
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Dortmund kritisiert geplante Änderungen im Gesundheitswesen der Bundesregierung scharf. Vor allem höhere Zuzahlungen für Medikamente sowie die Einführung einer Teilkrankschreibung stehen im Fokus der Kritik. NGG-Geschäftsführer Torsten Gebehart warnt vor steigenden Belastungen für Versicherte und Beschäftigte. Die Gewerkschaft fordert stattdessen niedrigere Steuern auf Arzneimittel und ein Überdenken der Reformpläne. Auch an Dortmunder Bundestagsabgeordnete richtet sich ein klarer Appell.
Kritik an steigenden Zuzahlungen und Medikamentenpreisen
Die NGG Dortmund warnt vor finanziellen Mehrbelastungen für Versicherte durch die geplanten Reformen. Besonders die vorgesehenen höheren Zuzahlungen für Medikamente stehen im Zentrum der Kritik. Torsten Gebehart, Geschäftsführer der NGG Dortmund, sagt dazu: „Wer in Dortmund zum Hausarzt geht, für den wird es teurer.“
Weiter kritisiert er das geplante Sparpaket der Bundesregierung deutlich: „Für Medikamente sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro dazuzahlen, mindestens aber 7,50 Euro. Das läppert sich und drückt auf die Haushaltskasse – neben hohen Ausgaben für Sprit, Lebensmittel, Miete & Co.“ Heute liege die Zuzahlung noch bei 5 Euro und sei auf 10 Euro gedeckelt.
Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Dortmund für eine reduzierte Mehrwertsteuer bei Medikamenten aus. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen: 7 statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken in Dortmund an Arzneimitteln über den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt Gebehart. Wenn Medikamente geringer besteuert würden, könnte dies vor allem auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. „Die geplanten Zuzahlungen könnten dann wieder nach unten rutschen“, so der NGG-Geschäftsführer.
Teilkrankschreibung aus Sicht der NGG realitätsfern
Neben den Kostenplänen steht auch die geplante Teilkrankschreibung der Bundesregierung in der Kritik der Gewerkschaft. Diese sei aus Sicht der NGG praxisfern und belastend für Beschäftigte.

Torsten Gebehart sagt dazu deutlich: „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet.“ Homeoffice und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sollen das möglich machen, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. „Das sind aber blanke Schreibtischplanungen“, ärgert sich Gebehart.
Der NGG-Geschäftsführer verweist auf die Praxis: „Nehmen wir einen Bäcker oder eine Köchin in Dortmund. Auch die sollen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig sein können, wenn sie eigentlich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit.“ Er verweist auf die Arbeitsbedingungen in diesen Branchen: „Aber in einer Backstube gebe es genauso wie in einer Restaurantküche‚ zu jeder Minute Zeitdruck und Stress.“ Zudem betont er: „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke.“ Das unterscheide die Arbeit in Bäckereien und der Gastronomie vom „Schreibtisch-Job im Rathaus“.
Warnung vor Druck auf Beschäftigte und politischer Appell
Unterm Strich sei die Gesundheitsreform in Sachen Teilkrankschreibung nichts anderes als eine Verschärfung der Krankschreibung. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen.
„Aber gerade das ist heikel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß. Das kann mit ‚sanftem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knallhart-Ansage passieren“, befürchtet Torsten Gebehart. Beides sei jedoch „wenig hilfreich“, wenn es darum gehe, gesund zu werden.
An die CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten aus Dortmund und der Region gerichtet, appelliert der NGG-Geschäftsführer, „alles daranzusetzen, die Gesundheitsreform in puncto Zuzahlung und Medikamenten-Mehrwertsteuer zu ändern sowie von der Teilkrankschreibung die Finger zu lassen“.

