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Phoenix-West: International renommierter Investor schmiedet 75 Millionen Euro schwere Pläne rund um den Hochofen

„Die 4. Welle“ heißt das Projekt, das einen Neubau durch den denkmalgeschützen Hochofen vorsieht.

Von Sascha Fijneman

Neben dem gerade entstehenden Phoenixwerk soll in absehbarer Zeit der nächste Schritt der Umstrukturierung des ehemaligen Hoeschgeländes auf Phoenix West erfolgen. Mit dem niederländischen Stadt-und Projektentwicklungsunternehmen „World of Walas“ hat die Stadt Dortmund einen erfahrenen und mutigen Investor gefunden, der die denkmalgeschützte Hochofenanlage bewahren und das Quartier langfristig und nachhaltig im Einklang mit den Planungen der Stadt gestalten möchte. Ein Projekt, das in derartiger Dimension einzigartig in Europa ist und Dortmund auf das Radar anderer internationaler Projektentwickler bringen können. Die Holländer wollen selbst 75 Millionen Euro auf Phoenix-West investieren und erwarten Folgeinvestitionen in ähnlicher Höhe von ihren Kooperationspartnern.

Hochofenanlage und das alte Schalthaus neben der Phoenixhalle werden reanimiert

OB Ullrich Sierau. Fotos: Alex Völkel

Oberbürgermeister Ullrich Sierau spricht bezüglich des Investors von einem „Glücksfall“ für Dortmund. Und in der Tat überzeugt das Unternehmen bei der Präsentation der bisherigen Planungen. Vor allem da nicht nur rein wirtschaftlich gedacht wird, sondern die Menschen, die hier einmal arbeiten werden im Vordergrund stehen. „First in, last out“ lautet das Credo des Unternehmens und das nehmen die Verantwortlichen wörtlich.

So geht es den Investoren nicht darum, das Quartier möglichst schnell künstlich aufzupolieren und die erworbenen Gebäude schnellstmöglich wieder zu veräußern, sondern sie wollen das Fundament für eine wirtschaftliche Gemeinschaft auf Phoenix West schaffen, um selber Teil davon zu werden.

Konkret drehen sich die Pläne um die Hochofenanlage und das neben der Phoenixhalle platzierte alte Schalthaus. Auf mehr als 55.000 Quadratmetern soll hier aus Altem Neues entstehen, denn es ist eines der Markenzeichen von World of Walas neue Konzepte für alte Gebäude zu entwickeln.

Teamwork für eine nachhaltige kundenorientierte Gemeinschaftsentwicklung 

Der Holländer Gerben van Straaten ist Hauptgeschäftsführer von „World of Walas“.

„Städte kommen irgendwo her und gehen irgendwo hin. Sie kommen aus der Vergangenheit und werden in die Zukunft gehen. Sie sind mehr als die jetzige Form“, erläutert der Gründer und Hauptgeschäftsführer von „World of Walas“, Gerben van Straaten, die Intention des Unternehmens.

Bisher steht nur in groben Zügen fest, was mit den jeweiligen Gebäuden geschehen soll. Auch das ist Teil der Vorgehensweise von World of Walas. Das endgültige Nutzungskonzept muss von Klienten und interessierten Investoren zusammen mit „World of Walas“ und der Stadt Dortmund erarbeitet werden. Denn nur gemeinsam kann ein solches Projekt realisiert werden.

Teamwork und Nachhaltigkeit sind Grundpfeiler der Unternehmensphilosophie. „Wir wissen, dass es möglich und bezahlbar ist, die größten Herausforderungen unserer Welt zu lösen, wenn wir zusammenarbeiten“, so Gerben van Straaten.

Altes Schalthaus soll die unterschiedlichsten Gewerbe in ausgefallenem Konzept beheimaten

Im Schalthaus 101 soll es mit unterschiedlichen Nutzungen losgehen.

Dies ist vor allem wichtig, da das neue Quartier sich nicht abschotten soll, sondern Symbiosen mit der lokal ansässigen Wirtschaft angestrebt werden. So können zielgerecht und nachhaltig Bedürfnisse und Notwendigkeiten von Unternehmen und ihrer MitarbeiterInnen berücksichtigt werden.

Auf diesem Wege entsteht eine optimale Umgebung für Startups vor allem im Technologiebereich. Daraus resultieren wieder andere Notwendigkeiten, die wieder andere Wirtschaftszweige ins Spiel bringen. Gastronomie, Kultur , Kunst und Handwerk, alles ist möglich, alles ist denk- und vor allem auch machbar.

Die Strukturen des alten Schalthauses könnten einem zusammenhängenden Boxenkomplex dienen. Ähnlich der Containeraufbauten in großen Häfen, könnte jede Box mit unterschiedlichen Gewerben besetzt werden. So entstünde ein mannigfaltiges Mosaik unterschiedlichster Geschäftszweige, die sich gegenseitig bereichern könnten. Hier könnte Wissenschaft auf Kunst treffen, Handwerk auf Technologie. Es ist genug Raum um sowohl wirtschaftliche als auch soziale Einrichtungen zu beherbergen. Unterschiedlichste Gewerbenutzungen sind hier möglich und erwünscht.

Exzellenzzentrum für unternehmensbezogene Dienstleistungen und Markterschließung 

Im Schalthaus 101 soll es mit unterschiedlichen Nutzungen losgehen.

Im Falle der Hochofenanlage soll ein neues Gebäude durch den bestehenden Komplex errichtet werden.

„Für uns bewahren authentische Elemente wie der Hochofen die Substanz einer Stadt. Ziel ist hier, durch Mehrfachnutzung eine neue und effektive Dichte und Diversität rund um das Industriedenkmal zu erschaffen“, so Gerben van Straaten. Lediglich einige Rohrleitungen müssen für die geplanten Bauvorhaben wahrscheinlich demontiert werden.

Für Walas ist die Entwicklung nicht rein regional begrenzt. Das Ziel ist es, ein Exzellenzzentrum mit internationalem Vorzeigecharakter für Innovation und Nachhaltigkeit zu schaffen. Dieses soll sich nicht nur darin abbilden, was im Gebäude stattfindet, sondern gerade auch am Bau selbst zeigen. Als auffälliges Element sind blaue Solarpanels geplant, welche sich durch das ganze Ensemble ziehen werden – daher der Name „4th Wave“. 

„World of Walas“ rechnet mit einem eigenen Budget von rund 75 Millionen Euro

„World of Walas“ ist der erste Interessent, der den Hochofen auch baulich nutzen will.

„World of Walas“ ist ein Portofolio von unterschiedlichen Unternehmen. Das Exzellenzzentrum soll Neugründern und Unternehmen dazu dienen, ihre Aktivitäten auszuweiten und neu Geschäftsfelder zu erschließen. Hierfür können sie auf verschiedenste Dienste der World of Walas-Gruppe zugreifen. BlueWorxx Innovation sorgt für Präsenz und Öffentlichkeitsarbeit, während Dudoc Markforschung betreibt.

Und auch hier ist die erwähnte Diversität in den Planungen berücksichtigt worden. Die vorgegebene Architektur bietet sich ideal für Erlebniswelten wie Steampunk-Bars oder ähnliches an. Kulturell ohnehin durch die Phoenixhalle gut frequentiert sind Restaurants, ein Freizeitpark und andere kulturelle Einrichtungen denkbar.

Im geplanten Komplex könnten insgesamt bis zu 500 Menschen eine dauerhafte Beschäftigung finden und es werden voraussichtlich bis zu 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Stadt Dortmund und World of Walas hoffen darauf, impulsgebender Indikator für weitere Investoren nicht nur in Dortmund zu werden.

Zunächst Abstimmung durch den Stadtrat – Baubeginn nicht vor 2020

Wirtschaftsförderer Thomas Westphal

„Phoenix steht in Dortmund wie kein zweites Areal für Strukturwandel. Die Pläne von ,World of Walas‘ inszenieren das Industriedenkmal vollkommen neu. Daher bin ich davon überzeugt, dass es nicht nur für Unternehmen ein absoluter Gewinn sein wird, sich hier anzusiedeln, sondern auch gerade viele Besucherinnen und Besucher sich dieses werden ansehen wollen“, betont der sichtlich begeisterte Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Der Kaufvertrag für das Vorhaben ist allerdings noch nicht unterzeichnet. Das Vorhaben muss nun zunächst den zuständigen politischen Gremien des Stadtrates vorgelegt werden. Die Stadt müsste dafür auf ihr Vorkaufsrecht verzichten, um den Weg frei zu machen für den Investor.

Doch + Sierau zeigt sich optimistisch, dass die Stadt, nicht zuletzt durch den Konsens mit dem Investor, Phoenix West zu einem innovativen und lebenswerten wirtschaftlichen Standort zu entwickeln, Abstand von ihrem Vorkaufsrecht für die Grundstücke nimmt.

Vorhaben als Brückenschlag zu anderen Entwicklungen – unter anderem in die Speicherstraße in der Nordstadt

Gruppenbild der Initiatoren – auf Phoenix-West soll das „ganz große Rad“ gedreht werden.

Thomas Westphal freut sich auf die Verbindung der verschiedenen Wirtschaftsstandorte in Dortmund: „Gerade in Bezug auf die derzeitigen Entwicklungen in der Speicherstraße im Dortmunder Hafen, freue ich mich auf neue Verbindungen und Kooperationen. Ich denke, dass die Unternehmen eher gegenseitiges Interesse, als Konkurrenz entwickeln werden“, so der Geschäftsführer der Dortmunder Wirtschaftsförderung.

Für ihn verbindet „World of Walas“ Nachhaltigkeit und Innovation sowohl auf sozialer als auch auf ökonomischer Ebene ebenso wie auf ökologisch und architektonischer.

Bleibt zu hoffen, dass „World of Walas“ seiner Philosophie treu bleibt und eben nicht nur einen neuen innovativ kommerziellen Wirtschaftsstandort entwickeln möchte, der Profit einbringt und sich verkaufen lässt, sondern sich voll auf das Entstehen einer wirtschaftlich rentablen auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Anlaufstelle für jeden entwickelt der sich selbst, seine Vision oder seine Idee verwirklichen will.

So könnte Phoenix-West rund um den Hochofen nach der erfolgreichen Entwicklung durch die Holländer aussehen.

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2 Gedanken über “Phoenix-West: International renommierter Investor schmiedet 75 Millionen Euro schwere Pläne rund um den Hochofen

  1. Tom

    Ich sehe da vor allem viele weiße alte Männer an einem Tisch sitzen, die für sich in Anspruch nehmen, die Zukunft zu planen. Mit innovativ würde ich das nicht unmittelbar verschlagworten, aber wir werden es sehen.

  2. SPD-Fraktion

    SPD-Ratsfraktion begrüßt die Weiterentwicklung des Phönix-West-Areals

    Die SPD-Ratsfraktion begrüßt die angekündigten Pläne des Entwicklers World of Walas zur Weiterentwicklung des Phönix-West-Areals. Auf dem Gelände soll nun im Bereich der alten Hochöfen ein Innovationszentrum entstehen, bei dem die alten Hochöfen im Kern erhalten und von einem Neubau eingerahmt werden sollen. Zudem sollen in direkter Nachbarschaft ein neu zu bauendes Exzellenzzentrum für Innovation und im alten Schalthaus 101 ein Gründungsdorf entstehen.

    „Mit dem Entwickler World of Walas hat die Stadt Dortmund nach langer Suche endlich einen Investor für die alte Hochofenanlage gefunden. Nun hoffen wir, dass mit der Verwirklichung der Pläne der neu entstandene Technologie- und Innovationsstandort auf Phönix-West weiter gestärkt wird und hierbei Tradition und Moderne miteinander verbunden werden“, freut sich die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion und Vorsitzende im Ausschuss für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, Ulrike Matzanke.

    „Die beabsichtigten Investitionen in Höhe von 75 Millionen Euro und die Hoffnung, dass hier bis zu 4000 neue Arbeitsplätze entstehen können, sind ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung des Phönix-West-Areals und den Wirtschaftsstandort Dortmund“, führt der Sprecher der SPD im Ausschuss für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, Franz Rüther, weiter aus.“

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