Rückschritte bei Teilhabe und Inklusion: Die AWO protestiert gegen drohende Kürzungen

Unzureichende Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Mehr als zweihundert Menschen folgten dem Aufruf der AWO Dortmund. Foto: Thomas Bielicki

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Dortmund hat am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zu einem Protestmarsch aufgerufen. Rund 200 Teilnehmende zogen etwa eine Stunde lang über den nördlichen Wall, nahmen an einer kurzen Kundgebung am Deutschen Fußballmuseum teil und kehrten anschließend zum Startpunkt an der Leuthardstraße zurück.

Gemeinsamer Protestzug macht auf Barrieren und Ausgrenzung aufmerksam

Der AWO war es dabei besonders wichtig, Menschen einzubeziehen, die täglich von Barrieren und Ausgrenzung betroffen sind. Beschäftigte mit Behinderungen aus den eigenen Werkstätten konnten dank organisierter An- und Abreise sowie Betreuung teilnehmen. Unterstützung kam zudem von verschiedenen sozialen Verbänden, darunter Special Olympics Nordrhein-Westfalen (NRW), sowie von engagierten Dortmunder Bürgerinnen und Bürgern.

„Uns geht es darum, gegen Hürden und Barrieren zu protestieren, die schon seit fast 20 Jahren nicht mehr da sein dürften“, sagte die AWO-Vorsitzende Anja Butschkau. Sie bezog sich dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Das seit 2009 in Deutschland geltende Abkommen verpflichtet zu Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit, wird nach Einschätzung der AWO jedoch noch immer nicht ausreichend umgesetzt.

Sozialverband fordert politische Lösungen statt Kürzungen zulasten benachteiligter Menschen

Neben der AWO-Vorsitzenden Anja Butschkau (MdL) und Geschäftsführer Tim Hammerbacher sprachen auch Beschäftigte der AWO-Werkstätten auf der Kundgebung an der Katharinentreppe. Foto: Thomas Bielicki

Der Protesttag ist seit Jahren fest im Kalender des Sozialverbands verankert. In diesem Jahr richtet sich der Blick jedoch nicht nur auf bestehende Defizite, sondern auch auf mögliche Verschlechterungen. Hintergrund ist ein geleaktes Arbeitspapier von Bund, Ländern und Kommunen, das Einschnitte in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Eingliederungshilfe vorsieht und damit Inklusion und Selbstbestimmung gefährden könnte.

Die AWO positioniert sich klar gegen diese Pläne und fordert politische Lösungen jenseits von Kürzungen. Geschäftsführer Tim Hammerbacher betonte: „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet die Menschen, die eh schon wenig verdienen und wenig haben, von weiteren Kürzungen betroffen werden.“ Ziel müsse es sein, die Rechte von Kindern sowie von Menschen mit Behinderungen und der unterstützenden Einrichtungen langfristig abzusichern.

Aus Sicht der AWO braucht es dafür unter anderem weniger Bürokratie und eine stärkere Einnahmenseite des Staates. Zudem fordert der Verband eine inklusive und nachhaltige Bildungsstrategie sowie ausreichende finanzielle Mittel für Barrierefreiheit, Diskriminierungsschutz und gesellschaftliche Teilhabe.

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