SERIE Arbeit und Ausbildung (3): Chance 2.0 – Über Praktika in den Job – Webunternehmen macht sich stark für Flüchtlinge

Philipp Wilbrink, Mishael Azer und Philipp Deters (v.l.n.r. ). Foto: Michael Schneider/ Jobcenter Dortmund
Philipp Wilbrink, Mishael Azer und Philipp Deters (v.l.n.r. ). Foto: Michael Schneider/ Jobcenter Dortmund

Wenn es um C++ oder Java geht, sprechen Mishael Azer und das Dortmunder IT-Unternehmen amicaldo die gleiche Sprache. Über sogenannte Programmiersprachen können sich die IT-Experten fachlich gut verständigen. Allerdings sind die Deutschkenntnisse von Mishael Azer noch ausbaufähig, aber gut genug, um als Computerfachmann zu arbeiten.

Kooperation des Jobcenters mit dem Weiterbildungsforum

Azer ist vor drei Jahren aus Ägypten geflohen, ledig und 29 Jahre alt. In Alexandria hat er 2008 seinen Studienabschluss als Informatiker gemacht. Für die Anerkennung seines Abschlusses in Deutschland muss er noch einen sprachlichen Qualifikationsnachweis erwerben. Als anerkannter Flüchtling wird er im Jobcenter Dortmund betreut.

Über eine Kooperation des Jobcenters mit dem Weiterbildungsforum und einen guten Kontakt zu der Firma amicaldo, die im Bereich Webentwicklung und -design tätig ist, konnte ihm ein Praktikum angeboten werden.

Philipp Deters, Geschäftsführer und Firmengründer des Unternehmens mit Sitz im Harenberg-Center betont: „Wir konnten aus unserem Büro die massenhafte Ankunft der Flüchtlinge am Hauptbahnhof sehen. Da haben wir uns gefragt, wie wir als Unternehmen helfen können.“

Hohe Motivation gab den Ausschlag für einen Praktikumsplatz

Frank Neukirchen-Füsers ist Geschäftsführer des Jobcenter Dortmund.
Frank Neukirchen-Füsers ist Geschäftsführer des Jobcenter Dortmund.

„Wir haben Mishael Azer eingeladen. Fachlich und persönlich passte alles gut zusammen. Er ist hochmotiviert und so bekam er einen Praktikumsplatz. Weil es für ihn schwierig war eine Wohnung zu finden, halfen wir auch hier“, so Deters.

Inzwischen hat Azer bereits sein zweites Projekt bei amicaldo abgeschlossen. „Seine technischen und sprachlichen Fähigkeiten haben sich schnell verbessert. Auch wenn er ausgezeichnet Englisch spricht, verzichten wir darauf und sprechen nur Deutsch. So lernt er bedeutend schneller“, beton Philipp Wilbrink, ebenfalls Gründer und Inhaber der Firma amicaldo.

„Für den Berufseinstieg von Flüchtlingen ist der Abbau der Sprachbarriere enorm wichtig. Über ein Praktikum können Flüchtlinge Sprachkenntnisse anwenden, sich beruflich orientieren, Ausbildungsplätze oder Festanstellungen finden“, erklärt Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer des Jobcenters Dortmund.

Wer sich als Arbeitgeber engagieren und einen Praktikumsplatz anbieten möchte, kann sich gern mit dem Jobcenter in Verbindung setzen.

Unternehmen möchte Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammenbringen

Weil die jungen Firmengründer am eigenen Leibe erfahren haben, wie schwierig es ist, Flüchtlinge und Arbeitgeber für Praktikumsmöglichkeiten zusammenzubringen, arbeiten sie gerade an einer neuen Plattform, die zunächst regional das Angebot von Unternehmen diesbezüglich bewerben soll.

Azer hat sich hervorragend entwickelt. Sein Verhältnis zu den beiden Geschäftsführern ist fast schon freundschaftlich. Daher gibt es Überlegungen, ihn dauerhaft einzustellen. Auch hier kann das Jobcenter einen wichtigen Beitrag leisten und Eingliederungszuschüsse prozentual zum Arbeitsentgelt gewähren.

Weitere Informationen zur Dauer und Höhe der Fördermöglichkeiten erhalten Arbeitgeber beim Jobcenter Dortmund: Rufnummer 0231/842-2888.

Die früheren Teile der Serie auf nordstadtblogger.de:

ARBEIT und Ausbildung (11): Teach First und Post unterstützen Flüchtlinge – Zukunftswerkstatt zum Thema Berufseinstieg

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