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Sommerkleid oder Kissenbezug – die Nähstunden im Bürgertreff Derne leitet die Direktrice Annegret Brandhoff

Die Dienstags-Frauen in der Nähstube: v.l. Annegret Brandhoff, Marion Junge, Swantje Boeckhoff, Cornelia Marcinko

Die Dienstagsfrauen in der Nähstube (v.l.:) Annegret Brandhoff, Marion Junge, Swantje Boeckhoff, Cornelia Marcinko

Von Susanne Schulte (Text und Fotos)

Wenn der Lieblingswollrock die Motten gekriegt hat, weiß Annegret Brandhoff Rat. Die Damenschneiderin hat ein Auge für alles: für die Maße der Kursteilnehmerinnen, für die Abnäher an den richtigen Stellen, für den passenden Stoff des jeweils gewünschten Kleidungsstücks. Auch der Wollrock muss nicht in die Tonne. Aus ihm lässt sich zumindest noch ein prächtiger Schal schneidern. Die Frauen, die regelmäßig in den Räumen des Bürgertreffs an der Altenderner Straße ihre Nähmaschinen auspacken, wissen, was sie an Annegret Brandhoff haben. So sprach es sich schnell herum, was für eine Könnerin sie ist und bald ergänzte ein zweiter Nähkurs das Programm im Bürgertreff.

Was im Ortsteil fehlte, wurde mit Hilfe der Stadt und einem Bundesprojekt eingerichtet

Annegret Brandhoff weiß immer, wie es weitergeht. Sie findet den richtigen Schnitt fürs Sommerkleid und den richtigen Platz für den Abnäher.

Annegret Brandhoff weiß immer, wie es weitergeht. Sie findet den richtigen Schnitt fürs Sommerkleid und den richtigen Platz für den Abnäher.

Das freut eine Dernerin ganz besonders: Gertrud Löhken-Mehring, stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Gerne in Derne“, der den Bürgertreff betreibt. Sie ist und war eine der Personen, die von Anfang an produktiv für einen solchen Treff gearbeitet hat.

Als Mitglied im Dortmunder Seniorenbeirat saß sie damals, vor etwa vier Jahren, im Lenkungsausschuss für das Projekt „Altersgerechte Stadt gestalten“. Zeitgleich wurde ein identisches bundesweites Projekt ausgerufen. Dortmund bewarb sich und wurde als einzige Großstadt ausgewählt.

Das hieß: Nun gab es Geld und das Dortmunder Projekt verschmolz mit dem Bundesprojekt. Die vier Quartiere, in denen die altersgerechte Stadt ausprobiert werden sollte, waren Jungferntal, Marten, Tremonia und Derne.

Viele Derner*innen setzten sich aktiv für Freizeitangebote in ihrem Stadtteil ein

Mit dieser Bundeshilfe, so erzählt Gertrud Löhken-Mehring, lud die Stadt zur Bürgerwerkstätten ein. 250 ausgewählte Haushalte in Derne seien angeschrieben worden, dazu Vereine und Parteien, Initiativen und Organisationen.

„60 Gäste kamen zur sehr schönen Auftaktveranstaltung in St. Josef“, so Löhken-Mehring. Die Einlader*innen hätten eine lange Ideenliste mitgebracht, „aber die Derner*innen hatten andere Ideen. Die wollten Sport machen im Park, den Hochzeitswald beleben und Räume, in denen man sich zwanglos treffen kann, weil es sonst hier nichts gibt“.

Das Derner Wäldchen wächst und ein Treffpunkt im Freien ist die Boulebahn

Aus ihrer Erfahrung als Leiterin des Bereichs Soziales beim AWO-Bezirk Westliches Westfalen wusste die Dernerin, „wenn Bundesmittel auslaufen, passiert oft nichts mehr“. Somit machte sie sich gleich daran, einen Verein zu gründen. „Gerne in Derne“ entstand.

„Und dann haben wir richtig angefangen zu ackern.“ Aus dem Hochzeitswald wurde das Derner Wäldchen mit nunmehr 50 Bäumen. Die nächste Pflanzaktion ist für den 7. November geplant. Neben der Skaterbahn im Gneisenaupark kann nun Boule gespielt werden, auch dank des Projekts Nordwärts; die Derner*innen treffen sich zum Laufen und Yoga sommers im Park, winters in der Sporthalle.

Stadt zahlt drei Jahre die Miete für die Räume an der Altenderner Straße

Der Bürgertreff existiert seit Februar 2020. Dass die Miete für drei Jahre von der Stadt bezahlt werde, dafür habe sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau eingesetzt, gibt Löhken-Mehring die Lorbeeren weiter. Auch sie hatte sicher ihren Anteil daran. Nicht umsonst wurde der Verein mit dem städtischen Agenda-Siegel und 3000 Euro ausgezeichnet.

Als erstes nutzten in diesem Jahr die Hobbynäherinnen das ehemalige Ladenlokal, in dem noch einiges an Ausstattung fehlte. Als man die Räume an der Altenderner Straße dann offiziell einweihen wollte, galten die bundesweiten Kontakteinschränkungen.

„Wir haben die Zeit genutzt, den Treff einzurichten.“ Von der Friedenskirche aus Lanstrop gab es Tische und Stühle, die Bezirksvertretung vergab 10 000 Euro aus ihrem Budget für die Küche, der Vermieter spendierte Regale. Die Eröffnung wurde Anfang Oktober nachgeholt.

Weil die Nachfrage so groß ist, öffnet die Nähstube bereits an zwei Tagen in der Woche

Nachdem die Kontaktbeschränkungen im Mai gelockert wurden, ratterten als erstes die Nähmaschinen wieder. Ja, es wurden auch Masken genäht, aber die Fähigkeiten von Schneiderin Annegret Brandhoff wären dann verschenkt gewesen.

Sie hatte während ihrer Anstellung bei Steilmann eine Ausbildung an der Frankfurter Modeschule zur Direktrice gemacht und ist eine Fachfrau in Sachen Stoffe und Schnittmuster. Das scheint auch Mädchen zu gefallen, die vor allem im Mittwochskurs mit ihren Müttern und Großmüttern die Fäden einspannen.

„Manche bessern ihre Sesselbezüge aus, manche schneidern sich die Sommerkollektion, manche machen Spielzeug.“ Annegret Brandhoff weiß,  jede schwierige Naht zu meistern. Ihr Können schätzen auch heimische und auswärtige Sportler*innen. Sie näht Tai-Chi- und Kung-Fu-Anzüge für ganze Vereine.

Wer die Räume nutzen möchte, ruft Gertrud Löhken-Mehring zwecks Absprache an

Damit auch Frauen und Männer, die bislang noch nie genäht haben, es aber lernen wollen, mit wenig Geld an eine Maschine kommen, will der Verein zwei Nähmaschinen kaufen, die dann in den Stunden genutzt werden können. Das Geld dafür ist bereits auf dem Konto.

Die Nähgruppen treffen sich jeweils dienstags und mittwochs um 18 Uhr für anderthalb Stunden. Im Dienstagskurs sind noch zwei, drei Plätze zu belegen. Die Teilnahme an zehn Doppelstunden kostet 30 Euro. Wer mehr wissen will – auch über eine sonstige Nutzung des Bürgertreffs für seinen Verein –, ruft Gertrud Löhken-Mehring an: 892020.

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