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Meister der feinen Feier: Die Feine Gesellschaft sorgt seit zwei Jahren für Bewegung in der Dortmunder Konzertszene

Der Auftritt von Dan Mangan und Adan Knight im FZW. Foto: Robin Aust/ Veranstalter

Von Florian Kohl

Seit etwas mehr als zwei Jahren bringt ein neuer Name Bewegung in die Dortmunder Konzertszene: Die Feine Gesellschaft. Dahinter stecken Felix Japes und Niklas Blömeke, zwei Mittzwanziger, die aus ihrer Leidenschaft heraus, auf Konzerte zu gehen, zu Veranstaltungsmanagern wurden. Wir sprachen mit ihnen darüber, wie sich ihr zeitintensives Hobby mit ihrem Beruf verbinden lässt, was für sie bei einer Veranstaltung wichtig ist und was sie für die Zukunft planen.

Felix Japes. Foto: Florian Kohl

Mittlerweile hat so ungefähr jeder, der gerne auf Konzerte geht, von ihnen gehört, schließlich haben sie seit ihrer Gründung unzählige Veranstaltungen im FZW, Sissikingkong oder beim Sommer am U organisiert, und auch neue Ideen eingebracht, wie beispielsweise die Party-Bootsfahrt letztes Jahr.

Allerdings machen Felix und Niklas die „Feine Gesellschaft“ quasi nebenher – Felix arbeitet als Booker im FZW, Niklas für verschiedene Clubs in Münster. Und da ihr Hobby ihnen inzwischen sehr viel Zeit raubt, wollen sie in Zukunft zumindest ein bisschen kürzer treten.

Wir wollten wissen, wie das im Detail aussehen wird – Florian Kohl traf sich mit den beiden Machern zum Interview im Dortmunder Kaffeemekka „Neues Schwarz“.

Hallo Jungs, in Dortmund kennt man euch unter dem Namen „Feine Gesellschaft“ als Veranstalter szeniger Parties (zb. die Native Party) und erlesener Konzerte (zb. von Hello Piedpiper, Dan Mangan, The Robocop Kraus, Jonas Alaska), dabei seid ihr beide ja noch nicht einmal 30 und macht die „Feine Gesellschaft“ nur nebenher. Wie zur Hölle macht ihr das?

Niklas: Naja, es gibt Zeiten, in denen wir schon merken, dass uns mehr angeboten wird als wir stemmen können. Oder wir in unseren Jobs so viel zu tun haben, dass wir dann auch mal nur eine Show im Monat machen, oder wie jetzt im Januar keine Shows – es tut schon ganz gut, auch mal das Tempo rauszunehmen. Im Herbst wird’s jetzt wieder stressiger weil wir mehr machen werden als wir eigentlich vorhatten.

Felix: Ich trage meine Termine alle im Google-Kalender ein. Und wenn ich dann die vielen FZW-Termine sehe, habe ich manchmal schon gar keine Lust mehr, darüber hinaus irgendwas zu organisieren. Mal zu Hause sitzen ist nämlich auch schön. Abgesehen davon musst du ja auch ständig Leute zu den Veranstaltungen locken und irgendwann weißt du nicht mehr, wo die herkommen sollen.

Aber man merkt schon, dass die Leute im Winter etwas ausgehfaul sind, oder?

Niklas Blömeke. Foto: Florian Kohl

Felix: Ja, deswegen haben wir dieses Jahr beim 1. Dezember „Keine Konzerte im Dezember!“ stehen.

Niklas: Und darunter steht dann „Konzert mit …“.

Felix: Genau, direkt den Vorsatz wieder gebrochen.

Euer Programm zeichnet sich durch eher kleinere, feine Veranstaltungen aus. Warum macht ihr denn eigentlich keine größeren Shows?

Niklas: Naja, weil wir ja schon Jobs haben und nicht alle Zeit in unser Privatprojekt stecken können.

Felix: Mein Glück ist sozusagen, dass ich im FZW sowieso den ganzen Tag am Computer sitze und nebenher noch für das eigene Projekt arbeiten kann.

Und das ist für deinen Arbeitgeber kein Problem?

Felix: Das FZW profitiert ja auch davon. Die beiden ausverkauften AnnenMayKantereit-Konzerte dort kamen beispielsweise zustande, weil Niklas und ich vorher über viele kleine Konzerte einen guten Kontakt zum Booker der Agentur Landstreicher aufgebaut hatten, bei denen eben auch AnnenMayKantereit unter Vertrag steht.

Wo wir bei denen sind: Wie fühlt es sich für euch an, mittlerweile auch so große Namen an Land ziehen zu können?

Niklas: Man merkt, dass auch die Booker mit der Zeit wachsen und dickere Bands an der Hand haben – und naja, wir wachsen ein wenig mit denen mit, da wir uns ja schon über Jahre kennen. Langsam bildet sich da ein Netzwerk von Leuten, die einander schätzen und wissen, dass sie miteinander arbeiten können. Die Booker und Manager wissen, dass sie für Konzerte bestimmter Bands in Dortmund nur uns fragen müssen und am Ende in der Regel alle zufrieden sein werden.

Felix: Es ist wirklich wichtig, über eine längere Zeit hinweg ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, damit Bands, Agenturen, Tontechniker, die Läden und nicht zuletzt die Leute, die dann zu den Konzerten kommen, einfach wissen, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Niklas: Die guten, bekannten Clubs in Deutschland beispielsweise haben vor allem deswegen so einen guten Ruf, weil sie sich über zehn oder noch mehr Jahre hinweg als vertrauenswürdig und verlässlich erwiesen haben.

Native on Beatboat. Foto: Veranstalter

Ihr habt ja hier in Dortmund in kürzester Zeit eine beachtliche Bekanntheit erlangt und einiges erreicht. Habt ihr, simpel gesprochen, einfach eine Lücke gefunden und gefüllt?

Felix: Es gab vorher natürlich auch schon viele gute Konzerte hier, so ist es ja nicht. Subrosa, Rekorder, FZW, Domicil hatten schon coole Sachen. Aber wir können es halt besser verkaufen, weil wir eine andere, sehr viel direktere Kommunikation pflegen.

Niklas: Dadurch, dass wir uns den Beruf erstmal selbst beigebracht haben, haben wir einen natürlicheren Zugang dazu. Man macht am Anfang zwar sehr viel falsch, stellt sich dumm an. Aber auf diese Weise lernt man besser, weil man weiß, was alles zu einer Veranstaltung dazugehört, wie das alles gemacht wird. Bei unseren Veranstaltungen steht ja beispielsweise immer einer von uns am Eingang und macht die Kasse. Und auch den Ton machen wir bei unseren Veranstaltungen selbst.

Felix: Ich bin quasi der Repräsentant, nehme die Leute in Empfang, während Niklas die Produktion am Tag selbst macht.

Niklas: Uns war von vornherein einfach wichtig, einige Dinge anders zu machen. Denn es macht eben schon einen Unterschied, ob vorne an der Kasse Security steht und irgendjemand, der sich überhaupt nicht für die Veranstaltung interessiert, dir einen Stempel auf die Hand knallt. Oder wie man den Newsletter macht. Wir wollten die Sache einfach ein bisschen cooler aufziehen.

Das kommt wahrscheinlich richtig gut an, wenn zwei Jungspunde die Bühne betreten und sagen ‚Ihr macht das vielleicht schon lange, aber wir wissen trotzdem, wie es besser geht‘.

Niklas: Auch das war eines unserer Prinzipien, nicht die Ellbogen auszufahren und die anderen verdrängen zu wollen, weil es arrogant wäre zu meinen, man könnte alles besser und geiler machen. Wir wollten die Dinge zusammen veranstalten, da verschränken sich dann die Fähigkeiten und Möglichkeiten der jeweiligen Beteiligten.

Felix: So, wie beispielsweise beim Konzert von Black Oak und Hello Piedpiper, das am 7. September hier im Neues Schwarz stattfindet.

Ihr bedient ja gewissermaßen eine in Dortmund überschaubare Szene – da kennt man sich dann mit der Zeit, nehme ich an?

Felix: Ja, das schon. Es gibt schon eine Art Stammpublikum bei uns, das zu fast jeder unserer Veranstaltungen kommt, ganz gleich, wie verschieden die sind.

Niklas: Ich weiß gar nicht, ob man das unbedingt „Szene“ nennen muss, weil dieselben Leute, die bei Hip Hop kommen, auch bei Punkrock-Abenden da sind; vielmehr habe ich dein Eindruck, dass wir eine Gemeinschaft geschaffen haben. Es geht da weniger wirklich um Musik und auch nicht darum, dass die uns so toll finden und deshalb kommen. Man darf nicht so in Nischen und Genres denken, sondern die Leute kommen, weil die Veranstaltungen einen gemeinsamen Nenner haben und ihnen das gefällt.

War es denn schwierig für euch, in die Läden reinzukommen, oder waren die dankbar für euer Engagement? Im Veranstaltungsbusiness wird ja auch gerne mit Ellenbogen gearbeitet.

Die Native Party der Feinen Gesellschaft erfreut such großer Beliebtheit. Foto: Veranstalter

Felix: Hier in Dortmund waren und sind die Leute super dankbar. Wir haben ja im Sissikingkong angefangen, wo wir vorher schon die Native Party hatten und der Besitzer freut sich natürlich, dass wir Konzerte machen und er Bier verkaufen kann – dass im Laden einfach was los ist.

Niklas: Das ist ein Geben und Nehmen. Er muss sich nicht darum kümmern, Gäste in den Laden zu bekommen und wir müssen uns nicht um Getränke, Miete usw. kümmern.

Felix: So läuft das eigentlich immer bei unseren Veranstaltungen. Wir mieten uns nicht ein, sondern arbeiten sozusagen alle zusammen und jeder bringt eben seine Fähigkeiten oder Möglichkeiten ein.

Und im FZW läuft das auch so? Das ist schließlich schon eine andere Größenordnung. Oder hilft es da, dass du, Felix, dort arbeitest?

Felix: Naja, viele unserer Veranstaltungen dort machen wir in Kooperation mit dem Jugendamt, sonst könnten wir uns das auch gar nicht leisten. Denn dort wird ja alles für dich gemacht, auch der Ton, was natürlich ganz andere Produktionskosten mit sich bringt.

Da macht ihr den Ton also nicht selbst?

Niklas: Ich habe schon in einigen Läden den Ton gemacht und würde es mir auch im FZW zutrauen. Aber es macht tatsächlich Sinn, die Dienste der FZW-Tontechniker in Anspruch zu nehmen, weil die den Laden einfach kennen und da mehr rauszuholen. Von den Produktionsbedingungen her gibt es in ganz Deutschland nur noch eine handvoll Läden, die es mit dem FZW aufnehmen können.

Felix: Es ist wichtiger, den Raum zu kennen als die Band. Das sehe ich oft, wenn Bands im FZW ihren eigenen Tontechniker mitbringen, dann klingt das deutlich schlechter als an Abenden, an denen der Ton vom Laden selbst abgemischt wird. Zumindest du nicht eine riesige Bühnenshow hast.

Zwei Jahre lang habt ihr jetzt neben eurem „richtigen“ Beruf her noch permanent Veranstaltungen organisiert – ist nicht irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an dem einem seine Freizeit wichtiger ist als ein aus Leidenschaft geführtes Projekt? Ihr habt ja vorhin schon vom „stillen“ Dezember gesprochen, aber reicht euch das schon?

Die Feine Gesellschaft: Dahinter stecken Niklas Blömeke und Felix Japes. Fotos: Florian Kohl

Felix: Wir waren ja mit dem Grundgedanken gestartet, viel in Off-Locations zu machen. Trotzdem haben wir unser Konzept erst im Sissi ausprobiert und dann war es natürlich sehr bequem, da weiter zu machen. Am Anfang haben wir dort fast alles gemacht. Jetzt wollen wir versuchen weniger zu machen, dafür viel ausgewählter und viel spannender. Quasi von Anfang bis Ende besser.

Ihr habt also das Gefühl, dass eure bisherigen Sachen noch nicht so richtig toll waren?

Felix: Nein, das war super. Aber wir schaffen es einfach auf Dauer nicht mehr, weil wir natürlich auch älter werden und uns um unsere richtigen Leben kümmern müssen.

Niklas: Außerdem sind Veranstaltungen in Off-Locations ja etwas aufwendiger. Wenn das Konzert im Dezember stattfindet, machen wir das wahrscheinlich in einem Wohnzimmer und da muss man eben alles organisieren, weil der Raum ja nicht darauf eingestellt ist. Technik, Backstageraum und und und. Das ist eigentlich ein verschwenderisch großer Aufwand für null Euro.

Und trotzdem wollt ihr das lieber machen, als regelmäßige Parties in bestehenden Läden, wo es weniger Aufwand ist?

Niklas: Der Gesamtaufwand ist eigentlich nicht größer. Nur der Tag bzw. Abend selbst ist anstrengender, weil man sich nicht in ein gemachtes Nest setzt. Wir haben deswegen peut à peut schon einiges an Equipment gekauft, damit man das nicht auch immer noch alles irgendwoher beschaffen muss.

Felix: Komplett autark wird man nie sein, aber wir möchten eben auch Dinge selber machen. Damit wir die Veranstaltungen so machen können, wie wir sie uns vorstellen. Denn das ist es, was sie ausmacht. Außerdem schätzen wir das Miteinander in Dortmund, die gegenseitige Hilfsbereitschaft und die Offenheit und Lust auf Neues.

Mehr Informationen:

 

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