Scharfe Kritik der Politik an FIFA und unkalkulierbaren Kosten

Rat gibt grünes Licht für die Frauen-WM 2027 in Dortmund – aber nur mit Ausstiegsklausel

Dortmund konnte als WM-Austragungsort glänzen.
Dortmund konnte 2006 als WM-Austragungsort glänzen. Archivfoto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Dortmund soll wieder Austragungsort für eine Fußball-Weltmeisterschaft werden – dieses Mal aber für die Frauen-WM im Jahr 2027. Allerdings – und das war die Voraussetzung für die Zustimmung des Rates – nur mit einer Ausstiegsklausel. Denn das Misstrauen gegenüber der Fifa ist (berechtigterweise) groß. Anders als manche Stadt im Rheinland wollte Dortmund die bis dato noch unklaren Rahmenbedingungen nicht schlucken und verweigerte die Teilnahmeerklärung. In den Dortmunder Gremien war vom „Kauf einer Katze im Sack“ und einem „Blankoscheck für die FIFA“ die Rede, was weder Politik noch Verwaltung hinnehmen wollten. Die Stadt Dortmund verhandelte daher – zur Überraschung anderer deutscher Standorte – eine Ausstiegsklausel mit dem DFB heraus.

Berechtigte Skepsis der Politik gegenüber der FIFA

Dortmund hat der FIFA 2006 den roten Teppich ausgerollt. 2024 wird das für die EURO fraglich.
Dortmund hatte der FIFA 2006 nicht nur sprichwörtlich den roten Teppich ausgerollt. Mittlerweile überwiegt die Skepsis am Gebahren der FIFA. Archivfoto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Die Skepsis richtete sich bei den meisten Fraktionen nicht gegen den Frauen-Fußball, sondern gegen die finanziellen Rahmenbedingungen. 

„Mit allen Wortbeiträgen, dass man vielleicht auch Vorsicht walten lassen muss, haben sie auch alle Recht. Daher haben wir es auch in ersten Runde abgelehnt, dass wir zur Verfügung stehen“, macht OB Thomas Westphal vor der Abstimmung im Rat deutlich. 

Wenn man einfach – wie viele andere Städte – unterschrieben hätte, sei man auf jeden Fall dabei gewesen, auch wenn man später (untragbare) Bedingungen vorgesetzt bekommen hätte. Daher hatte die Stadt eine Ausstiegsklausel herausverhandelt.

Mit dieser Ausstiegsklausel gab der Rat nach kurzer Diskussion grünes Licht für die „Teilnahmeerklärung am nationalen Bewerbungsverfahren an den Deutschen Fußball-Bund als Austragungsort für die FIFA-Frauenfußballweltmeisterschaft 2027“. 

Kritik an „sittenwidrigen Vorstellungen der FIFA zu Kosten“

Auch wegen ihrer fragwürdigen Menschenrechtspolitik und der Vergabe der Männer-WM nach Katar ist die FIFA in der Kritik. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

In den Fachausschüssen – unter anderem im Sport- und im Finanzausschuss – war das Thema im Vorfeld sehr ausgiebig diskutiert worden. „Grundsätzlich fänden wir es wunderbar, die Frauen-EM hier begrüßen zu dürfen. Die FIFA hatte aber sittenwidrige Vorstellungen zu Kosten, die sie bei uns abladen wollte“, hatte beispielsweise 3. Bürgermeisterin Ute Mais (CDU) Bedenken angemeldet. 

Auch bei der 2. Bürgermeisterin Barbara Brunsing (Grüne) „läuteten alle Alarmglocken“, als die Vorlage im Zuge der Dringlichkeit quasi als Tischvorlage auf die Tagesordnung des Sportausschusses kam. Daher müsse man das kritisch lesen und wollte erst im Finanzausschuss entscheiden, wie man sich verhalten wollte. 

Ablehnung kam im Sportausschuss von Dirk Horst Thomas (AfD): „Ich bin ein Fan von Frauenfußball. Aber wenn man die Zahlen sieht, sollen viel mehr Menschen das anschauen.“ Doch es werde auch Partien geben, wo sich kaum Fans ins Stadion verirrten. „Bei 4.000 Besuchern bei 60.000 Plätzen, da wird die Stadt auf vielen Kosten sitzen bleiben. Da wären eher kleinere Städte bessere Alternativen, wie Bochum oder Leverkusen“, so der sachkundige Bürger.

Sorge, ob das Dortmunder Stadion nicht zu groß für Frauen-Fußball sei

Wegen der Gefahren durch den Coronavirus soll das Derby im Signal-Iduna-Park als Geisterspiel ohne Zuschauer*innen stattfinden. Foto: Alex Völkel
Ist der Signal-Iduna-Park zu groß für Frauen-WM-Spiele, wenn dort kleine Länder antreten? Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Das Thema Stadionbefüllung sah Manfred Sauer (CDU) als rein spekulativ. Sowohl eine „Füllung als auch leere Ränge“ seien möglich. „Für die Stadt ist das eine sehr große Herausforderung und wir müssen sehen, ob sie das annehmen möchte“, so das Ratsmitglied.

Silvya Ixkes-Henkemeier (SPD) hatte kein Problem damit, dass schon im Fachausschuss zu empfehlen, weil dies ja vorbehaltlich der Entscheidung des Rates passiere. 

Matthias Dudde (Grüne) ärgerte sich über die Komplexität und Kurzfristigkeit und machte auch aus seiner „Abneigung gegen FIFA und IOC, die letztendlich nie fair mit Ländern und Städten umgehen“, keinen Hehl. 

Die Entscheidung im Finanzausschuss zu treffen, damit hatte auch Sportausschuss-Chef Sascha Mader kein Problem: „Hier ist keiner gegen ein Sportereignis, sondern nur gegen die finanzielle Absicherung. Daher ist die Entscheidung im AFBL richtig aufgehoben. 

Hoffen auf Umdenken bei der FIFA durch die Dortmunder Exitstrategie

Nicht nur fair kicken, sondern auch mit fairem Gerät, ist das Gebot.
Nicht nur fair kicken, sondern auch mit fairen finanziellen Rahmenbedingungen, sollte das Gebot sein. Thomas Engel | Nordstadtblogger

Im Finanzausschuss wurden die Spielregeln und Rahmenbedingungen konkretisiert. „Dank der Ausstiegsklausel“ gab es dort eine große Mehrheit für die Teilnahme – bei Ablehnung durch die Fraktion „Linke+“ und bei Enthaltung der Fraktion „Die Partei“. 

Im Rat gab es dann auch grünes Licht dafür – gegen die Stimmen von „Linke+“ und AfD. Torsten Heymann brachte für die SPD die Vorfreude auf das Ereignis zum Ausdruck. 

„Vielleicht gelingt es mit der Ausstiegsklausel auch, dass bei der FIFA ein Umdenken einsetzt. Ich sehe etwas Hoffnung“, sagte Ute Mais. Und Barbara Brinsing ergänzte:  „Wir begrüßen das mit der Ausstiegsklausel. Was für Männer recht ist, sollte für Frauen billig sein. Daher freuen wir uns.“

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