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Neue Plattform für Geodaten bei der Stadt Dortmund – Geoportal geht mit neuer Software nächste Woche online

Geoportal der Stadt Dortmund, Startseite: die Software ist kostenlos. Fotos: Stadt Dortmund

Geoportal der Stadt Dortmund, Startseite: die Software ist kostenlos. Fotos: Stadt Dortmund

Es ist vollständig kostenfrei – und kann jetzt schon eine Menge: Das Geoportal des Vermessungs- und Katasteramts bietet BürgerInnen raumbezogene Daten zum Dortmunder Stadtgebiet mit neuer Software und vielen Ideen zentralisiert über eine Website. Ob zu freien Parkhäusern in der City, Elektro-Tankstellen, Veranstaltungen, Spielplätzen, Mobilfunkstationen, Schulen oder Apotheken. Mit interaktiven Karten, Luftbildern und jeder Menge Anwendungsmöglichkeiten.

Aufbau einer ressort- und landesübergreifenden Geodateninfrastruktur als Bundesaufgabe

Stadtinformationen mit Übersicht aller Apps

Stadtinformationen mit Übersicht aller Apps

Mit ihrem neuen Geoportal geht die Stadt Dortmund einen deutlichen Schritt in Richtung Digitalisierung und Vernetzung kommunaler Informationen. Mit den zur kommenden Woche über die Website der Stadt abrufbaren Geodaten werden kombinierte Rauminformationen aus relevanten Bereichen des öffentlichen Lebens und staatlicher Infrastruktur zu Verfügung gestellt.

Motiv der Stadtverwaltung war einerseits die dringend gebotene Ablösung veralteter Software wie „domap“. Und so haben sich die Fachleute des Vermessungs- und Katasteramts in Zusammenarbeit mit den KollegInnen des Fachbereichs Systemhaus an die Arbeit gemacht.

Man habe die antiken Vorläufer der Applikation schlicht loswerden müssen, erklärt Wolfgang Tobiasky von der Abteilung Geoinformation im Vermessungs- und Katasteramt nicht ohne Stolz bei der Präsentation der neuen Plattform. Mit der alten Software konnten die neuen Anforderungen nicht bewältigt werden.

Andererseits folgt die Stadt mit der Geodigitalisierung einem Entwicklungstrend. Der zeigt sich in der Bundesinitiative GDI-DE zum Aufbau einer ressortübergreifenden Geodateninfrastruktur in der Bundesrepublik, die auf Länderebene mit der Informationsplattform GEOportal.NRW bereits umgesetzt wird.

Raumdaten und Fachdaten in systematischen Zusammenhang bringen: Geodaten produzieren

Kulturzentrum und Veranstaltungsort

Kulturzentren und Veranstaltungsorte in Dortmund

Geodaten bringen zwei Datensorten miteinander in Verbindung: sogenannte Geobasisdaten, die einen direkten Raumbezug haben und grundsätzlich in Koordinaten darstellbar sind (wie Orte, Straßen oder Flächen), mit Geofachdaten – das sind Daten aus einem bestimmten Fachgebiet wie der Demographie oder Epidemiologie, oder über das Klima, die Bodenbeschaffenheit und so fort.

Dabei heraus kommen Informationen zu Themen wie Umweltschutz, Verkehrslenkung, Verwaltung, Gesundheitsversorgung oder zur Verteilung von Grundeigentum. Noch interessanter wird es, wenn diese Informationen wieder miteinander kombiniert werden – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Allein: Die Daten müssen erhoben worden sein und in digitalisierter Form systematisch miteinander in Verbindung gebracht werden.

Was dabei herauskommen kann, stellt die Stadtverwaltung nun in ihrem neuen Geoportal dar. Zwar steckt die Plattform noch in den Kinderschuhen, aber die Ergebnisse sind bereits erstaunlich.

Basiskarten können mit anderen Formaten nach Bedarf kreativ überblendet werden

Liegenschaftskataster überblendet mit Luftbildern des RVR Nähe Südwall

Liegenschaftskataster überblendet mit Luftbildern des RVR Nähe Südwall.

Auf der Website des Portals sind zunächst unter dem hervorgehoben Themenbereich „Stadtinformationen“ sechs Links zu Themen aufgelistet, die in den letzten Jahren extern zu den am häufigsten abgefragten gehörten: Amt und Behörde, Baustellenmanagement, Parken in der City, Schule, Bibliothek – Mediathek, Bebauungsplanübersicht.

Die Anwendung ist im Prinzip wie alle weiteren aufgebaut, die auf der Startseite nach einem responsiven Stadtplan als Direktzugänge zu verschiedenen Themenbereichen, kommunalen Einrichtungen und Gebäuden folgen. Hier gibt es Fachinformationen zu übergreifenden Themen wie Freizeit, Gesundheit, Soziales, Umwelt oder Verkehr, die über Stichwörter als Links zu den jeweiligen Apps führen.

Die Basiskarten können grundsätzlich überblendet werden. Bei den Basiskarten „Verkehr“, „Öffentliche Verwaltung“ oder „Umwelt und Klima“ z.B. entweder von der Stadtkarte zum Luftbild oder umgekehrt. Etwas komplexer wird es bei den Stadtinformationen, wo jeweils Stadtkarte farbig/grau, Luftbilder RVR, beschriftete Luftbilder, die amtliche Basiskarte (der Stadtplan) für Dortmund und das Liegenschaftsregister in beliebigen Zweierkombinationen miteinander verschnitten werden können.

System auf gängigen Endgeräten nutzbar und seine Kosten für die Stadt überschaubar

Das Geoportal ist konzeptioniert auf der Basis von map.apps – ein Entwicklungstoolkit mit Betriebsumgebung für Geo-Apps von der Münsteraner con terra GmbH. Es kann auf einem Desktop-PC, aber auch Tablets und selbst Smartphones weitgehend verlustfrei benutzt werden, denn die Software passt sich wegen des responsiven Webdesigns an das jeweilige Endgerät an.

Kostenpunkt? – Ulf Meyer-Dietrich, Leiter des Vermessungs-und Katasteramts, und Wolfgang Tobiasky winken ab: Lediglich einen vierstelligen Betrag müsse die Stadt jährlich für die nachhaltige Pflege der Software bereitstellen. Zudem habe sich dadurch der Betreuungsaufwand gegenüber dem alten System reduziert.

Angeschafft wurde das System eigentlich zur internen Nutzung innerhalb der Stadtverwaltung. Dann aber habe man sich auch für die Möglichkeit einer externen Nutzung entschieden. Zumal dies ohne größeren Aufwand möglich sei. Es stünden hier lediglich ein paar Daten weniger zur Verfügung, erläutert der Fachmann für Geoinformation.

Der Stadtplan für Dortmund: Suchfunktion mit (fast zu) schneller Autovervollständigung

Stadtplan für Dortmund, gezoomt.

Stadtplan für Dortmund, gezoomt.

Der Stadtplan, mit Leaflet eingerichtet, einem open source JavaScript-tool für interaktive Pläne, und basierend auf kommunaler Kartographie, orientiert sich in seiner Funktionalität an google maps. Für ihn gibt es vier Ansichtskategorien: farbig, grau, Luftbild, beschriftet und unbeschriftet.

Die Suchfunktion mit Auto-Vervollständigung für Adressen erlaubt ein schnelles Auffinden des gesuchten Ortes, ist aber noch auf die Straßennamen beschränkt. Wer etwa versucht, eine Gebäudebezeichnung einzugeben, z.B. „Rathaus“, landet im Nirwana, jedenfalls nicht beim OB.

Vielfältige Funktionalitäten bei den einzelnen Kartenanwendungen – und es gibt noch viel zu entdecken!

Die verschiedenen Fachinhalte der jeweiligen Kartenanwendungen zu den einzelnen Themenbereichen können einzeln oder kombiniert aufgerufen werden. In jeder Anwendung stehen Werkzeuge zum Drucken von aktuellen Karten oder Kartenausschnitten zur Verfügung, wobei das jeweilige Auflösungsniveau, Druckmaßstab und Ausrichtung individuell gewählt werden können.

Die Auflösung von Luftbildern wird ab einer bestimmten Pixelzahl aus Datenschutzgründen begrenzt. Maßstab wie Koordinaten werden auf den Karten grundsätzlich angezeigt. Einen Street View wie bei Google gibt es nicht.

Zu den Funktionalitäten gehören ebenfalls Tools zum Messen von Entfernungen oder für die Berechnung von Flächen, zum Zeichnen und Teilen der Karteninhalte oder des eigenen Standorts, der auf der Karte angezeigt werden kann. Wer etwas sucht, kann zur Begrenzung des Datentransfervolumens ohne Scrollen direkt eine Lupe bewegen.

Einzelne Themen können gewichtet werden, die Symbolik ist transparent gestaltbar. Nicht ganz irrelevant, wenn verschiedene Gruppen von Informationsbeständen graphisch übereinandergelegt werden sollen.

Für NeueinsteigerInnen: Beim Umgang mit der neuen Software reicht zumeist die gute, alte Intuition!

Geoportal - Theater im Depot

Das Theater im Depot – sonst weit und breit von Kultur keine Spur.

Was eine Karte im Einzelnen anzeigt, bestimmen die BenutzerInnen nach dem gewählten Themenbereich. In der Fußleiste kann dazu der verfügbare Karteninhalt nach den Unterthemen aufgerufen werden. Die Bedienung vom Endgerät aus funktioniert weitgehend intuitiv.

Wer beispielsweise im Themenbereich „Kultur, Freizeit, Sport, Tourismus“ die Kategorie „Kulturzentrum/Veranstaltungsort“ anklickt, landet in einem neuen Tab auf einer interaktiven Karte, in der alle über das Stadtgebiet verteilten Einrichtungen, die dazu passen, angezeigt werden – unterteilt in „Kultureinrichtung“, „Theater und Musik“ sowie „Veranstaltungsort“ mit jeweils verschiedenen Zeichen und Farben.

Wer sich Richtung Dortmunder „Depot“ zoomt, stellt allerdings fest, dass es für die Zuweisung bestimmter Prädikate im Datensatz durchaus noch Luft nach oben gibt. Denn es wird weder eine Kultureinrichtung, noch ein Veranstaltungsort ausgewiesen. Lediglich das „Theater im Depot“ hat es als Ikon bis hierhin geschafft, wo sich beim Anklicken ein Pop-up-Fenster mit Kurzinfos zum Theater öffnet – versehen mit einem Link auf dessen Homepage.

Online die Auslastung von Parkhäusern in der City abfragen oder Baustellen umkurven

Aktuelle Baustelle "Schulte-Rödding": die Anwendung gibt Auskunft über Verkehrsengpässe

Aktuelle Baustelle „Schulte-Rödding“: die Anwendung gibt Auskunft über Verkehrsengpässe.

Andere Anwendungen funktionieren online. Parallel zum bereits bestehenden Parkleitsystem der Stadt können zum Beispiel durch eine mit ihm synchronisierte App die aktuellen Auslastungszahlen der Dortmunder Parkhäuser abgerufen werden.

An potentiell genervte AutofahrerInnen wurde auch mit der Baustellen-App gedacht. Als up to date entpuppt sie sich, wenn auf der Karte in Dortmund-Obereving nach der erst seit dem 26. März bestehenden Teilsperrung der Kreuzung Derner Straße/Feineisenstraße für den ÖPNV und den motorisierten Individualverkehr gesucht wird.

Offenkundiger Nachholbedarf dagegen beim Radfahren: es gibt keine kartographischen Darstellungen der bestehenden Radverkehrsinfrastruktur außer für Radstationen und Radmietstationen. Unklar bleibt hier allerdings, inwieweit solche Daten stadtweit en detail überhaupt existieren bzw. sie schon in das System eingepflegt wurden. –  Mal sehen, was da konkret aus dem Masterplan Mobilität 2030 vor’m Eintreffen ins Zieljahr folgt.

Das Liegenschaftskataster versorgt mit detaillierten Informationen bis runter zu Baugrundstücken mit den amtlichen Grundstücknummern.

Infoabfrage gibt Auskunft über Features und Funktionsweisen der jeweiligen Anwendung

Maske des Geodatenkatalogs

Maske des Geodatenkatalogs

Zu den Funktionalitäten einzelner Anwendungen kann jeweils eine Intro aufgerufen werden, die eine kurze Einführung zu den vorhandenen Features und Nutzungsmöglichkeiten gibt.

Eine Kombination mit demographischen Daten ist gegenwärtig nicht möglich, aber geplant im Zuge des Masterplans „Digitales Dortmund“. Eine derartige Verknüpfung hätte ein gewaltiges Potential zur Aufklärung der verschiedensten Zusammenhänge, etwa, wenn es um Fragen sozialplanerischen Handelns geht.

Auch von einem Schulwegrechner haben die KonstrukteurInnen der Plattform wegen der Komplexität eines solchen Vorhabens bislang Abstand genommen.

Über das Portal des Geo-Datenkatalogs können in 108 Datensätzen, Dienste, Karten und Anwendungen unter anderem nach Datensatztypen, Themen und Schlüsselwörtern durchsucht werden.

Mit dem Schieberegler durch Luftaufnahmen zwischen Vergangenheit und Gegenwart switchen

Der Dortmunder Hafen: heute (l.) im Vergleich zu 1952.

Außergewöhnliche Erkenntnisse, die sonst so richtig staubige Hände aus unzähligen Archivstunden mit sich gebracht hätten, bietet die Anwendung „Historische Luftbilder“. Hier werden Luftbildaufnahmen verschiedener Jahrgänge von 1926 bis 2016 in der jeweils rechten Bildhälfte den Aufnahmen des Dortmunder Stadtgebietes aus dem Jahr 2017 auf der linken Bildseite gegenübergestellt.

„Besonders in unserer industriegeprägten Stadt ermöglicht die App eine schöne Verfolgung der Stadtgeschichte und Stadtentwicklung“, beschreibt Meyer-Dietrich sein persönliches Highlight des neuen Geoportals.

Mithilfe eines Schiebereglers kann das aktuellste Luftbild über dem historischen Vergleichsbild eines ausgewählten Jahrgangs verschoben werden und umgekehrt, so dass in dem durch die Verschiebung dargestellten Rechteck ein vogelperspektivischer Zeitsprung vollzogen wird.

Durch die diachrone Bewegung wird so eine Luftbildaufnahme an einer gewählten Zeitachse quasi in die Zeitrichtung „gespiegelt“, gegen die der Regler verschoben wird und die unter ihr verschwindet. Durch das Hin- und Herschieben der Geraden über einer Lokalität von Interesse wechseln mithin zwei Aufnahmezeitpunkte wie bei binokularer Rivalität durch das Betrachten einer Kippfigur.

Geoportal wie in ein Baukastensystem eingefügt – mit entsprechenden Adaptions- und Transferqualitäten

Wird die Fenstergröße verändert, muss die Anwendung allerdings jedes Mal neu geladen werden. Daher kann es bei der Visualisierung von Luftbildaufnahmen zu etwas längeren Ladezeiten kommen. – Vielleicht finden die TüftlerInnen in der Stadtverwaltung dafür auch noch eine Lösung.

Das Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Dortmund stellt das Geoportal ab der kommenden Woche allen BürgerInnen vollständig kostenfrei zur Verfügung.

Und eine weitere gute Nachricht: Mit map.apps steige die Stadt in eine Art Baukastensystem ein. Dies ermögliche Anpassungen des Designs und eigene Entwicklungen von Tools. Zudem könne es zum zwanglosen Austausch mit Partnerstädten kommen, so Ulf Meyer-Dietrich, und fügt mit einem Lächeln hinzu: das sei dann wohl „gelebte interkommunale Zusammenarbeit“.

Weitere Informationen:

Website der Plattform: geo.dortmund.de

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