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Neubau des Westfälischen Kinderzentrums am Klinikum Mitte: Finanzierung des ersten Bauabschnitts durchs Land gesichert

Ihre Tage als Kinderklinik sind gezählt: die alten Bestandsgebäude an der Beurhausstraße genügen modernen Ansprüchen nicht mehr. Fotos: Thomas Engel

Optimiert aufeinander abgestimmte Arbeitsabläufe in einer modernen Klinik erfordern entsprechend funktional ausgerichtete bauliche Voraussetzungen: die sind in der alten Dortmunder Kinderklinik an der Beurhausstraße nicht mehr gegeben. Neu gebaut werden soll als zweigeschossige Aufstockung auf dem Bestand des Zentralen OP- und Funktionstrakts (ZOPF). Die Finanzierung des ersten Bauabschnitts konnte nun mit Fördergeldern von knapp 12 Millionen Euro aus Düsseldorf gesichert werden. Die Bewilligungsbescheide überreichte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann persönlich.

Bestandsgebäude der Kinderklinik an der Beurhausstraße genügen nicht mehr modernen Ansprüchen

Als nach mehrjähriger Bauzeit im April 2012 im Klinikum Dortmund Mitte der Zentrale OP- und Funktions-Trakt (ZOPF) fertiggestellt wurde, pfiffen es die Spatzen bereits vom Dach des neuen Kammgebäudes: hier oben geht noch was! Jetzt ist es soweit; die frohe Botschaft wurde von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Form zweier symbolischer Bewilligungsbescheide persönlich überreicht.

Kinderklinik Dortmund, Beurhausstraße. Luftbild von 1952. Quelle: Stadt Dortmund

Es war in der architektonischen Konzeption des ZOPFs und dem funktionalen Aufbau seiner Infrastruktur als Option bereits angelegt, was nun mit den Fördergeldern aus Düsseldorf in einem ersten Bauabschnitt in Angriff genommen werden kann: auf das Gebäude aufzubauen.

Denn die nahe gelegene Kinderklinik an der Beurhausstraße ist in die Jahre gekommen.

1930 als Neubau mit gut 200 Betten eröffnet, 1943 bei alliierten Luftangriffen schwer in Mitleidenschaft gezogen und in der Nachkriegszeit wiedererrichtet, genügen die jetzigen Bestandsgebäude des Westfälischen Kinderzentrums keinen gehobenen Ansprüchen mehr; zumindest nicht für das Betreiben einer zeitgemäßen Klinik mit optimiert aufeinander abgestimmten Arbeitsabläufen.

Neue Kinderklinik soll auf dem Dach des Zentralen OP- und Funktions-Trakts entstehen

(v.l.): Rudolf Mintrop, Karl-Josef Laumann, Prof. Dr. Dominik Schneider, Dr. Andreas Leutner, Jan-Christian Parzies-Koschmieder, Ulrike Matzanke sowie Prof. Dr. Michael Schwarz

Der Zustand des auf dem Gelände zwischen Wilhelms- und Humboldtstraße gelegenen Ensembles sei so schlecht, dass die Nutzung als modernes Krankenhaus auf Dauer nicht mehr gewährleistet werden könnte, erklärt Rudolf Mintrop, Vorsitzender der Geschäftsführung des Klinikums.

Minister Laumann bestätigt: eine nach heutigen Erkenntnissen gebaute Klinik sei von den Möglichkeiten der Ablauforganisation her günstiger. Daher bräuchte Dortmund in absehbarer Zeit eine neue Kinderklinik; die Zeitspanne bis dahin dürfe nicht mehr unendlich sein.

Die größte kommunale Kinderklinikeinrichtung in NRW benötigt mithin neue Bestandsgebäude. Und hier kommen wieder besagte Spatzen ins Spiel: dem aktuellen Trend in der Stadt folgend, statt in die Breite, verstärkt in die Höhe zu bauen, soll die neue Klinik für die jüngsten MitbürgerInnen einfach auf das Flachdach des ZOPFs gesetzt werden, so der seit langem gehegte Plan.

Zielgerichtete Förderung des Landes bei Seltenen Krankheiten und für schwerkranke Kinder/Jugendliche

Vorgesehen sind zwei weitere Etagen über die gesamte Länge des an der Trasse der S-Bahnlinie S4 gelegenen, kammförmigen Multifunktionsgebäudes. Mit der Aufstockung verspricht sich die Klinikleitung „kürzere Wege und effektive Behandlungsabläufe“, wie Mintrop erläutert.

Seinerzeit mit Blick auf die Aufstockung errichtet: der Zentrale OP- und Funktionstrakt (ZOPF) auf dem Klinikgelände Dortmund Mitte. Quelle (2): Klinikum Dortmund

Gegenwärtig sind im ZOPF die Geburtshilfe und das Perinatalzentrum untergebracht; mit Realisierung des Vorhabens könne deren optimale Anbindung an die Kinderklinik wie Kinderchirurgie gewährleistet werden, so der Chef des Dortmunder Klinikums.

An die 550 Millionen Euro zahlt das Land jährlich als Pauschale an die Krankenhäuser. Mit dieser Pauschalförderung übernimmt NRW die Investitionskosten für Krankenhäuser, d.h. für deren Bau wie Ausstattung. Die laufenden Betriebskosten werden in diesem, in der Bundesrepublik geltenden dualen System dagegen von den Krankenkassen bzw. selbstzahlenden PatientInnen übernommen.

Neben einer dergestalt gesicherten Grundfinanzierung des Krankenhauswesens besteht in NRW die Möglichkeit von Einzelförderungen, mit denen die Gesundheitsversorgung schwerpunktmäßig verbessert werden soll. Da heißt es: viele schöne Antragsformulare ausfüllen, wo es zum betreffenden Jahresmotto Ideen gibt.

Dortmunder Konzeption überzeugt – Gesamtkosten für neue Klinik belaufen sich auf 60 Millionen Euro

Die zielgerichteten Fördermaßnahmen sollten in diesem Jahr Menschen mit Seltenen Erkrankungen und schwerkranken Kindern und Jugendlichen zugute kommen, werden also vor allem im onkologischen und palliativmedizinischen Bereich eingesetzt. Und, wie es scheint, haben die Pläne aus Dortmund für ein neues Kinderzentrum in Düsseldorf Eindruck hinterlassen.

Das Dortmunder Klinikum habe einen vollends überzeugenden Antrag abgeliefert, attestiert Karl-Josef Laumann bei Übergabe der Förderbescheide. Sowohl in der Palliativmedizin/Onkologie wie bei Seltenen Krankheiten hätten die jeweiligen Konzepte die höchste Punktzahl erreicht. Entsprechend weisen die Bewilligungen 7,5 resp. 4,3 Millionen Euro an Sonderfördergeldern aus.

Mit diesen knapp 12 Millionen Euro ist der erste Bauabschnitt des Aufstockungsvorhabens finanziell gesichert und kann prinzipiell angegangen werden. Doch der Weg ist weit: für die Realisierung des Gesamtprojekts sind insgesamt satte 60 Millionen Euro veranschlagt. Dies beinhaltet neben der Aufstockung des ZOPFs die Errichtung eines weiteren kleineren Gebäudes an seiner Ostseite, wo sich augenblicklich noch das Dudenstift mit Schmerzklinik und Geriatrie befindet.

Erster Bauabschnitt auf dem Dach des ZOPF umfasst vier neue Stationen – Beginn der Arbeiten noch offen

Während diese Abteilungen in einen Neubau, der ab Anfang nächsten Jahres neben dem Haupteingang des Klinikums entstehen soll, verlegt werden, wird das kleine Nebengebäude durch einen Brückengang mit dem ZOPF verbunden und dort unter anderem die Notaufnahme für Kinder eingerichtet.

Der Plan: zweigeschossiger Aufbau beim ZOPF und ein kleineres Nebengebäude auf dem Bauplatz des Dudenstifts.

Der Neubau der Kinderklinik wird alles in allem drei bis vier Bauabschnitte umfassen. Entsprechend der Zahl der Stationen, die im nun finanziell gesicherten ersten Bauabschnitt demnächst untergebracht werden, soll dieser vierteilig werden: Neonatologie, Kinderchirurgie und -onkologie bzw. Palliativmedizin sowie eine Übergangsstation für 13-15-Jährige.

Wann genau mit den Arbeiten begonnen werden kann, ist noch unklar. Klar ist hingegen: wenn es endlich losgeht wird, muss es schnell gehen.

Daher sind es Fertigbauteile, mit denen die Aufbauten erstellt würden, erklärt Rudolf Mintrop: schließlich könne es über anderthalb Jahre dort keine Baustelle geben, weil der Betrieb in den Geschossen darunter selbstverständlich weiterliefe. – Psychologisch sei es aber wichtig, dass die Leute sähen: in absehbarer Zeit würde es zu einer neuen Kinderklinik kommen.

Land NRW plant weitere Investitionsförderungen – Gesundheitsminister Laumann: wichtig ist Transparenz

Nachdem der erste Bauabschnitt des Planvorhabens nun finanziell gesichert ist, dürfte sich die Dortmunder Klinikleitung bereits Gedanken darüber machen, wie die Restkosten für das Gesamtprojekt gedeckt werden könnten – immerhin fehlen hier noch an die 48 Millionen Euro.

Sicherlich nicht die schlechteste Nachricht: auch im nächsten Jahr plane das Land rund 260 Millionen Euro für Einzelfördermaßnahmen auszugeben, so Minister Laumann. Jetzt sei erst einmal ein guter Anfang für eine neue Kinderklinik gemacht. Die strategische Ausrichtung des Landes bei der Krankenhausballung bestimme sich über Fallzahlen und Strukturqualität; auf jeden Fall würden weitere Investitionsförderungen folgen.

Dabei müsse beachtet werden, die Gelder über die Bezirksregierungen so zu verteilen, dass hier alle beteiligt würden, erläutert der Gesundheitsminister und fügt hinzu: Wichtig sei ihm Transparenz – was und nach welchen Kriterien das Land NRW fördere.

Kinderklinik an der Beurhausstraße: der Standort wird Begehrlichkeiten wecken – Nutzung noch unklar

Was mit dem jetzigen Kinderklinikgebäude geschehen solle? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei darüber noch nicht entschieden worden, verkündet Geschäftsführer Mintrop. Ob hier, in dieser zentralen Lage etwa ein Wohngebiet entstünde oder das Gelände vom Klinikum anderweitig betrieblich genutzt würde – all dies sei bislang offen.

Zunächst müssten nach Erstellung der neuen Kinderklinik auch noch die hauseigenen Platzbedarfe geprüft werden. – Wegen des Quasi-Interdikts fortlaufender medizinischer Versorgung vor Ort aus Gründen defizitärer Ermöglichungsbedingungen für eine Optimierung von deren Ablauforganisation wäre hier etwa an die Nutzung durch logistische Einheiten des Klinikums zu denken.

Das offenkundige Problem, allerdings eher luxuriöser Natur: die Attraktivität der Lage mitten im Klinikviertel. Was er sich nicht vorstellen könne, ist Mintrop betont vorsichtig: das Grundstück zu verkaufen. So etwas sei seitens des Klinikums in der Vergangenheit zweimal geschehen – was sich aber als Fehler erwiesen habe.

Kein erweiterter Bedarf an Pflegepersonal – Klinikum Dortmund bildet in Therapieberufen selbst aus

Davon könnte auch die Stadt ein Liedchen singen, siehe beispielsweise die vielzitierten Zwillingstürme im nördlichen Zugangsbereich zur Innenstadt um die Kielstraße: privatisiertes Horrorhaus gegenüber gepflegtem Wohnen in kommunalem Eigentum.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (l.) und Klinik-Chef Rudolf Mintrop

Zustimmung von Minister Laumann, was einen denkbaren Verkauf betrifft, aus einer bodenständigen Perspektive: der westfälische Bauer sagte ja auch immer: „Du darfst kein Land verkaufen.“ Letztlich müsse die Klinikleitung aber natürlich selbst entscheiden.

Ob durch die neue Kinderklinik mit erweiterten Bedarfen an Pflegepersonal gerechnet werden müsse? Der Geschäftsführer verneint: Pflegekräfte würden im Haus selbst ausgebildet – das sei ein relativ konstanter Bestand von etwa 500 Ausbildungsstellen in allen Therapieberufen, entsprechend 10 Prozent der Belegschaft.

Der Minister bestätigt, das sei vorbildlich und auch notwendig. Denn der Anteil von Frauen in Pflegeberufen sei relativ hoch und die Stellenfluktuation bei Frauen eben höher als bei Männern.

Weitere Informationen:

Homepage Westfälische Kinderzentrum am Klinikum Dortmund, hier:

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