, die Arbeitslosigkeit im Bereich der unter 25-Jährigen deutlich abzusenken. Im Falle der Hauptschule Husen habe man 150 Unternehmen in einem Umkreis von fünf Kilometern mit ins Boot holen können. Geplant sei, das Modellprojekt auf neun weitere Schulen im Stadtgebiet zu übertragen.

Durch die Maßnahmen sei es gelungen, in diesem Jahr schon tatsächlich eine Verdoppelung der Übergangsquote von der Schule in die Ausbildung erreichen können. Diese läge aktuell bei rund 40 Prozent. „20 Prozent Übergang sind definitiv zu wenig. Eigentlich bietet der Hauptschulabschluss gute berufliche Perspektiven. Es ist durchaus möglich, mit einem Hauptschulabschluss einen Beruf zu finden, bei dem man genug verdient, um seine Familie zu ernähren“, so Westphal weiter.

Auch Hauptschulabschluss kann Basis für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn sein

Die Stadt Dortmund möchte mit dem Projekt die Übergangsquote von HauptschülerInnen in eine duale Ausbildung deutlich steigern. Zudem muss ein Hauptschulabschluss wieder als Basis für eine gelungene Lebensbiographie wahrgenommen werden. Ziel ist die Umsetzung einer lokalen Betriebsakquisition an allgemeinbildenden Schulen und perspektivisch für Berufskollegs.

Eine Berufsausbildung ist der Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben. Foto:

Langfristiges Ziel ist die deutliche Absenkung der Arbeitslosigkeit bei Menschen unter 25 Jahren.

Im Abschlussjahr 2017 lag die Ausbildungsquote von HauptschulabsolventInnen bei 18,5 Prozent. Weitere 29,5 Prozent der HauptschülerInnen wechselten die Schulform, um weitere Bildungsabschlüsse zu erlangen. Grund hierfür ist unter anderem, dass gesellschaftlich der Wunsch nach höheren Schulabschlüssen und dem damit verbundenen vermeintlichen besseren Karriereweg tief verwurzelt ist. 

Vor allem mit einem Hauptschulabschluss fühlen sich junge Leute bei ihrer Suche nach einem geeigneten Ausbildungsberuf benachteiligt, da viele der nachgefragten Ausbildungsberufe einen Realschulabschluss bzw. das Abitur voraussetzen. Hinzu kommt, dass es den Unternehmen zunehmend schwerer fällt, passende Nachwuchskräfte zu akquirieren. 

Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen fehlen oft die notwendigen Ressourcen, um sich intensiv um das Recruiting von Auszubildenden zu kümmern. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Ausbildungsberufe in der öffentlichen Wahrnehmung gegen ein unattraktives Image kämpfen müssen. „An der Schnittstelle Mensch Betrieb setzen wir an. Das Herausarbeiten der Berufswünsche und das Zusammenbringen der jungen Menschen mit den Betrieben ist der Kern unserer Arbeit“, so Westphal.

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Ein Gedanke zu “Stadt Dortmund engagiert sich für besseren Übergang von SchülerInnen mit Hauptschulabschluss in eine Ausbildung

  1. Fraktion Linke und Piraten (Pressemitteilung) Beitrags Autor

    Kritik an Verzögerungstaktik für neues Projekt „Duale Ausbildung“ – Unterstützung für Hauptschüler dauert zu lange

    „Diese Pläne sind sehr gut.“ Petra Tautorat, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE & PIRATEN, ist begeistert von dem geplanten Projekt „Mit Hauptschulabschluss durchstarten in duale Ausbildung“. „Mit diesem Vorhaben der Stadt Dortmund und ihrer Wirtschaftsförderung könnten jährlich rund 2500 Dortmunder Hauptschüler eine wirklich gute Berufschance und damit auch die Basis für eine gelungene Lebensbiografie erhalten“, sagt Petra Tautorat. Bislang beginnt nur jeder fünfte (!) Schüler mit Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10 eine Ausbildung mit gleichzeitigem Besuch der Berufsschule.

    Mit dieser Begeisterung für das neue Projekt stehen die Fraktion DIE LINKE & PIRATEN sowie die SPD ziemlich alleine da. CDU, Grüne und AfD haben die Realisierung dieser Maßnahme nach diversen Debatten bislang abgeblockt und eine Entscheidung in die Zukunft verschoben. Erst sollte das Projekt ein Teil der Haushaltsberatungen Ende des Jahres werden. Dann – nach langer leidenschaftlicher Diskussion – entschloss man sich, die endgültige Entscheidung dem Rat im November zu überlassen.

    Petra Tautorat ist von dieser zeitlichen Verzögerung alles andere als begeistert. Denn die Maßnahme für eine deutliche Intensivierung der dualen Berufsausbildung soll eigentlich schon im Mai 2020 starten. „Damit könnte man noch viele Schulabgänger des Jahres 2020 rechtzeitig erreichen und ihnen hoffentlich eine deutlich bessere Lebens- und Berufsperspektive bieten“, sagt die linke Politikerin. „Mit der Hinhaltetaktik von CDU und Grünen könnten wir allerdings den Startschuss verpassen“, kritisiert Petra Tautorat. Denn die Umsetzung dieser Maßnahme benötige ja eine gewisse Vorlaufzeit.

    Das Problem in den Augen von CDU und Grünen sind offenbar die Kosten für die neun neuen Vollzeitkräfte, die die Kontakte mit den Ausbildungsbetrieben herstellen und die Jugendlichen in den Hauptschulen vor Ort intensiv beraten sollen. Für das neue Personal muss Geld bewilligt werden. Erst danach sollen die Stellen ausgeschrieben und Einstellungsgespräche geführt werden. „Das dauert“, stöhnt Petra Tautorat.

    Ihrer Meinung nach werde hier das „Pferd vom Schwanz her aufgezäumt“. Erst die Finanzen, dann das Fachpersonal, und ganz am Ende die Betroffenen – die Hauptschüler. „Wir müssen doch erst einmal entscheiden, dass wir das Projekt überhaupt wollen. Und dass wir den Hauptschülern unter die Arme greifen wollen.“ Denn es dürfe nicht länger angehen, dass ein Hauptschulabschluss für viel zu viele Jugendliche eine prekäre Lebens- und Arbeitssituation nach sich ziehe. Hartz IV oder Aufstockerjob nicht ausgeschlossen.

    Petra Tautorat: „Damit muss endlich Schluss sei. Schließlich werden an allen Ecken und Enden gut ausgebildete Handwerker händeringend gesucht. Mit dem neuen Projekt werden die suchenden Ausbildungsbetriebe und die Hauptschüler zusammengebracht. Das ist wirklich gut. Ich kann nur hoffen, dass die Wirtschaftsförderung jetzt schon alles vorbereitet, damit es nach dieser völlig unnötigen Verspätung im November sofort losgehen kann.“

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