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Nach 104 Jahren schließt das älteste Kino in Dortmund – Mietvertrag mit der Schauburg wird nicht verlängert

Die Schauburg ist das älteste Dortmunder Kino. Nach 104 Jahren ist Schluss. Foto: Kino

Während sich die Dortmunder Kinogemeinde Gedanken macht, ob und wie es nach dem Ablauf des Mietvertrags mit dem Cinestar in den nächsten Jahren in Dortmunds größtem Haus weiter geht, gibt es heute einen traurigen Paukenschlag: Die Schauburg, das älteste bestehende Dortmunder Kino, schließt nach 104 Jahren – und das bereits in zwei Wochen!

Eigentümer will den Mietvertrag mit der früheren Besitzerin nicht verlängern

Edith Pioch-Vogt ist seit dem Jahr 2003 Geschäftsführerin der Schauburg. Archivfoto: Alex Völkel

Nicht etwa die Besucherzahlen, wirtschaftliche oder persönliche Gründe waren der Grund, sondern die Nicht-Verlängerung des Mietvertrags. „Ich bedauere diese kurzfristige Entscheidung sehr, da die Schauburg an ihrem jetzigen Platz seit 1912 das älteste Kino in Dortmund ist“, erklärt Edith Pioch-Vogt, Geschäftsführerin der Schauburg.

„Leider wurde der Pachtvertrag mit mir als Betreiberin für die Immobilie trotz intensiver Bemühung über den 31. Dezember 2016 hinaus nicht verlängert.“ Der reguläre Spielbetrieb endet in der Schauburg daher am 26. Dezember 2016. Danach beginnen die Ausräumarbeiten.

Die Betreiberin hatte die Schauburg 2003 übernommen, Seitdem versuchte sie einen Spagat zwischen anspruchsvollerem Programm-Kino und Mainstream-Filmen. 2011 verkaufte sie die Immobilie Brückstraße 66, blieb aber Mieterin des Kinos. Die Verlängerung des Mietvertrag ist nun aber gescheitert.

Das beliebte Kino soll an anderer zentraler Stelle fortgeführt werden

Allerdings bedeutet dies nicht das Ende des Schauburg Kinos, verspricht Pioch-Vogt: „Da ich mich bereits in Verhandlungen bzgl. eines neues Spielortes befinde, wird der Betrieb mit mir als Betreiberin und dem Team an einer anderen, zentralen Stelle in bester Tradition weitergeführt.“

 

Eine historische Reise mit der Schauburg 

Die Geschichte der Schauburg beginnt im Jahr 1912. Als eines der ersten festen Lichtspielhäuser – zuvor gab es vor allem umherziehende Schausteller, die für kleines Geld die bis dato unbekannten bewegten Bilder als Attraktion präsentierten – fanden die Corso-Lichtspiele ihren Platz im Dortmunder Kulturleben.

Luftangriff zerstörte 1944 das Haus fast völlig – Wiedereröffnung 1948

1944 wurde das Haus durch einen Luftangriff  fast völlig zerstört. Foto: Stadtarchiv Dortmund

Schon ein Jahr später wechselten der Betreiber und der Name, das Kino trug ab sofort den Namen „Kammerlichtspiele“, im Jahre 1921 wechselte dieser schließlich auf den heute bekannten Namen „Schauburg“. Viele große Filme wurden zu jener Zeit in diesem Haus gezeigt, bis zum zweiten Weltkrieg war es eine der ersten Adressen in der Stadt Dortmund, wenn es um Filmkunst ging.

Im Jahr 1944 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff fast völlig zerstört, jedoch schnellstmöglich wiederaufgebaut und bereits im Sommer 1945 provisorisch als erstes Kino in Dortmund wieder in Betrieb genommen.

Die offizielle Wiedereröffnung folgte 1948 mit der Premiere des letzten Films der großen Schauspielerin Greta Garbo, „Die Frau mit den zwei Gesichtern“. Im Zuge der Umgestaltung der Innenstadt erfolgte Anfang der 1950er-Jahre die Verbreiterung der angrenzenden Straßen und damit eine erneute Umgestaltung des Hauses.

Mitte der 1970er-Jahre wurde der Name in das Kleinkino „Cinema“ geändert und das Kino neu aufgeteilt. Es entstanden die bis heute bekannten zwei Säle, wobei der kleinere, obere Saal II aus dem früheren Balkon entstand und im unteren Saal I ein zusätzlicher Projektionsraum in der ehemaligen Loge eingerichtet wurde.

Umfangreiche Renovierungen erfolgten in den Jahren 1990 und 2002/2003

In den Jahren 2002 und 2003 mit der Neubestuhlung der beiden Säle. Diese umfassen 159 bzw. 101 Plätze.

Eine weitere Renovierung erfolgte 1990, das heutige Aussehen erhielt die Schauburg in den Jahren 2002 und 2003 mit der Neubestuhlung der beiden Säle. Diese umfassen derzeit 159 bzw. 101 Plätze.

Schließlich konnte zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2012, welches mit einem mehrtägigen Fest an Sonderveranstaltungen gefeiert wurde, der Schritt von der jahrzehntelang üblichen anlogen Projektion mit Filmrollen in das heutige, digitale Zeitalter gewagt werden.

Seitdem werden Filme in der Schauburg in bestmöglicher zeitgemäßer Qualität im Sony-4K-Verfahren präsentiert. Das Programm ist dabei eine bunte Mischung aus Arthouse- und Mainstream-Filmen.

Viele Filmfestivals waren in den Jahrzehnten in der Dortmunder Schauburg zu Gast

Auf 104 Jahre Kinogeschichte kann das Haus zurückblicken. Archivfotos: Alex Völkel

Auch an Filmfestivals wie dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund/Köln, dem Türkischen Filmfestival Ruhr oder dem Filmfestival Homochrom hat sich die Schauburg beteiligt.

Ebenso gibt es neben eigenen Filmreihen wie dem Kino 50+ auch regelmäßige Vorstellungen von jungen Filmemachern und Regisseuren, aber auch Veranstaltungen externer Firmen und Vereine.

Ebenfalls seinen einige der vielen Live-Veranstaltungen mit bekannten Künstlern genannt, welche bei uns zu Gast waren. Aaron Hypnose, Dave Davis, Toto & Harry, Fatih Çevikkollu, Marek Fis & Wolfgang Hohlbein.

Eine große Besucherfrequentierung über die eigentliche Zielgruppe „Kino“ hinaus, erreichte das Haus mit dem „Tatort“-Casting im Februar 2013. An diesem Tag hatte das Kino im Brückstraßen-Viertel einen Durchlauf von über 2000 Gästen.

Ebenfalls fand am 28. Januar 2014 die Premiere des vierten Dortmunder Tatorts „Auf ewig Dein“ bei uns statt. Anwesend waren die Schauspieler, das Produktionsteam und knapp 400 Gäste in drei ausverkauften Vorstellungen.

Das älteste Dortmunder Kino lag bei Befragungen häufig vorn 

In der Februar Ausgabe 2012 des „Prinz Ruhrgebiet“ Magazins, erreichte die „Schauburg“ den zweiten Platz im Test der beliebtesten Kinos von Dortmund und Essen. Bei einer Umfrage der Ruhr Nachrichten für das beliebteste Kino im Jahre 2016 erreichte das Haus sogar den ersten Platz.

Eine 104-jährige Tradition geht nun zu Ende. Das Lichtspiel+Kunsttheater Schauburg schließt am Standort auf der Brückstrasse 66 zum 31. Dezember 2016 seine Pforten.

Der Text „Eine historische Reise mit der Schauburg“ stammt von Stefan Kunzmann & Alexander Terzakis.

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Ein Gedanke zu “Nach 104 Jahren schließt das älteste Kino in Dortmund – Mietvertrag mit der Schauburg wird nicht verlängert

  1. Faddi

    .,,.ich hoffe noch auf einen Wunder!!! Wer weiß, vielleicht klappt es doch noch, weil der liebe Gott seine schützende Hand über dieses „Kulturerbe Kino“
    Ich bete für euch, denn sonst wäre das Herzstück ♥ von Dortmund rausgerissen

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