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Künstlerhaus-Ausstellung „I Wanna Be Your Dog“ in der Nordstadt: Der Mensch und das Tier in der aktuellen Kunst

I Wanna Be Your Dog: Positionen zur Mensch-Tier-Beziehung in der aktuellen Kunst im Künstlerhaus Sunderweg. Arbeit von Afrke Golsteijn und Floris Bakker

Eine Arbeit von Afrke Golsteijn und Floris Bakker.

Von Simone Melenk

„I Wanna Be Your Dog“… Der US-Rockband The Stooges ging es Ende der 1960er Jahre in ihrem Song wohl weniger um Vierbeiner, denn um eine Gesellschaft, die sich selbst immer fremder wird.

Elf Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit dem Thema auseinander

I Wanna Be Your Dog: Positionen zur Mensch-Tier-Beziehung in der aktuellen Kunst im Künstlerhaus Sunderweg. Repro eines Bildes von Sebastian Meschenmoser

Repro eines Bildes von Sebastian Meschenmoser.

Im Künstlerhaus am Sunderweg wird der Song zum Titel der ersten Ausstellung einer ganzen Reihe, die den allgemein gültigen Konsens hinterfragen will und immer wieder nach neuen Positionen sucht.

Im aktuellen Fall stellen die Kuratoren Barbara Koch und Marco Wittkowski die Beziehung Mensch-Tier auf den Prüfstand.

Elf Künstlerinnen und Künstler fanden das Thema so spannend, dass sie aus ganz Deutschland nach Dortmund kommen und ab heute ihre Kunst am Hafen zeigen: Die Malerin Karin Brosa aus Stuttgart, Yvonne Diefenbach aus Köln, Afke Golsteijn und Floris Bakker, besser bekannt als „Idiots“ leben und arbeiten in Amsterdam.

Martin G. Schmid und Sebastian Meschenmoser sind in der Berliner Szene unterwegs, Hartmut Kiewert in Leipzig, Anne-Louise Hoffmann in Mainz. Dóra Zambó ist Ungarin, Arno Schidlowski kommt von der Elbe, nicht so weit haben es Dietmar Hippler (Bottrop) und Lokalmatadorin Etta Gerdes.

Große Kontraste und Bandbreite der Herangehensweise

Der Mensch und das Tier in der aktuellen Kunst – so unterschiedlich die Künstler/innen, so unterschiedlich ihre Kunst, so groß die Kontraste.

Anne-Louise Hoffmann und Freunde zum Beispiel nehmen die Zuschauer am Eröffnungsabend (Freitag, 16.1, 21 Uhr) in ihrer Performance mit auf einen imaginären Reitplatz und liefern einen Dressurtanz ab.

Hoffmann treibt dabei auch die Frage um, welche Bedeutung Sprache hat, wenn der Mensch das Tier kommandiert.

Menschliche Dominanz über die Kreatur – trotz Angst vorm Tier

I Wanna Be Your Dog: Positionen zur Mensch-Tier-Beziehung in der aktuellen Kunst im Künstlerhaus Sunderweg. Hartmut Kiewert mit Werk

Hartmut Kiewert mit Werk.

Überhaupt kann der Mensch offenbar nur schwer seine dominante Position verlassen, fast immer herrscht er über die Kreatur, nutzt sie aus, quält sie, schlachtet sie. Am Ende verspeist er sie. Der Mensch hat zwar Angst vorm Tier und ist dabei aber sein größter Feind.

Vom Krieg zwischen Mensch und Tier erzählen auch die großformatigen Bilder von Sebastian Meschenmoser, in denen die Kreaturen plötzlich aufbegehren, sich wehren. Kitsch-Szenen, die an die Häschenschule erinnern, entpuppen sich bei genauerer Betrachtung dann doch als böser Traum und handeln vom Tod und Überleben.

Spannbreite: Zwischen monströser Gewalt und märchenhaften Bildwelten

I Wanna Be Your Dog: Positionen zur Mensch-Tier-Beziehung in der aktuellen Kunst im Künstlerhaus Sunderweg. Arno Schidlowski mit Fotgrafien

Arno Schidlowski mit Fotgrafien

Keine Chance hingegen haben die Tiere bei Hartmut Kiewert. Ein Schweinetransporter, mit dicken Pinselstrichen auf Abdeckplane gemalt, eine riesige Fleischlandschaft, schockt mit Wahrheiten, die der Mensch nicht wissen will, wenn er sein Schnitzel schneidet.

Viele Tiere im Transporter sind halbtot, der ganze Wagen ist voller Blut. Kiewert zeigt in monströsem Ausmaß: Gewalt beherrscht die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Dagegen surreal, geheimnisvoll und märchenhaft wirken die zum Teil zarten kleinen Bildwelten von Yvonne Diefenbach, die im Bereich der experimentellen Fotografie arbeitet und Fantasie-Tiere erfindet.

Geheimnisvolle Stille und Intimität bei Wild- und Nutztieren

Tatsächlich noch analog fotografiert Arno Schidlowski, der Tieren so unglaublich nahe zu kommen scheint, dass der Betrachter sie berühren möchte. Seine Fotos von Wild- und Nutztieren, mitunter nachts entstanden, ziehen mit einer geheimnisvollen Stille und Intimität in den Bann. Schidlowskis Texturen von Tieren und Landschaften sind derart ästhetisch, dass hier Schaf oder Schwein die Würde erfahren, die der Mensch im Umgang mit dem Tier so oft vermissen lässt.

Mehr zur Ausstellung:

  • „I Wanna Be Your Dog“, Positionen zur Mensch-Tier-Beziehung in der aktuellen Kunst.
  • Die Ausstellung ist bis 22. Februar im Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1 zu sehen.
  • Öffnungszeiten: Do-So 16 bis 19 Uhr.
  • Ausstellungseröffnung: Freitag, 16. Januar, 20 Uhr.
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