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Nordstadt: Die Lydia-Kirchengemeinde macht sich auf den Weg zur ersten internationalen Gemeinde in Westfalen

Evangelische Lydia-Gemeinde, Markus-Kirche. Pfarrerinnen Birgit Worms-Nigmann und Carola Theilig

Die Pfarrerinnen Birgit Worms-Nigmann und Carola Theilig starten das Pilotprojekt „Gemeinsam Kirche sein“.

Von Susanne Schulte

Rund 7800 Mitglieder gehören zur Lydia-Kirchengemeinde in der Nordstadt. Nur ein Bruchteil nimmt am Gemeindeleben teil. Einer der Gründe: Viele der evangelischen Christinnen und Christen sprechen eine andere Sprache, haben ihre familiären Wurzeln nicht in Deutschland. Auch sie feiern ihre Gottesdienste, wie die koreanische Gemeinde in der Markus-Kirche und die tamilische Gemeinde in der Luther-Kirche.

Mit anderen christlichen Gruppen will man „Gemeinsam Kirche sein“

Evangelische Lydia-Gemeinde, Markus-Kirche

In der Markus-Kirche an der Gut-Heil-Straße. Fotos (4): Klaus Hartmann

Jetzt unternimmt die Lydia-Kirchengemeinde den Versuch, sich zu öffnen, ihre Gemeindearbeit zu erweitern und sucht den engeren Kontakt zu diesen, ebenfalls evangelischen Gemeinden.

„Gemeinsam Kirche sein“ heißt das Pilotprojekt der Landeskirche. Sollte die Annäherung gelingen, ist die Lydia-Kirchengemeinde die erste internationale Gemeinde in Westfalen. Über diese Pläne berichteten am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Markus-Kirche die Pastorinnen Carola Theilig und Birgit Worms-Nigmann den Gottesdienst-Besucherinnen.

„Es ist die Vertiefung eines Prozesses, der schon längst begonnen hat“, so Theilig. Mit ihrer Kollegin, Mitgliedern aus dem Presbyterium, den Erzieherinnen aus den Kindertagesstätten und aus dem Kreissynodalvorstand soll der Weg zur Internationalität ein leichter sein.

In Norditalien hat die Annäherung der ChristInnen und der Gottesdienstkulturen geklappt

Ist der Kontakt zu der koreanischen und tamilischen Gemeinde recht einfach herzustellen, weil man die richtigen AnsprechpartnerInnen kennt, müssen einzelne Familie und Einzelpersonen persönlich besucht werden, um zu fragen, welche Wünsche und Erwartung diese an das Gemeindeleben haben.

Dass diese durchaus von denen der traditionell geprägten deutschen ChristInnen abweichen können, hat Carola Theilig bei einem Besuch der Waldenserkirche in Norditalien erlebt. Hier öffnete sich die Gemeinde in den 1990er Jahren für die methodistischen MigrantInnen aus Ghana, man beschloss, gemeinsam Kirche zu sein, ohne Traditionen aufzugeben.

So werden gemeinsame Gottesdienste gefeiert, aber auch kurze, stille italienische Gottesdienste und stundenlange ghanaische, mit Trommeln, Tanz und viel Rhythmus, schreibt Theilig in ihrem Bericht im Nordlicht, dem Gemeindebrief der Lydia-Gemeinde.

Für Pfingsten ist ein internationaler Gottesdienst in der Markus-Kirche vorgesehen

Evangelische Lydia-Gemeinde, Markus-Kirche

Die Markus-Kirche.

Für Pfingsten ist ein internationaler Gottesdienst in der Markus-Kirche mit Beteiligung der Christinnen und Christen aus Korea, der tamilischen Gemeinde und der afrikanischen Gebetsgruppe geplant.

Ziel ist es dann nach drei Jahren – so lange zahlen Landeskirche (75 Prozent) und Kirchenkreis (25 Prozent) die eine Pfarrstelle, die sich Theilig und Worms-Nigmann teilen – mindestens einmal im Monat einen internationalen Gottesdienst zu feiern.

Der soll, da ist man sich einig, in deutscher Sprache zu hören sein.

Organist Tobias Schneider wird einen Kinderchor mit Jungen und Mädchen vieler Länder aufbauen

Das Projekt, das auf fünf Jahre angelegt ist, also zwei Jahre länger als es vorerst gefördert wird, schließt keine Generation aus. Für die Jungen und Mädchen in den Kindertagesstätten ist die unterschiedliche Herkunft der Freundinnen und Freunden Alltag, für die Gemeindegruppen soll es das werden.

Werkstatt-Tage sind genauso geplant wie Treffen aller Gruppenleiterinnen und -leiter. Und weil Internationalität für die Kinder der Nordstadt eine Selbstverständlichkeit ist, soll Tobias Schneider, einer der Organisten der Gemeinde, und Musiklehrer, einen internationalen Kinderchor aufbauen. „Das wird als Projekt laufen, nicht als wöchentliche Probe“, so Theilig zu den Überlegungen.

In der Luther-Kirche fallen an jedem dritten Sonntag im Monat die Gottesdienste weg

In der Lutherkirche

In der Lutherkirche.

Ideele Unterstützung gibt es von der Mission Ökumene und Weltverantwortung, abgekürzt MÖWe. Und diese Unterstützung muss es auch vom gemeinen Gemeindemitglied geben.

„Die Gottesdienst verändern sich und letztendlich heißt das, dass wir uns auch verändern“, so Theilig. Weil sie und Worm-Nigmann jeweils eine halbe Stelle für die reguläre Gemeindearbeit aufgeben, stehen Änderungen für die Gottesdienste an.

So werden die Gottesdienste in der Luther-Kirche für jeden 3. Sonntag und jeden 5. Sonntag im Monat gestrichen. Die GottesdienstbesucherInnen müssen dann in die Paulus- oder Markus-Kirche gehen.

Klappt das Vorhaben, streift die Lydia-Gemeinde ihr Nischendasein in der Nordstadt ab

Feriengrillen im Luther-Kirchgarten. Foto: Wolf-Dieter Blank

Die Lydia-Gemeinde soll erste internationale Kirche in Westfalen werden. Foto: Wolf-Dieter Blank

Die beiden Pastorinnen müssen sich selbst weiterbilden in Sachen Internationale Gottesdienste und kultursensibler Seelsorge. „Wir wissen ja nicht, was ChristInnen anderer Herkunft von uns erwarten“, sagt Theilig.

Das ganze Vorhaben wird, wie bei Pilotprojekten üblich und sinnvoll, wissenschaftlich dokumentiert.

Wenn es erfolgreich läuft, schafft es die Lydia-Kirchengemeinde aus ihrem Nischendasein heraus und kann Antworten auf Fragen geben, die sich Carola Theilig und ihre KollegInnen im Ruhrgebiet immer stellen.

Fragen wie: „Plötzlich sind da 20 Flüchtlinge im Gottesdienst und verstehen kein Wort. Was macht man mit denen?“ In einigen Monaten wird sie es wissen.

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Ein Gedanke zu “Nordstadt: Die Lydia-Kirchengemeinde macht sich auf den Weg zur ersten internationalen Gemeinde in Westfalen

  1. Lydia-Gemeinde

    Sonntag Gemeindeversammlung der Evangelische Lydia-Kirchengemeinde

    Bis zum Jahr 2020 will die Evangelische Lydia-Kirchengemeinde in der Dortmunder Nordstadt international sein. Christinnen und Christen anderer Sprache und Herkunft sollen dann bei ihr eine Heimat gefunden haben. Das ist das Ziel eines Modellprojektes, das die Gemeinde für die Evangelische Landeskirche seit Jahresbeginn durchführt.

    Auf einer Info- und Gemeindeversammlung am kommenden Sonntag (11. September) stellt die Gemeinde ab 11.15 Uhr im Luther-Zentrum (Flurstr. 41) das Projekt der Öffentlichkeit vor. Themen sind u.a.: Was heißt „Internationale Gemeinde“? Wie verändern christliche Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern, aus Sri-Lanka, Korea und mehr demnächst die Gemeinde?

    Bei der Versammlung ist das Eine-Welt-Café (Kaffee, Tee, Schokolode und Snacks) geöffnet.

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