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Menschen, mit denen vielleicht niemand mehr eine Geschichte verbinden kann – Ökumenischer Gottesdienst für Unbedachte

Gottesdienst für Unbedachte in der Reinoldikirche am 6. Februar 2018. Fotos: Leopold Achilles

Wer waren die Unbedachten? – Niemand weiß es. Es sind Menschen, die unter uns starben, ohne dass jemand in der Gegenwart mit ihnen eine Geschichte verbinden könnte. Da ist kein Gesicht, kein Gespräch, keine Haltung, Freude, Trauer oder Leid. Die Verstorbenen sind gestaltlos, können nicht als Menschen, die an unserer Seite lebten, gewürdigt werden. – Für sie findet deshalb in Dortmund und anderen Städten regelmäßig ein ökumenischer Gottesdienst statt, bei dem unter anderem ihre Namen verlesen werden. Am Dienstag, den 6. August, wird es eine solche Zeremonie in der Grabeskirche Liebfrauen geben.

Von denen, die keine Spuren hinterließen, weil sich niemand an sie erinnert

Haben Verstorbene keine Angehörigen oder Freunde, die Zeugnis ablegen, etwas erzählen könnten, darüber, wie dieser eine Mensch einzig war, die sein Andenken in der Erinnerung bewahren, Spuren des Fortlebens erhalten – dann ist er oder sie nun nicht nur tot.

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Sondern da lebt auch im Gedächtnis nichts mehr über jene Person, die irgendwo unter uns lebte. Für immer ist alles, was sie je besonders ausmachte, in Vergessenheit verschwunden. Niemand kennt dieses Individuum, es bleibt gleichsam gestaltlos, als hätte es nie einen Namen gehabt.

Durch den Tod wird häufig bewusst, wie wertvoll ein Mensch war; jetzt, wo er nicht mehr unter uns ist, aber in unserer Erinnerung fortlebt. Bei einem Unbedachten hingegen kann dieses erinnernde Würdigen nicht geschehen – die verstorbene Person wird schlicht nicht vermisst. Es ist, als sei sie nie dagewesen.

In Stellvertretung einer menschlichen Gesellschaft: Gedenken an Unbedachte

Jedes Jahr sterben so in der Bundesrepublik viele dieser Menschen, die niemand mehr zu Lebzeiten kannte. Gibt es keine Angehörigen oder Freunde, die die Kosten für eine Bestattung tragen, wird die Beerdigung zum reinen Verwaltungsakt, vermittelt über das jeweilige Ordnungsamt.

Die Beisetzung von Urnen oder Särgen erfolgt ohne Zeremonie – weitgehend anonym: da ist kein Name, kein Gebet oder eine Erinnerung, mit der das geschiedene Leben vergegenwärtigt werden könnte.

Allein, eine Gesellschaft, die sich Menschenrechten verpflichtet fühlt, kann nicht zulassen, dass sie angesichts dessen verstummt. Mit regelmäßigen Gedenkfeiern für all jene, die niemand bedenkt, setzt sie ein Zeichen gegen das Vergessen: da war ein Mensch! Auch durch Stellvertretung, bescheidene Anteilnahme und Solidarität mit den ansonsten Unbedachten bewahrt eine Gemeinschaft ihre Humanität. Sie muss das tun.

Feierliche Zeremonie in der Grabeskirche Liebfrauen am Dienstag, den 6. August, um 17 Uhr

Pfarrer Michael Küstermann in der Reinoldikirche

Jährlich finden deshalb auch in Dortmund Gottesdienste für Unbedachte statt. Während der Feierlichkeit werden die Namen der Verstorbenen verlesen und für jede/n Einzelne/n eine Kerze angezündet.

Zu dem ökumenischen Gottesdienst lädt die Stadt Dortmund zusammen mit der Evangelischen und Katholische Kirche ein. Er findet diesmal am Dienstag, den 6. August, ab 17 Uhr in der Grabeskirche Liebfrauen, Amalienstraße 21A, 44137 Dortmund, statt.

Gedacht wird 87 Verstorbenen, die in der Zeit zwischen dem 25. April und dem 17. Juli durch die Stadt Dortmund anonym bestattet wurden.

Für die Stadt wird Bürgermeister Manfred Sauer (CDU) anwesend sein. Die Katholische Stadtkirche vertritt Pfarrer Ansgar Schocke, von evangelischer Seite wird Pfarrer Michael Küstermann an dem Gottesdienst teilnehmen.

 

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Ein Gedanke zu “Menschen, mit denen vielleicht niemand mehr eine Geschichte verbinden kann – Ökumenischer Gottesdienst für Unbedachte

  1. pdp (Pressemitteilung)

    Gottesdienst für Unbedachte am Dienstag, 5. November, in der Grabeskirche Liebfrauen

    Zum ökumenischen Gottesdienst für die „Unbedachten“ Dortmunds laden die Evangelische und die Katholische Kirche gemeinsam mit der Stadt Dortmund wieder am Dienstag, 5. November, ein. Der Gottesdienst beginnt um 17 Uhr in der Grabeskirche Liebfrauen, Amalienstraße 21a. Das Gedenken wird gefeiert in Erinnerung an 91 Verstorbene, die in den vergangenen drei Monaten durch die Stadt Dortmund anonym bestattet wurden. In dem Gottesdienst wird der Verstorbenen namentlich gedacht und für Jede und Jeden wird eine Kerze angezündet.

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