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So kann Integration gelingen: Ehemaliger Hoeschianer hilft seinem Nachbarn aus Afghanistan ins Berufsleben

Moshtagh Ahmed Abdullahi und Besucherinnen der AWO-Tagespflegeeinrichtung Westhoffstraße. Über verschiedene Praktika sammelt der junge Afghane wichtige Erfahrungen für die Ausbildung zum Altenpfleger. Foto: AWO Dortmund

Solidarität ist für Dieter Labenz nicht nur ein Wort. Er praktiziert sie. Das langjährige Derner AWO-Mitglied sorgte jetzt dafür, dass zusammenkam, was zusammenpasst: Moshtagh Ahmed Abdullahi begann am 15. März seinen Bundesfreiwilligendienst in der AWO-Tagespflegeeinrichtung an der Westhoffstraße mit dem Ziel, nach einem halben oder einem Jahr als Auszubildender bei der Arbeiterwohlfahrt den Beruf Altenpfleger zu lernen.

Eine Hand wäscht die andere – wenn Nachbarn sich unter die Arme greifen

v.l.: unten Mirko Pelzer, Leitung AWO Bereich Senior*innen, Dieter Labenz, oben Moshtagh Ahmed Abdullahi und Oliver Schröer, Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Derne.

Labenz und Abdullahi sind seit drei Jahren Nachbarn in der ehemaligen Hoesch-Siedlung an der Straße Hafer-Vöhde. „Da klingelte es eines Tages und die ganze Familie stand vor der Wohnungstür“, erzählt der 78-jährige, ehemalige Hoeschianer. „Die Abdullahis stellten sich als neue Nachbarn vor.“ 

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So etwas hatte Labenz schon lange nicht mehr erlebt – und er wohnt seit mehr als 50 Jahren an derselben Adresse. Dieter Labenz und seine mittlerweile verstorbene Frau baten die Familie in die Wohnung, unterhielten sich, so gut wie es damals eben ging, und vertieften die Bekanntschaft immer weiter bis zur Freundschaft.

Der eine half beim Ausfüllen von Formularen fürs Jobcenter und die Anmeldung zur Führerscheinprüfung, der andere leistete medizinische Hilfe, als es nötig war. 

Abdullahi hatte in Afghanistan als Erste-Hilfe-Assistent bei einem Arzt gearbeitet und seine Berufswünsche in Dortmund lauteten Rettungssanitäter, Optiker oder Zahntechniker. Doch das Jobcenter war nicht überzeugt, dass der 28-Jährige die jeweiligen Ausbildungen schaffen würde. Da nahm Labenz die Sache in die Hand.

Über den Bundesfreiwilligendienst und diverse Praktika in die Pflegeausbildung

Beim Sommerfest der AWO-Derne im vergangenen Jahr sprach der Ortsvereinsvorsitzende und Labenz-Freund Oliver Schröer mit Mirko Pelzer, bei der AWO Leiter des Bereichs Altenhilfe, über Moshtagh Ahmed Abdullahi und dessen Zukunft in einem Gesundheitsberuf. Man redete nicht lange herum, vereinbarte zu viert ein Treffen und kam schnell überein: 

Im Eugen-Krautscheid-Haus am Westpark ist eine der Tagespflegen der Awo - hier findet auch die Pflegepause statt.

Das Eugen-Krautscheid-Haus am Westpark. Foto: Alex Völkel/Archiv

Jeweils vier Wochen machte der Familienvater ein Praktikum in der Tagespflege-Einrichtung im Eugen-Krautscheid-Haus (EKH), in der Seniorenwohnstätte Eving und in der ambulanten Pflege. Nach dem Jahr, oder dem halben, als Bundesfreiwilliger, ist sich Mirko Pelzer sicher, dass es mit der Ausbildung gut laufen wird.

Die Gäste der Tagespflege im EKH schätzen Moshtagh Ahmed Abdullahi schon jetzt. Freudig wird er von allen Seiten gegrüßt, als es fürs Foto in den großen Aufenthaltsraum geht. „Wie geht’s?“, und „Ach schön, da sind Sie ja wieder“, rufen ihm die Frauen zu, die er alle mit Namen anredet. Und auch er strahlt in die Runde.

Weil Labenz weiß, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist, trägt er das Aufnahmeformular für die AWO schön länger mit sich herum. Ortsvereinsvorsitzender Oliver Schröer überlegt, Abdullahi das erste Jahr Mitgliedschaft zu spendieren. „Und wenn er dann in der Ausbildung ist und Geld verdient, kann er den Beitrag sicher selber zahlen.“

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