
Sie sind sehr klein, allgegenwärtig und wahre Überlebenskünstler: Die Parasiten. Hochspezialisiert leben sie von Lebewesen anderer Art, die durch diese ungebetenen Gäste auf vielfältige Weise geplagt werden. Das Naturmuseum widmet diesen Tieren derzeit eine eigene Ausstellung, die einen erstaunlichen Blick in eine ganz besondere Welt ermöglicht.
Parasiten sind allgegenwärtig
Parasiten nutzen den Körper eines anderen Lebewesens als Lebensraum. Es sind beispielsweise Zecken, Mücken, Flöhe oder Würmer, die auch dem Menschen zu schaffen machen können. Es gibt an die 800 verschiedene Arten (darunter allein 300 Wurmarten), die den Menschen befallen können, wobei viele Infektionen gänzlich unbemerkt verlaufen und zu keinen Schäden führen. Man nimmt an, dass 80 Prozent der Menschen, die meisten davon leben in südlichen Ländern, von Parasiten befallen sind.

In unsere Breiten werden manche Infektionen durch Fernreisende eingeschleppt. Aber auch hierzulande kommen Parasiten vor, die gemäßigten Klimaten gut angepasst sind. Bekannt sind vor allem Zecken und Würmer.
Besonders gefährlich sind Fuchsbandwurm-Infektionen. Es beginnt mit der Aufnahme der Bandwurm-Eier, die Pilzen oder Wildbeeren anhaften können. Dann entwickeln sich die Larven, die sich wuchernd im Gewebe der Leber absetzen. Besonders tückisch ist, dass die Infektion oft erst Jahre später, und dann möglicherweise nur zufällig durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, entdeckt wird.
Es gibt also Grund genug dafür, parasitärem Leben mit Respekt zu begegnen. Auch den spontanen Ekel wird man niemandem verdenken. Sieht man aber genau hin, kann man dennoch ins Staunen geraten, allein schon wenn man bedenkt, dass gut die Hälfte aller bekannten Tiere parasitär leben.
Die Bedeutung der Parasiten im Ökosystem
Der Fortbestand des Lebens beruht auf Nahrungsketten, die im Ökosystem bestenfalls in einem austarierten Gleichgewicht bestehen. Dafür spielen auch die Parasiten eine unverzichtbare Rolle, insofern sie Gesundheit, Evolution und das Zusammenleben von Menschen und Tieren beeinflussen. Aufgrund ihrer Lebensweise tragen sie zur Populationskontrolle bei, indem sie nicht überlebensfähige Individuen schwächen oder töten. Sie verbinden dabei Nahrungsketten und dienen selbst anderen Tieren als Nahrung. Die Lebenswelt dieser Mikroorganismen ist demnach ökologisch von großer Bedeutung.

Umso bedenklicher, dass auch der Fortbestand der Parasiten aufgrund des Klimawandels bedroht ist. Man befürchtet, dass noch in diesem Jahrhundert 10 bis 50 Prozent aussterben könnten – mit Folgen, die man erst langsam zu ahnen beginnt. Eine Studie der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wies außerdem erst kürzlich nach, welche fatalen Auswirkungen auf die Nahrungsketten Wurmmittel für Weidetiere haben.
Die Forscher:innen stellten überrascht fest, dass ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert werden, wenn Landwirte ihre Weidetiere mit Antiparasitika behandeln.
Die Ausstellung im Naturmuseum will dazu anregen, sich mit drängenden Fragen zu beschäftigen: Wie beeinflussen Klimawandel und Globalisierung die Verbreitung von Parasiten? Machen Parasiten tatsächlich immer krank? Und wie lassen sich ihre besonderen Fähigkeiten für Medizin und Forschung nutzen?
Eine Ausstellung für Laien und Fachpublikum
Die Ausstellung, 2010 durch die Humboldt Universität Berlin konzipiert und seither in vielen verschiedenen Ländern gezeigt, gewährt in Themeninseln zusammengefasste Einblicke in das Leben der Parasiten und den Stand der wissenschaftlichen Forschung. Dabei werden verschiedene Aspekte besonders betont, wie beispielsweise der Klimawandel und die Medizin, aber auch Grundsätzliches zur Evolutionsgeschichte.

Die Ausstellung zeigt Parasiten als hoch spezialisierte Lebewesen mit erstaunlichen Fähigkeiten und als wichtigen Bestandteil von Ökosystemen. Von Bandwürmern bis zu Bettwanzen geht es um Lebenszyklen, Übertragungswege und Fortpflanzungsstrategien. Original-Präparate und Modelle machen sichtbar, wie Parasiten mit ihren Wirten interagieren und welche Strategien sie im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Die Exponate und Erläuterungen werden übersichtlich und eingängig präsentiert, so dass sowohl Laien wie auch das Fachpublikum angesprochen werden. Hervorzuheben ist auch, dass Workshops und Führungen für Schüler:innen angeboten werden. Diesbezügliche Anfragen können an das Naturmuseum gerichtet werden.
Weitere Infos: Sonderausstellung im Naturmuseum
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

